weniger
positive Erfahrungen
Probleme
für Kinder bei der Bedienung von Tastatur/Maus
Bevorzugung
anderer Schreibinstrumente durch einzelne Schüler
Ablenkung
beim kooperativen Schreiben, unproduktiven Arbeitsphasen
Revisionen
auf Tippfehler begrenzt, keine qualitativ besseren Texten als beim
Schreiben mit der Hand
Korrigieren
als endloser Selbstzweck
hoher
Konzentrationsaufwand aufgrund der Trennung von Hand und Schrift
langsames
Schreiben am PC führt zu störender Diskrepanz zwischen
Gedanken und schriftlicher Umsetzung
Vgl.
Kepser, Matthis: Massenmedium Computer. Ein Handbuch für Theorie
und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen 1999. S. 19.
Fazit
"Nach
nunmehr etwa zehnjähriger Erfahrung mit der Textverarbeitung
in Lernwerkstätten und Versuchsklassen lässt sich sagen,
dass weder für den Einsatz des Computers im Allgemeinen noch
für die Textverarbeitung im Besonderen negative Auswirkungen
zu befürchten sind (vgl. Bohnenkamp 1993, 14; Brügelmann
1992, 512-520). Die Arbeit am PC führt
nicht zur sozialen Isolierung, geschlechtsspezifische Effekte sind
im Primarbereich offenbar kaum zu beobachten, auch wirkt der Computer
im Klassenraum nicht so übermächtig, dass andere Aktivitäten
der Kinder in den Hintergrund gedrängt werden. Fast alle Untersuchungen
kommen prinzipiell zu einem positiven Ergebnis: Die Textverarbeitung
hat sich als ein Schreibmedium unter mehreren im Unterricht der Grundschule
bewährt. Für die Grundschulen bedeutet dies, dass die bisherige
Zurückhaltung gegenüber dem Computereinsatz aufgegeben werden
kann (...). Computerräume, wie sie weiterführende Schulen
eingerichtet haben, sind für die Grundschulen kein geeigneter
unterrichtlicher Rahmen. Zu präferieren ist die Ausstattung der
Klassenräume mit einem oder zwei Geräten, sodass die Rechner
in Freiarbeitsphasen verwendet werden können."
Kepser,
Matthis: Massenmedium Computer. Ein Handbuch für Theorie und
Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen 1999. S. 21f.
Kriterien
an den Computereinsatz
In
Orientierung an: Kepser, Matthis, Massenmedium Computer. Ein Handbuch
für Theorie und Praxis des Deutschunterrichts. Bad Krozingen
1999. S. 85-87.
1.
Medieneinsatz muss verschiedene Sinne ansprechen - gedruckte Texte
sind auch durch Medien mit emotional und psychomotorisch stärkerem
Aufforderungscharakter zu ergänzen (multimediale, interaktive
Programme).
2.
Medien, die selbstständiges Handeln für Schüler/innen
ermöglichen (sowohl klassische Lernsoftware als auch "Werkzeuge"
wie die Textverarbeitung können auf Selbsttätigkeit hin
angelegt sein, geschlossene Lernsoftware eröffnet jedoch meist
weniger Möglichkeiten zur Eigeninitiative als Programme mit Werkzeugcharakter),
sind zu bevorzugen.
3.
Medien, die auch außerschulisch bedeutsam sind, begegnen Schüler/innen
mit mehr Akzeptanz und damit mit mehr Motivation. (Allerdings sollten
Schüler/innen Entscheidungsfreiheit erhalten, d. h. z. B. in
der Freiarbeit nicht mit dem Computer arbeiten müssen, wenn sie
andere Medien bevorzugen.
4.
Medien können einerseits Wegbereiter zum Ziel/Produkt als auch
Ziel/Produkt selbst sein. "Elektronische Informationssysteme
(z. B. Datenbanken) und Werkzeugprogramme (z. B. die Textverarbeitung)
sind dazu sicherlich eher geeignet als klassische Lernprogramme. Wenn
es sich aber um erweiterbare Übungssoftware oder um Autorenprogramme
handelt, kann auch mit ihnen produktorientiert gearbeitet werden."
(Kepser, S. 86).
5.
Medien können verschiedene Funktionen haben: in lehrergesteuerten
Unterrichtsphasen können sie primär der Informationsvermittlung
dienen (z.B. Computer als elektronische Tafel), in offeneren Unterrichtsphasen
dem individualisierten Arbeiten (individuelles Üben, Arbeiten,
Nacharbeiten mit Lern- und Übungssoftware, Verfassen von Texten
mit Schreibprogrammen), in Projekten können sie als Informationsquellen
und Werkzeugen zur Herstellung eines Produkts dienen.
6.
Um Medien in der Frei- und Projektarbeit selbständig zu nutzen,
benötigen Schüler/innen Zeit zur eigenständigen Auseinandersetzung
und Zeit zum Methodenerwerb. (Medien beschleunigen Lernprozesse keineswegs).
7.
Neben dem technologischen Gebrauch von Medien im Unterricht, sind
auch medienpädagogische Ziele zu verfolgen (Förderung eines
kritisches Bewusstsein gegenüber den Medien, z. B. Entmystifizierung
und angemessene Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Rechners,
der Qualität von Informationen)
8.
Medien verringern Lehrerdominanz und bauen das Informationsmonopol
der Lehrenden ab, ersetzen die Lehr-Schüler-Interaktion aber
nicht. Die Lehrerrolle verändert sich: Nicht Wissensvermittlung,
sondern Unterstützung der Lernenden beim Lernen steht im Vordergrund.
9.
Der Computer darf keinesfalls das dominierende oder einzige Unterrichtsmedium
werden. Unterricht bedarf der Medienvielfalt. Nur wenn Schüler/innen
weitestgehend offenen Zugang zu verschiedenen Medien haben, können
sie auch selbstständig damit arbeiten. Daraus ergeben sich Konsequenzen
für die Lernumgebung: Computerräume, die zudem nur in bestimmten
Stunden für die Schüler zugänglich sind, unterstützen
den selbstgesteuerten Gebrauch verschiedener Medien nicht.
10.
Medieneinsatz garantiert nicht das Gelingen des Unterrichts. "Es
gilt weiterhin das Primat der Didaktik vor der Methodik, gerade in
Zeiten, in denen der Computer als Unterrichtsmedium zum Selbstzweck
zu werden droht." (Kepser S. 87.)