In
Orientierung an: Kepser, Matthis, Massenmedium Computer. Ein Handbuch
für Theorie und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen
1999. S. 85-87.
1.
Medieneinsatz muss verschiedene Sinne ansprechen - gedruckte Texte
sind auch durch Medien mit emotional und psychomotorisch stärkerem
Aufforderungscharakter zu ergänzen (multimediale, interaktive
Programme).
2.
Medien, die selbstständiges Handeln für Schüler/innen
ermöglichen (sowohl klassische Lernsoftware als auch "Werkzeuge"
wie die Textverarbeitung können auf Selbsttätigkeit hin
angelegt sein, geschlossene Lernsoftware eröffnet jedoch meist
weniger Möglichkeiten zur Eigeninitiative als Programme mit Werkzeugcharakter),
sind zu bevorzugen.
3.
Medien, die auch außerschulisch bedeutsam sind, begegnen Schüler/innen
mit mehr Akzeptanz und damit mit mehr Motivation. (Allerdings sollten
Schüler/innen Entscheidungsfreiheit erhalten, d. h. z. B. in
der Freiarbeit nicht mit dem Computer arbeiten müssen, wenn sie
andere Medien bevorzugen.
4.
Medien können einerseits Wegbereiter zum Ziel/Produkt als auch
Ziel/Produkt selbst sein. "Elektronische Informationssysteme
(z. B. Datenbanken) und Werkzeugprogramme (z. B. die Textverarbeitung)
sind dazu sicherlich eher geeignet als klassische Lernprogramme. Wenn
es sich aber um erweiterbare Übungssoftware oder um Autorenprogramme
handelt, kann auch mit ihnen produktorientiert gearbeitet werden."
(Kepser, S. 86).
5.
Medien können verschiedene Funktionen haben: in lehrergesteuerten
Unterrichtsphasen können sie primär der Informationsvermittlung
dienen (z.B. Computer als elektronische Tafel), in offeneren Unterrichtsphasen
dem individualisierten Arbeiten (individuelles Üben, Arbeiten,
Nacharbeiten mit Lern- und Übungssoftware, Verfassen von Texten
mit Schreibprogrammen), in Projekten können sie als Informationsquellen
und Werkzeugen zur Herstellung eines Produkts dienen.
6.
Um Medien in der Frei- und Projektarbeit selbständig zu nutzen,
benötigen Schüler/innen Zeit zur eigenständigen Auseinandersetzung
und Zeit zum Methodenerwerb. (Medien beschleunigen Lernprozesse keineswegs).
7.
Neben dem technologischen Gebrauch von Medien im Unterricht, sind
auch medienpädagogische Ziele zu verfolgen (Förderung eines
kritisches Bewusstsein gegenüber den Medien, z. B. Entmystifizierung
und angemessene Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Rechners,
der Qualität von Informationen)
8.
Medien verringern Lehrerdominanz und bauen das Informationsmonopol
der Lehrenden ab, ersetzen die Lehr-Schüler-Interaktion aber
nicht. Die Lehrerrolle verändert sich: Nicht Wissensvermittlung,
sondern Unterstützung der Lernenden beim Lernen steht im Vordergrund.
9.
Der Computer darf keinesfalls das dominierende oder einzige Unterrichtsmedium
werden. Unterricht bedarf der Medienvielfalt. Nur wenn Schüler/innen
weitestgehend offenen Zugang zu verschiedenen Medien haben, können
sie auch selbstständig damit arbeiten. Daraus ergeben sich Konsequenzen
für die Lernumgebung: Computerräume, die zudem nur in bestimmten
Stunden für die Schüler zugänglich sind, unterstützen
den selbstgesteuerten Gebrauch verschiedener Medien nicht.
10.
Medieneinsatz garantiert nicht das Gelingen des Unterrichts. "Es
gilt weiterhin das Primat der Didaktik vor der Methodik, gerade in
Zeiten, in denen der Computer als Unterrichtsmedium zum Selbstzweck
zu werden droht." (Kepser S. 87.)