
Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW hat in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung ein Portfolio Medienkompetenz für die Sekundarstufen (ab Klasse 5) entwickelt und erprobt. In dem Workshop sollen das dem Konzept zugrunde liegende Verständnis von Medienkompetenz und die Arbeit mit dem Portfolio erläutert werden.
Dabei geht es um Anwendungsmöglichkeiten in der Grundschule - sowohl im Hinblick auf die Dokumentation von Lernprozessen und Lernergebnissen der Schülerinnen und Schüler als auch um die Bedeutung des Instruments für die Entwicklung medienpädagogischer Konzepte in der jeweiligen Schule.
Rückblicke
Was ist ein Portfolio? Kaum eine der sechs Teilnehmerinnen – drei Lehramtsanwärterinnen und drei Lehrerinnen in Aus- und Fortbildungsfunktion – wagte zunächst zuzugeben, dass sie sich nichts dar-unter vorstellen konnte. Ein Portfolio ist eine Sammelmappe mit Dokumenten, eine Angebotspa-lette. In einem Portfolio „Medienkompetenz“ dokumentieren Schülerinnen und Schüler ihre im Laufe ihrer Schulzeit erworbenen Fähigkeiten im Themenbereich Medien. Erreicht wird damit die Re-flexion von Lernen und Leisten und das Bewusstwerden von Lernfortschritten.
Leider
hatte die Referentin nur ein Blankoexemplar und ein sehr dürftiges Beispiel
eines bereits ausgefüllten Formulars mitgebracht, so dass es eine geraume
Zeit dauerte, bis bei uns ein differen-ziertes Bild des Instruments und seiner
Möglichkeiten entstand.
Die Referentin stellte fest, dass ein Portfolio nur dort einzusetzen ist, wo
breit gefächerte Unter-richtsangebote bestehen, aus denen individuelle
Ergebnisse entstehen können. Daraus ergibt sich notwendigerweise die Akzeptanz
eines erweiterten Lernbegriffs seitens der Unterrichtenden und damit auch ein
veränderter Umgang mit dem Bewerten.
Der Einsatz des Portfolios im eigentlichen Sinne ist sicher erst in der zweiten
Hälfte der SEK I und in der SEK II möglich. Erst dann besteht die
Motivation der Jugendlichen, im Hinblick auf ihren zukünftigen Beruf ihre
Medienkompetenz zu dokumentieren.
Konsens bestand aber in der Notwendigkeit der Anbahnung von Selbstevaluation bereits in den ers-ten Klassen der Grundschule. Schülerinnen und Schüler sollen die Bedeutsamkeit der Reflexion ei-genen Lernens erfahren und als wichtigen Teil des Unterrichts kennen lernen. Dazu gehört, dass Lehrerinnen und Lehrer diesen Themenbereich problematisieren und mit den Kindern diskutieren. Am Ende der Grundschulzeit (in Berlin nach der 6. Klasse) sollten sie in der Lage sein, ihre Stärken und Schwächen zu benennen und für sie wichtige und geeignete Formen des Lernens zu erkennen. Dazu gehört auch die Einbeziehung der Eltern, indem sie über das Unterrichtskonzept informiert werden und ihnen die Grundsätze des veränderten Lernens transparent werden.
Diese
in angeregter Diskussion gewonnenen Erkenntnisse wurden auf einem Plakat
von den Teilneh-merinnen visualisiert. Leider zog es die Referentin bei der
Präsentation der Gruppenergebnisse vor, den Verlauf des Workshops lediglich
zu verbalisieren und verschenkte damit eine einprägsame Vermittlung über
mehrere Kanäle.
Das Konzept und die Formulare des Portfolios sind im Internet zu finden unter
www.learn-line.nrw.de/angebote/medienbildung/portfolio/info.htm.
Des Weiteren sei hingewiesen auf das Jahresheft 2001 des Friedrich-Verlags, in dem sich der Artikel von Johanna Schwarz „Die eigenen Stärken veröffentlichen“ mit dem Einsatz des Portfolios in verschiedenen Unterrichtsbereichen beschäftigt.
Gudrun von Wysiecki, Berlin