Dagmar Wilde
IX, 2. Schulpraktisches Sem. (L)
Fachseminar für vorfachlichen Unterricht
Januar 1986

Kurzübersicht zur Entwicklung des Sachunterrichts


Literatur zur Vertiefung:

  • Meier, Richard: Sachunterricht. In: Bartnitzkv/Christiani, Handbuch der Grundschulpraxis und Grundschuldidaktik, Stuttgart 1981.
  • Beck/ Claussen: Einführung in die Probleme des Sachunterrichts, Kronberg 1976.
  • Katzenberger: Der Sachunterricht der Grundschule, I-III, Ansbach 1972-1975.

1921 erster Lehrplan für Heimatkunde (württemberg. Ministerium für Kirchen- und Schulwesen)

Komponenten dieser Didaktik

  • einfache Vorstellung von der Entwicklunq der Kinder, den zugehörigen Methoden und Inhalten des Unterrichts

  • darauf aufbauende Vorstellungen von Abfolge und Bedeutung der Unterrichtsthemen

  • methodische Modelle - bis ins Detail ausdifferenziert

In der alltäglichen Praxis ergaben sich Verflachungsprozesse

  • Substanzverlust bei Übertragung auf große Lerngruppen

  • Verplanung in Stoffverteilungsplänen

  • differenziertes Materialangebot, das Handlungen über Papier, Bild, Karte etc. überflüssig erscheinen ließ

  • Erstarrung des Unterrichts in Standardthemen

  • Reduzierung der method. Bandbreite auf aufwandlose Verfahren

  • Überbewertung der Stoffkenntis

  • Uberfrachtung des Heimatkundeunterrichts (HKU) als Zentrum des Gesamtunterrichts

1966 Kritik des Heimatkundeunterrichts setzt ein

  • läßt aber dessen positive wie negative Entwicklungen unbeachtet, sondern bezieht sich fast ausschließlich auf die vermutete politische Wirksamkeit dieses Unterrichtsbereiches

  • didaktische Prozesse und Erfahrungen der Vergangenheit wurden nicht verwertet! Unterrichtsbeispiele ("Stromkreis", "Maqnetismus") erscheinen

1968 Adaption amerikanischer Konzepte und Unterrichtsmaterialien

1968 - 72 erste Generation der Lehrpläne erscheint

Charakteristika

  • Fülle von Themen

  • Unterscheidung von Aspekten in Zuordnung zur Bezugswissenschaft

  • Schlüsselbegriffe - wie z.B. "Wissenschaftsorientierung" - bleiben unklar (teils Ausrichtung an Fächern Sek, teils Vermittlung von Methoden der Wissenschaften)

1972 - 77 verschiedene Konzeptionen des Sachunterrichts werden diskutiert

drei Ansätze

1)
Exemplarische Vorführung von Grundstrukturen einer Wissenschaft, Lernen der Kinder an der Struktur der Wissensch. orientiert

2)
Methoden einer Wissenschaft werden vermittelt (Inhalte dienen als Übunsgelegenheit)

3)
in Handlungsfolgen sollen Sch. Wirklichkeitsausschnitte im Unterricht lebendig werden lassen. Nacherfahren von Wirklichkeit soll handlunqsfähiq machen

Zeit der Arbeitsmaterialien; Sachschwerpunkte werden je nach existierenden Materialien gesetzt

1977 - 80 zweite Generation der Lehrpläne

  • Charakteristika: nur noch allgemeine Vorgaben (wie "Wissenschaftsorientierung, Umweltorientierung, handelnder Umgang, selbständiges Lernen")

  • Reduzierung des naturwissenschaftlichen Schwerpunkts im Bereich Technik/Physik

Wichtigste Prinzipien des Heimatkundeunterrichts

  • Kindorientierung (Dominanz der Erlebnisstrukturen gegenüber fachlichen Strukturen der Wissenschaften, Zuordnung von Bildungsinhalten zu Entwicklungsphasen)

  • Veranschaulichung (Anschauungsunterricht, tabula rasa)

  • Ganzheitlicher Unterricht (Gesamtunterricht, fächerübergreifender Zugriff)

  • Gesinnungs- und Gemütsbildung (Erlebnisbetonung, Bindung an die Heimat)

  • Lebensnähe (Vom Nahen zum Fernen, Prinzip der konzentrischen Kreise, Heimat als Modell für Welt)

  • Volkstümliche Bildung (der Denkweise des 'einfachen Menschen' entsprechend, Übereinstimmung der 'volkstümlichen Wesensart' mit der des Kindes wird angenommen)

Revision des Heimatkundeunterrichts in dreierlei Hinsicht erforderlich

  • inhaltlich (Dominanz geoqrafisch-historischer Inhalte, Verkennen der vielfältigen Umwelterfahrungen der Sch.)

  • methodisch (Gesamtunterricht, ganzheitl. U.)

  • hinsichtlich der Zielsetzung (volkstüml. Bildung, Bildung des schlichten, einfachen Menschen)

Reformanstöße

  • Wandel des Begabungsbegriffs

  • Wissenschaftsorientierung

  • Prämisse lebenslangen Lernens

  • Hinwendung zur Leistungsschule

 

©opyright Dagmar Wilde, Berlin, April 2001

letzte Aktualisierung 07.04.2003

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