Neue Lernkultur, Lernen im Seminar und Konstruktivismus

"Die Kunst des Lehrens hat wenig mit der Übertragung von Wissen zu tun, ihr grundlegendes Ziel muss darin bestehen, die Kunst des Lernens auszubilden." (v. Glasersfeld)

"Erkenntnisse fallen meist nicht wie Schuppen von den Augen. Erkenntnisse erfordern hartnäckiges Denken, angestrengtes Lernen, begriffliches Klären, Abstraktion, Versuch und Irrtum, Ausdauer! Aber auch: Urteilsvorsicht, vorläufige, korrigierbare Einsichten."
(Horst Siebert: Bildungsoffensive. Frankfurt/M. 2002, S. 60.)


Zitate zum Thema


 

"Perspektivität und Beobachtungsrelativität lösen erkenntnistheoretisch Begriffe wie Wahrheit und Objektivität ab. Eine solche "Umstellung" legt eine Didaktik der Perspektivverschränkung nahe."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 122.


"Die Anerkennung unseres Irrens garantiert unsere Lernfähigkeit; wer sich im Besitz endgültiger Wahrheiten wähnt, ist lernunfähig. Das Konzept des "Irrtumslernens" ist eine Chance, die Gefahr lebensgefährlicher und irreversibler Entscheidungen zu reduzieren. Wenn die Konstruktivisten feststellen, dass uns die Welt letztlich "kognitiv unzugänglich" bleibt, dann müssen wir mit dieser "Ignoranz" intelligent und verantwortlich umgehen."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 105.


 

 

"Teilnehmerorientierte Lehre heißt konstruktivistisch gesehen auch: Die unterschiedlichen Wirklichkeitskonstruktionen der Anwesenden wahrzunehmen, zur Sprache bringen, ernst nehmen, Differenzen der Weltbilder "aushalten" und bewusst machen, anerkennen, dass für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen unterschiedliche Lösungen "viabel" sein können, auf verbindliche Antworten für alle verzichten, Vielfalt zulassen..."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 100.


"Nach einer euphorischen Phase dieses Erfahrungsansatzes in den 70er Jahren hat sich inzwischen ein nüchterner und behutsamer Umgang mit Erfahrungen durchgesetzt. So wird deutlicher zwischen Erlebnissen und Erfahrungen unterschieden, ein Erfahrungsaustausch in einer Seminargruppe ist nicht ohne weiteres ein Lernprozess, es kommt oft darauf an, nicht nur frühere Erfahrungen zur Sprache zu bringen, sondern neue Erfahrungsmöglichkeiten zu eröffnen. Auch sind Erfahrungen strukturell konservativ und damit oft eine Lernbarriere."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 101.

 


"Lernen an Erfahrungen (Kejcz 1979) ist ein wichtiger didaktischer Anknüpfungspunkt. Andererseits erschöpft sich der Lernprozess nicht im Erfahrungsaustausch. In Bildungsurlaubsseminaren haben die Teilnehmer/innen oft den Eindruck, dass der Erfahrungsansatz überstrapaziert wird (Frage eines Teilnehmers: "Sollen wir hier nur selber was erzählen, oder hören wir auch mal was Neues?")"


Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.),
S. 94


"Es scheint die Frage berechtigt, ob Kinder und Erwachsene - vom Kindergarten bis zur Altenbildung – nicht kognitiv eher unter- als überfordert werden. Jedenfalls ist eine (dosierte) Überforderung pädagogisch wirkungsvoller als eine permanente Unterforderung. Dieter Lenzen stellt – mit Blick auf den systemisch–konstruktivistischen Ansatz - die These auf: "Die Annahme, Wissen müsse im Unterricht 'vereinfacht' werden, es sei anzupassen an kindgemäße Möglichkeiten, es sei didaktisch zu reduzieren, ist falsch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass gerade ein in seiner Komplexität nicht reduziertes Wissen die beste Grundlage für eine neuronale Ausdifferenzierung liefert. Das gilt auch dann, wenn dieses System am Ende nicht genau das gelernt hat, was die Lehrenden und der Unterricht intendieren." (Lenzen 1999, S. 156)"

Horst Siebert: Bildungsoffensive. Bildung ist mehr als Qualifizierung.
Frankfurt/M. 2002, S. 52.


"Erwachsene wollen in der Erwachsenenbildung nicht nur kommunizieren, interagieren, reflektieren, sie wollen auch Relevantes, Interessantes, Neues hören und lernen. (...) Auch als Zuhöörer sind sie keinesfalls bloße "Rezipienten" und "Empfänger", sondern sie nehmen eine prüfende, kritische Haltung gegenüber dem Wissensangebot ein. Diese Prüfung bezieht sich weniger auf die "Richtigkeit" als auf die Anschlussfähigkeit, die Viabilität, die momentane Verträglichkeit (man ist nicht in jeder Lebenssituation für jede Art von Wissen gleichermaßen empfänglich). Nicht jedes neue Wissen muss reibungslos passen und "verwertbar" sein; oft wird auch Ungewohntes und Irritierendes wahrgenommen und "gespeichert". T. Ziehe spricht davon, dass "Wissensreservoire" angelegt werden, auf die oft sehr viel später zurückgegriffen wird und die erst später wirksam werden."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 263.


 

"Grundsätzlich lassen sich "Störungen" als Umgang mit Andersdenkenden, mit Ungeplantem, mit Überraschungen beschreiben. Demgegenüber lässt sich die These aufstellen, dass ein reibungsloser Seminarverlauf und pflegeleichte Teilnehmer nicht unbedingt Kreativität und Produktivität fördern."

Horst Siebert: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Didaktik aus konstruktivistischer Sicht.
Neuwied 2000 (3. A.), S. 244


"Es ist Abschied zu nehmen von der Vorstellung (der Illusion, dem Glauben), es gääbe ewige Wahrheiten und endgültige Aussagen... Es ist Abschied zu nehmen von der Vorstellung, die Kategorien 'richtig' und 'falsch' wären die Tragpfeiler in Bildung und Erziehung, in Wissenschaft und Forschung... Es ist Abschied zu nehmen von der Vorstellung, wir köönnten in der Schule objektive Wirklichkeiten, ewige Wahrheiten und sichere/gesicherte Erkenntnisse lehren oder lernen... Es ist Abschied zu nehmen von der Vorstellung, es gäbe eine objektive Didaktik, einen Lehrkanon, der für alle gleich gültig wäre,.. LehrerInnen vermitteln kein 'objektives Wissen' und SchüülerInnen lernen keine 'ewigen Wahrheiten'. Weit mehr von Bedeutung wird sein, wie wir etwas wahrnehmen, deuten und wie wir zu Vereinbarungen kommen werden... Die Wahrnehmungen und die damit verbundenen konstruierten Wirklichkeiten der Menschen köönnen sehr verschieden sein. Die 'Gewissheit' der anderen ist genauso wichtig, bedeutsam und gültig wie meine 'Gewissheit'. Wenn wir miteinander leben wollen, so können wir das nur, wenn wir hohe Achtung vor unserer eigenen Wirklichkeit und der der anderen haben..."

Reinhold Miller: Schul-Labyrinth. Weinheim 1993, S. 103f.

 

 

Lehren und Lernen aus konstruktivistischer Sicht

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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