Grundschule heute:
Neue Lernkultur und neue Medien

Es sind die Lernprozesse der Kinder, die den Einsatz neuer Medien begründen - nicht die medialen Möglichkeiten. Aber der Einsatz neuer Medien verändert diese Lernprozesse.

Mit neuen Medien lernt man anders - das heißt jedoch noch nicht, dass man mit ihnen besser oder schlechter lernt: Lernen erhält eine andere Qualität.

Neue Medien lassen sich nicht hier und da einmal "als Ergänzung zum normalen Unterricht" einsetzen - das ist ein fundamentaler Irrtum! Neue Medien verändern Lernen und Unterricht - und damit Schule als Institution - per se. Allerdings haben sie keine didaktische Qualität. Gerade ihre Integration in den Unterricht ist es, die ihnen didaktische Qualität - oder auch nicht - zukommen lässt. Neue Medien müssen dort in den „normalen“ Unterricht integriert werden, wo sie ihren didaktischen Ort haben. Neue Medien sind kein Inhalt per se. Sie stützen Lernprozesse. "Normaler Unterricht" ist heute Unterricht mit neuen Medien, wenn diese das Lernen und Lehren qualifizieren.


Zitate zum Thema

"Das schulische Lernen der Zukunft muss mehr auf die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, auf ihre bleibende Motivation zum Lernen, Umlernen und Weiterlernen ausgerichtet sein als auf abfragbare Wissensstände. Die Kinder brauchen vor allem Strategien für kognitives und mediales, für kooperatives und individuelles Lernen. Sie brauchen dafür u. a. von Lehrerinnen und Lehrern adäquat strukturierte Lernsituationen auch offene."

Es gilt, "(…) eine Lernkultur zu etablieren, die all dies ermöglicht. Eine Lernkultur, in der sich Lehrende, Eltern und Kinder gleichermaßen als - je unterschiedlich und Unterschiedliches Lernende verstehen, in der Kinder mit verschiedensten Voraussetzungen und einem ausdifferenzierten Leistungsspektrum zu ihrem Recht auf Bildung kommen."

"Eine Grundbildung ohne multimediale Kompetenzen wiederum ist inzwischen obsolet geworden. (…). Computer - mit oder ohne Netzanschluss gehören zu den schulischen Medien, die Arbeit an und mit ihnen muss allerdings ebenso strukturiert und methodisch sinnvoll organisiert werden wie die Arbeit mit dem guten alten Schulbuch, das "er" mitnichten ersetzt."

"In einer Wissensgesellschaft aufzuwachsen und zu leben bedeutet nicht, mehr Wissen als je anzusammeln oder auswendig zu lernen, sondern es intelligent zu nutzen."

Dietlinde H. Heckt, Grundschule 9/2000, S. 5 Editorial


"Vorrangiger Anlass zum dringend nötigen Aufbruch in eine bessere Lernkultur ist nicht der Computer, sondern sind die neueren Einsichten in die Eigenart des Lernens, aus denen hervorgeht, dass und warum viele der verbreiteten – alten Denkgewohnheiten entsprechenden – Unterrichtspraktiken nicht dazu taugen, Kinder zum Lernen und Leisten anzuregen und sie dabei förderlich zu begleiten. Man zäumt das Pferd von hinten auf, wenn man meint, aus einem wie auch immer gearteten unterrichtlichen Einsatz des Computers ergebe sich eine bessere Lernkultur von selber. Die ersten Schritte in eine bessere Lernkultur sollten Lehrerinnen und Lehrer ohne Computer machen. Den Computer sollten sie erst nach und nach einbeziehen, soweit sie ihn als ein Werkzeug begreifen lernen, das durch spezifische Funktionsmerkmale bestimmte Qualitäten des Unterrichts und des Lernens begünstigt oder gar erst ermöglicht. Dies gilt nicht nur, aber auch für den lernförderlichen Gebrauch des Computers als Schreib– und Publikationswerkzeug."

Barbara Kochan: Schreiben und Publizieren mit dem Computer als Mittel des Wissenserwerbs in allen Lernbereichen – Ein didaktisches Konzept, in: Mitzlaff / Speck–Hamdan (Hg.): Grundschule und neue Medien. Frankfurt/M. 1998.


"(…) Unterricht insgesamt erhält dann eine neue Qualität, wenn der Technikeinsatz in ein adäquates pädagogisches Konzept eingebunden ist. So erwies es sich als fruchtbar, bei der Formulierung von Projektzielen neue Medien nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern sie der Förderung von Denkprozessen unterzuordnen."

Barbara Eschenauer: Erfolgreiche Integration von Medien in der Schule: eine Zwischenbilanz (Konferenzbericht 1).
In: Langen, Claudia (Hg.): Schulinnovation durch neue Medien.
Gütersloh 1999 (Bertelmann). S. 27—47.


"Ausgehend von einem Primat der Didaktik (und nicht der Technik) ist also zu  fragen, wie und an welcher Stelle die Möglichkeiten neuer Informationstechnologien sinnvoll in aktuelle Unterrichtskonzepte eingebunden werden können. Denn: "Über den Nutzen des Computers in der Pädagogik nachzudenken, heißt nicht, über Computer nachzudenken, sondern über Pädagogik nachzudenken." (Ellis 1984)"

Albrecht Bohnenkamp.
In: Computereinsatz in der Grundschule.
Neue Medien und Öffnung von Unterricht. S. 28.


"Zu diesen Prozessen gehören meines Erachtens aber auch Veränderungen im Bereich der Zeit- und Raumstruktur von Schule. Der 45-Minuten-Rhythmus sollte zugunsten von längeren Arbeits- und Lerneinheiten abgelöst werden, denn nur so ist auch ein intensives Arbeiten mit neuen Medien möglich. Und natürlich ermöglichen einem auch Computer und Internet, nicht mehr alle Aufgaben unbedingt in der Schule beziehungsweise im Klassenraum erledigen zu müssen. Computer zu Hause und in öffentlichen Einrichtungen sowie Notebooks bieten die Möglichkeiten, die schon lange propagierte Öffnung der Schule in die Gemeinde und das gesellschaftliche Leben ernst zu nehmen und auf dieses auszuweiten. Auch kooperatives und kollaboratives Lernen und Arbeiten am und mit dem Computer ist so praktizierbar."

Stefan Aufenanger, Medienkompetenz als Aufgabe von Schulentwicklung;
in: SchulVerwaltung spezial Heft 1/2001, S. 4-6


 

"Auch unter den Bedingungen neuer Medien ist Lernen ein individueller Prozess, der innerhalb einer Person abläuft - unsichtbar, kaum zu steuern, nicht sicherzustellen. Bis heute gibt es keine sichere Möglichkeit, jemanden durch Lehre lernen zu machen. Alles, was Vorschule, Schule, Hochschule und Weiterbildung können, ist, Lerner neugierig zu machen, sie zu motivieren, ihnen eine anregende Lernumgebung anzubieten und individuelle Lernunterstützungen zu entwickeln. Wie diese Angebote und Unterstützungen genutzt werden, ist Sache der Lerner. So gesehen ist alles Lernen selbstgesteuert."

Horst Dichanz
Beitrag im Rahmen der Virtuellen Konferenz "Internet und politische Bildung"

 


 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

Sofern im Einzelfall nicht anders geregelt und soweit nicht fremde Rechte betroffen sind, ist eine Verwendung der Dokumente als Teile oder als Ganzes in gedruckter und elektronischer Form für den schulischen Bereich sowie Ausbildungszwecke gestattet, unter der Voraussetzung, dass die Quelle


"dw - online": http://www.dagmarwilde.de

genannt wird und diese Anmerkungen zum Copyright beigefügt werden.

Ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch die Verfasser/innen ist eine kommerzielle Verbreitung der auf diesem Server liegenden Dokumente ausdrücklich untersagt.

 

These pages belong
"d.w.-online": http://www.dagmarwilde.de

Permission is hereby granted to use these documents for personal use and in courses of instruction at educational institutions provided that the articles are used in full and this copyright statement is reproduced. Permission is also given to mirror these documents on WorldWideWeb servers. Any other usage is prohibited without the written permission of the author. Please mail.