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Lernen
in der Grundschule -
vorfachlicher Unterricht im Spiegel ausgewählter Zitate

Von Vorerfahrungen und
Vorkenntnissen ausgehen
 Wie
lernen Kinder im Grundschulalter?
Um
unterrichten zu lernen, muß man zunächst und vor allem erst
einmal Kinder verstehen lernen: Wie fühlen, denken, leben und
lernen Kinder? Was bringen Kinder an außer- und vorschulischen
Erfahrungen und Können mit? Woran kann und muß vorfachlicher
Unterricht anknüpfen?
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Wie
sehen Kinder ihre Welt?
"Sie
teilen sie nicht in kleine, luftdicht verpackte Kategorien auf, wie
wir Erwachsene es gerne tun. Für sie ist es natürlich von
einer Sache zu einer anderen sprunghaft überzugehen, sie miteinander
auf eine Art zu verbinden, die man im formalen Unterricht oder in Schulbüchern
kaum je finden wird. Sie bahnen sich ihre eigenen Pfade ins Unbekannte,
Pfade, die wir für sie kaum ausdächten." (John Holt, Wie
Kinder denken, Weinheim und Basel 1979, S. 157.)
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Wie
denken Kinder?
"Kinder
sind neugierig. Sie wollen Vernunft in die Dinge hineinbringen, herausfinden,
wie sie funktionieren; überhaupt wollen sie ihre Fähigkeiten
entwickeln und über sich selbst und ihre Umgebung eine gewisse
Kontrolle ausüben und sie wollen tun, was sie andere Leute tun
sehen. Sie sind offen, empfänglich und aufmerksam. Sie schließen
sich nicht von der für sie fremden, verworrenen und komplizierten
Welt ab. Sie beobachten sie mit unverwandtem und scharfem Blick und
lassen alles auf sich einwirken. Sie experimentieren gerne. Sie beobachten
nicht nur die Welt um sich herum, sondern sie prüfen, wie sie
schmeckt und wie schwer sie ist; sie befühlen sie, biegen sie
und brechen sie. Um herauszufinden, wie es sich mit der Wirklichkeit
verhält, arbeiten sie an ihr. Sie sind mutig. Sie scheuen sich
nicht, Fehler zu machen. Und sie sind geduldig. Sie können ein
außerordentlich großes Maß an Ungewißheit,
Unordnung, Unwissenheit und Unschlüssigkeit aushalten. Sie müssen
nicht in jeder Situation sofort deren Bedeutung erkennen. Sie sind
bereit und fähig zu warten, bis ihnen die Bedeutung zukommt -
auch wenn sie sehr langsam kommt, wie es gewöhnlich der Fall ist.
Die Schule ist kein Ort, wo man dieser Art des Denkens und Lernens
viel Zeit und Gelegenheit gibt oder sie gar belohnte. Können wir
sie zu einem solchen Ort machen? Ich glaube, wir können und wir
müssen es." (John Holt, Wie Kinder denken, Weinheim und Basel
1979, S. 173.)
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Eigenaktivität
"Kinder
lernen aktiv, probehandelnd, sie übernehmen nicht passiv fertiges
Wissen wie ein Speicher, in dem Lernergebnisse additiv abgelegt werden.
Neue Erfahrungen werden durch bereits vorhandene Deutungsmuster gefiltert
und müssen in diesem Rahmen re-konstruiert werden, um eben dieses
Wissen verändern und erweitern zu können" (Brügelmann,
Die Schrift entdecken, Konstanz 1986 2. erw. A., S. 22.)
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Schülerorientierung
"Wenn
Ziele und Wege den Schülern nicht bekannt sind, dann werden sie
halt gegängelt, Schrittchen für Schrittchen. Transparenz
des Unterrichts ermöglicht es dem Lehrer, sich zurückzunehmen.
Transparenz heißt: der Unterricht, ob Klassen- oder Gruppenunterricht,
hat ein Ziel und eine Struktur, und beides ist den Schülern durchsichtig.
Nicht gesagt ist damit schon, wer die Ziele setzt und die Struktur
festlegt." (Hannappel, Hans: Lehren lernen. Bochum 1992 (3), S. 259.)
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Von
Vorerfahrungen und Vorkenntnissen ausgehen
"Jedes
Kind kennt bereits Dinge, weiß um Zusammenhänge, hat Erfahrungen
gemacht mit Naturerscheinungen und mit sozialen Beziehungen. Es hat
bereits damit begonnen, die Welt geistig zu verarbeiten, es hat also
von sich aus versucht, Begriffe zu bilden, Ereignisse zu verknüpfen
und hinter die Dinge zu schauen. Die Schule sollte dem
Kind mit dem Sachunterricht helfen, diese Prozesse fortzusetzen und
qualitativ zu verbessern, das heißt, handelndes Lernen zu ermöglichen,
die Sinne zu üben und das Denken zu schulen." (Kurt Meiers, Sachunterricht,
Zug 1994, 2. A., S. 13.)
"Der
Sachunterricht in den ersten Schuljahren läßt sich nicht
von fachwissenschaftlich orientierten Konzeptionen und fachdidaktischen
Fragestelllungen her entwickeln; er muß vielmehr die vom Kind
bereits begonnenen Lernprozesse aufgreifen und fortsetzen." (Kurt Meiers,
Sachunterricht, Zug 1994, 2. A., S. 13.)
"Es
hört doch nur jeder, was er versteht." (Johann Wolfgang Goethe)
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Grundschule
als als kindgerechter Lern- und Lebensraum
"Die
Grundschule ist für die Zukunft der Heranwachsenden von höchster
Bedeutung: Kinder werden hier nicht nur eingeführt in aktives
Teilhabenkönnen an den großen Kulturleistungen der Menschen:
Lesen, Schreiben, Rechnen - das allein schon ist immense Aufgabe -
nein, hier werden ihre Grundeinstellungen zu sich selbst und zur Welt
und ihre Handlungsfähigkeiten so oder so geprägt." (Hermann
Schwarz, Lebens- und Lernort Grundschule, Frankfurt/M. 1994, S. 9.)
"Jeglicher
Grundschulunterricht, auch das mit nur zwei Wochenstunden erteilte "Fach",
kann sich in das Leben und Lernen der Kinder einbinden durch Anknüpfung
an deren Erfahrungen und Vorschläge, die in gemeinsame Aktivitäten
und in Phasen selbständigen Arbeitens eingebracht werden..." (Hermann
Schwarz, Lebens- und Lernort Grundschule, Frankfurt/M. 1994, S. 86.)
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Lehren
und Lernen in der Grundschule
"Lehren
kann schlecht etwas anderes bedeuten als: lernen machen; genauer: absichtsvoll
wünschenswerte Lernprozesse einleiten, fördern oder korrigieren,
um Eisichten, Erlebnisse, Verhaltensmuster schneller, lückenloser
und sicherer, mithin ökonomischer realisierbar zu machen, als
ungeleitetes Lernen in Natur und Gesellschaft allein dies gestatten
würde." (Wolfgang Schulz: Didaktische Einblicke. Weinheim und
Basel 1995, S. 94.)
"Quantität
schlägt in Lernprozessen von einem bestimmten Punkt an in Qualitätsminderung
um. Konzentrieren wir die Inhalte, soweit es an uns liegt, auf die,
die mehr als andere- zu reflektiertem Handeln führen..." (Wolfgang
Schulz: Didaktische Einblicke. Weinheim und Basel 1995. S. 87.)
"Wir
Lehrer - wahrscheinlich alle Menschen - werden von einer erstaunlichen
Täuschung genarrt. Wir glauben, wir könnten ein Bild, eine
Struktur oder ein funktionsfähiges Modell einer Sache, die wir
in unserem Geiste aufgrund langer Erfahrung und Vertrautheit zusammengesetzt
haben, in den Geist einer anderen Person übertragen, indem wir
es in ein langes Band aneinandergereihter Worte verwandeln. (...) In
den meisten Fällen erhöhen Erklärungen das Verständnis
nicht und vermögen es eher herabzusetzen." (John Holt, Wie Kinder
denken, Weinheim und Basel 1979, S. 167.)
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Lernbereiche
"Eine
in starkem Maße additive Struktur des Unterrichts wird den Zusammenhängen
der Lerninhalte nicht gerecht, entspricht nicht den Lernmöglichkeiten
der Kinder und ist dadurch wirkungsarm. Ein beziehungsloses Nach- und
Nebeneinander vieler einzelner - oft kurzfristiger - Lerntätigkeiten
behindert das Verinnerlichen der Lerninhalte. Anstatt durch Addition
von Lerninhalten und Lernaktivitäten schulische Wirkungsarmut
zu fördern, anstatt "bruchstückhaft" zu unterrichten, muß die
Grundschule die Verbundenheit schulischen Lernens als Bedingung nachhaltiger
Schulwirkung sicherstellen." (Hermann Schwarz, Lebens- und Lernort
Grundschule, Frankfurt/M. 1994, S. 18.)
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Kindorientierung
= Trivialisierung der Inhalte?
"Auf
die Lebenswelt der Schüler eingehen kann für den Sachunterricht
nicht heißen, nur nach subjektiv bedeutsamen Ereignissen zu fragen,
um dann im Unterricht darüber zu "reden". Der Erfahrungsbezug
wäre grob mißverstanden, wenn er als Austausch von mehr
oder weniger belangvollen Erlebnissen ausgelegt würde, über
die man sich in freien Assoziationsketten unterhält." (Popp, in
Duncker/Popp, Kind und Sache, S. 22.)
VU
berücksichtigt Inhalte aus dem Alltagsleben der Kinder. "Dabei
entsteht durchaus die Gefahr, die mitgebrachten Alltagserfahrungen
der Kinder lediglich aufzugreifen und zur Sprache zu bringen, ohne
sie im Sinne neuer Perspektiven und Herausforderungen zu differenzieren,
weiterzuführen oder neu zu strukturieren. Das Prinzip "kindgemäßen" Unterrichts
wird häufig mißverstanden als bloße Artikulation und
Bestätigung dessen, was Kinder an Vorwissen, an Erlebtem und an
Erkenntnissen immer schon erworben haben und mitbringen." (Popp, in
Duncker/Popp, Kind und Sache, S. 25.)
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Fördern
und Fordern
Häufig
werden Kinder geschont, unterhalb ihres Niveaus durch wohlfeiles Lob
leichtfertig bestätigt, sind mit wenig schnell zufrieden. Als
Folge stellen sie ihrerseits keinen Anspruch an sich. Wenn wir ihnen
den Anspruch auf Können vorenthalten, unterschätzen wir die
Kinder, verwöhnen sie in einem entwertenden Sinn. "Lernen bedeutet,
etwas zu tun, was man noch nicht vollständig kann. Das erfordert
Mut. Mut erwächst aus der Erfahrung des Könnens: Dessen,
was schon gekonnt ist und dessen, was es zu können gilt." (Grundschulzeitschrift
89/95, Balhorn S. 43.)
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Sach-
und Kindorientierung
"Die
Gründlichkeit einer Begegnung mit den Inhalten hängt in hohem
Maße ab von einer Gesprächsleitung, die die Vorstellungsbildung
und das abwägende Nachdenken der Kinder anregt. In von der Pädagogin
moderierten Klassengesprächen offen und nachdenklich werdend sich
austauschen und in die Gehalte bedeutsamer Lerngegenstände einzutauchen
hat zentrale Bedeutung für Bildung und Erziehung." (Faust-Siehl
u. a. (Hg.): Die Zukunft beginnt in der Grundschule. Empfehlungen zur
Neugestaltung der Primarstufe. Frankfurt/M. 1996. S. 39.)
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Lehrer/innen
sind oft der Meinung, sie verfügten bereits ohne zusätzliche
Bemühungen über das für die Grundschule zu vermittelnde
Wissen, da dies einfach und selbstverständlich sei, zusätzliche
Bemühungen um präzises Wissen seien für Grundschulunterricht
nicht erforderlich. Dies ist ein Irrglaube: selbst alltäglichen
Dingen ist das Wissen, das Lehrer/innen mitbringen i. A. nicht mehr
gewachsen! Erinnerung an bereits angesammeltes Wissen reicht nicht
aus: Daran, sich das erforderliche Wissen zu beschaffen, führt
kein Weg vorbei. L handeln fahrlässig, wenn sie Bezugnahme auf
bereits vorhandenes, erinnertes Wissen für ausreichend erachten. "Lehrer
haben in den wenigsten Fällen bereits das Wissen, das sie brauchen,
um einen bestimmten Lehr-Lern-Prozeß solide und zutreffend gestalten
zu können". (Vgl. Wilhelm Peterßen: Lehrerwissen - Schülerwissen.
In: Lehren und lernen 7/93, S. 14.)
Dagmar
Wilde Seminarpapier Fachseminar VU 1997
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