Anlässlich
der Arbeit im Fachforum"Computer im Deutschunterricht der Grundschule",
das sich in Tempelhof im Rahmen des BLK-Projekts ForMeL G etabliert hat,
tauschen sich Kolleginnen seit Anfang 2001 zu didaktisch-methodischen
Fragen des Cpmuterents im Deutschunterricht der Klassen 1-6 aus.
Die
folgenden Thesen von Inge Blatt lieferten eine Rahmung für die Entwicklung
verschiedener Unterrichtsvorhaben
Schreibprojekte
mit dem Computer - Thesen von Inge
Blatt
THESE
1:
Heft,
Stift und Buch bleiben in der Grundschule die Leitmedien. Im Verbund mit
diesen alten Schriftmedien können die neuen Schriftmedien - Textverarbeitung,
elektronische Bücher und Internet - lernförderlich eingesetzt
werden: Textverarbeitung ab Klasse 1, elektronische Bücher ab Klasse
3, Internet ab Klasse 4.
THESE
2:
Der
Computer entfaltet seine lernfördernde Wirkung demnach abhängig
von den Lernvoraussetzungen der Kinder und der Gestaltung der Lernumgebung.
Während Kinder mit guten schriftsprachlichen Fähigkeiten von
Multimedia und Internet profitieren, sind Kinder mit gering ausgeprägten
Lese- und Schreibfähigkeiten den erhöhten Anforderungen nicht
gewachsen: "Kognitive Überlastung" und "Desorientierung"
sind die Folge. Deren Chance liegt in der Unterrichtsgestaltung.
THESE
3:
Der
Schreibunterricht sollte sich am Schreibprozess ausrichten. Dies bedeutet
im Einzelnen, dass Kinder
Schreiben
als ein Medium für sich entdecken und nicht nur als schulische
Anforderung betrachten.
Texte "allmählich verfassen" und dabei die erkenntnisfördernde
Funktion von Schreiben entdecken, d.h. sich nicht von dem Slogan "erst
denken - dann schreiben!" leiten lassen, sondern die "Rückmeldeschleife"
beim wiederholten Lesen nutzen.
immer sicherer werden in Formulierung, Rechtschreibung und korrekter
Ausdrucksweise.
Wissen zum Schreibthema aktivieren und erweitern lernen. Dazu dienen
Methoden zur Ideenfindung (Clustermethoden, heuristisches Schreiben
etc.) sowie schriftliche Aufträge zur Lektüre oder beim
Informieren in elektronischen Büchern oder im Internet.
Kleine
Schreibprojekte mit dem Computer
In den Diskussionen
im Kolleginnenkreis wurde deutlich, dass Projekte aus
der Literatur durchaus auf Interesse stoßen, aber eigentlich alle
Probleme mit deren zeitlichem Umfang haben.
Die Kolleginnen wollen die Computer sinnvoll in ihren Regelunterricht
integrieren. Die technische Ausstattung an den Schulen ist aber meist
noch nicht so weit gediehen, dass genügend Computer für die
hohen Klassenfrequenzen zur Verfügung stehen (auch bei Partnerarbeit
oft nicht) oder der Computerraum problemlos in jeder Deutschstunde genutzt
werden kann.
Der Bedarf
liegt also bei Ideen für zeitlich eher begrenzte "Schreibprojekte"(1
Doppelstunde), um sich mit den gegebenen Umständen zu arrangieren
und um auf Grund organisatorischer Probleme nicht gegen die Motivation
der Schüler zu arbeiten.
Aus Ideen
aus den ersten Fachforen, die wir inzwischen ausprobiert bzw. wiederholt
und verfeinert haben, entstand im November 2001 folgende Sammlung.
Mutmach-Ideen
für die ersten Schritte -
"Kleine Schreibprojekte am Computer"
Vorbemerkung
Diese Aufstellung
richtet sich vor allem an die Kolleginnen und Kollegen, die den Computer
für sich eher als Schreibwerkzeug benutzen, ihn aber dennoch sinnvoll
in ihren Unterricht integrieren möchten.
Es ist ein erster Versuch, bereits erprobte Unterrichtsideen für
das Themenfeld "Computer im Deutschunterricht" zusammenzustellen.
Die Angaben zu den Klassenstufen dienen der groben Orientierung. Selbstverständlich
sind die Modelle übertragbar.
2. - 4. Klasse,
ein PC im Klassenraum
L. lässt
die Schüler häufig einzelne Wörter oder Sätze auf
dem PC schreiben, ausdrucken und ausschneiden, mit denen die Kinder
dann ihre selbst gemalten Bilder verzieren, beschriften und erklären.
Jedes
Kind ist für einen Buchstaben des Alphabets zuständig und
ergänzt kontinuierlich Klassenwörter auf seiner Buchstabenseite.
Jedes
Kind hat eine eigene Diskette zur Verfügung, damit die Schüler
eventuell zu Hause weiterarbeiten können und keine Texte verloren
gehen.
Mit einer
Lerngruppe im Computerraum
5./6.
Klasse:
Elfchen
zu verschiedenen Themenbereichen am PC schreiben und gestalten lassen.
Unter Zuhilfenahme von WordArt, ClipArts, verschiedenen Schrifttypen
und Schriftfarben wird eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung
der Schüler mit ihren Texten angeregt, da das Layout die Textaussage
unterstützen soll.
5./6.
Klasse: Schreiben einer "Boulevard-Märchen-Zeitung".
Dabei erarbeiten sich die Schüler zunächst den Stil der Boulevardpresse.
Sind sie damit vertraut, wird den Schülern zur Orientierung ein
fester Textrahmen vorgegeben, in den sie eine reißerische Meldung
zu einem ihnen wichtigen Märchen schreiben können. Z.B.: "Wolf
verschlingt Mädchen mit roter Mütze". Durch Möglichkeiten
der Layout-Gestaltung wirken die Schülertexte auch vom Aussehen
her sehr authentisch und kommen der Aufmachung der Boulevard-Presse
sehr nah.
2./3. Klasse: DaZ-Kinder (3. Klasse) schreiben Rätseltexte, die
mit den selbst gemalten Lösungsbildern zu einer Lese-Ausstellung
für die 1. bis 3. Klassen zusammengestellt wurden. Die teilweise
sehr kurzen Texte wurden durch große Schriften und den Ausdruck
auf farbiges Papier aufgewertet. Die DaZ-Kinder, denen das Verfassen
von Texten besondere Mühe bereitet, sind stolz auf ihre Werke und
finden es besonders spannend und motivierend, Leseaufgaben für
ihre Mitschüler zu schaffen. Teilnehmer, die sechs der zwölf
Rätsel gelöst hatten, bekamen als Anerkennung einen Stempel
auf einer kleinen Karteikarte.
5./6.
Klasse: Das bekannte Schreibspiel "Weitergeb-Geschichten"
lässt sich sinnvoll auf den PC übertragen. Jeder Schüler
hatte einen kurzen Geschichtenanfang auf seinem Bildschirm, muss einen
Satz ergänzen und das erste Wort vom nächsten Satz hinschreiben,
damit der nächste Schüler einen gedanklichen Anker hat. Dann
wird der Arbeitsplatz gewechselt und die Geschichte an dem jeweils neuen
Computer fortgeführt. Durch das klare Schriftbild auf dem Bildschirm
entfällt der Frust, den dieses Spiel sonst oft bereitet, weil die
Handschrift des Vorgängers nicht entziffert werden kann. In einer
Folgesitzung werden die entstandenen Texte in Partnerarbeit am Bildschirm
überarbeitet, vom Layout her in eine die Schüler ansprechende
Form gebracht (Schriftarten, Schriftgröße, Schriftfarbe,
WordArt für die Überschriften) ausgedruckt und z.B. an einer
Stellwand veröffentlicht.
2./3.
Klasse: "Namensblatt gestalten" Die Schüler schreiben
ihren Namen, vervielfältigen ihn über die Kopierfunktion,
formatieren jeden Namen in eine andere Schrift, spielen mit verschiedenen
Schriftgrößen, eventuell auch mit verschiedenen Farben, drucken
ihr Blatt aus.
Damit
weitere Ideen nicht verloren gehen, würde ich die Liste gern Schritt
für Schritt ergänzen. Dazu bin ich auf Ihre Mithilfe angewiesen!
Also, wenn Sie Weiteres erprobt oder bereits vorhandene Ideen verfeinert
haben, schicken Sie mir doch bitte eine Mail,
damit ich Ihre Idee in die Liste aufnehmen kann. Vielen Dank!
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