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Dagmar
Wilde SS 00 / FUB 12413 S
"Planung
von Unterrichtssequenzen zum Texte verfassen in der Grundschule"
Journalschreiben als seminarbegleitende
Tätigkeit
Journal
M. K. zur Lektüre: Praxis des Deutschunterrichts
22.05.2000
Miteinander reden - Mündlicher
Sprachgebrauch
Der
Lernbereich "Mündlicher Sprachgebrauch" beinhaltet Ziele wie den
Erwerb von Gesprächskompetenz und gilt als Zuträger des Lernbereichs
für das Schreiben von "Aufsätzen" und Lesen bzw. Besprechen
von Texten und "Themen".
Heute
dominieren jedoch häufig immer noch die gelenkten Unterrichtsgespräche,
die einige Probleme mit sich bringen. Sie sind lehrerzentriert und unterliegen
somit direkter Kontrolle.
Sie
sind an kaum erprobten Normen orientiert, nämlich
-
themenzentriert
-
hochsprachorientiert
-
kognitiv
dominiert
-
an
Ernsthaftigkeit orientiert
-
an
der Unterdrückung nonverbaler Signale interessiert
-
sie
sind vor allem fakten- und ergebnisorientiert; dies sichert des Lehrers
Wissensvorsprung ab
Solche
Gespräche jedoch fördern kaum die erwünschte Gesprächskompetenz.
Es
gibt noch eine Reihe anderer Gespräche im Deutschunterricht, wobei
die meisten zunächst noch künstlich arrangiert sind . Zu ihnen
zählen:
-
offene,
ungebundene Gespräche im Erzählkreis ("natürliche Gespräche")
oft egozentrisch vom Einzelnen dominiert
-
sozial
"gebundene" Gespräche, in denen bestimmte Aspekte eines Gesprächs
bzw. der Gesprächskompetenz, eine bestimmte Gesprächsform,
ein bestimmtes Thema im Vordergrund stehen.
(Vorstufe: Kleingruppe) zunächst: Ich- Du- orientiert
Entfaltung je nach Schwerpunkten zunehmend themenorientiert
- Rundgespräche - Expertenbefragung
- Diskussion - Interview
- Debatte - Rollenspiel
-
gelenkte
Unterrichtsgespräche mit hoher Lehrerdominanz
-
häufig
lehrerdominant, auswählend ordnend, strukturierend, wertend,
sanktionierend, hochsprachlich und themenorientiert.
-
Prüfungsgespräche,
die ein besonderes Maß von Nicht- Gleichberechtigung und Ergänzungserwartung
besitzen, also asymmetrisch und komplementär sind.
Lehrer
müssen im Unterricht Gesprächssituationen schaffen, in denen
der Schüler vergessen kann, dass es sich um arrangierte und lehrerdominierte
Gespräche handelt.
"Gespräche
führen gehört zu den grundlegenden Tätigkeiten des Menschen,
der sowohl über Sachen, über sich selbst, über die sozialen
Beziehungen zu anderen, Erfahrungen mit Hilfe seiner Sprache sammelt als
auch so seine Sprach -und Sprechfähigkeit erprobt und erweitert."
(S. 15 )
Wichtige
Bedingungen des "Miteinanderredens" kann man in fünf Aufgabenrichtungen
fassen :
1)
Es geht um kognitive Strukturierungsfähigkeit für das jeweils
zu Sagende. ("Sprechplanen")
2)
Es geht um Partnerschaftlichkeit (Ich- Du- Beziehung). Damit ist Gesprächserziehung
gleichzeitig Sozialerziehung. Für den Sprecher bedeutet dies: durch
andere angeregt werden, Rücksicht auf sie nehmen, sich in die Rolle
anderer versetzen zu können u.a.
3)
Für den Zuhörer bedeutet das : "aktives Zuhören", Akzeptanz
signalisieren und Rückmeldung geben. ( "Dialoge entwickeln").
4)
Es geht um Ich- Es -Bezogenheit, d.h. ein Verhältnis zu Dingen entwickeln.
Dabei werden "Sachen" ins eigene Sprechen integriert. ( "Sprechen über
...")
5)
Unter Einbeziehung der Partner kann diese Tätigkeit auch in "Reden
halten" und in "Interpretationsfähigkeit" erweitert werden.
Es
geht um die Verwandlung und Verlebendigung von Geschriebenen ins Mündliche,
eine sogenannte "sekundäre Mündlichkeit": (- Vorlesen und -
Dramatisches Gestalten)
Texte schreiben - Schriftlicher
Sprachgebrauch
Das
Verfassen eines Textes, z.B. bei einer Bildergeschichte setzt beim Schreiber
eine Vielzahl von Fähigkeiten voraus, wie Aufmerksamkeit, motorische
und rechtschriftliche Grundsicherheit, ein Gespür für eine Gesamthandlung,
für Verknüpfungen und eine erste Unterscheidung zwischen Mündlichkeit
und Schriftlichkeit.
Der
schriftliche Sprachgebrauch teilt sich in verschiedene Teilgebiete auf,
wie das Erstschreiben (unabhängig vom "weiterführenden Schreiben"),
das Schönschreiben als Abschreiben von Texten, das Rechtschreiben.
Ebenfalls dazu gehören Grammatik- und "Denk" - Übungen sowie
die Stillübungen.
Es
gibt:
-
Aufsatzunterricht:
hierbei steht die Erfüllung der Textnorm im Vordergrund. Solche
Texte sind als Lernmedium zu verstehen, da Schulaufsätze so in
der Lebenswelt nicht vorkommen.
-
Ausdrucksunterricht:
hier steht die Anpassung an (tradierte) Stilmuster im Vordergrund.
Individuelle Sprachanreicherung wird mit Aufsatzformen in Verbindung
gebracht.
-
Sprachpflege:
Lehre hochsprachlich - schriftlicher Ausdrucksweise, die sich in bestimmten
Formen (Erzählungen, Schilderungen, Berichte..) exemplarisch
verwirklicht.
-
Schriftliche
Sprachgestaltung: hier stehen ebenfalls Stilnormen für bestimmte
Textnormen im Vordergrund.
Viele
Abspaltungen des Aufsatzunterrichts müssen möglichst rückgängig
gemacht werden, damit das Texte verfassen den reinen Schulcharakter verliert
und sinnvollerweise mehr rückgebunden an die Prozesse von Schriftlichkeit
angenähert wird.
Schreiben
in der Schule muss leisten:
-
Stärkung
der individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen, wie Selbständigkeit,
Identität, Selbstverantwortlichkeit, Ausdrucksfähigkeiten,
o.ä, über die Entwicklung beweglicher Schriftlichkeit.
-
Texte
angemessen schreiben zu können, d.h. orientiert an Themen, Situationen,
Lesen, Sprachniveaus, Stilvariationen, usw.
Komplexe
Schreibhandlungen bzw. Grundfunktionen sprachlicher Äußerungen
lassen sich in vier Kategorien unterteilen:
-
Sachorientierung:
informieren, darstellen, berichten, untersuchen, gewichten, kritisieren
(Der Text als "Darstellung")
-
Leser-Orientierung
: unterhalten, appellieren, überzeugen ( Der Text als "Appell")
-
Sprachorientierung:
auf Texte reagieren, mit Sprache spielen (Der Text als "Sprachwerk")
-
Ich-Orientierung:
über sich reden, erzählen, reflektieren (Der Text als "Ausdruck")
In
einem prozeßorientierten , kreativitätsfördernden Schreibunterricht
müssen für die Bewertung folgende Prinzipien gelten:
-
Angenehmes
Arbeitsklima, d.h. weder rigide Kontrollverfahren noch familiales
Gruppenklima sind zuträglich.
-
Die
Größe des Handlungsspielraums zwischen positiv-motivationalen
und negativ- unsicherheitsbewirkenden Emotionen muss individuell bestimmt
sein.
-
Jeder
Schüler sollte selbst zwischen verschiedenen Schreibverfahren
wählen können.
-
Die
Schreibaufgaben sollten regelmäßig und (auch beim auswählenden
Schüler) unterschiedlich sein.
-
Der
Lehrer sollte sich grundsätzlich an kreativen Aufgaben, sowohl
im Unterricht, als auch bei Hausarbeiten beteiligen.
-
Der
Lernfortschritt wird jeweils am konkreten Text (und nicht wie bisher
an der Textsorte oder anderen normativen Stilvorstellungen) gesucht.
-
Es
kann nicht völlig auf Bewertung verzichtet werden, aber eine
"dialogische Korrektur" oder ein "Verbesserungszirkel" fördert
die Entwicklung eines Endproduktes und kann die Schwierigkeiten der
Evaluation auffangen.
Aufgabe
des Unterricht ist es, Sätze von Kindern, die sich die Schriftlichkeit
erobern, weiter zu differenzieren, zu entfalten, anzureichern und variabel
zu halten.
Die
Aufgabe des Lehrers bei der Unterrichtsplanung ist, die Schreiber zum
Impuls genauerer Entfaltung anzuregen und Analysekriterien zur Erkenntnis
über den jeweiligen Stand des Einzelnen Schülers zu entwickeln,
sowie Übungsmaterial für Anregungen zur Verfügung zu stellen.
Umgehen
mit Texten
-
Im
"Umgang mit Texten" geht es darum, was man aus Texten als Information
entnehmen, als Sinnperspektive gewinnen oder als Appell verstehen
kann.
-
Mit
Texten umgehen bedeutet Kommunikation auf zwei Ebenen: zwischen Leser
und Text und zwischen Leser und Leser über den Text.
-
Literaturunterricht
geht vom Prinzip aus, dass Verstehen und ästhetische Erfahrung
zusammen gehören, wobei letzteres entschieden mehr ist als der
Erwerb über Texte und aus Texten, sondern eine Einheit von Aneignung
und Hervorbringen.
Auf
Sprache aufmerksam werden - Sprachbetrachtung
-
Ziele
des Grammatikunterrichts ("Lateingrammatik") waren die Beherrschung
der Regeln für den richtigen hochsprachlichen Gebrauch, die Schulung
des logischen Denkens, Grundlage für das Rechtschreiben oder
der Service für den Fremdsprachenunterricht.
-
Als
Gegenkonzept zum ursprünglichen Grammatikunterricht gibt es den
situativen Grammatikunterricht, er orientiert sich an alltäglichen
Situationen der Schüler, die sprachliche Bewältigung von
Lebenssituationen, Reflexion der Sprachwendung und der Regularitäten
sprachlichen Handelns im Rahmen der sozialen Interaktion zu begreifen
und anzuwenden.
-
Dem
sprachhandlungsorientierten, funktionalen Grammatikunterricht liegt
das Konzept zugrunde , die Verwendung von Sprache "sofort und unmittelbar
als Handeln zu verstehen". So gibt es eine Reihe von Vorschlägen
für eine solche Art des Grammatikunterrichts, wie z.B. die Wahl
von Worten als Sprachhandlung, das Mittel des Gewichtens in einer
Aussage, die Modalität, der Zusammenhang von Satzarten und Sprachakten
und der Nutzen des Konzepts für die literarische Analyse.
-
Sprachkunde
beschäftigt sich weitestgehend mit Sprachphänomenen. Sie
trägt dazu bei, dass Schüler ein bewußtes Verhältnis
zu ihrer Sprache und Sprache zu ihrer Umwelt entwickeln.
-
Der
Sprachunterricht gliedert sich in folgende Lernbereiche:
Grammatik:
Reflexion über das Sprachsystem
Kommunikationsanalyse:
Reflexion über sprachliches Handeln
Metakommunikation:
Reflexion über das eigene sprachliche Handeln in konkreten Situationen.
Sprachkunde:
Reflexion über Geschichte der Sprache, Zusammenhänge von Sprache
und Geschichte, Fragen des Spracherwerbs der Sprachvarietäten usw.
Rechtschreibung
-
Die
neue didaktische Situation des Rechtschreibunterrichts wird als dienende
Funktion beschrieben, sie soll die schriftsprachliche Verständigung
erleichtern
-
Beim
Erlernen der Schriftsprache durchläuft man als erstes die vorkommunikative
Phase danach eine auditiv-artikulatorische Orientierung bis hin zur
strukturbezogenen Schreibung.
-
Es
gibt verschiedene Praktiken des Rechtschreibunterrichts, neben der
logischen Komponente (ordnen, vergleichen, strukturieren von Wörtern,
um die Regelhaftigkeit zu vermitteln) steht vor allem die visuelle
Seite. Sie arbeitet mit dem Schriftbild in Anlehnung an die Erkenntnis,
dass der Mensch, die meisten seiner Eindrücke über den optischen
Kanal aufnimmt.
Lern-
und Übungsformen des Rechtschreibunterrichts sind:
-
Grundlegende
Übungsformen wie z.B. das Abschreiben, das Aufschreiben, Kurzdiktate,
u.ä.
-
Differenzierende
Übungsformen, wie die Alleinarbeit, die Patenhilfe, die Partnerhilfe,
die Leistungsgruppe.
-
Spezielle
Kurzübungen, wie z.B. Lückentexte, Übungsreihen, Hausaufgaben,
Zusammensetzungsübungen, Ableitungsübungen, etc.
-
Spielformen,
wie Ratespiele, Reimen, Unsinnstexte, Legespiele, Wettspiele, etc.
Ein
wichtiges Ziel des Rechtschreibunterrichts ist, die Fähigkeit, bei
Unsicherheit selbständig mit Hilfe des Wörterbuches die richtige
Schreibung zu ermitteln.
Freies Schreiben
Im
Gegensatz zu traditionellen Schreibaufgaben bringt freies, assoziatives
Schreiben viele verborgene Fähigkeiten von Menschen ans Licht.
"Assoziatives
Schreiben bedeutet demnach sich von den eigenen Empfindungen und Gedanken
führen lassen, auf Wörter, Sätze, kleine Texte, in denen
unbeeinflußt von äußeren Regeln der Sprache und der Logik,
von Situation und Leseerwartung die eigene Empfindlichkeit faßbar
wird." (Seite 101)
Um
gewährleisten zu können das die außerschulische Schreibentwicklung
fortgesetzt wird, muss den jungen Schreibern eine Reihe von Freiheiten
eingeräumt werden. Dazu gehört:
-
Freiheit
der Zeit
-
Freiheit
des Ortes
-
Freiheit
des Materials
-
Freiheit
des Inhaltes
-
Freiheit
der Form.
Überarbeiten eigener Texte
das
Erlernen des Textüberarbeitens wird zunehmend als unverzichtbar eingestuft.
Man unterscheidet in fünf Stufen von Revision:
-
Nachträge
-
Korrekturen
(Orthographie, Zeichensetzung, syntaktische und semantische Berichtigungen)
-
Verbesserungen
(Wahl anderer Wörter)
-
Umsetzungen
(Streichung von Redudanzen, Ergänzungen bei Aegumentationslücken)
-
Reformulierung
(Neuformulierung ganzer Textabschnitte)
Umschreiben
von Texten
Prinzip
des Umschreibens ist nicht ein gelesenen Text zu beschreiben, sondern
an ihm weiter zu arbeiten und wenn möglich zu verbessern
Vergleichen von Texten
Vergleichen
ist ein zentrales Verfahren des Literaturunterrichts. Es lassen sich fünf
Typen von Vergleichen unterscheiden.
-
Thematischer
Vergleich: z.B. das Lesen von motivgleichen Gedichten, theamtisch
verwandter Kurzgeschichten u.ä.
-
Poetologischer
Vergleich: Erarbeiten einer mehreren Texten zugrunde liegenden poetischen
Struktur oder literarischen Form.
-
Historischer
Vergleich: Erkennung epochenspezifischer Stilhaltungen
-
Fassungsvergleich:
Vergleich verschiedener Fassungen eines Textes
-
Wertender
Vergleich: z.B. Wertender Vergleich von Original und Parodie
Planen
einer Unterrichtseinheit
Fertigen
einer Sachanalyse:
-
Text
(Auseinandersetzen mit dem Text)
-
Kontext
(den Text in Kontext stellen)
-
Autor
(z.B. biographische Angaben über den Autor)
-
Meinungen
anderer über den Text einholen (Schüler, Literaturwissenschaftler,
etc.)
Um
den Inhalt einer Unterrichtseinheit rechtfertigen zu können müssen
einige Kriterien erfüllt werden:
-
Kriterium
des Exemplarischen
-
Kriterium
der Gegenwartsbedeutung
-
Kriterium
der Zukunftsbedeutung
-
Kriterium
der Realisierbarkeit
-
Kriterium
der Zugänglichkeit
-
Kriterium
der Lernvoraussetzungen
wichtig
für die Auswahl von Unterrichtsinhalten, sind die Lernvoraussetzung
der Schüler.
Bei
der Planungsarbeit spielen viele Faktoren, die zusammen ein ganzes Vorraussetzungsspektrum
ergeben eine Rolle. Dazu gehören:
Die
klassische Einteilung von Lernzielgliederungen enthalten kognitive (erkenntnisorientierte),
affektive (emotionale, gefühlbetonte), psychomotorische (pragmatisch,
handlungsorientierte) und soziale Ziele.
Didaktische
Schwerpunkte im Fach Deutsch sind:
WISSEN, KÖNNEN und ANWENDEN, PRODUKTIVES ANWENDEN und GESTALTEN und
WERTORIENTIERUNG.
-
Eine
Gliederung des Unterrichts könnte sein, zuerst die "Eröffnungsphase",
gefolgt von der umfangreichsten Phase "der Arbeit mit dem Unterrichtsstoff"
und zuletzt die "Phase des Ausklangs".
-
Um
die Förderung aller Schüler zu gewährleisten, kommt
der Unterricht nicht ohne Differenzierung und Arbeitsaufteilung aus.
-
Zu
einer Unterrichtsplanung gehört die Zusammenstellung der Sachinformationen
(Sachanalyse), die didaktischen Überlegungen mit dem Blick auf
die Voraussetzungen der Schüler und die Festlegung der Lernziele,
sowie den vielen Entscheidungen im methodischen Feld (z.B. Medien,
Handlungsformen, Motivation, Sozialformen, etc.) und die Verlaufsplanung
des Unterrichts.
Literatur:
Abraham, U./ Beisbart, O./ Koß, G. / Marenbach, D.: Praxis des Deutschunterrichts
, Ludwig Auer Verlag GmbH, 1.Auflage, Donauwörth 1998
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