Mit Kindern Bilder betrachten

Quellen:

Burkhardt u. a., Anfangsunterricht Kunst, 1. und. 2. Schuljahr. Stuttgart 1995 (Klett), S. 16ff.
Mattenklott, Gundel: Grundschule der Künste. Baltmannsweiler 1998.
Aissen-Crewett, Meike: Kunstunterricht in der Grundschule. Braunschweig 1992.

Eine "Wechselwirkung zwischen dem Lernen, Kunst zu machen, und dem Lernen, Kunst zu erkennen und zu verstehen, sollte Kunstunterricht bestimmen"

Bilder bieten - nicht nur im Lernbereich Kunst (!) - vielfältige Sprechanlässe. Das Gespräch über ein Bild ist gleichzeitig Prozess und Produkt des Unterrichts. Die Kinder erweitern ihren sprachlichen Ausdruck z. B. beim Beschreiben ihrer Wahrnehmungen, beim Benennen von Farben, Formen und deren Lagebezeichnungen, beim Vergleich von Bildern, beim Beschreiben einzelner Elemente oder Schildern inhaltlicher Aussagen.

Das jew. Bild wird dabei nicht als zu analysierendes Objekt betrachtet, sondern als etwas, dem man persönlich begegnet: Gespräche über Kunstwerke sind gleichzeitig auch Gespräche mit ihnen. Gespräche über Bilder sind darüber hinaus nicht nur auf Worte begrenzt: Die Sprache Hände zum Zeigen, Unterstreichen, Illustrieren, die Mimik zum Lachen fließen ein.

Bilder als Sprechanlässe

Gespräche über Kunstwerke (auch Schülerarbeiten) sind geeignet, die Wahrnehmung zu schulen und genaues Betrachten zu üben:

  • formal in Bezug auf Farben, Formen und Bildaufteilung,

  • bildnerisch in Bezug auf Komposition und Ideenreichtum.

Durch gezieltes Wahrnehmen, Beschreiben, Beurteilen und Vergleichen werden im weitesten Sinne ästhetisches Bewusstsein und Urteilskraft angebahnt bzw. erweitert.
Produktive Aneignungsverfahren bieten sich unterstützend an, das Betrachten von Bildern muss aber nicht immer auch in konkret-praktisches Tun münden, es kann als Wahrnehmungsübung auch eine eigene Stellung im Unterricht einnehmen und immer auch in kurzen Sequenzen im Unterricht praktiziert werden.

Wahrnehmungs-
schulung

Bildbetrachtung eröffnet vielfältige Chancen, die kindliche Fantasie anzuregen, Kinder zu eigenem produktivem Gestalten zu motivieren. Das Betrachten von Bildern kann einen Ausgangspunkt im Hinblick auf eine bildnerische Themenstellung schaffen. Jedoch sollte es nicht primär um Nachgestalten (z. B. Kunstwerk als Vorlage), sondern vielmehr um individuell produktives Tun gehen ("Neu-Schaffen" - unter einem neuen oder variierten Aspekt - über Gestaltungen der Kinder).

Über die unvoreingenommene Begegnung mit Kunstwerken und Künstlern gewinnen Kinder Eindrücke von der Vielfalt der Bildwelten und können Gemeinsamkeiten zwischen ihrem eigenen Schaffen und dem der Künstler entdecken.

Anregung der Fantasie

Verständnis für Kunstwerke erfordert ein bestimmtes Wissen. Kinder müssen über Informationen und Begriffe verfügen (über Kunst i. A. und dieses Werk i. Bes.), um Wahrnehmungen zu beschreiben und zu begründen. Dazu müssen Kinder lernen, bewusst wahrzunehmen, zu beobachten, zu beschreiben, zu interpretieren. Dazu müssen Kinder aber auch über Erfahrungen mit und Wissen um Farbe, Licht, Linie und andere künstlerische Elemente verfügen.
Lehrer/innen müssen sich Informationen verschaffen und ihr Wissen zur Verfügung stellen (gleichzeitig aber auch gegenwärtig sein, dass die Kinder u. U. sehr viel im Bild entdecken werden, was sie selbst gar nicht gesehen haben…). Lehrer/innen müssen viel über ein Werk und den Künstler wissen, aber sie müssen den Kindern nicht alles - und vor allem nicht (referierend) vorab - auch mitteilen.

Erweiterung des Wissens

Das Gespräch über Bilder und mit Kunstwerken sollte "wie eine festliche, die Neugier und Aufmerksamkeit weckende Ouvertüre" (Mattenklott, S. 81) eröffnet werden. Für die Begegnung mit dem Werk (im Museum vor dem Original oder über Reproduktionen, Dias, Farbfolien) gibt es vielfältige Möglichkeiten:

  • Werkvergleich (thematische, stilistische, monographische Reihe)

  • "entwickeltes Betrachten" - vom Undeutlichen zum Deutlichen (Schärfe bzw. Unschärfe bei der Diaprojektion)

  • "entdeckende Kunstbetrachtung" (Bildteile werden sukzessive aufgedeckt)

  • "aktive Kunstbetrachtung" als Impuls für eigene (Nach-/Um)Gestaltungen

Hierbei können angesprochen werden:

  • Der Künstler/die Künstlerin (Zeit, Alter, Stil, Geschichte)

  • Das Kunstwerk
    unter formalen Aspekten (Farben, Formen, Anordnung, Vordergrund, Hintergrund, Technik, Format)
    unter inhaltlichen Aspekten (Wirkung, Deutung, Assoziationen, Titel und Geschichten erfinden/schreiben)

Verschiedene Wege für Begegnungen mit Kunstwerken

Aissen-Crewett (vgl. Aissen-Crewett, S. 107ff.) betont, dass Verständnis für Kunst ein bestimmtes Wissen erfordert. Um die Beurteilung von Kunstwerken auf eine solide Basis (nicht nur subjektive Geschmacksurteile) zu stellen, schlägt sie folgende Schritte (als mögliche, nicht als zwingende Schrittfolge) für eine Auseinandersetzung mit Kunstwerken vor:

  1. Beschreibung (genaue Wahrnehmung: Was ist zu sehen? Objekte, Formen, Farben…)

  2. formale Analyse (Kompositionsprinzipien von Formen und Farben: In welcher Beziehung stehen die Dinge? Wie sind sie geordnet?

  3. Interpretation (Bedeutung des Kunstwerks, Intention des Künstlers: Was versucht der Künstler zu sagen?)

  4. Kenntnisreiche Präferenz (begründete Urteile: Was denkst/hältst du von dem Werk und warum? Was bewegt dich/lässt dich kalt? Was gefällt dir (nicht) und warum?)

Stufen der Begegnung mit Kunstwerken nach Aissen-Crewett

 


Dagmar Wilde • Seminarpapier FS VU • 02/98




©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000

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06.04.2003


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