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Dagmar
Wilde SS 00 / FUB 12413 S
"Planung
von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"
Schreibbiografien
1 - 5
"Schreiben
in meiner Grundschulzeit - Erinnerungen an meinen Schreibunterricht, meine
Schreib(lern)erlebnisse, Schreibprozesse, Schreibprodukte, Lieblingsschreiborte...
Gedanken zum Schreiben und zu allem was es mir heute bedeutet..."
S.
W.
Schreiben
in meiner Grundschulzeit ...
Ich
erinnere mich nur an wenige Begebenheiten bezüglich des Schreibens
an der Grundschule:
-
Am
Anfang stand das feinmotorische Einüben von Buchstaben(-folgen),
das - so vermute ich - die richtige Schreibweise automatisieren sollte,
elelelele aaaaaa
-
Weiter
kann ich mich an eine Hausaufgabe erinnern: Das Abschreiben einer
Fabel. Ich hatte sehr "schön" geschrieben und nur wenige Fehler
gemacht
-
Auch
Rechtschreibregeln fanden bei mir Gehör, da sie mir eine gute
Orientierungshilfe boten ("Wer nämlich mit h schreibt, ...").
Dementsprechend gerne schrieb ich Diktate.
-
Zu
guter Letzt entsinne ich mich an eine Schreibaufgabe einer detaillierten
Beschreibung bzw. Anleitung, wie man Kaffee kocht. Die Anforderungen,
die diese Textart an mich stellten, motivierten mich
Resümee
Meine
schwachen Erinnerungen deuten an, dass eigenständiges, kreatives
Schreiben in meiner Grundschulzeit keine Bedeutung fand. Entweder schufen
die Lehrer keine entsprechenden Schreibanlässe oder mich spornten
die Aufgaben nicht genügend an, weil sich Kreativität schlecht
messen lässt und so Erfolgserlebnisse ausblieben.
Mir
ist bewusst, dass aus meinen Schulerfahrungen persönliche Anliegen,
Befürchtungen etc. resultieren. Um meine Erlebnisse zu relativieren
ist mir der Austausch mit anderen Menschen über Schulerfahrungen
sowie eine intensive theoretische Auseinandersetzung wichtig. Besonders,
wenn Schilderungen konträr zu meinen Erfahrungen laufen, werde ich
hellhörig. Auch der "Unterricht" in der Uni lässt mich verschiedene
Stadien von der Unterforderung bis zur Überforderung durchlaufen
und die damit einhergehenden Stimmungen der Resignation, Langeweile, Wut
oder Motivation beobachten.
Heute
schreibe ich Notizen, Briefe und auch Zusammenfassungen, um mich zum Lesen
zu motivieren, um Texte durch meine, kürzeren Texte zu ersetzen und
damit sich Gelesenes besser einprägt.
Obwohl
ich Gedichte sehr mag, fällt mir das Verfassen derselben schwer.
Ein wesentliches Merkmal meines Schreibstils ist der Hang zum Komprimieren.
Denn wie sagte meine Mutter stets: "In der Kürze liegt die Würze."
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K.
D.
Wenn
ich anfange über meinen Schreibunterricht nachzudenken, fällt
mir zunächst auf, dass es im Deutschunterricht der Grundschule scheinbar
keine Trennung der einzelnen Lernfelder gab. Zumindest erscheint mir das
im Nachhinein so. Ich könnte jetzt auch keine spezifischen Merkmale
meines Schreib- oder Schreiblernunterrichts benennen. Ich habe das Gefühl,
dass wir immer alles vernetzt miteinander behandelt haben.
So
haben wir z.B. häufig grammatikalische Phänomene anhand von
selbstgeschriebenen Texten behandelt. Der Arbeitsauftrag lautete dann
z.B.: "Schreibt einen Erlebnisbericht oder beschreibt einen Ferientag
unter Anwendung möglichst vieler verschiedener Adjektive oder zusammengesetzter
Nomen o.Ä".
Ich
hatte während meiner Grundschulzeit zwei Deutschlehrerinnen und beide
haben uns immer viel Texte schreiben lassen und damit eigentlich fast
immer allen Lernfelder miteinander verknüpft. Das war mir damals
natürlich gar nicht bewusst. Heute fällt mir das auch erst nach
langem Reflektieren auf und sicherlich nur, weil ich heute von der Aufteilung
in verschiedene Lernfelder weiß und Kenntnis vom Prinzip des verbundenen
Sprachunterrichts habe. Im Nachhinein würde ich den Sprachunterricht
allgemein mit positiven Erinnerungen verbinden.
Das
Texteverfassen hat mir, das weiß ich noch so genau, weil es sich
bis zum Abitur fortgesetzt hat, immer besonderen Spaß gemacht. Da
konnte man seine Kreativität walten lassen. Selbst Vorgaben wie die
Art des Textes, der Beginn einer Geschichte oder, dass wir bestimmte oder
generell viele Adjektive verwenden sollten, empfand ich auch nicht als
einschränkend, sondern fand darin häufig neue Möglichkeiten
der Gestaltung. Ich erinnere mich aber auch noch, dass solche Vorgaben
einigen Mitschülern Probleme bereitet haben oder sie gehemmt haben.
Ich habe es meist als Herausforderung angesehen, meine Kreativität
solchen Vorgaben beugen zu müssen und trotzdem einen für mich
akzeptablen Weg des Schreibens zu finden und einen mir zusagenden Text
zu verfassen.
Allerdings
kann ich mich nur an wenige konkrete Schreibanlässe erinnern. Woran
ich mich am besten erinnere sind die Anfänge von Geschichten, die
wir dann beenden sollten in Form eines Aufsatzes. Dann sollten wir irgendwann
einen Steckbrief von einer Person anfertigen, ein Gesellschaftsspiel beschreiben,
oder uns auch mal an einem Gedicht probieren. An das Schreibenlernen dagegen
kann ich mich kaum noch erinnern. Es scheint reibungslos abgelaufen zu
sein und nicht weiter interessant gewesen zu sein, da es keine bleibenden
Eindrücke hinterlassen hat.
Ob
wir bereits in den ersten beiden Schuljahren sogenanntes kreatives Schreiben
gemacht haben, weiß ich nicht mehr.
Texte
zu verfassen hat mir von meiner Grundschulzeit an sehr viel Freude gemacht.
Meine Deutschlehrerinnen, die uns immer wieder zu Schreibanlässen
ermuntert haben, werden dazu wohl sicherlich beigetragen haben. Aufsätze
mit halbwegs freier Aufgabenstellung habe ich immer besonders gern geschrieben.
Beide Lehrerinnen gaben auch immer gute Feedbacks zu Aufsätzen. Egal,
ob ein Aufsatz gut oder weniger gut benotet war, fand sich darunter immer
ca. eine Seite ausführlicher Anmerkungen zum Aufsatz von Seiten der
Lehrerin. Das war dann entweder konstruktive Kritik oder positive Anmerkungen
zu besonders gelungenen Passagen.
Wenn
ich mich so zurückerinnenere fällt mir auf, dass es eigentlich
nie Schüler gab, die Schreibaufträgen frustriert entgegentraten.
Viel
Freude hat z.B. allen das Anfertigen eines Reisetagebuchs bereitet, das
wir im Verlauf einer unserer Klassenfahrten anfertigen sollten. In kleinen
Gruppen sollten wir dann nacheinander jeder einen Tagesablauf in Aufsatzform
verfassen. Diese Sammlung wurde dann am Ende von unserer Lehrerin zusammengefasst
und als Reisetagebuch zusammengestellt. Dieses Buch habe ich heute noch
und freue mich immer wieder dann und wann mal darin zu lesen. Unsere Lehrerin
verstand es immer gut, uns zum Schreiben zu motivieren und die Schreibaufträge
zu "verstecken" und nicht so "lehrgangmäßig" aussehen zu lassen.
Ich
denke, dass das dazu beigetragen hat, dass mir Schreiben in jeglicher
Form, sei es in Form von Erörterungen, Gedichten, Briefen o.Ä.,
bis heute immer großen Spaß gemacht und erleichtert hat und
mir auch das Schulleben an der weiterführenden Schule und heute an
der Universität erleichtert hat.
Texte
selbst zu verfassen gibt einem ein gutes Sprachgefühl, bzw. lässt
einen erst eins entwickeln, die Kreativität wird gefördert und
die Rechtschreibung verbessert. Ein gutes Sprachgefühl für die
Muttersprache zu haben, macht es einfacher, weitere Sprachen zu erlernen
und generell einen guten Umgang mit Sprache zu entwickeln, sei es schriftlich
oder verbal.
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C.
F.
Dem
folgenden Text gehen ein paar Stichpunkte in der ersten Seminarsitzung
(17.04.2000) sowie zwei handschriftliche Mindmaps ("Schreiben in meiner
Grundschulzeit" und "Reflexion über meine Schreibbiografie") voraus.
Die
Stichpunkte aus der Seminarsitzung werde ich im folgenden nennen. Die
Mindmaps befinden sich in meinem Notizbuch, das mir als Schreibjournal
für dieses Seminar dient.
Stichpunkte
zum Schreiben in meiner Grundschulzeit (17.04.2000)
(entstanden
in der Diskussion mit anderen Studentinnen der Arbeitsgruppe)
Schreibenlernen
/ Texte verfassen in der Grundschule:
-
Schwungübungen
in der Vorschule und ersten Klasse
-
dreigeteilte
Linien bis zur dritten Klasse
-
Bildergeschichten
-
Protokoll
zur Klassenfahrt
-
freies
Gedicht zum Herbst (3. Klasse)
Gefühle
beim Schreiben:
-
gerne
schreiben für mich
-
versinken
Schreiben
in der Schule:
Lehr-/
Lernschritte:
-
abgehackt
-
kein
natürlicher Anlass
Wie
erlebte ich meine Lehrer/innen?
Schreibbiografie:
"Meine Erinnerungen an Texte verfassen in der Grundschule..."
Heute
schreibe ich sehr gerne: z.B. für mich, Briefe an Freunde, aber auch
für die Uni (wissenschaftliches Schreiben) mit einer Ausnahme: Hauptseminararbeiten
in Germanistik. Warum das so ist, das möchte ich ja nun selbst herausfinden.
Vorweg genommen sei, so hat sich das in meinem Mindmap bereits herausgestellt,
dass meine Schreib(lern)-erlebnisse in der Grundschule leider fast durchweg
negativer Art waren; nach der Grundschulzeit waren sie noch viel negativer.
Weshalb ich heute dennoch gerne schreibe, das verwundert mich sehr. Deshalb
möchte ich gerne erkunden, worin das begründet liegt...
Wie
schon erwähnt, habe ich meine Schreib(lern)- erlebnisse in der Grundschulzeit
insgesamt als negativ erlebt. Schreiben in der Schule war für mich
immer direkt an eine Zensur gebunden. Die Bewertung erschien mir immer
recht willkürlich, nicht einsichtig, also nicht transparent. Ich
empfand Schreiben, ob in Form des Aufsatzes oder als Hausaufgabe, immer
als ein Schreiben für die Note und für die Lehrerin, nicht aber
für mich oder für andere. Rückmeldungen über Geschriebenes
kamen immer nur von der Lehrerin, nie von Mitschülerinnen oder Mitschülern.
Das Schreiben an sich war mir, obwohl ich nicht schlechte sondern sogar
meist sehr gute Noten bekommen habe, eher verhasst. Ich habe anfangs auch
privat weder oft noch gerne geschrieben. Das Schreiben wurde für
mich so zur rein schulischen Angelegenheit ohne Bezug zu "meiner Welt".
Ein bisschen habe ich natürlich auch privat geschrieben. Aber der
"Durchbruch" kam erst, als ich mit zehn Jahren eine Brieffreundin in Italien
bekam, die mich zuvor in Berlin besucht hatte.
Nicht
nur, dass das Schreiben in der Grundschule immer direkt an die Zensur
geknüpft war, sondern auch die Tatsache, dass die Strukturen, wie
ein Aufsatz oder Text geschrieben werden sollte, und der Inhalt zu stark
vorgegeben waren, haben zu meiner Ablehnung des schulischen Schreibens
beigetragen. Ein letzter negativer Faktor war der Zeitdruck, dem ich mich
beim Aufsatzschreiben immer ausgeliefert sah. Ich brauchte anfangs immer
viel Zeit fürs Nachdenken sowie Formulieren und Schreiben. Das bezog
sich aber nicht nur aufs Schreiben, ich brauchte allgemein immer viel
Zeit. Das gleiche galt so z.B. beim Malen oder Basteln. Der Weg von der
Idee zum fertigen Produkt dauerte bei mir immer sehr lange und ich hatte
nie genug Zeit. Heute habe ich mit dem Entwerfen eines Schreibplans und
dem Formulieren und Schreiben überhaupt keine Probleme: Das Formulieren
geht bei mir im Gegenteil meist sehr schnell.
Nach
einigem Überlegen bin ich doch noch auf ein paar Nischen im schulischen
Schreiben gestoßen, die für mich nicht negativ belegt waren.
In sehr positiver Erinnerung ist mir unsere Schülerzeitschrift in
der vierten oder fünften Klasse geblieben. Jeder und jede konnte
eigene Beiträge einreichen, die dann von unserer Schülerredaktion
noch einmal überarbeitet wurden. Unsere Lehrerin hatte sich in das
Erstellen der Zeitschrift nicht einzumischen. Das war allein unsere Aufgabe.
Das Schreiben an sich, erinnere ich mich, hat viel Spaß gemacht
und natürlich das Lesen der anderen Beiträge. Auch hatten wir
ab der vierten in unserer Klasse einen sogenannten Kummerkasten. Jede/r
konnte positive und negative Kritik und Wünsche dort hinein stecken.
Am Anfang der Woche las unsere Klassenlehrerin die kleinen Notizen vor.
Auch in die Zeit der vierten/ fünften Klasse fielen mehrere kleine
"Theaterstücke", die eine Mitschülerin selbst zuhause an der
Schreibmaschine geschrieben hatte. Sie legte sie einmal unserer Lehrerin
vor und seitdem duften wir die Stücke immer kurz einstudieren und
den anderen vorspielen. Im Gegensatz zu den immer wiederkehrenden Bildergeschichten
als Aufsatzimpulse, die ich irgendwann nicht mehr sehen konnte, haben
wir in der dritten Klasse einmal ein Gedicht (nicht als Aufsatz) schreiben
dürfen. Es war Herbst und wir sollten ein Gedicht zum Thema Herbst
schreiben. Ich erinnere mich noch heute sehr genau und weiß auch
noch, wie mein Gedicht lautete, weil meine Freundin und Tischnachbarin
mein (!) Gedicht von mir abgeschrieben und (ich glaube etwas variiert)
dann vor mir vorgetragen hatte. Ich war in dem Moment furchtbar sauer.
Mein
Gedicht damals ging so:
"Der
Herbst
Der Herbst ist da.
Die Blätter fallen runter
und die Welt wird bunter.
Alle Menschen lachen,
machen schöne Sachen:
Drachen steigen, wandern gehn
und die Welt von oben sehn."
Charakteristische
Lehr-/ Lernschritte und Aktivitäten für das "Schreiben" in der
Grundschule waren: ein Impuls in Form einer Bildergeschichte, von Reizwörtern
oder einer Geschichte (eines Textes), auf den ein sehr konkreter und stark
vorstrukturierter Arbeitsauftrag folgte und das sich anschließende
Schreiben des Aufsatzes bzw. Textes, wenn der Arbeitsauftrag als Hausaufgabe
gestellt worden war. Bei schriftlichen Hausaufgaben mussten einige Schülerinnen
und Schüler ihre Texte laut vor allen anderen vorlesen. Die Lehrerin
kommentierte und bewertete anschließend den Text direkt im Anschluss
mündlich vor der ganzen Klasse. Obwohl bei meinen Texten die Kritik
eigentlich immer positiv war - denn zuhause konnte ich gut schreiben -
empfand ich dieses laute Vortragen vor allen und die anschließende
Kritik durch die Lehrerin - wieder vor allen - als sehr unangenehm. Manchmal
wurden schriftliche Hausaufgaben wie Aufsätze auch eingesammelt,
korrigiert, mit einem schriftlichen Kommentar versehen und benotet. Aufsätze
wurden bei der Rückgabe ausgeteilt und der Klassenspiegel wurde an
die Tafel geschrieben. Danach tauschten wir uns immer unter einander aus,
wer welche Note hatte. Es ging eigentlich nur noch um die Note und nicht
um den Aufsatz. Eine spätere Auseinandersetzung mit dem Kommentar
fand nicht statt. Es wurden lediglich wie nach einem Diktat die Rechtschreib-,
Zeichensetzungs- und Grammatikfehler berichtigt. Der Aufsatz an sich als
selbst verfasster Text trat völlig in den Hintergrund.
Sehr
schade fand ich auch, dass wir beim Texte verfassen völlig allein
gelassen wurden. An Hilfestellungen wie z.B. das Einüben bestimmter
Arbeitstechniken kann ich mich nicht erinnern. Sowohl beim Erstellen des
Schreibkonzepts als auch bei den Formulierungen war jeder und jede völlig
auf sich gestellt. Unserer Lehrerin hat allein die Schreibaufgabe gestellt
und den Aufsatz/ Text nachher bewertet. Nie aber hat sie mal selbst mitgeschrieben.
Sie hatte also nur Kontrollfunktion, aber keine Vorbildfunktion für
mich. Ziele, die meine Lehrerin verfolgte, waren meiner Ansicht nach rein
kognitive. Konkret ging es ihr wohl darum, dass wir als Schüler in
sich logische Texte verfassen, gute Formulierungen (Stil) sowie eine korrekte
Rechtschreibung und Zeichensetzung verwenden sollten.
Schreibprozesse
und Schreibprodukte wurden leider insgesamt kaum in den Unterricht einbezogen.
Sie standen meist isoliert für sich. Der Sinn des Schreibens war
mir deshalb nicht einsichtig. Es war ein "Schreiben für die Schule".
Lieblingsschreibort
war für mich auf keinen Fall die Schule. Gerne geschrieben habe ich
zuhause am Schreibtisch, am Balkontisch (im Sommer) oder auf dem Fußboden
liegend. Gerne habe ich auch aus dem Urlaub geschrieben. Schreiben in
einer anderen Umgebung hatte für mich auch immer etwas Besonderes.
Im
Verlauf des Brainstormings und auch jetzt gerade beim Schreiben an sich
habe ich gemerkt, dass meine Erinnerungen teilweise sehr verschüttet
waren. Besonders deutlich wurde das bei den eher negativ besetzten Erfahrungen,
bei den unzähligen Aufsätzen zu Bildergeschichten, bei dem ich
mich nur noch an einen erinnern kann, weil ich einen negativen Kommentar
dazu bekommen hatte: Meine Lehrerin hatte mir unterstellt, dass ich den
Text nicht selbst beschrieben hatte, was aber nicht stimmte, und hat das
aufs Heftigste immer wieder geäußert. Die positiven Schreiberlebnisse
war mir noch präsent. Aber auch hier war manches etwas verschüttet.
Die Wurzel von vielem in bezug auf Schreiben heute liegt, wie sich dann
gezeigt hat, doch meinen Schreiberfahrungen in der Grundschulzeit zu Grunde:
So
habe ich herausfinden können, dass ich besonders gerne schreibe,
wenn ich dafür ausreichend Zeit habe, weil ich dann frei von Zeitdruck
(vgl. Aufsatzschreiben) bin. Ich schreibe gerne zu einem Thema, was mich
wirklich interessiert, mich innerlich bewegt, was ich mir (meist in einem
gewissen Rahmen) selbst gewählt habe, da die schulischen Vorgaben
für mich zu eng waren und mich die Themen überhaupt nicht berührt
hatten. Auch schreibe ich gerne Briefe (an Freunde) und für mich
selbst, weil ich hier keinen Leistungs- und Zeitdruck habe und Korrekturfreiheit
herrscht. Am liebsten schreibe ich immer noch von Hand. An Freunde würde
ich nie einen getippten Brief schreiben, weil mir das zu unpersönlich
ist. Wenn ich von Hand schreibe, kann ich kreuz und quer aufs Papier scheiben,
wenn ich möchte. Ich muss nicht alles linear anordnen. Es fließt
einfach besser aus dem Kopf in die Hand. Das Schreiben von Hand ist für
mich auch ein ästhetisches Erlebnis. Neben Schriftgröße
und Anordnung kann ich auch mir Farben u.a. experimentieren. Auch habe
ich beim Schreiben am Computer immer das Gefühl, dass alles ganz
korrekt und perfekt sein muss und dass es da dann "richtig ernst wird",
wahrscheinlich weil ich am PC hauptsächlich Seminararbeiten und Briefe
an Behörden u.ä. schreibe. Warum ich so ungerne Hauptseminararbeiten
in Germanistik schreibe, konnte ich im Verlauf meiner Schreibbiografie
nicht unbedingt erkunden. Ich vermute jedoch, es liegt daran, dass sich
mich in Germanistik immer für "völlig unfähig" halte. Die
anderen, so meine ich, sind alle tausendmal besser als ich. Außerdem
habe ich wahrscheinlich viel zu hohe Ansprüche an mich selbst, wodurch
ich mich schließlich immer selbst blockiere. Meinen Perfektionismus
versuche ich deshalb schon seit einiger Zeit abzulegen, was mir aber ziemlich
schwerfällt.
Aufgrund
meiner eigenen Schreiberfahrungen ist es seit meinem zweiten Semester
mein persönliches Anliegen, meine Schülerinnen und Schüler
später einmal handlungsorientiert mit geschriebener Sprache umgehen
zu lassen. Zunächst war dieser Wunsch nur irgendwie unbewusst vorhanden,
dann wurde mir bewusst, warum Handlungsorientierung, Orientierung an Schülerinteressen
etc. so wichtig sind. Ich möchte Schülerinnen und Schüler
zum Schreiben ermutigen und sie nicht durch verfrühte Normensetzung
davon abschrecken. Sie sollen ruhig auch erst Fehler machen dürfen.
Später, wenn sie mit anderen schriftlich kommunizieren möchten,
werden sie selbst dahin kommen, dass sie sich bei ihrem Schreiben an bestimmte
Konventionen halten möchten. Auch habe ich im Verlauf meines Studiums,
aufgrund meiner negativen Schreiberfahrungen und aufgrund meines Praktikums
in einer zweiten Grundschulklasse in Neukölln mich dazu entschlossen,
nie Deutsch in einzelne kleine Bereiche zerhackt zu unterrichten. Sprache
ist ein komplexes System, das man nicht künstlich zerteilen darf.
Gerne möchte ich so unterrichten, dass Deutschunterricht als Einheit
von Schreiben, Lesen, Verstehen, Planen, Sprechen und über Sprache
nachdenken gesehen wird. (verbundener Sprachunterricht).
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Schreibbiografie
(Entwurfsfassung) E. B.
Es
ist ziemlich schwierig, mich an meine ersten Schreiberlebnisse zu erinnern,
wofür ich nur die Erklärung geben kann, dass mir das Schreiben
in der Grundschule immer recht leicht gefallen ist und sich dadurch kein
extrem negatives oder positives Erlebnis eingeprägt hat. Die ersten
Anfänge zum allgemeinen Schreibenlernen habe ich schon vor der Schulzeit
gemacht: Ich war neidisch auf meinen fünf Jahre älteren Bruder
und seine "Schreibkünste", so dass mich schnell der Ehrgeiz packte,
selbst Schreiben zu lernen. Der Anstoß zum Schreiben kam also von
mir selbst. Allerdings machte in dem Alter das Schreiben eher einen praktischen
Sinn, ich war z.B. mächtig stolz, meiner Oma einen eigenen Brief
schreiben zu können. In der anfänglichen Zeit des Schreibenlernens
in der Grundschule kann ich mich noch an die endlosen Übungen in
der Schreibfibel (Fu?) erinnern. Doch obwohl nicht gerade sehr abwechslungsreich,
haben mich diese Übungen nie ermüdet. Anfangs ging es auch besonders
darum, schön zu schreiben: Die Zensur fürs Schönschreiben
war mindestens genauso wichtig wie die für Fehlerlosigkeit und war
einem harten Konkurrenzkampf unterworfen.
An
konkrete Aufsätze kann ich mich kaum erinnern: Von der ersten bis
zur vierten Klasse hatte ich denselben Deutschlehrer, der laut meiner
Erinnerung und mit anderen Methoden verglichen nicht sehr einfallsreich
schien. Seine Aufsatzthemen waren alle a la "Mein letztes Wochenende...".
In der fünften und sechsten Klasse bekam ich dann einen anderen Deutschlehrer,
der das Schreiben anders angegangen ist: Er ließ mehr Freiraum,
forderte die Schüler/innen heraus. Im Nachhinein denke ich, dass
er mir das erste mal wirklich Spaß beim Schreiben vermittelt hat.
Es gab kein richtig oder falsch (bis auf Orthographie, Grammatik etc.
natürlich), er ließ uns oft nach einem kurzen Anstoß,
wie z.B. einem Bild, einem Geschichtenanfang oder Musik, einfach drauf
los schreiben. Zwischendurch gab es immer wieder Einheiten, in denen formal
geübt wurde (Bildbeschreibung, Personifikation), aber diese Einheiten
waren nicht so prägend wie die freieren Einheiten, zumindest weiß
ich z.B. keine Zensur mehr, während ich bei dem vorherigen Lehrer
sehr durch Zensuren beeinflusst war. Außer der Leistung kam jetzt
eben dieser kreative Aspekt "just for fun Schreiben" hinzu. Aus Lehrersicht
fällt wahrscheinlich auch mit zunehmender Sicherheit der Schüler
in der Rechtschreibung der Aspekt der orthographischen und grammatikalischen
Richtigkeit in den Hintergrund, aber dennoch glaube ich, dass Lehrer 2
einen besseren Ansatz gefunden hat.
In
meiner Oberschullaufbahn wechselten die Deutschlehrer/innen fast jährlich,
was eine wilde Variation im Schreiben mit sich brachte. In der achten
Klasse hatte ich einen absoluten Formalisten vor mir. Zugegebenermaßen
kann ich seither Einleitungen zu verschiedensten Textsorten im Schlaf
erfinden, wofür ich ihm auch heute noch in einigen Situationen dankbar
bin, aber von Kreativität keine Spur. Und spätestens ab der
elften Klasse war das Schreiben sowieso Formalien unterworfen: Textanalyse
oder Texterörterung nach Schema F! Die Lehrer/innen fanden keine
Ruhe und Zeit mehr für freies Schreiben - der Rahmenplan saß
ihnen im Rücken. Oder es war einfach bequemer streng nach Plan zu
unterrichten und zu beurteilen.
Als
Feedback gab es übrigens, soweit ich erinnere, hauptsächlich
Zensuren! Es gab in meiner gesamten Schullaufbahn nur zwei Lehrer, die
mich dazu motiviert haben, auch privat zu schreiben, zu dichten, meiner
Phantasie freien Lauf zu lassen, und die waren es auch, die mit uns zusammen
geschrieben haben. Ein anderer Lehrer hat uns zu einem Schreibwettbewerb
zum Thema "Momente" angemeldet, aber er hatte eine so eigene Art zu schreiben
und diese uns aufzudrücken, dass wir nach kurzer Zeit die Lust verloren.
Wenn
ich das so schreibe, fällt mir auf, dass ich es im Nachhinein negativer
sehe, nach Plan zu schreiben, als in der Schulzeit selbst. Damals fand
ich es eher gut, mich an Richtlinien orientieren zu können, obwohl
ich auch gerne Geschichten mit meinem Bruder erfunden und aufgeschrieben
oder Gedichte kreiert habe (aber das lieber heimlich!). Es gab mir Sicherheit
und ist auch heute noch in Klausuren, Hausarbeiten etc. sehr nützlich.
Ich kann mich aber auch an Mitschüler erinnern, die ihre Schwächen
genau in diesen Richtlinien hatten, dafür aber so kreativ schreiben
konnten, dass man hätte stundenlang zuhören können. Im
schulischen Plan kamen diese Schüler und ihre Talente nur leider
zu kurz...
Ich
bin gerade von einer Sprachreise zurückgekehrt, in deren language
school auch ein Kurs für kreatives Schreiben inbegriffen war. Dieser
Kurs war oft zwischen Grammatik-, Vokabel- und Aufsatzeinheiten eingebettet
und brachte einen hervorragenden Ausgleich, regte das gesamte Denkvermögen
an! Es war erstaunlich, was die einzelnen Schüler (Erwachsene) hervorbrachten,
vor allem beim Schreiben zu Musik.
Ich
habe Schreiben lange Zeit, wahrscheinlich durch die Schule geprägt,
als ein sehr praktisches Instrument betrachtet, als zielgerichtetes Kommunikationsmittel,
aber erst in den letzten ein bis zwei Jahren habe ich im Schreiben auch
Spaß und Befreiung ("von der Seele schreiben...") (wieder)entdeckt.
Besonders gerne schreibe ich heute Märchen und Kindergeschichten,
was auf einen Ewi-Kurs an der FU (Danke, Frau Lutkat!) und auf besagte
Sprachreise zurückzuführen ist. Manchmal überkommt mich
auch die Dichterkunst, welche wiederum einen regen Zusammenhang mit meiner
Gefühlswelt erahnen lässt. Ab und zu schreibe ich allerdings
auch noch gerne strukturierte Texte, wie z.B. Textanalysen und -erörterungen;
diese dann aber am besten unter Druck, was wohl ein Überbleibsel
aus der Oberstufenschulzeit (LK Deutsch) ist.
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L.
B.
Bereits
im vergangenen Semester führte ich mir - angeregt durch das Seminar
- im Rahmen einer Lesebiografie Erlebnisse aus meiner frühen Kindheit
und Schulzeit bis in den heutigen Tag hinein vor Augen. Mit zunehmendem
Eintauchen wurden längst vergessene Erinnerungen wach. Dennoch sind
es auch diesmal nur Bruchstücke an den Schulunterricht selbst, die
ich erinnere.
Schon
in frühen Jahren führte ich, animiert durch meinen Vater, ein
Reisetagebuch. War ich mal etwas schreib- oder ideenmüde übernahm
mein Vater dieses für mich. Zudem bereicherte er unsere Erzählungen
optisch mit kunstvollen Skizzen.
Später
dann führte ich gelegentlich Tagebuch. Irgendwann - ich denke, beginnend
mit der Zeit der ersten Verliebtheit und der kritischen Auseinandersetzung
mit der Umwelt - wurde es mir zunehmend ein Bedürfnis, meine Gedanken,
wundervolle aber auch traurige und enttäuschende Erlebnisse und Gefühle
dauerhaft und für die Zukunft festzuhalten. Dementsprechend häufiger
und umfangreicher wurden meine, gemütlich im Bett eingekuschelt vorgenommenen,
abendlichen Einträge.
Betrachte
ich meine schriftlichen Arbeiten in der Schule, so fiel oft die Bezeichnung
Romanschreiber. Es erfüllte einen immer voll Stolz, durfte man seinen
gut gelungenen Aufsatz, bspw. zum Thema "Mein Leben im Jahr 2025",
der Klasse vortragen. Hatte ich in diesen ersten Jahren eher das "Problem"
an mich zu halten, so wandelte sich dies in den Folgejahren. Bei Interpretationen
und Argumentationen in den höheren Klassenstufen dagegen fasste ich
mich eher kurz. Großartiges Ausschweifen und das ganze Drumherum
lag mir fern. Zudem muss ich sagen, auf der Suche nach dem Perfekten tat
und tue ich mich doch manchmal sehr schwer und dabei bleiben mir die Augen
für das Naheliegende hin und wieder verschlossen. So auch in der
ersten Sitzung unseres jetzigen Seminars, als es ganz einfach um die Aufgabe
ging, seine Person durch die Buchstaben seines Namens kurz zu charakterisieren.
Eine
direkte Einbindung unserer Schreibergebnisse in das weitere Unterrichtsgeschehen
kann ich heute rückblickend nicht ersehen. Auch der alltägliche
Bezug der Thematiken dieser Arbeiten lässt sich, abgesehen von verfassten
Briefen in der Grundschule oder dem Ausformulieren von Bewerbungsschreiben
eher selten herstellen.
Aber
zurück zum privaten Schreiben. Briefe - und zwar auf die konventionelle
Art- spielen und spielten schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben.
Gerade mit Beendigung der Schulzeit und der Zerstreuung des Freundeskreises
in alle Ecken Deutschlands und sogar über die Grenzen hinaus ist
dieser Weg der Kommunikation einfach nicht wegzudenken. Und es freut mich
immer wieder, den Briefkasten zu öffnen und von Post angelächelt
zu werden. Auf diese Art und Weise konnte sich bereits über Jahre
ein reger Gedankenaustausch - überhaupt der Kontakt - mit mir nahestehenden
Menschen erhalten. Diese Beziehungen haben dadurch teils auch eine ganz
andere Intensität erfahren.
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