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Die Qualität der Lehr-Lern-Prozesse scheint auf Grund von Fehlentwicklungen im Verständnis und in der Umsetzung offenen Unterrichts zum Teil entschieden beeinträchtigt:
(größtenteils auch im "herkömmlichen Unterricht" sichtbar!)
Gewichten notwendiger Unterrichtsformen und -inhalte
Methoden des Anleitens der Kinder zum selbständigen Arbeiten
Offenheit
bedeutet nicht, unreflektiert bestimmte Unterrichtsformen auszuschließen
und durch andere absolut zu ersetzen
vielmehr gilt es, alle zur Erfüllung des Erziehungs- und Bildungsauftrages
nötigen Unterrichtsformen so offen wie möglich zu gestalten.
Neben Freier Arbeit und Wochenplan haben projektartige Arbeitsformen ihren Stellenwert, da sie selbständiges, kommunikatives und lebensbezogenes Arbeiten ermöglichen - daneben haben aber auch die gemeinsamen, gelenkten (dabei kind- und sachoffenen!) Unterrichtsformen ihre Relevanz, um die Kinder in neue Sicht- und Arbeitsweisen und neues Wissen einzuführen.
Winkel
betont, daß es bekanntlich 17 Unterrichtsmethoden gäbe, die es flexibel
einzusetzen gilt.
"Die beste Voraussetzung für einen beweglichen Unterricht mit einem flexiblen
Methodeneinsatz ist die Beherrschung eines guten Frontalunterrichts, den es
zunächst zu lernen gilt. Ehe man also ungewöhnliche Häuser baut,
sollte man ganz gewöhnliche zu konstruieren gelernt haben!" (Winkel, S.
14)
Verkürzung
didaktischen Denkens und Handelns liegt vor, wenn nicht alle Facetten gemeinsamen
Lernens und Arbeitens Berücksichtigung finden (Fördern und Fordern,
Loben und Kritisieren, Spielen und Arbeiten, Handwerken und Denken, Impulsivität
und Stille, Freiheit und Grenzen, Gemeinsamkeit und Alleinsein erfahren)
Lehren und Lernen sollten so offen wie möglich und so geschlossen wie
nötig gestaltet werden. da sonst allenfalls die expressive Seite des
Lernens einseitig betont wird.
Offenheit enthebt nicht der präzisen Angabe darüber, wann und wo sich der Unterricht gegenüber welchen Gegebenheiten bzw. Möglichkeiten öffnet und schließt (methodische, thematische, institutionelle Öffnung)
ansonsten chaotisiert "offener Unterricht" in seiner eigenen Maßlosigkeit (Winkel)
Phasen selbständigen Arbeitens müssen gründlich vorbereitet sein.
Aufgabenverständnis ist erforderlich, um effektiv selbständig zu arbeiten
Hermann Schwarz spricht davon, daß Kinder "angewärmt" werden müssen. Selbständiges Arbeiten bedarf - soll es ergiebig sein - gelenkter gemeinsamer Einführungen in die Lerngegenstände, damit notwendige Sicht- und Arbeitsweisen bereitstehen.
Wochenplan und Freiarbeit unter Auswahl rein reproduzierender Inhalte, die sich für Selbsttätigkeit besonders zu eignen scheinen.
Hermann Schwarz betont, daß Kinder nicht vornehmlich durch Materialien, sondern durch den lebendigen Umgang mit Sachen und das Interesse der Lehrerin inspiriert werden.
Aktionismus
und Ziellosigkeit charakterisieren selbständiges Arbeiten gerade nicht!
Kinder können erst zielbezogen selbständig arbeiten, wenn entsprechende
Lernbedingungen ermöglicht und Hilfen zur Verfügung stehen, wo
diese erforderlich sind.
Kinder müssen über ein Methodenrepertoire verfügen, das selbständige Lernen und Arbeiten schrittweise lernen, üben und vertiefen.
Der Begriff "Offener Unterricht" darf nicht synonym für "wünschenswerten Unterricht" gebraucht werden.
In die "Müllschlucker-Definition" (Winkel) "Offener Unterricht" ist eine bunte Vielfalt aller reformpädagogischen Reminiszenzen geworfen worden, häufig aber ohne didaktisch-methodische Reflexion. Es gilt inzwischen, das damit verbundene Konzept gegen seine "bedingungslosen Verehrer" zu verteidigen, deren unterrichtliches Vorgehen die Konzeption nicht selten konterkariert.
Eine
Nivellierung des unterrichtlichen Gesamtrepertoires muß unbedingt
vermieden werden! Verabsolutierungen sind stets problematisch!
Offene Unterrichtsformen sollten (planvoll) in Ergänzung mit strukturierten
Formen des Lernens eingesetzt werden, es gilt das Spektrum der Lernformen
auszuschöpfen!
Hermann Schwarz: Probleme "offenen Unterrichts" , Arbeitskreis aktuell, Nr.
34, 4/91
Rainer Winkel: Offener oder Beweglicher Unterricht, Grundschule 2/93
Vgl. auch Literaturliste zur Öffnung des Unterrichts
Dagmar Wilde Fachseminar VU / IX, 2. SPS (L) 09/93
©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000
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22.03.2009