Computer im Deutschunterricht
(der Grundschule)
Pro und Contra


positive Erfahrungen

hohe Motivation

geringere Ermüdung als beim handschriftlichen Schreiben

längere Texten

Möglichkeit, den Schreibprozess gezielt in verschiedene Phasen zu unterteilen

stets lesbares Schriftbild erleichtert Kindern und Lehrerinnen die Arbeit am Text

Möglichkeit zur Textrevision lässt auch formal und stilistisch bessere Texte entstehen

frühzeitiges Heranführen an einen wichtigen Bestandteil heutige Alltagswelt

Mädchen gewinnen Zugänge zu moderner Kommunikationstechnik

Einbeziehung von Layout und Typografie als Unterrichtsinhalt, führt zu neuem Textbewusstsein

Einsicht in den engen Zusammenhang von Sprechen - Hören - Lesen - Schreiben wird befördert

die Entlastung der Lehrenden durch kooperatives Schreiben/Überarbeiten der Kinder

öffentliches Schreiben befördert gemeinsame Arbeit am Text und soziales Lernen

weniger positive Erfahrungen

Probleme für Kinder bei der Bedienung von Tastatur/Maus

Bevorzugung anderer Schreibinstrumente durch einzelne Schüler

Ablenkung beim kooperativen Schreiben, unproduktiven Arbeitsphasen

Revisionen auf Tippfehler begrenzt, keine qualitativ besseren Texten als beim Schreiben mit der Hand

Korrigieren als endloser Selbstzweck

hoher Konzentrationsaufwand aufgrund der Trennung von Hand und Schrift

langsames Schreiben am PC  führt zu störender Diskrepanz zwischen Gedanken und schriftlicher Umsetzung

Vgl. Kepser, Matthis: Massenmedium Computer. Ein Handbuch für Theorie und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen 1999. S. 19.

Fazit

"Nach nunmehr etwa zehnjähriger Erfahrung mit der Textverarbeitung in Lernwerkstätten und Versuchsklassen lässt sich sagen, dass weder für den Einsatz des Computers im Allgemeinen noch für die Textverarbeitung im Besonderen negative Auswirkungen zu befürchten sind (vgl. Bohnenkamp 1993, 14; Brügelmann 1992, 512-520). Die Arbeit am PC führt nicht zur sozialen Isolierung, geschlechtsspezifische Effekte sind im Primarbereich offenbar kaum zu beobachten, auch wirkt der Computer im Klassenraum nicht so übermächtig, dass andere Aktivitäten der Kinder in den Hintergrund gedrängt werden. Fast alle Untersuchungen kommen prinzipiell zu einem positiven Ergebnis: Die Textverarbeitung hat sich als ein Schreibmedium unter mehreren im Unterricht der Grundschule bewährt. Für die Grundschulen bedeutet dies, dass die bisherige Zurückhaltung gegenüber dem Computereinsatz aufgegeben werden kann (...). Computerräume, wie sie weiterführende Schulen eingerichtet haben, sind für die Grundschulen kein geeigneter unterrichtlicher Rahmen. Zu präferieren ist die Ausstattung der Klassenräume mit einem oder zwei Geräten, sodass die Rechner in Freiarbeitsphasen verwendet werden können."

Kepser, Matthis: Massenmedium Computer. Ein Handbuch für Theorie und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen 1999. S. 21f.

Kriterien an den Computereinsatz

In Orientierung an: Kepser, Matthis, Massenmedium Computer. Ein Handbuch für Theorie und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen 1999. S. 85-87.

1.
Medieneinsatz muss verschiedene Sinne ansprechen - gedruckte Texte sind auch durch Medien mit emotional und psychomotorisch stärkerem Aufforderungscharakter zu ergänzen (multimediale, interaktive Programme).

2.
Medien, die selbstständiges Handeln für Schüler/innen ermöglichen (sowohl klassische Lernsoftware als auch "Werkzeuge" wie die Textverarbeitung können auf Selbsttätigkeit hin angelegt sein, geschlossene Lernsoftware eröffnet jedoch meist weniger Möglichkeiten zur Eigeninitiative als Programme mit Werkzeugcharakter), sind zu bevorzugen.

3.
Medien, die auch außerschulisch bedeutsam sind, begegnen Schüler/innen mit mehr Akzeptanz und damit mit mehr Motivation. (Allerdings sollten Schüler/innen Entscheidungsfreiheit erhalten, d. h. z. B. in der Freiarbeit nicht mit dem Computer arbeiten müssen, wenn sie andere Medien bevorzugen.

4.
Medien können einerseits Wegbereiter zum Ziel/Produkt als auch Ziel/Produkt selbst sein. "Elektronische Informationssysteme (z. B. Datenbanken) und Werkzeugprogramme (z. B. die Textverarbeitung) sind dazu sicherlich eher geeignet als klassische Lernprogramme. Wenn es sich aber um erweiterbare Übungssoftware oder um Autorenprogramme handelt, kann auch mit ihnen produktorientiert gearbeitet werden." (Kepser, S. 86).

5.
Medien können verschiedene Funktionen haben: in lehrergesteuerten Unterrichtsphasen können sie primär der Informationsvermittlung dienen (z.B. Computer als elektronische Tafel), in offeneren Unterrichtsphasen dem individualisierten Arbeiten (individuelles Üben, Arbeiten, Nacharbeiten mit Lern- und Übungssoftware, Verfassen von Texten mit Schreibprogrammen), in Projekten  können sie als Informationsquellen und Werkzeugen zur Herstellung eines Produkts dienen.

6.
Um Medien in der Frei- und Projektarbeit selbständig zu nutzen, benötigen Schüler/innen Zeit zur eigenständigen Auseinandersetzung und Zeit zum Methodenerwerb. (Medien beschleunigen Lernprozesse keineswegs).

7.
Neben dem technologischen Gebrauch von Medien im Unterricht, sind auch medienpädagogische Ziele zu verfolgen (Förderung eines kritisches Bewusstsein gegenüber den Medien, z. B. Entmystifizierung und angemessene Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Rechners, der Qualität von Informationen)

8.
Medien verringern Lehrerdominanz und bauen das Informationsmonopol der Lehrenden ab, ersetzen die Lehr-Schüler-Interaktion aber nicht. Die Lehrerrolle verändert sich: Nicht Wissensvermittlung, sondern Unterstützung der Lernenden beim Lernen steht im Vordergrund.

9.
Der Computer darf keinesfalls das dominierende oder einzige Unterrichtsmedium werden. Unterricht bedarf der Medienvielfalt. Nur wenn Schüler/innen weitestgehend offenen Zugang zu verschiedenen Medien haben, können sie auch selbstständig damit arbeiten. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Lernumgebung: Computerräume, die zudem nur in bestimmten Stunden für die Schüler zugänglich sind, unterstützen den selbstgesteuerten Gebrauch verschiedener Medien nicht.

10.
Medieneinsatz garantiert nicht das Gelingen des Unterrichts. "Es gilt weiterhin das Primat der Didaktik vor der Methodik, gerade in Zeiten, in denen der Computer als Unterrichtsmedium zum Selbstzweck zu werden droht." (Kepser S. 87.)

 

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 02.11.2008

Sofern im Einzelfall nicht anders geregelt und soweit nicht fremde Rechte betroffen sind, ist eine Verwendung der Dokumente als Teile oder als Ganzes in gedruckter und elektronischer Form für den schulischen Bereich sowie Ausbildungszwecke gestattet, unter der Voraussetzung, dass die Quelle

"dw - online": http://www.dagmarwilde.de

genannt wird und diese Anmerkungen zum Copyright beigefügt werden.

Ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch die Verfasser/innen ist eine kommerzielle Verbreitung der auf diesem Server liegenden Dokumente ausdrücklich untersagt.

 

These pages belong to
"d.w.-online": http://www.dagmarwilde.de

Permission is hereby granted to use these documents for personal use and in courses of instruction at educational institutions provided that the articles are used in full and this copyright statement is reproduced. Permission is also given to mirror these documents on WorldWideWeb servers. Any other usage is prohibited without the written permission of the author. Please mail.