Lehramtsanwärter/innen berichten als friendly reporter
über die Abschlusstagung des Berliner SEMIK-Projekts ForMeL G
am 12. Juni 2003

 

Bericht über den Workshop 17

Lernen an Stationen - Beispiele aus der Arbeit mit der Software "Lollipop" bzw. "Deutschbuch interaktiv" (Cornelsen Verlag)

Der Workshop begann mit einer fünfzehnminütigen Präsentation von Bildern aus dem Lernen an Stationen einer fünften Klasse zum Thema Doppelkonsonanten. Gezeigt wurden folgende Stationen:
- Tintenklecksschreiben
- Doppelkonsonanten kneten
- Brett und Ball
- Sätze mit Doppelkonsonanten schreiben

Die übrigen 75 Minuten hielt der Referent einen Vortrag, der durch Folien und Vorführungen der Computerprogramme visuell unterstützt wurde.

Zunächst wurde das Lollipop-Programm für die erste Klasse präsentiert. Nach Meinung des Referenten ist dieses Programm gut bis zur dritten Klasse einzusetzen. Der Referent erläuterte, wie der Lehrer den einzelnen Kindern seiner Klasse die Aufgaben der CD zuweist. Er demonstrierte, wie die Kinder im Unterricht bei der Arbeit mit dem Programm ihren eigenen Namen anklicken. Weiterhin empfahl er, die Kinder im Schneeballsystem in das Programm einzuführen.

Das Lollipop-Programm bietet folgende Vorteile:
Der Lehrer kann schnell die Schwierigkeitsstufen einstellen.
Die Kinder erhalten direkte und sofortige Rückmeldung, ob ihre Ergebnisse richtig sind.
Es gibt eingebaute Hilfefunktionen: Beim sogenannten "offenen Schreibtool" liest eine Flüstertüte den Kindern synthetisiert vor, was sie geschrieben haben. Die sprechende Tastatur nennt zu jedem Buchstaben die verschiedenen passenden Laute. Ein Korrekturstift im "offenen Rechentool" gibt Hilfen, sich an die Lösung heranzuarbeiten, wenn der Schüler einen Fehler gemacht hat.

Das Lollipop-Programm hat folgenden Nachteil:
Die bearbeiteten Aufgabenblätter können mit Ausnahme der offenen Tools nicht ausgedruckt werden.
Wird das Lollipop-Programm beim Lernen an Stationen eingesetzt, so ist die Software nur ein Werkzeug in einem Kanon von Möglichkeiten, denn es ist wichtig, dass die Kinder auf verschiedene Weisen am selben Thema arbeiten.

Danach stellte der Referent noch kurz das ähnlich funktionierende "Deutschbuch interaktiv" vor.

Ich habe durch diesen Vortrag ein Computerprogramm kennen gelernt, von dem ich mir vorstellen kann, es in der ersten oder zweiten Klasse einzusetzen, vor allem wegen der Hilfefunktionen.

Die ausschließliche Vortragsform am Nachmittag in einem völlig überhitzten Raum forderte von den Zuhörern allerdings viel Geduld, zumal der rote Faden und der Bezug zum Stationenlernen nicht immer klar zu erkennen waren.

Annemarie Beck (Fachseminar VU, D. Wilde)


 

In diesem workshop stellte Herr Affelt, ein junger Lehrer aus einer Grundschule in Brandenburg, seine Arbeit mit zwei Softwareprogrammen des Cornelsen Verlages vor. Wie sehr er mit seinen Darstellungen ganz aus dem aktuellen Schulleben greift, sollten wohl die digital hergestellten Bilder zeigen, die noch am selben Morgen im Unterricht erstellt wurden. Sie zeigten Schüler einer 5. Klasse und ihre Arbeitsergebnisse an verschiedenen Stationen zum Thema "Verdopplung von Konsonanten und Vokalen": Worte, mit Tintenkiller in einen Tintenklecks geschrieben, geknetete Buchstaben, Schüler die einen Ball eine schiefe Ebene hinauf und wieder herunter rollen lassen und - so wurde uns erklärt - dabei die entsprechenden Worte lautieren und schließlich auch ein glücklich strahlender Schüler am Computer.

Es sollte also nicht darum gehen, den Computer in Konkurrenz zum Lehrer oder den herkömmlichen Medien und Arbeitsmaterialien zu sehen, sondern als ein bereicherndes Medium, das es einzusetzen gilt, wenn es sich anbietet. Dies stellte Herr Affelt gleich zu Beginn klar.

Wir lernten die Software über die Vermittlung des Beamers kennen. Wir sahen wie schnell und einfach der Lehrer den Schülern die verschiedenen Aufgaben zuteilt. Dazu nutzt er ein umfangreiches Handbuch, muss also nicht mühsam alle Aufgaben anklicken. Er kann dabei ganz individuell, gruppenweise oder nach bestimmten Kategorien die Aufgaben zuteilen. Durch diese Vorgabe vermeidet er, dass die Schüler sich mit Aufgaben beschäftigen, die für sie seiner Einschätzung nach nicht relevant sind. Die Protokollfunktion des Computers erleichtert dem Lehrer auch den Überblick über die schon geleistete Arbeit der Schüler. Ihr kann er für den einzelnen Schüler das Bearbeitete und den zeitlichen Verlauf der Bearbeitung entnehmen. Außerdem zeigt eine Statistik die Fehlerhäufung an.

Dies sind die Vorteile, die uns Herr Affelt für den Einsatz der Software im Unterricht nannte:
- eine Vielzahl an Angeboten, ermöglicht eine breit gefächerte Differenzierung im Unterricht
- die Protokollfunktion erleichtert die Übersicht
- es wird kein Papier verbraucht
- erhöhte Motivation auf Seiten der Schüler, insbesondere derjenigen mit Lernschwierigkeiten
- zu jedem Aufgabenbereich können parallel ähnliche Aufgaben im entsprechenden
Arbeitsbuch oder Arbeitsheft von Cornelsen bearbeitet werden.

Den einzige Nachteil in der Software liegt laut Affelt darin, dass die Schüler kein Feedback bzw. kein Dokument für das Geleistete erhalten. Die 11/2 Stunden des workshops waren mit sehr viel Information und Anschauungsmaterial gefüllt. Ein individuelles Ausprobieren der Software, sowie eine kritische Diskussion war nicht vorgesehen. Es blieb kein Raum, um sich eine persönliche Meinung zu bilden. Auf diese Weise wirkte der "workshop" - nennen wir es lieber "Vortrag" - wie eine Werbeveranstaltung des Cornelsen Verlages. Denn passend zu den begeisterten Ausführungen von Herrn Affelt verteilte eine Vertreterin des Cornelsen Verlages Werbematerial an die Teilnehmer.

So bleiben noch einige Fragen offen:

Was macht den Reiz des Computers bzw. der Software aus? Ist es vielleicht nur der Reiz des ungewohnten Mediums? Wann "bietet es sich an", die Arbeitsaufgaben am Computer zu lösen? Ist bei manchen Aufgaben nicht gerade die haptische oder motorische Erfahrung entscheidend, die beim Computer wegfällt?

Wie "offen" ist Unterricht, in welchem die Aufgaben zugeteilt werden? Wie selbständig sind Schüler in ihrem Lernprozess, die nur das erwartete Soll erfüllen? Legt der Einsatz des Computers tatsächlich eine Öffnung des Unterrichts nahe?

Und schließlich: Stehen Aufwand und Nutzen für den Lehrer sowie für die Schule in der Anschaffung in einem angemessenen Verhältnis zueinander?

Aurelia Forster


 

Die digitalen Fotos bestachen durch motiviert arbeitende Schüler. Es waren Fünftklässler bei der Arbeit an Stationen zum Thema "Doppelte Konsonanten" zu sehen. Zwei Mädchen malten Übungswörter mit dicken Wachsmalstiften, ein Junge schrieb mit einem Tintenkiller in einen Tintenklecks, ein weiteres Kind spielte an einer schiefen Ebene "Brett und Ball". An anderen Lernstationen knetete ein Junge Doppelkonsonanten, zwei seiner Mitschülerinnen brachten Sätze mit bestimmten Wörtern zu Papier, andere Kinder saßen an Computern und arbeiteten mit einer Lernsoftware.

Durch diese kleine Foto-Show untermauerte der Referent Julian Affelt gleich zu Beginn des Workshops die Praxisorientierung und –tauglichkeit seines Konzeptes. Die Aufnahmen waren erst einige Stunden zuvor in seinem Unterricht an einer Brandenburger Grund- und Gesamtschule entstanden.

Bevor Herr Affelt jedoch auf den Computereinsatz in seinen Klassen eingehen wollte, stellte er der Zuhörerschaft knapp die Geschichte und die Notwendigkeit vom Unterricht mit Stationen dar. Die Heterogenität der Lernenden verlange geradezu nach einer Öffnung des Unterrichts, da auf diese Weise den unterschiedlichen Lerntypen und den individuellen Bedürfnissen der Kinder entsprochen werden könne.

Der Referent sprach sich in jedem Fall für die Einrichtung einer Medienecke im Klassenraum aus. Der Einsatz des PC solle als methodische Erweiterung betrachtet werden. Eine Lexikon-CD-ROM beispielsweise könne vielfältig im Fachunterricht eingesetzt werden und für die Schüler Sachinformationen in Biologie oder Geschichte bereit halten.

Damit seine Ausführungen nicht im luftleeren Raum verhallten, begleitete Herr Affelt seine Ausführungen mit Hilfe der Lernsoftware "Lollipop", die er für alle gut sichtbar an die Wand projizierte.
"Lollipop" wurde vom Cornelsen Verlag in Zusammenarbeit mit der Grundschulpädagogin Barbara Kochan (TU Berlin, Schreibwerkstatt) entwickelt und ergänzt die Lollipop-Arbeitshefte.

Der Referent verwies auf seine praktischen Erfahrungen mit dieser Lernsoftware in den letzten Jahren. Er setzt sie sowohl im Mathematikunterricht als auch im Deutschunterricht beim Stationslernen ein.
Mit Hilfe des "Lehrertools" kann vorher für jeden Schüler ein Schwierigkeitsgrad und eine individuelle Aufgabe festgelegt werden. Jeder Schüler erhält eine unverzügliche Rückkoppelung, ob seine Lösung stimmt. Beim Rechnen gibt der "Checker-Stift" eine unverzügliche Rückmeldung – bei den Übungen zum Lernbereich Deutsch helfen eine Lauttabelle und manchmal sogar eine synthetische Sprachausgabe, die Schreibungen der Schüler laut vorlesen kann!
Die Animationen sind auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet und motivieren spielerisch mit viel Humor.
Das abschließende Fazit lief darauf hinaus, dass beim Einsatz von PC oder Lernsoftware im Unterricht sowohl besonders die mittleren und guten Schüler profitieren. Aber auch Kinder, die man sonst nur schwer erreicht, arbeiten und können Lernzuwächse verzeichnen.

Letztgenanntes wurde sofort von einem Lehrer aus dem Publikum unterstrichen. Seiner Meinung nach sei Lernsoftware deshalb so wertvoll, da sie keine Unmutsignale aussenden würde und somit viel geduldiger als ein Pädagoge sei. Die Überprüfung des im Workshop – leider nur visuell und akustisch – Vermittelten wird jedem Lehrer und jeder Lehrerin deshalb dringend ans Herz gelegt!

Von Michaela Dies (LA, 3. SPS Tempelhof-Schöneberg)