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Aus: Grundschule konkret
Nr. 17/ 2002 (Hg.: Berliner Landesinstitut für Schule und Medien)
Regional
und kollegial - Fortbildung im Netz.
Neue Lernkultur und neue Medien erfordern neue Fortbildungskonzepte
Die
neuen Medien im Alltag immer gegenwärtiger - führen in
besonderer Weise dazu, dass sich das tradierte Wissen und Können
von Lehrerinnen und Lehrern als nicht mehr hinlänglich tragfähig
erweist. Immer häufiger spüren wir die Brüchigkeit gewohnter,
vor kurzem scheinbar noch praktikabler Problemlösungen, vertrauter
Orientierungen und erprobter Handlungsmuster des Unterrichtens.
Schule
und Unterricht haben inzwischen keine Vorrangstellung mehr, wenn es um
die Vermittlung von Informationen, den Erwerb von Wissen geht. In einem
am Konzept der Instruktion orientierten Unterricht können Lernchancen,
die die neuen Medien bieten, kaum entfaltet werden. Neuere Konzepte des
Lernens sind erforderlich, wenn es in immer mehr Grundschulen darum geht,
Konzepte für den Computereinsatz zu entwickeln.
Der
voranschreitende Einzug neuer Medien in die Grundschule und in den alltäglichen
Unterricht verstärkt die Notwendigkeit zum (Weiter-)Lernen - und
die Bereitschaft zum (Um)Lernen wächst. Dabei geht es für Lehrerinnen
und Lehrer jedoch nicht allein um den Erwerb digitaler Kompetenzen: Neue
Medien befördern das Bedürfnis nach einer Erweiterung der Lehrkompetenzen.
Ein Wandel der Lernkulturen ist in Grundschulen mit medial gestützten
Lernumgebungen zu beobachten...
Unser
heutiges Verständnis von Lernen erfordert eine neue Lernkultur
Die
letzten Jahrzehnte haben uns ein vertieftes Verständnis darüber
gewinnen lassen, wie Wahrnehmen, Verstehen, Problemlösen, Lernen
und Behalten sich vollziehen. Die Folge ist eine veränderte Sicht
auf den Lernenden als Subjekt seiner Lernprozesse und eine veränderte
Sicht darauf, wie Lernen organisiert werden kann und sollte.
Lernen,
so zeigen uns die Erkenntnisse der Lernbiologie, der Kognitionspsychologie
(und vielleicht auch die Beobachtungen, die wir machen können, wenn
wir uns selbst beim Lernen aufmerksam beobachten...), vollzieht sich eben
nicht als Reproduzieren des Vorgedachten, als übernehmen des Gehörten.
Lernen ist kein additiver Zuwachs an Wissensbausteinen, die die Lernenden
aufeinanderstapeln. Lernen ist ein Prozess, den jeder Lernende individuell
gestaltet, denn Lernen beruht im eigenaktiven Aufbau von Erfahrungen
in Erweiterung, Ergänzung, Veränderung vorhandener Erfahrungen.
- Lernen
so verstanden ist Konstruktion, ist ein Vorgang den jeder
Lernende selbst steuert, der von außen angeregt, aber nicht vorbestimmt
werden kann.
- Lehren
so verstanden besteht im Anbieten von Wissen und im Gestalten
von Lernumgebungen, die die Wissensaneignung unterstützen.
Das
Lernen eines anderen können wir zwar anregen, nicht aber "machen".
Zunehmend werden jene Lehrstrategien als unzulänglich erfahren, die
Lernen ausschließlich an übermittlungs- und Instruktionsstrategien
binden, jedoch die Wechselwirkungen zwischen äußeren Lernbedingungen
und inneren Strukturen der Lernenden nicht berücksichtigen. Die auch
nicht berücksichtigen, dass allein Sprache nicht geeignet ist Wissen
von einer Person auf eine andere zu übertragen. Durch bloßes
Reden eigentlich für uns alle ja eine alltägliche Erfahrung
kann man noch niemanden zum Verstehen führen. Verstehen ist
ein Ergebnis begrifflicher Operationen als ein Aufbau von Begriffen
und Beziehungen -, die jeder Lernende selbst ausführen muss. Können
kann man trainieren (durch Nachmachen, Auswendiglernen, üben, Wiederholen).
Verständnis dagegen erfordert den Aufbau von Begriffsstrukturen (durch
das Herstellen von Beziehungen, durch Verallgemeinern, Anwenden und Erweitern
von Wissen).
Neue
Medien erfordern eine neue Lernkultur
Zwei
Gedanken vorweg:
- Neue
Medien verändern die unterrichtliche Lernkultur keinesfalls bereits
dadurch, dass sie immer flächendeckender zur Standardausstattung
von Schule gehören.
Aber:
Unterricht in seiner traditionell lehrerzentrierten Ausrichtung "funktioniert"
einfach nicht mehr, wenn die zwei Rechner im Klassenraum in der Erdkundestunde
auch genutzt werden sollen.
- Um Unterricht
sach- und kindgerecht unter Bezug auf neuere lerntheoretische Erkenntnisse
zu planen und zu realisieren bedarf es keines Computers und keines Internetanschlusses.
Das haben viele Lehrerinnen und Lehrer in den letzten Jahren bewiesen,
das legen die pädagogischen Begründungen und fachdidaktischen
Konzepte für eine veränderten Lehr- und Lernkultur im Grundschulunterricht
überzeugend dar.
Aber: Sofern Computer und Internet didaktisch-methodisch zielgerichtet
und an den Lernvoraussetzzungen der Kinder orientiert genutzt werden
sollen, bedarf es ganz zwingend eines veränderten Verständnisses
über das Lernen und die Lerninhalte, über die Rolle der Lehrenden
und Lernenden im Unterricht, über die Organisation des Unterrichts.
Mit
der Integration neuer Medien als Werkzeuge des Lernens wird die Illusion
gleichschrittigen Lernens nun endgültig ad absurdum geführt.
Neue Medien mit ihren interaktiven Potenzialen eröffnen Lernenden
individuelle Wege der Informationsbeschaffung, -verarbeitung und gestaltung
(auch, aber eben auch nicht nur in der Schule). Hinzu kommt und
das ist in unserer so genannten "Informationsgesellschaft" von
besonderer Bedeutung Informationen sind noch lange nicht Wissen,
Wissen ist noch lange nicht Verstehen.
Es geht heute also darum, Lernende zu befähigen Informationen zu
finden, auszuwählen und zu verarbeiten, um Wissen zu generieren und
Verständnis zu entwickeln.
Neben
technischen Kompetenzen über die immer jüngere Grundschulkinder
bereits aus dem außerschulischen Bereich verfügen erfordert
das vor allem Kompetenzen zur selbständigen, kritischen Informationsverarbeitung.
- Ein kompetenter
Umgang mit Computer und Internet erfordert die Fähigkeit zu recherchieren,
zu selektieren, zu bewerten und zu gestalten, auszuwählen, zu entscheiden,
wann und wozu welche Medienangebote von Nutzen sind etc.
- Eigenverantwortliches
Lernen mit neuen Medien setzt voraus, dass die Lernenden über Arbeitstechniken
und Lernstrategien verfügen, die wiederum im Unterricht gelernt
werden müssen.
Methoden
des Lernens sind noch offensichtlicher - als das im Unterricht ohne neue
Medien zutage treten mag - damit gleichermaßen Voraussetzung, Inhalt
und Ziel des Unterrichts. Der erweiterte Lernbegriff seit langem
in der Diskussion, wenn es um Ziele schulischer Bildung geht er
gewinnt beim Unterricht mit neuen Medien besonderes Gewicht. Neue Medien
fordern von Lernenden mehr Kompetenzen als allein Fachwissen. Um den Herausforderungen
der modernen Wissensgesellschaft gewachsen zu sein, benötigen Schülerinnen
und Schüler Sach-, Methoden, Sozial- und Selbstkompetenz.
Neue
Medien erfordern eine veränderte Fortbildungskultur
Die
Fortbildungsoffensiven der vergangenen Jahre zeigen bei weitem nicht die
gewünschten Wirkungen: Ein sach- und zielgerichtete Einbeziehung
neuer Medien in den Unterricht ist in der Schulrealität noch keine
Selbstverständlichkeit. Intel-Schulungen und Office-Basiskurse allein
reichen offensichtlich nicht aus, um Lehrerinnen für diese Veränderungen
zu befähigen und zu öffnen. Kompetenzen im Umgang mit Hard-
und Software sind erforderlich, um das Texteverfassen am Computer in den
Deutschunterricht zu integrieren. Aber: Kenntnisse um den Schreibprozess,
um didaktische Prinzipien der altersgerechten Förderung der Schreibkompetenzen,
um die textuellen Merkmale spezifischer Schreibanlässe und um die
erforderlichen Lernhilfen sind gleichermaßen erforderlich wie Strategien
der Unterrichtsorganisation zur Einbeziehung neuer Medien.
Um
die Vielfalt der Phänomene, die sich bei der Planung und beim Einsatz
neuer Medien z. B. im Deutschunterricht eines 2. Schuljahres -
ergeben, zu bedenken und darauf reagieren zu können, bedarf es weiter
reichender Fortbildungsangebote.
- Handlungskompetenz
lässt sich nicht auf Handhabungskompetenz reduzieren.
- Medienhandhabungskompetenz
ist nur ein Aspekt von Medienkompetenz.
ForMeL
G ein Projekt im Rahmen des BLK-Programms SEMIK
ForMel
G - "Fortbildungskonzept zur Entwicklung neuer Lernkulturen in der
Grundschule unter Einbeziehung neuer Medien im Klassenraum" - ist
ein Vorhaben des Landes Berlin in Zusammenarbeit mit der BundLänderKommission
für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in Bonn im
Rahmen des Programms "Systematische Einbeziehung von Medien, Informations
und Kommunikationstechnologien in Lehr und Lernprozesse - SEMIK".
Das Projekt wurde im August 1999 gestartet und endet voraussichtlich Ende
Juli 2003. Es wird unter dem Dach des Berliner Landesinstituts für
Schule und Medien (LISUM) durchgeführt. Das SEMIK-Vorhaben wird durch
die Ludwig Maximilians Universität München, Institut für
Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie, im Rahmen
der Gesamtevaluation wissenschaftlich begleitet. Unterstützung bei
der internen Evaluation im Projekt ForMeL G erfolgt gleichfalls durch
die LMU München.
Für
Lehr/Lernprozesse mit neuen Medien so das Anliegen des Berliner
SEMIK-Projekts ForMeL G - sollten in Lehrerfortbildungen wie im Unterricht
daher didaktische Prinzipien einer veränderten Lernkultur leitend
sein: Problemorientiertes Lernen, Balance zwischen Instruktion und Konstruktion,
Lernen anhand authentischer Probleme (situiertes Lernen), selbstgesteuertes
und kooperatives Lernen. Im Berliner BLK-Modellvorhaben werden Konzepte
für eine spezifisch grundschuldidaktisch ausgerichtete Qualifizierung
von Lehrerinnen und Lehrern zur sach und zielgerichteten Einbeziehung
neuer Medien in den Unterricht erarbeitet.
In
den letzten beiden Jahren begannen wir mit der Etablierung eines Fortbildungsnetzwerks,
das Lehrerinnen und Lehrern Orientierung und Unterstützung bei der
Entwicklung veränderter LehrLernKonzepte, die die Einbeziehung
Neuer Medien in den Unterricht erfordern, bieten soll. In schulinternen
und regionalen Fortbildungen eröffnen sich für Lehrerinnen und
Lehrern Chancen eines standordnahen und bedarfsorientierten - Lernens
von- und miteinander im Rahmen des kollegialen Austauschs über technische
und didaktischmethodische Entwicklungen und praxisbezogene Beispiele.
In diesem Zusammenhang wird eine Qualifizierungsprogramm für Multiplikatoren,
die regional und schulintern Kolleginnen und Kollegen im technischen Gebrauch
und didaktischmethodischen Einsatz neuer Medien beraten und unterstützen,
entwickelt und erprobt.
Für
die Arbeit im Modellvorhaben ForMeL G sind folgende Grundannahmen leitend:
- Neue
Medien sind Werkzeuge, die im Lehr-Lernprozess als Lernmedium oder Lerngegenstand
ihren didaktischen Ort haben können
- Medienkompetenz
ist mehr als Mediennutzungskompetenz. Lehrgänge zur Vermittlung
technischer Grundfertigkeiten greifen zu kurz: Bei der Nutzung neuer
Medien für inhaltliche Ziele lernen Schülerinnen wie Lehrerinnen
nachhaltiger
- Für
Schülerinnen wie Lehrerinnen gilt es ein Grundverständnis
medialer Ressourcen und Anwendungsfelder zu entwickeln mit dem
Anliegen um selbstständiges und kooperierendes Lernen im Zuge dieses
Erwerbsprozesses
- Neue
Medien, neuere Erkenntnisse der Lernbiologie, erfordern eine Weiterentwicklung
tradierter Formen der Wissensvermittlung und Unterrichtsgestaltung,
erfordern eine neue Lernkultur und eine Veränderung der Lehrer-
wie Lernerrolle.
Die
im Projekt ForMeL G zu erarbeitenden und zu erprobenden Fortbildungskonzepte
zielen in zwei Richtungen:
- die Fortbildungen
sollen LehrerInnen zum technisch souveränen und didaktisch sinnvollen
Einsatz neuer Medien im Unterricht befähigen
- die
Fortbildungen sollen Lernarrangements und Lernmethoden transportieren,
die in die Unterrichtspraxis der Teilnehmer zurückfließen
und so dazu beitragen, eine Veränderung der Lernkultur zu befördern.
Fortbildungsangebote
in den Regionen
Die
23 Bezirke Berlins wurden in sechs Regionen eingeteilt. Jeder Region wurde
eine Fortbildungsschule zugeordnet. Sechs Schulen in Spandau, Reinickendorf,
Schöneberg, Neukölln, Hohenschönhausen, Kreuzberg nehmen
seit dem Schuljahr 1999/2000 an dem Projekt teil. Eine Lehrkraft jeder
Schule ist mit Multiplikatorenaufgaben betraut, führt Fortbildungsveranstaltungen
durch und dient dem Kollegium der eigenen Schule sowie den Kolleginnen
und Kollegen der Schulen der Region als Ansprechpartner.
Die
Fortbildungen zielen darauf ab
- veränderte
Formen des Lehrens und Lernens zu implementieren, die u. a. durch die
Einbeziehung neuer Medien in den Grundschulunterricht, in der heutigen
Schule unverzichtbar sind
- Lernformen
zu etablieren, die selbstgesteuertes und situiertes Lernen sowie kooperative
Arbeitsverfahren bei der Einbeziehung neuer Medien in den Unterricht
unterstützen
- Lernumgebungen
zu transportieren, die eine Integration neuer Medien in den Klassenraum
unterstützen.
Zwei
Jahre ForMeL G - Prozesse und Zwischenergebnisse
Alle
Beteiligten traten mit dem Start des Berliner Vorhabens 1999 als Lernende
in das Projekt ein, denn zu diesem Zeitpunkt war auch in den Berliner
Grundschulen erst wenig Erfahrung im Unterricht mit neuen Medien bzw.
im Erproben veränderter Lernformen unter Einbeziehung neuer Medien
vorhanden. Voraussetzungen, die in den Projektzielen mitschwingen, werden
im Verlauf der Projektarbeit z. T. erst erarbeitet bzw. sukzessive weiterentwickelt.
Die Multiplikatoren sind also gleichermaßen Lehrende wie Lernende.
Die
Fortbildungsschulen in den Regionen kooperieren seit Beginn des Schuljahres
2000/01 mit weiteren im Netzwerk assoziierten Schulen. Die Multiplikatoren
fanden im eigenen Kollegium und in der Region als kompetente Ansprechpartner
große Akzeptanz. Sie bieten schulintern und regional Fortbildungen
an und beginnen sukzessive über kooperatives Arbeiten, ModellLernen,
Erfahrungsaustausch, theoriegeleitete Praxisreflexion, Konzeptentwicklung
weitere Multiplikatoren zu qualifizieren. In diesem Zusammenhang erproben
sie weiterhin auch selbst didaktische Konzepte für einen sach
und fachgerechten Medieneinsatz in verschiedenen Lernbereichen
und Fächern, tauschen Unterrichtsmodelle und Fortbildungskonzepte
schulintern und regional aus und dokumentieren sie z. T. auf der schuleigenen
Website . Die Multiplikatoren erarbeiten, erproben und evaluieren
bei individuell unterschiedliche Schwerpunkten verschiedene Settings
von Fortbildungen (Veranstaltungsreihen, Workshops, Arbeitskreise, Tutoring)
und beginnen z. T. damit, diese in übertragbare Fortbildungsmodelle
zu überführen.
In
allen Projektsschulen zeigte sich, dass Kolleginnen und Kollegen als Fortbildner
hohe Akzeptanz erfahren, dass konkrete Unterrichtsbeispiele und ergebnisse
Lehrerinnen und Lehrer ermutigen Unterricht mit neuen Medien zu erproben,
dass die Auseinandersetzung mit neuen Medien eine nachhaltige Auseinandersetzung
mit dem Lernen in Gang setzt.
Das
alle SEMIK-Projekte leitende Konzept der Problemorientierung von Lehr-
und Lernprozessen spiegelt sich in Fortbildungen in der Gestaltung von
Lernumgebungen wider, die - bei einem ausgewogenen Verhältnis von
Instruktion und Konstruktion - das Lernen und die Frageinteressen der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Zentrum rücken. Lernende
und somit natürlich auch lernenden LehrerInnen in Fortbildungen zum
Unterricht mit neuen Medien - brauchen eine Lernumgebung,
- in der
sie an der Auswahl der Lerninhalte und der Gestaltung der Lernprozesse
beteiligt werden,
- in der
sie sich in ihrem Vorwissen ebenso wahrgenommen wie akzeptiert sehen
und
- in der
sie Anregungen und Unterstützung für die Bewältigung
persönlich bedeutsamer Aufgaben erhalten.
Damit
verbunden ist in den Fortbildungen an den Projektschulen ein Lernen an
realen Problemen (z. B. Herstellen und Bearbeiten digitaler Fotos) und
in authentischen Situationen (für ein Unterrichtsvorhaben "Unsere
Schulumgebung"), ein flexibler Umgang mit dem Gelernten, die Beachtung
von Transfer, ein Lernen im Dialog mit Lehrenden wie Mit-Lernenden, unterstützt
und angeleitet durch die Lehrperson und die von ihr vorstrukturierte Lernumgebung.
Ein besonderer Stellenwert kommt in den Fortbildungen dem Anliegen zu,
Lehrenden in ihrer Rolle als Lernende immer auch anzuregen, einmal über
das eigene Lernen bewusst nachzudenken. Um Kinder beim Lernen zu begleiten
und sie anzuregen über ihre Lernschritte und ergebnisse nachzudenken
ist es hilfreich, wenn wir als Lehrende uns unsere individuellen Lernstrategien,
unser Umgehen mit dem Fehler ebenso wie mit dem Erfolg vergegenwärtigen.
Metakognitive Fähigkeiten sind unverzichtbar für eine veränderte
Lehr- und Lernkultur.
Im
Projekt ForMeL G zeichnet sich ab, dass insbesondere eher informelle Fortbildungsangebote
hohe Akzeptanz erfahren, bei denen Lehrerkräfte sich mit individuellen
Fragestellungen z. B. an einem festen monatlichen Termin an den Multiplikator
wenden oder sich mit Kollegen über Fortbildungsbedürfnisse,
Erfahrungen und aktuelle Probleme austauschen können. Ein Lernen
voneinander und miteinander in vorstrukturierten Lernumgebungen, in denen
die Lernenden eigenaktiv und zunehmend selbständig Lösungswege
erproben und ihre Lernwege reflektieren, wurde in etlichen Projektschulen
selbstverständlicher Bestandteil schulinterner und regionaler Fortbildungsarbeit.
All
diese bedarfsorientierten Fortbildungsangebote zum Einsatz von Textverarbeitung
und Malprogramm im Deutschunterricht, zum Erstellen kurzer Videoclips
im Kunstunterricht, zum Veröffentlichen der "Elfchen" im
Internet, zur Internetrecherche im Rahmen des "Planeten-Projekts",
zum Erproben von Lernsoftware, sie spiegeln es wider: Lernende lernen
erfolgreicher, wenn sie einen persönlichen Nutzen in den Informationen
und Aufgabenstellungen erkennen.
Einige
Beispiele aus den Fortbildungsschulen mögen Sie anregen, die Angebote
zu nutzen.
Tutoring
on demand
Ein
individuelles Betreuungs-/Beratungsangebot, dass für einzelne wie
mehrere Kollegen bedarfsorientiert zugeschnitten wird, wird offenbar dem
Umstand besonders gerecht, dass sich situativ eingebettete, einfache Einweisungen
und wiederholte Unterstützungen in der konkreten Arbeitssituation
vor Ort (in der Klasse, im Computerraum der Schule) besonders nachhaltig
auf die Bereitschaft von LehrerInnen auswirken Unsicherheiten abzubauen,
Innovationsfreude und Kooperationsbereitschaft zu entwickeln. In Spandau
und Reinickendorf, wird "Tutoring on demand" schulintern
z. T. auch regional von Thomas Kahlki und Frieder Klapp mit Erfolg
etabliert. Neben breiter Resonanz verzeichnen die Multiplikatoren vor
allem auch eine deutliche Steigerung der Bereitschaft der Kolleginnen
und Kollegen, neue Medien immer konsequenter auch in den alltäglichen
Unterricht zu integrieren.
Workshops
Gleichfalls
als eher informelle Veranstaltungen ausgerichtet sind Workshops, welche
themenorientiert (Gestaltung einer interaktiven - Schul-Website
mit Kindern und für Kinder) oder offen (Bearbeitung aktueller Fragen
und Vorhaben der Teilnehmer) angelegt sein können. Workshops
so die Erfahrungen aus etlichen Regionen - , eröffnen besonders vielfältige
Chancen für ein Lernen von- und miteinander. Auch die TeilnehmerInnen
fungieren in diesen offenen Lernumgebungen untereinander als Berater,
auch die Multiplikatoren treten als Mit-Lernende auf. Diese Form der Fortbildung
findet hohe Akzeptanz und setzt nachhaltiges Interesse wie auch Bereitschaft
in Gang, das im Workshop Erarbeitete in den eigenen Unterricht fließen
zu lassen. Workshops (und z. T. auch die Tutoring-Angebote) stellen zweifellos
aber besondere Anforderungen an die Lernumgebung (Hard-/Softwareausstattung,
vorbereitete und doch "offene" Angebote für TeilnehmerInnen)
und an die Flexibilität und Kompetenz des Multiplikators (situativ
zu lösende Fragen, Souveränität auch einmal Kenntnislücken
zu offenbaren etc.). Daraus erklärt sich, dass sich das Workshop-Konzept
bisher erst an zwei Projektschulen, deren Multiplikatoren eng kooperieren,
fest etabliert hat.
Fach/Regionalkonferenzen
In
mehreren Regionen wurden auf Initiative der Multiplikatoren Foren zum
informellen, schulübergreifenden Austausch für interessierte
Kollegen etabliert . Thematische Schwerpunkte waren in einer Region bislang
vorwiegend technische Fragen der Vernetzung, der Systempflege sowie organisatorische
Fragen zur Hard/Softwarebeschaffung und einrichtung, in der
anderen Region fachspezifische, den Deutschunterricht der Grundschule
betreffende Aspekte des unterrichtlichen Medieneinsatzes.
Regional-/Fachkonferenzen eröffnen eine Plattform, die den schulübergreifenden
Austausch ermöglicht und dadurch Kooperationen erschließt und
vielfältige Impulse zu bündeln vermag.
Unterrichtsbegleitung
Eine
Form der kollegialen Fortbildung, die geeignet erscheint neben technischen
Kompetenzen auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln,
ist das Unterrichten im Team. Hier eröffnen sich Chancen die Perspektive
zu wechseln, Lehrerhandeln gleichermaßen als Beobachtender wie Agierender
wahrzunehmen. Unterricht gemeinsam zu planen und durchzuführen hilft
blinde Flecken aufzudecken und regt dazu an, ihn in seinen Prozessen und
Ergebnissen im gemeinsamen Gespräch zu reflektieren. "Begleitung"
- so verstanden - setzt voraus, dass beide Kollegen den Lehr-Lern-Prozess
in Planung und Durchführung verantworten, um ihn gemeinsam auswerten
zu können. Hospitationen mit technischer Unterstützung ("Wenn
ihr die Fotos einscannnen wollt, geht zu Frau Schulze
") mögen
kurzfristig entlastend erscheinen, erweitern aber noch nicht nachhaltig
die technische und didaktisch-methodische Professionalisierung der beteiligten
Lehrkräfte. Unterrichtsbegleitungen unter dem Fokus didaktisch-methodischer
Konzepte im Hinblick auf eine Veränderung der Lernkultur im Unterricht
mit neuen Medien zu praktizieren ist im kommenden Projektjahr in einigen
Regionen geplant.
Perspektiven
Wenn
der Einsatz neuer Medien im Unterricht zu einer Veränderung der Lernkultur
beitragen soll, müssen Fortbildungen Prinzipien dieser Lernkultur
ebenfalls verpflichtet sein. Sie müssen eine anregende Lernumgebung
eröffnen, in der selbstverantwortliches, selbstorganisiertes, eigenaktives
Lernen in kooperativen Arbeitsformen - bei kommunikativem Austausch -
in einem ausgewogenen Verhältnis von Instruktion und Konstruktion
ermöglicht und bewusst erfahren werden können. Die aktive Rolle
des Lernenden, Interaktivität in der Kommunikation mit dem Medium,
Kooperation und Kommunikation mit Partnern, die veränderte Rolle
des Lehrenden, die Entdeckung des Fehlers als Lernchance, die Individualität
und Heterogenität der Lernwege und ergebnisse all dies
sind Beobachtungen, die in Fortbildungs ebenso wie Unterrichtssituationen
deutlich werden. Die Nachhaltigkeit des Lernens in problembezogenen Lernsituationen
spiegelt sich in den bisherigen Ergebnissen im Projekt ForMeL G wider.
Fortbildungsangebote zur Qualifizierung für einen "neuen"
Unterricht mit "neuen" Medien finden bei Lehrerinnen und Lehrern
der Berliner Grundschule großes Interesse, wenn vor allem
schulintern, zumindest aber regional Angebote existieren, die auf
die spezifischen Bedingungen an der Schule und die Unterrichtspraxis zugeschnitten
sind. Unterrichtsbezogene Anwendungsbeispiele und individuelle Ergebnisse,
die sich Lehrerinnen in Fortbildungen selbst erarbeiten so unsere
die Erfahrungen im Projekt ForMeL G wirken sich stärkend auf
das Selbstvertrauen im Umgang mit neuen Medien und das Interesse selbst
Unterricht mit neuen Medien zu realisieren aus.
Literatur
Arnold,
Rolf / Schüßler, Ingeborg: Wandel der Lernkulturen. Darmstadt
1998.
Huber, Kegel, Speck-Hamdan (Hrsg.): Schriftspracherwerb: Neue Medien
Neues Lernen!?. Braunschweig 1999.
Glasersfeld, Ernst von: Aspekte einer konstruktivistischen Didaktik. In:
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hg): Lehren und Lernen
als konstruktive Tätigkeit. Soest 1995. S. 7-14.
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hg): Lehren und Lernen
als konstruktive Tätigkeit. Soest 1995.
Thomé, Günther und Dorothea (Hrsg.): Computer im Deutschunterricht
der Sekundarstufe. Braunschweig 2000.
Wyrwa, Holger: Konstruktivismus und Schulpädagogik Eine Allianz
für die Zukunft? In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung
(Hg): Lehren und Lernen als konstruktive Tätigkeit. Soest 1995. S.
15 45.
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PDF-Fassung.
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des kompletten Aufsatzes "Regional und kollegial - Fortbildung
im Netz..."
© Dagmar Wilde, Berlin August 2001

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