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Dagmar
Wilde SS 00 / FUB 12413 S
"Planung
von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"
Schreibbiografien
23 - 27
"Schreiben
in meiner Grundschulzeit - Erinnerungen an meinen Schreibunterricht, meine
Schreib(lern)erlebnisse, Schreibprozesse, Schreibprodukte, Lieblingsschreiborte...
Gedanken zum Schreiben und zu allem was es mir heute bedeutet..."
G. R.
So
richtig kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie ich eigentlich Schreiben
gelernt habe. Ich weiß nur, daß ich schon vor meiner Einschulung
in die erste Klasse gut lesen konnte. Ich nehme deshalb an, daß
mir das Schreibenlernen nicht sehr schwer gefallen sein kann. Geschrieben
habe ich allerdings immer sehr gerne. Aufsätze und Diktate in der
Schule haben mir großen Spaß gemacht. Besonders die Aufsätze,
denn ich habe mir immer sehr gerne Geschichten ausgedacht. Ich kann mich
noch daran erinnern, daß ich meiner Mutter immer geholfen habe ihre
Vorratsdosen oder ähnliches zu beschriften. Dann war ich ganz stolz.
Die Zensur in Handschrift auf meinem Zeugnis war auch eine meiner besten.
Wenn ich im Urlaub war, habe ich meiner Freundin immer viele Briefe geschrieben,
fast täglich.
Sehr
gerne habe ich auch in Poesiealben geschrieben. Dabei gab ich mir immer
große Mühe. denn es sollte ja schön aussehen.
Auch
heute schreibe ich noch gerne und viel. In meiner Arbeit als Horterzieherin
hoffe ich die Kinder darin zu unterstützen gut schreiben zu Lernen
und es gerne zu machen.
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S. A.
Meine
ersten Erinnerungen an das Schreibenlernen in den ersten Jahren der Grundschulzeit,
sind die Übungen zur Schreibbewegung. Auf einem Arbeitsblatt und
in unseren Schreibheften sollte durch Nachziehen oder Weiterführen
von vorgedruckten Formen, auf die Schreibbewegung vorbereitet werden.
Ich kann mich erinnern, dass ich sehr viel Wert darauf gelegt habe, diese
Formen so gut wie möglich nachzuzeichnen. Trotzdem empfand ich es
als eine langweilige Aufgabe und ohne Sinn.
Seitdem
ich mich erinnern kann, macht es mir sehr viel Spaß besonders sauber
zu schreiben. Die Benotung der Handschrift in der Grundschule war aber
nicht der Grund, denn auch heute noch schreibe ich gerne in meiner "Schönschrift".
Sehr gefreut haben sich viele meiner Mitschüler und ich, als wir
mit dem Füller schreiben durften. Er war seitdem mein bevorzugtes
Schreibinstrument, ich habe auch im Alltag gerne mit dem Füller geschrieben.
Ungerecht empfand ich es, wenn uns die Lehrer vorgeschrieben haben, mit
welchen Stiften wir schreiben mußten.
Im
Bezug zum Texte schreiben in der Schule kann ich mich erinnern, dass mir
gerade bei Klassenarbeiten das Diktatschreiben besser gefiel, als Aufsätze
zu schreiben. Erstens hatte ich nie besondere Probleme mit der Rechtschreibung,
zweitens kann ich mich erinnern, dass mir selten gute Ideen gekommen sind.
Dies würde ich darauf zurückführen, dass mich die vorgegebenen
Themen, zu denen Texte verfasst werden sollten, nicht besonders angesprochen
haben. Außerdem fühlte ich mich oft unter Druck gesetzt, wenn
ich sah, dass andere meiner Mitschüler viel mehr schreiben konnten
als ich.
An
bestimmte Themen, zu denen wir Aufsätze schreiben sollten, kann ich
mich heute nicht mehr erinnern. Wir sollten aber zum Beispiel auch einmal
zu Bildergeschichten wie "Vater und Sohn" schreiben. Aufgefallen ist mir
im Vergleich zu den Aufsätzen meines Bruders, dass mir sehr selten
das Thema, zu dem ich in der Schule schreiben sollte, frei stand.
Unsere
fertiggestellten Texte wurden manchmal von unserer Lehrerin vorgelesen.
Sie las uns dann einen Text vor, der "gut" war, einen "mittleren" und
einen "schlechteren". Zwar wurde der Name des Schülers nicht genannt,
aber man wußte oft schon beim Austeilen, wer diesen Aufsatz geschrieben
hatte. Ich hatte jedesmal Angst davor, dass mein Text vorgelesen wird.
Auch heute noch ist es mir unangenehm, wenn ich selbst geschriebene Texte
vorlesen soll. Alles in allem macht es mir Spaß zu schreiben, wenn
ich den Zeitpunkt und das Thema, zu dem ich schreibe, selber bestimmen
kann.
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J. W.
Wenn
ich an das Schreiben denke verbinde ich damit sehr positive Gefühle.
Ich habe schon immer gerne geschrieben, besonders in der Grundschulzeit.
Die
ersten Schreiberfahrungen, an die ich mich erinnern kann sind die feinmotorischen
Übungen zu Beginn meiner Schulzeit. Ich war immer sehr bedacht die
Wellenlinien, Schlaufen und Bögen ganz besonders schön und ordentlich
zu zeichnen und gab mir immer große Mühe.
Wie
die weiterführende Hinführung zum Schreiben verlief kann ich
heute nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur, dass sich bei mir schon
sehr früh herauskristallisiert hat, wo meine Vorlieben und Schwächen
bezüglich des Schreibens liegen:
Die
sogenannten Aufsätze schrieb ich immer ohne Mühe, es machte
mir großen Spaß mir Geschichten selbst auszudenken und ich
hatte keine Probleme mich zwischen den vorgegebenen Schreibanlässen
zu entscheiden. Ich dachte nicht lange darüber nach wie ich meinen
Text beginnen sollte, sondern ich hatte eine grobe Struktur meines Textes
im Kopf und begann sofort loszuschreiben.
Die
Rechtschreibung dagegen bereitete mir sehr große Schwierigkeiten
(und das tut sie leider auch heute noch). Vor jedem Diktat hatte ich sehr
große Angst und auch wenn ich die vorgegebenen Wörter noch
so gut geübt hatte, das Ergebnis war immer sehr schlecht. Das spiegelte
sich auch in meinen Zeugnisnoten wieder. Während ich in der Teilnote
"schriftlich" immer die Note sehr gut oder gut hatte, bekam ich in dem
Teilgebiet "Rechtschreibung" immer ein befriedigend bis ausreichend. Diese
Divergenz führte sich bis in meine späte Oberschulzeit fort.
Ich
habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht, warum mir die Rechtschreibung
so große Probleme bereitet, aber eine Antwort auf diese Frage habe
ich noch nicht gefunden.
Ich
habe noch eine weitere Erinnerung an das Schreiben, die allerdings "außerschulisch"
ist:
Ich
habe sehr viel mit meiner damaligen besten Freundin geschrieben (wir waren
zu diesem Zeitpunkt 9 oder 10 Jahre alt). Wir haben uns oft kleine (und
auch größere) Geschichten ausgedacht und diese aufgeschrieben.
Dabei haben wir im Laufe der Zeit ein kleines "System" entwickelt. Wir
haben uns vier oder fünf Wörter ausgedacht, die in unserem Text
vorkommen sollten, dann haben wir beide unsere Geschichte geschrieben.
Als wir fertig waren, haben wir uns die Texte gegenseitig und unseren
Verwandten und Bekannten, die immer sehr begeistert waren, vorgelesen.
Nach einer gewissen Zeit haben wir uns ein Büchlein angeschafft,
in das wir unsere Geschichten schrieben (dieses Büchlein ging leider
irgend wann verloren, ich würde es mir sehr gerne noch einmal angucken).
Was
mir damals gar nicht bewußt war, ist für mich heute ganz offensichtlich:
Ich
habe mir zusammen mit meiner Freundin (dieses "zusammen" hat meiner
Meinung nach eine sehr bedeutsame Rolle, es kann für das Schreiben
sehr wichtig und fördernd sein, wenn man sich mit einer oder mehreren
Personen gemeinsam Schreibanlässe und eine Schreibumgebung schafft
und die Ergebnisse miteinander austauscht) eine eigene "Schreibwelt" aufgebaut,
in der wir viele, sehr wichtige Schreiberfahrungen sammeln konnten.
Heute
bin ich mir bewusst, dass mir diese frühen, selbstständig gesammelten
Schreiberfahrungen in meiner gesamten schulischen und auch hochschulischen
Laufbahn sehr zugute kamen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich
Kenntnislücken in Klausuren immer geschickt durch ein gewisses Sprachspiel
zu umgehen wußte.
Nach
diesem kleinen Rückblick kann ich zusammenfassend festhalten, dass
mir das Schreiben sehr großen Spaß macht.
Auf
die Gegenwart bezogen muß ich leider feststellen, dass ich so gut
wie gar nicht mehr schreibe (abgesehen von schriftlichen Pflichtaufgaben
in der Uni).
Schön,
das ich mit dieser Schreibbiographie einmal wieder die Gelegenheit dazu
erhielt...
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K.
O.
-
Schreibenlernen:
graphomotorische Übungen in eigenen Übungsheften mit Bildern,
die bearbeitet werden mußten, z.B. eienm Igel Stacheln malen
zur Übung des - i - oder Dachziegel malen zur Übung des
- u -
-
Texteverfassen:
Bildergeschichten; Nacherzählungen; eine Geschichte schreiben,
in der bestimmte Wörter verwendet werden müssen; Sachtexte
(- in Sachkunde gerade für die Fahrradprüfung geübt
und in Deutsch eine Anleitung zum Reifenflicken geschrieben - wir
haben dazu zunächst selbst einen Reifen geflickt)
-
Hausaufsätze
(meist freie) waren besser, da kein Zeitdruck vorhanden war und die
Eltern einem helfen konnten (z.B. den Aufsatz nach Fehlern durchsehen)
-
freie
Aufsätze immer besser als mit vorgegebenen Thema
-
häufiges
Problem: in der kurzen Zeit einen Aufsatz schreiben
-
zu
Beginn meist keine Idee was/worüber ich schreiben will
-
manchmal
schreiben als Zwang empfunden, immer dann, wenn man etwas schreiben
musste und keine Lust hatte
-
Feedback
vom Lehrer: für mich eher oberflächlich - Rechtschreibung,
Ausdruck, Wiederholungen, Grammatik aber nur selten wurden Verbesserungen
oder Anregungen gegeben
-
Ziele,
die mein Lehrer verfolgte: zum Teil eigenständiges arbeiten (z.B.
Benutzung eines Wörterbuches), aber auch Beherrschung der Rechtschreibung
und "Erziehung" zu einem leserlichen Schriftbild
-
die
Schreibprodukte wurden vorgelesen und es wurde über sie gesprochen
(z.B. bei einer Nacherzählung wurde geprüft, ob alles wesentliche
genannt wurde); man (ich auch) war stolz, wenn man seine Geschichte
vorlesen durfte; ob auch nicht so gelungene Arbeiten veröffentlicht
wurden weiß ich nicht mehr
-
meine
Erinnerungen an das Schreiben sind zum Teil positiv (freies schreiben)
und zum anderen negativ (die Vorgaben und der damit verbundene Druck,
teilweise würde ich sagen trifft es zu, dass ich mehr für
den Lehrer geschrieben habe als für mich selbst)
-
wie
und was ich heute schreibe: Den größten Teil des Schreibens
machen die Mitschriften in der Uni aus (hier ist für mich auffällig,
dass mir die Selektion der für mich wichtigen bzw. unwichtigen
Informationen noch immer schwer fällt und ich für mein Gefühl
zu langsam schreibe)
-
Ansonsten
schreiben ich Briefe (sowohl mit der Hand, als auch mit dem Computer)
und wenn es die Zeit zuläßt und ich in der Stimmung bin
führe ich Tagebuch (momentan sehr unregelmäßig)
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S.
M.
S. M.
Schreibbiographie - ein Erfahrungsbericht
Wenn
ich so an meine Grundschulzeit zurück denke, dann kann ich mich nur
an wenige konkrete Schreibsituationen erinnern.
Mit
sieben wurde ich in Polen eingeschult. Ich besuchte die polnische Grundschule
bis Mitte des ersten Halbjahres der dritten Klasse. Als meine Eltern und
ich im November 1983 nach Berlin auswanderten, wurde ich in die zweite
Klasse zurückversetzt, da ich, außer ein paar Höflichkeitswörtern,
die deutsche Sprache überhaupt nicht beherrschte. Wie ich mit der
Zeit herausfand, bin ich in einer reinen "Ausländerklasse" der Uhland-Grundschule
gelandet. Wir waren vielleicht 15 Schülerinnen und Schüler aus
allen möglichen Ländern. Die Lehrerin hat mich neben einem Jungen
türkischer Herkunft namens Bilgin gesetzt. Wir verstanden uns - wenn
auch zunächst nur mit Händen und Füßen - auf Anhieb
sehr gut. In Mathematik war ich ein Freak. Das Stellenwertsystem beherrschte
ich bis Tausend problemlos. In Polen lernte oder lernt man vielleicht
immer noch das Einmaleins bis Hundert gleich in der ersten Klasse. Auf
polnisch Lesen und Schreiben konnte ich ebenfalls recht gut. Die Lehrerin,
Frau M., gab mir mein erstes Blatt mit deutschen Substantiven und den
dazu gehörigen Bildchen, etwa in Form einer Anlauttabelle. Das erste
Wort, das ich auf deutsch lernte war "Ei" und das Zweite "Eis". Ich lernte
die vielleicht vierzig Wörter auf diesem Blatt in Windeseile auswendig.
Die Bilder halfen mir dabei sehr, denn so wußte ich was ich da überhaupt
ständig vor mir aufsagte.
In
der polnischen Grundschule basierte das Lernen vorwiegend auf dem Auswendiglernen
und dem Einprägen durch das Schreiben: Die Lehrerin diktierte und
die Schüler schrieben alles fleißig auf, so ungefähr wie
in manchen Seminaren an der Uni. Wir wurden dadurch Meister im Schnell-
und Vielschreiben. Zur Lernkontrolle waren Diktate an der Tagesordnung.
In
Berlin merkte ich jedoch, dass der Unterricht auch mehr sein konnte als
nur das sture Schreiben, Abschreiben oder das Antworten nur wenn man gefragt
oder abgefragt wird.
In
Polen war das Augenmerk ständig auf die Zensur gerichtet. Jeder Schüler
besaß wahrscheinlich dasselbe Zensurenheft, das ihm die Eltern vor
der Einschulung kaufen mussten, wie auch Bücher, Fibel, Schreibhefte
und die restlichen Schreibutensilien. In dem Zensurenheft wurden allerdings
nicht nur Noten eingetragen, sondern auch Fehltermine, nicht gemachte
Hausaufgaben, Tadel u.a. Das Schlimmste dabei war, dass jede Eintragung
von den Eltern unterschrieben werden musste. So wurde das Zensurenheft
zum meist gehassten Begleiter eines jeden Schülers in Polen. Wir
wurden also von Anfang an auf Leistung getrimmt, wer nicht mitkam, der
hatte Pech und musste wahre Wunder vollbringen um wieder "hochzukommen".
Ein beliebtes Mittel um eine bessere Note zu bekommen oder um die Versetzung
in die nächste Klasse zu schaffen war das Abfragen des Schülers
vor der ganzen Klasse kurz vor den Zensurenkonferenzen. Es war gar kein
Problem in der ersten Klasse sitzenzubleiben. Leistung um jeden Preis.
Ohne Fleiß kein Preis. Manche, die "länger" brauchten, hatten
es wirklich schwer und mussten sich mit Nachhilfestunden behelfen. Viele
Eltern haben dieses Prinzip übernommen, oder besser gesagt, sie haben
es auch nicht anders kennengelernt, vielleicht sogar noch härter
als wir. Es war ein Schande für die ganze Familie, wenn das Kind
sitzengeblieben ist. Er war ein Versager hieß es, wurde in einigen
Haushalten dafür sogar vom Vater verprügelt und als faul bezeichnet.
Als sich das Schuljahr dem Ende näherte, haben wir Schüler wirkliche
Höllenqualen durchleben müssen. Ich hatte damit - Gott sei Dank
- keine ernsthaften Probleme, denn ich war recht gut in der polnischen
Grundschule.
In
der deutschen Schule war es anders, ich durfte auch dann reden - selbst
wenn ich es noch nicht richtig konnte - wenn ich das Bedürfnis hatte
etwas zu sagen. Selbstverständlich hatte die Lehrerin das Sprechen
für äußerst wichtig empfunden, um bei allen eine ordentliche
Basis für andere Schulaufgaben- und fächer zu schaffen.
Auf
Grund meiner "Ausbildung" in Polen waren meine Eltern und ich der Überzeugung,
dass ich die deutsche Schriftsprache am besten lernen könnte, wenn
ich das, was ich lese, abschreiben würde. Gesagt getan, ich schrieb
(manchmal bis zu zwei Seiten täglich!) irgendwelche Geschichten aus
Büchern ab und das in der zweiten Klasse. Ich denke, dass die vollgeschriebenen
Hefte immer noch irgendwo im Keller liegen. Das war also meine Taktik
um die deutsche Sprache zu lernen. Mit der Zeit wurde ich in der Orthographie
so gut, dass ich nur Einsen in Diktaten schrieb und etliche meiner Mitschüler
in den Schatten stellte. Bis zur sechsten Klasse war ich mit einem Mädchen
aus Jordanien der beste Schüler und bekam als einziger, wenn auch
nur mit Bedenken, eine gymnasiale Empfehlung. So toll es auch klingen
mag, ich weiß noch genau, dass ich auch unter enormen Leistungsdruck
stand. Ich selbst setzte mich ihm aus. Für den Rest sorgten meine
Eltern. Sie sagten mir ständig, dass ich viel lernen müsste,
um es einmal besser zu haben, als sie selbst...
Mein
allererstes Diktat in der zweiten Klasse werde ich nie vergessen. Die
Lehrerin diktierte natürlich in kleinen Schritten und sagte danach
plötzlich "Komma". Da ich das Wort nicht kannte und außerdem
nicht wusste, daß es sich um ein simples Satzzeichen handelt, schrieb
ich es aus: "Kommer". Die Lehrerin hatte bei der Korrektur viel zu lachen.
Sie strich das Wort durch, setzte dafür das Satzzeichen und schrieb
das Wort richtig, extra für mich zum Lernen, daneben. Bei der Berichtigung
habe ich jedoch dem Satzzeichen keine Beachtung geschenkt, sondern schreib
das richtige Wort "Komma" in den Text hinein. Alle lachten, doch ich fand
es überhaupt nicht lustig, bis die Lehrerin das Wort "Komma" an die
Tafel schrieb und es durch ein Gleichheitszeichen mit dem Satzzeichen
gleichsetzte. Mathematik ist wohl die einzige Sprache der Welt, die alle,
ohne lange überlegen zu müssen, rasch begreifen. Auch ich hatte
es endlich begriffen.
Unsere
Lehrerin hatte die Eigenart die Diktate gleich nach dem Schreiben durchzulesen
und zu benoten. Dafür haben sich alle Schüler stillschweigend
um sie herum versammelt. Sie las sich jedes einzelne Diktat in Gedanken
durch und hob bei einem entdeckten Fehler symbolisch den Finger. Wir zitterten
alle und ich besonders. Ich war immer gewohnt mit einer Eins die Diktatstunde
zu beenden, höchstens mal mit einer zwei. Eine drei war für
mich wie eine sechs. Für andere Schüler erstrebenswert, für
mich die totale Niederlage. Als auch ich einmal an der Reihe war eine
Drei im Diktat zu kassieren, war ich am Boden zerstört. Die Lehrerin
erklärte mir, dass es normal sei, dass man immer mal ein schlechten
Tag erwischen kann und dass eine Drei keine schlechte Note sei. Für
mich war es jedoch der Weltuntergang. Ich habe in der Ecke geheult und
wollte mich von niemanden trösten lassen. Als ich dann heulend nach
Hause kam, dachte meine Mutter, ich wäre geschlagen worden. Ich hatte
furchtbare Angst, dass meine Eltern mich ausschimpfen und mein Vater mich
verprügeln würde. Er hat es jedoch der Noten wegen nie getan.
Als in der sechsten Klasse auf meinem Zeugnis zum ersten mal befriedigende
Noten erschienen, musste ich - wohl oder übel - damit umgehen lernen.
Das tat ich dann auch. In der Oberschule war ich dann in einigen Fächern
über eine Drei sehr froh.
Mit
der Zeit fühlte ich mich in Mathematik und beim Diktatschreiben in
der Grundschule unterfordert und hatte keine Hemmungen über die langsameren
Schüler zu lästern. Damit habe ich mir einige Feinde gemacht.
Die Lehrerin fühlte sich dagegen überfordert. Ich wollte, dass
sie weiter diktiert oder mir in Mathe endlich ein neues Rechenblatt gibt,
aber sie musste sich ausgerechnet um die Schwächeren kümmern.
Oftmals verlor sie mit mir die Geduld.
Im
zweiten Halbjahr der zweiten Klasse in Berlin sollten wir eine Art Biographie
von unserem bisherigen Leben erstellen. Jeder sollte sich so weit er konnte
in seine Vergangenheit zurückerinnern, beginnend mit seiner Geburt.
Dazu war ein recht detailliertes Abfragen der Eltern notwendig. In der
Schule waren dafür bestimmte Stunden vorgeschrieben. Dazu kamen Ferienerlebnisse,
besondere Ereignisse, wie Geburtstage u.ä. Am Ende der zweiten Klasse
hatten wir ein DIN A4 Heft mit viel Text, Zeichnungen, Bildern und Fotos
erstellt. Es hat uns viel Spaß gemacht an diesem Heft zu arbeiten,
endlich einmal etwas anderes als nur Diktate. Geschichten zu schreiben
hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Ich erinnere mich, als uns die
Lehrerin in der dritten Klasse die Aufgabe gestellt hatte, eine Geschichte
zu einem selbst erfundenen Thema zu Hause zu schreiben. Ich setzte mich
gegen acht Uhr hin und schrieb fast vier Seiten im DIN A5 Heft voll.
Auf
dem Gymnasium setzte sich die Serie der Diktate fort, in denen ich immer
noch gut abschnitt, bis auf einmal. Es war in der zehnten Klasse: Unser
Lehrer hatte uns vor dem Diktat noch ausdrücklich gesagt, dass wir
nicht nach jeder Pause, die er beim Diktieren machte, ein Komma setzen
sollten. Doch ich hatte dann genau das Gegenteil gemacht und hatte am
nächsten Tag über zwanzig Fehler und damit eine Sechs. Es war
für mich mindestens genauso schlimm wie damals in der Grundschule,
als ich nur eine Drei bekam.
In
der Oberschule hasste ich von den traditionellen Aufsatzarten am meisten
Erörterungen. Der Lehrer erwartete zu einer These immer eine Antithese.
Dann erwartete er mindestens drei Argumente für und gegen, die schließlich
die These oder Antithese untermauern sollten. Ich hatte oftmals nur ein
oder zwei Argumente gegen, dafür aber fünf und mehr für
die These. Komischerweise erkannte er dies als zu wenig an und fand, dass
die These unbegründet war. Mehr als eine drei meistens jedoch eine
vier war nicht zu erreichen.
Auf
dem S.-C-Gymansium, dass ich besuchte, waren die traditionellen Aufsatzarten
weit verbreitet. Ich erinnere mich eigentlich überhaupt nicht, dort
jemals kreatives oder freies Schreiben praktiziert zu haben. Nicht einmal
Geschichtenbücher haben wir erstellt. Ich weiß aber, dass die
Texte nie vor der Benotung berichtigt worden sind, sondern immer erst
danach, ganz besonders in Polen und in der Oberschule.
Jetzt,
nachdem ich mir ein Quäntchen Wissen angeeignet habe, würde
ich mir als Schüler wünschen, noch mehr Geschichten in der Schule
zu schreiben. Dabei würde mich das freie Schreiben sicherlich beeindrucken.
Etwas in Form des kreativen Schreibens wäre wahrscheinlich ideal
gewesen. Hierbei wäre die Benotung erst nach einigen Entwürfen
von Vorteil. Sich nach und nach dem Endentwurf als Ziel oder Teilziel
zu nähern wäre für mich insofern hilfreich, als dass ich
einen gewissen Weg vor den Augen hätte und ihn selbst mitverfolgen
könnte. Aus ein paar Ideen und Wörtern ist ein umfangreicher
Text geworden. Meine Lehrerin hätte vielleicht auf mein stures Abschreiben
in Form von Überarbeitungsaufgaben reagieren können, um mich
noch mehr für das Schreiben zu fesseln. Vielleicht wäre ich
ein recht guter Geschichtenschreiber geworden.
Ich
wünsche mir für meine Zukunft als Grundschullehrer Kinder mit
stupiden Schreibaufgaben oder einer übermäßigen Anzahl
von Diktaten für das Schreiben nicht zu demotivieren.
Ich
wünsche mir gute und fesselnde sowie "andere" als die üblichen
Ideen für den Schreibunterricht und eine Zusammenarbeit möglichst
ohne Druck, Angst und Zwang.
Außerdem
einen klaren Kopf und ein reines Herz...
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K.
E-S.
Mit
dem Schreiben in meiner Grundschulzeit verbinde ich überwiegend negative
Erinnerungen und Erfahrungen. Ich habe nur ungerne geschrieben und meistens
auch nur wenn es sein musste.
So
findet sich schon in der ersten Klasse folgender Satz in meinem Zeugniskopf:
"Beim Auswendigschreiben von Buchstaben und einfachen Wörtern
hat er noch große Schwierigkeiten. Auch beim Abschreiben arbeitet
er zu flüchtig."
Und
in der allgemeinen Beurteilung der 3. Klasse findet sich folgende Passage:
"Schriftliche Arbeiten fertigte er sehr schnell, aber meistens viel
zu unordentlich an."
Hausaufgaben
in der Grundschule habe ich nicht immer vollständig oder oft auch
nicht termingerecht angefertigt. Ich wollte wohl lieber in der Zeit das
runde Leder treten, anstatt über meinen Hausaufgaben zu sitzen.
Der
größte Horror in meiner Grundschulzeit waren eindeutig die
Diktate. Meine Orthographiekenntnisse waren leider meistens nur ausreichend.
Deshalb war die Note für Rechtschreibung (bis zur 5. Klasse) um 4
bis 5 herum. Dazu kam, dass meine Handschrift nicht besonders attraktiv
war und somit sich beim Schreiben nicht nur inhaltliche Schwächen
offenbarten.
Obwohl
ich in der 6.Schulklasse einen positiven Schub erlebte, war ich froh,
dass in der Oberschule keine Diktate mehr geschrieben wurden, denn Angstgefühle
waren mir nicht fremd, wenn es ans Diktieren ging.
Das
kreative Freischreiben, in Form von Niederschriften, gefiel mir da schon
viel besser, auch wenn der Anfang der Geschichte oftmals schon vorgegeben
war. Ich kann mich auch noch mit Freude an die "Vater und Sohn"
Bildergeschichten erinnern, die zu lustiger Textform gebracht wurden.
Heute
schreibe ich unheimlich gerne Briefe an gute Freunde. Und dieser Austausch
findet nicht nur in Form einer e-mail statt. Dabei lernt man, so finde
ich, auch noch im erwachsenen Alter einiges dazu.
Beim
Schreiben ist der Duden ein guter Freund: Begriffe, bei deren Schreibweise
ich mir unsicher bin, werden nicht übergangen, sondern geduldsam
nachgeschlagen und so gelernt.
Nicht
so gerne schreibe ich heute nur am Computer. Ich beherrsche zu meinem
Nachteil das Zehnfingerschreiben nicht und somit muss ich für meine
Texte viel zu viel Zeit aufwenden. Das Gute jedoch, wenn man am Computer
"textet", ist, dass das Programm manchmal eine kleine Hilfe
sein kann, indem es die Rechtschreibung überprüft (sollten sich
doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um Rückmeldung *grins*).
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