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Grundschule
heute:
Neue Lernkultur, neue Medien und Konstruktivismus
"Die
Kunst des Lehrens hat wenig mit der Übertragung von Wissen zu tun,
ihr grundlegendes Ziel muss darin bestehen, die Kunst des Lernens auszubilden."
(v. Glasersfeld)
"Erkenntnisse
fallen meist nicht wie Schuppen von den Augen. Erkenntnisse erfordern
hartnäckiges Denken, angestrengtes Lernen, begriffliches Klären,
Abstraktion, Versuch und Irrtum, Ausdauer! Aber auch: Urteilsvorsicht,
vorläufige, korrigierbare Einsichten." (Horst Siebert: Bildungsoffensive.
Frankfurt/M. 2002, S. 60.)
Zitate
zum Thema
"Eine
konstruktivistisch geprägte Sicht vom Lernen schreibt dem Lernprozess
folgende Merkmale zu (Reinmann-Rothmeier und Mandl 1997c):
-
Lernen
ist nur über die aktive Beteiligung des Lernenden möglich,
wozu auch Motivation und Interesse gehört.
-
Bei jedem Lernen übernimmt der Lernende in unterschiedlichem
Ausmaß Steuerungs- und Kontrollprozesse, so dass Lernen stets
auch ein selbst gesteuerter Prozess ist.
-
Ohne
individuellen Erfahrungs- und Wissenshintergrund und eigene Interpretationen
finden im Prinzip keine kognitiven Prozesse statt, weshalb Lernen
als konstruktiver Vorgang zu verstehen
ist.
-
Lernen
erfolgt stets in spezifischen Kontexten, so dass jeder Lernprozess
auch als situativ gelten kann.
-
Lernen
ist schließlich immer auch ein sozialer Prozess: Zum einen
sind der Lernende und all seine Aktivitäten stets soziokulturellen
Einflüssen ausgesetzt, zum anderen ist jedes Lernen ein interaktives
Geschehen."
Gabi Reinmann-Rothmeier
/ Heinz Mandl: Computernetze in der Schule Chancen und Grenzen der neuen
Medien. In: Huber / Kegel / Speck-Hamdan (Hg.): Schriftspracherwerb: Neue
Medien - Neues Lernen!? Braunschweig 1999 (Westermann). S. 21.
"Die
technischen Voraussetzungen zu schaffen, ist eine notwendige, aber keine
hinreichende Bedingung für "neues Lernen". Wer neue Informations-
und Kommunikationstechniken der herkömmlichen Bildungspraxis einfach
nur hinzufügt, wer statt eines Umdenkens beim Lehren und Lernen einen
rein additiven Ansatz vertritt, der verpasst erst recht notwendige Veränderungen.
Denn: Traditionelle Lehr-Lernansätze wandeln sich nicht von selbst,
indem man einfach nur Computernetze installiert.
Was
wir für die Schulen brauchen, ist ein systemischer Wandel, der die
Schule als lernende Organisation begreift. Wer neue Medien einführen,
eine neue Auffassung vom Lernen vertreten und problemorientierte Lehr-Lernkonzepte
umsetzen will, der muss sich auch um die Inhalte, also das Curriculum,
sowie um die Beurteilung des Lernens, also das Assessment, kümmern
(Cognition and Technology Group at Vanderbilt 1996). Immer noch hält
man an den Schulen an Lehrplänen fest, die hierarchisch gegliedert,
in einzelne Fächer aufgespaltet und nach dem Muster "vom Einfachen
zum Komplexen" strukturiert sind. Komplexe Inhalte werden nach wie
vor zerlegt und zu didaktisch aufbereiteten Sequenzen wieder zusammengesetzt.
Die behavioristisch geprägte Auffassung vom Lernen weicht zwar im
Bereich der Lehr-Lernverfahren zunehmend kognitiven und konstruktivistischen
Einflüssen, in curricularen Fragen ist diese jedoch weiterhin dominierend.
Mit Curricula elementaristischer Machart aber ist problemorientiertes
Lehren und Lernen kaum möglich. Aus einer gemäßigt konstruktivistischen
Sicht sind problemorientierte Curricula zu fordern, die in die Tiefe anstatt
in die Breite gehen, die ein Lernen mit authentischen Problemen erlauben,
die nicht von einzelnen Fächerstrukturen, sondern von Problemfeldern
ausgehen. (S. 24)
"Computernetze
in der Schule - wer darunter nur die Installation eines Internetanschlusses
versteht, Lernenden und Lehrenden einen Bildschirm vorsetzt und dann auf
die Früchte des Multimedia-Zeitalters wartet, wird wohl enttäuscht
werden. Computernetze in der Schule haben nur einen Sinn, wenn sie als
Werkzeug zur Förderung eines aktiv-konstruktiven, selbst gesteuerten
und kooperativen Lernens verstanden und entsprechend genutzt werden. Dazu
brauchen wir von allen Beteiligten die Bereitschaft zum Engagement und
zum Umdenken und wir brauchen den Mut zu neuen Ideen, die nicht gleich
an den ersten Bedenkenträgern wieder zerschellen. Wenn wir die Schule
als lernende Organisation innerhalb einer Wissensgesellschaft begreifen,
dann muss die Schule neben all dem notwendigen Grund- und Orientierungswissen
auch die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen und zum verantwortungsvollen
Umgang mit Information und Wissen fördern. Angesichts der ungefilterten
Informationsfluten, der wachsenden Zugangsmöglichkeiten zu zahllosen
Wissensquellen und der steigenden Komplexität in nahezu allen Wissensbereichen
wird die Kompetenz zum Wissensmanagement zum unabdingbaren Rüstzeug
für das Leben in unserer Gesellschaft. Mit der durchdachten Nutzung
von Computernetzen in der Schule besteht die Chance, die Kompetenzen der
Zukunft in einer Form zu fördern, die der Entwicklung von technischem
Know-how und sozialen Fähigkeiten gleichermaßen dient."
(S. 26)
Gabi
Reinmann-Rothmeier / Heinz Mandl:
Computernetze in der Schule Chancen und Grenzen der neuen Medien.
In: Huber / Kegel / Speck-Hamdan (Hg.): Schriftspracherwerb: Neue Medien
-
Neues Lernen!?
Braunschweig 1999 (Westermann).
"Die
bisherige Forderung "Lernen mit neuen Medien" muss umgewandelt
werden in "Neues Lernen mit Medien". Damit soll deutlich werden,
dass die Vermittlung von Medienkompetenz nicht mehr nach traditionellen
Konzepten wie etwa einem besonderen Medienunterricht oder Internetführerschein
erfolgen kann, sondern in den normalen unterrichtlichen Alltag integriert
werden muss. Prinzipien des konstruktivistischen Lernens sollten dabei
leitend sein, die die Schüler und Schülerinnen in eine aktive
Position im Lernprozess versetzen und die Rolle der Lehrpersonen von der
reinen Wissensvermittlung hin zu einem Berater in diesem Prozess verschiebt."
Stefan
Aufenanger: Medienkompetenz als Aufgabe von Schulentwicklung;
in: SchulVerwaltung spezial Heft 1/2001, S. 4-6
"Es
scheint die Frage berechtigt, ob Kinder und Erwachsene - vom Kindergarten
bis zur Altenbildung nicht kognitiv eher unter- als überfordert
werden. Jedenfalls ist eine (dosierte) Überforderung pädagogisch
wirkungsvoller als eine permanente Unterforderung. Dieter Lenzen stellt
mit Blick auf den systemischkonstruktivistischen Ansatz -
die These auf: "Die Annahme, Wissen müsse im Unterricht 'vereinfacht'
werden, es sei anzupassen an kindgemäße Möglichkeiten,
es sei didaktisch zu reduzieren, ist falsch. Es ist sehr wahrscheinlich,
dass gerade ein in seiner Komplexität nicht reduziertes Wissen die
beste Grundlage für eine neuronale Ausdifferenzierung liefert. Das
gilt auch dann, wenn dieses System am Ende nicht genau das gelernt hat,
was die Lehrenden und der Unterricht intendieren." (Lenzen 1999,
S. 156)"
Horst
Siebert: Bildungsoffensive. Bildung ist mehr als Qualifizierung.
Frankfurt/M. 2002, S. 52.
"Lernen
ist ein individueller, aktiver Prozess. Jeder Lernende sollte sich darüber
im Klaren sein, dass ihm kein Lehrender, keine "Lernhilfe" und
auch kein virtuelles System die Mühe abnehmen kann, selbst zu lernen.
- Und dies ist häufig mit Anstrengungen verbunden...!"
Horst
Dichanz
Beitrag im Rahmen der Virtuellen Konferenz "Internet und politische
Bildung"

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