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Dagmar
Wilde SS 2000 / FUB 12417 S
"Texte
verfassen im verbundenen Sprachunterricht"
Journalschreiben als seminarbegleitende
Tätigkeit
Materialien
zum Journal der Gruppe 2.1: Was müssen Kinder lernen? Wie können
Kinder lernen?
Schriftliches
Erzählen ist Lernziel und -inhalt des Texte verfassens in den Klassenstufen
1-4. Schreiben lernt man (auch) durch Schreiben: Es ist jedoch immer wieder
zu beobachten, dass viele Kinder keine Texte von sich aus oder zu beliebigen
Inhalten schreiben. Wer nichts zu schreiben hat bzw. weiß, kann
aber auch nichts zu Papier bringen.
Wie lassen sich im Unterricht Schreibanlässe schaffen? Welche Lernarrangements
eröffnen Schreibmotivationen? Wie lassen sich Könnenserfahrungen
vermitteln, aus denen Motivation für weiteres Schreiben erwächst?
Welche Lernhilfen eröffnen Kindern Zugänge zum Schreiben und
Möglichkeiten zur Erweiterung ihrer Schreibkompetenz?
Miriam Happel, Katharina Ismer, Tanja Lau, Sarah Minth, Dana Radtke, Claudia
Weber
Ergänzende
Materialien zur Präsentation am 21.07.2000
Kreatives
Schreiben
2.1 Was ist Kreativität?
In
den 70-er Jahren ist Kreativität als ein divergentes Denken angesehen
worden, das zu neuen Problemlösungen führte. Dass heißt,
dass das kreative Schreiben nicht vorgegebenen Denkbahnen folgt, sondern
aus den gewohnten Mustern ausbricht. Im Deutschunterricht waren das Spielen
mit Sprache, das Verfassen von Unsinnstexten und das Verfremden von Textvorlagen
bekannte Unterrichtsverfahren.
In
den 80-er Jahren wurde der Kreativitätsbegriff subjektiviert. Das
bedeutet, dass Kreativität in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff
Selbstausdruck gesehen wird. Er beinhaltet Tendenzen der Subjektivierung
und Intimisierung, die zur Selbstanalyse dienen.
Kreativität
ist ein Durchbrechen von Normen und als ein Rückzug ins Private anzusehen.
Somit kommt dem kreativen Schreiben eine politische und gesellschaftliche
Funktion zu, da man aus der Anonymität der Gesellschaft fliehen kann.
(Spinner, K., Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch, H.119, 1993, S.17-23.)
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2.2 Wie ist das kreative
Schreiben im Schreibunterricht zu verorten?
In
den letzten Jahrzehnten ist kreatives Schreiben zu einem festen Bestandteil
der Schreibdidaktik geworden. Jedoch im Berliner Rahmenplan Deutsch ist
das kreative Schreiben nur in einem sehr geringem Maße, z.B. in
Form von Erlebnisaufsätzen, integriert worden.
Die
kreativen Schreibformen betonen ihre Opposition zum kommunikationsorientiertem
traditionellem Aufsatzunterricht. Zentrale Aufgabe des kreativen Schreibens
ist es, die kreative schriftliche Gestaltung zu fördern und sich
abzugrenzen von dem sogenannten Sprachhandlungsunterricht. Dessen Aufgaben
sind u.a. Tätigkeiten und Übungen zum Schreiben, die reproduktive
und kompensatorische Funktionen haben.
Es
ist jedoch auch festzustellen, daß auch in einem kommunikativen
Aufsatz die kreativen Schreibformen nicht ausgeschlossen werden.
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2.3 Charakteristika
des Kreativen Schreibens
In
der Aufsatzdidaktik wurde das Aufkommen des Kreativitätsbegriffes
berücksichtigt. Das Schreiben als Prozeß, das freie Schreiben,
sowie das personale Schreiben sind Formen des kreativen Schreibens in
der Aufsatzdidaktik.
Hierbei
soll kreatives Schreiben als eine Schreiberfahrung aufgefaßt werden,
wobei der Prozeß des Schreibens wichtiger ist als das Produkt. Das
Erproben und Suchen steht bei dieser Form des Schreibens im Vordergrund.
Somit wird der Weg, der zum Text führt, stärker bewertet als
der fertige Text. (= Schreiben als Prozeß)
Erlebnisorientierte
und subjektorientierte Elemente fanden in der traditionellen Schreibdidaktik
Berücksichtigung. Es soll den Kindern obliegen, wann, wo und worüber
sie Schreiben. (= Freies Schreiben)
Das
personale Schreiben betont die Auseinandersetzung mit der eigenen Subjektivität.
Es soll den Schülern die Gelegenheit geben, sich selbst in den Schreibprozeß
einzubringen. Die Sprache wird dabei zum Instrument der Selbstreflexion.
Durch das personale Schreiben kann die Ich- Identität aktiviert werden.
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2.4 Welche Fähigkeiten
sollen beim kreativen Schreiben angewendet, entwickelt, erweitert werden?
Das
kreative Schreiben beinhaltet psychologische Ansätze. Durch das Anregen
der Phantasie, kann das Verdrängte wieder in das Bewußtsein
transformiert werden. Somit werden Assoziationen beim kreativen Schreiben
nutzbar gemacht, um seelische Gehalte darzustellen.
Assoziatives
Schreiben bedeutet, sich von eigenen Empfindungen und Gedanken führen
lassen und somit die eigene Befindlichkeit erfassbar machen. Bedingung
des assoziativen Schreibens ist ein Anstoß, eine Anregung, ein Reiz,
von dem aus sich der Schreiber mit Hilfe von Notaten tragen lassen kann.
Anstöße
können von unterschiedlicher Art sein: ein Zitat, ein Bild, Musik
Wörter die ein Gefühl ausdrücken Beobachtungs- und Rollenphantasien
sind Anregungen sich in andere hineinzuversetzen. (Abraham, U., Beisbart,
O., Koß, G., Marenbach, D., (Hg.), Praxis des Deutschunterrichts.
Donauwörth, 1998, S.101-104)
Auch
aus der Gestalttherapie hat das kreative Schreiben Anregungen übernommen
wie z.B. die Phantasiereise und die Meditation als Einstieg ins Schreiben.
Hierbei soll das Innere des Menschen eine Gestalt bekommen, daß
heißt, dass Körper und Seele eine Einheit bilden.
Eine
große Bedeutung im Bezug auf das kreative Schreiben fanden die Gehirnforschungen
zur Hemisphärendifferenzierung. Sie versucht das Zusammenspiel zwischen
den beiden Gehirnhälften zu analysieren. So ist z.B. bei einem Rechtshänder
die linke Gehirnhälfte für das logische Denken und die Sprache
und die rechte Hälfte für die Emotionen und das bildliche Denken
verantwortlich.
Daraus
schließt die Forschung, daß das Wechselspiel ungleichgewichtig
ist. Aufgabe des kreativen Schreibens ist es beide Gehirnhälften
so zu aktivieren und in Beziehung zu setzen, daß sie sich nicht
blockieren. Das Clustering ist ein typisches Verfahren des kreativen Schreibens,
um beide Gehirnhälften zu aktivieren.
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2.5 Welche Bedeutung
kommt dem kreativen Schreiben als Schreibaufgabe zu?
Der
natürliche Schreibdrang soll beim kreativen Schreiben gefördert
und aktiviert werden und nicht durch die normativen Regeln und Methoden
des traditionellen Aufsatzunterrichts gehemmt oder unterdrückt werden.
Deshalb
sollten die ausgewählten Schreibanlässe den Schülern Gelegenheit
geben, freiwillig und ohne Zwang von eigenen Erlebnissen, Erfahrungen
Träumen und Wünschen in unterschiedlichen Situationen und Formen
zu schreiben.
"Alle
Menschen, besonders Kinder schreiben gern, wenn man sie nur läßt."
(Boehncke, Humburg, In: Schuster, K., Einführung in die Fachdidaktik
Deutsch. Baltmannsweiler, 1994, S.150.)
Außerdem
sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß beim kreativen
Schreiben die Möglichkeit geschaffen werden sollte, das Geschriebene
auszutauschen, da das Interesse anderer an der eigenen Person die Selbstfindung
stärken kann.
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2.6 Schreibanregungen
aus der bildenden Kunst
Diese
Sachanalyse stützt sich auf den Artikel von Gabriele Rabkin, der
1999 in der Grundschulzeitschrift (126) erschien.
Hinter
der Idee, etwas Vorgegebenes bildnerisch und anschließend schriftlich
weiterzugestalten, steht die Überzeugung, dass für die Entfaltung
von Fantasieprozessen besondere Anregungen hilfreich sind. Die konkrete
Schreibanregung "Gestalte (Male) weiter und schreibe eine Geschichte dazu!"
bietet Kindern mit wenig Schreiberfahrung einen vertrauten Einstieg. Bevor
sie den Schreibdruck fühlen, eine fertige Geschichte zu Papier bringen
zu müssen, können sie sich beim Malen Gedanken zu Personen,
Ort und Handlungselementen ihrer Geschichte machen und diese in die vorgegebene
Anregung "hineinmalen". Beim Malen kommen ihnen vielleicht erst die Ideen
für eine Geschichte, die dann im Malprozess immer genauer und somit
leichter schriftlich fixierbar werden. Bei der Verschriftlichung hat der
Schüler dann "nur" noch eine Ausgestaltung und Konkretisierung zu
leisten, es wird aber nicht mehr eine spontane Geschichtenproduktion erwartet.
Ein
wichtiges Prinzip bei der Konzeption von Schreibanregungen im Allgemeinen
und besonders beim Kreativen Schreiben besteht darin, Lernende nicht vor
Aufgaben zu stellen, die bis ins Einzelne festgeschrieben sind. Die Aufgaben
sollten stattdessen offen für die Artikulation eigener Vorstellungen
sein.
Aus
diesem Grund sind die Anregungen aus der bildenden Kunst für unseren
Unterrichtsentwurf sorgfältig auszuwählen.
Die
Kunstwerke sollten mehr als eine Interpretation zulassen und somit nicht
eindeutig in ihrer Aussage sein.
Nach G. Rabkin eignen sich
abstrahierende Bilder mit vorgestalthaften Charakter von Künstlern
der klassischen Moderne als Schreibanregung, da sie die Entwicklung eigener
Ideen besonders gut zulassen. Picasso und Paul Klee sind in dem Artikel
als Künstler empfohlen.
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3. Didaktische
Analyse
3.1 Die Frage nach der Legitimation
Warum sollten Schüler ein kreatives
Schreiberlebnis kennengelernt haben?
1.
Die wichtigste Leistung des kreativen Schreibens ist, dass es die ganze
Person einschließt. Ebenfalls wurde beobachtet, dass durch das kreative
Schreiben eine Leistungssteigerung erfolgen kann und Schreibblockaden
abgebaut werden können.
2.
Das kreative Schreiben aktiviert die Imaginationskraft. In der Aufsatzdidaktik
gibt es mehrere Verfahren und Modelle, w. z. B. das automatische Schreiben,
das Meditieren zu inneren Vorstellungen und Gegenstände, das Clustering
und das Schreiben zu künstlerischen Ausdrucksformen, die integriert
wurden.
3.
Durch das Aktivieren der Imaginationskraft soll etwas Neues entstehen.
Es wird nicht nach einem vorgefertigten Plan geschrieben, so dass neue
Sichtweisen und Vorstellungen erlangt werden können.
4.
Es können auch literaturdidaktische Zielsetzungen beim kreativen
Schreiben berücksichtigt werden.
5.
Die kreative Schreiberfahrung ist nicht nur als ein individuelles Erlebnis
anzusehen, sondern sollte einen Austausch in der Gruppe ermöglichen.
So kann der Schreiber ein Feedback erhalten und ein sozialer Aspekt wird
beim kreativen Schreiben berücksichtigt, der für die Schule
sehr wichtig ist.
6. Die Schüler werden
offen für neue Entdeckungen und entwickeln durch das kreative Schreiben
ein Einfühlungsvermögen. (siehe Anmerkung 2.)
Gegenwartsbedeutung
Die Schüler befinden
sich häufig in einer Welt, die von Normen, Zeitdruck, und durch ein
übersättigtes Medienangebot geprägt ist. Das kann oftmals
zur Fantasielosigkeit, Kommunikationsschwierigkeit und sozialem Desinteresse
führen. Wir denken, dass das kreative Schreiben den Kindern die Möglichkeit
geben kann, auf ihre Gefühle näher einzugehen und ihre Fantasie
zu anzuregen. Es bewegt die Kinder zur Selbstreflexion und zur Reflexion
über die Gefühle, Eindrücke und Äußerungen ihrer
Mitschüler. Beleuchtet man den kognitiven Bereich, so sei zu erwähnen,
dass diese Aufgabe auch das Alltagswissen der Schüler berücksichtigt,
auf das es sich lohnt näher einzugehen. Gegebenenfalls müssen
es überarbeitet und korrigiert werden. Außerdem ist es eine
Alternative zum konventionellen Unterricht. Wir erhoffen uns, dass durch
die Auflockerung der Unterrichtsform auch weniger schreibmotivierte Schüler
zum Schreiben angeregt werden.
Zukunftsbedeutung
Die Frage nach der Zukunftsbedeutung
gestaltet sich schwierig. Angesichts einer unabsehbar komplexen und sich
verändernden Wirklichkeit kann diese Frage umfassend von niemandem
beantwortet werden. Weder die wissenschaftliche Pädagogik noch andere
Institutionen haben die Qualifikationen ermittelt, die die Schüler
in künftigen Lebenssituationen benötigen werden. (Hannappel
H.: Lehren lernen. Bochum 1992 (3. überarb. A.), S. 113ff. KAPITEL
V.) Nichtsdestotrotz können gewisse Überlegungen getroffen werden,
die unter Anbetracht der noch zu verstreichenden Zeit bis zum Heranwachsen
der Schüler wahrscheinlich eintreffen könnten. Den Schülern
wird die Möglichkeit geboten über ihre Gefühle zu sprechen
und schriftlich zu fixieren. Der Transfer von einem Medium ins andere
ermöglicht eine Übung der recht präzisen Wortwahl, die
bei Beschreibungen und Erzählungen von komplexeren Bildern o.ä.
im späteren Beruf notwendig sein kann. Dadurch sollen langfristig
gesehen die Schüler vorbereitet werden, ihre zwischenmenschlichen
Beziehungen per Interaktion aufrecht zu erhalten.
Zugänglichkeit
Einerseits könnte es
auf Grund des ziemlich hohen Abstraktionsgrades der Bilder bei den Schülern
- in Bezug auf die Bildauswahl "Ansprechschwierigkeiten" geben. Deswegen
entschieden wir uns nicht Geschichten zu den "nackten" Bildern zu schreiben,
sondern sie erst künstlerisch zu bearbeiten. Damit wäre die
didaktische Reduktion von den Schülern selbst vorgenommen. Andererseits
sind die Bilder durch die "sparsame" Darstellung nicht zu komplex und
können daher gut weiter gemalt werden.
3.2 Die Bedingungsfeldanalyse
Rahmenplanbezug:
Wir haben uns geeinigt, die Unterrichtsreihe in einer vierten Klasse durchzuführen
und gehen von einer "Durchschnittsklasse" aus.
Zu
Beginn der ersten Stunde werden den Kindern Bilder gezeigt, die sie dann
weitermalen (ausmalen, ergänzen, Hintergrund erstellen) sollen. Anschließend
soll zu dem selbsterstellten Bild eine Geschichte geschrieben werden.
Der Rahmenplan sieht diese Art des Schreibens in der vierten Klasse vor:
Die Erlebniserzählung oder Phantasiegeschichte dürfte hierbei
gemeint sein.
Lernpsychologisch
betrachtet kommen hier alle drei Aspekte der Lernziele (kognitive Dimension,
affektive Dimension und psychomotorische Dimension) zum tragen, wobei
die Gewichtung speziell auf dem Affektiven und Psychomotorischen liegt
(s. auch "Lernziele").
Die Fähigkeiten, über
die die Kinder zur sinnvollen Bearbeitung der Aufgabe verfügen sollten,
wurden schon in den ersten beiden Grundschuljahren trainiert. Zum einem
geschah dies im Kunstunterricht, in dem die Kinder ihre Fähigkeiten,
mit verschiedenen Zeichenmaterialien Dinge zu malen, vertiefen und weiter
erproben konnten. Zum anderen wurden die erforderlichen Fähigkeiten
natürlich im Fach Deutsch erarbeitet. Der Rahmenplan für die
Berliner Grundschule für Klasse 1/2 sieht das Erlernen von Lese-
und Schreibfähigkeit und den Aufbau und Sicherung eines ersten Sprachwortschatzes
vor. Auch das spontane schriftliche Niederschreiben von Gedanken, Gefühlen
und Erlebnissen in kurzen Sätzen soll laut Rahmenplan mit den Schülern
schon in den ersten beiden Schuljahren geübt und praktiziert worden
sein. In der dritten Klasse kamen dann Aspekte beim Verfassen von Texten
hinzu, die die Darstellung der Texte auf eine geeignete Art und Weise
betreffen. Diese wurden jedoch auch an kreativeren Schreibformen wie an
dem Erlebnisbericht oder der Reizwortgeschichte geübt.
Wir können also in der
vierten Klasse davon ausgehen, dass die Schüler lesen und mit gut
lesbarer Schrift Sätze ab- bzw. aufschreiben können, außerdem
über einen mehr oder weniger gesicherten Sprachwortschatz verfügen
und auch schon eigene Gedanken und Gefühle sogar unter bestimmten
Gestaltungsgesichtspunkten zu Papier bringen können.
3.3 Lernziele
Kognitive
Ziele
Affektive
Ziele
- Mitteilung
von eigenen Gefühlen, Erfahrungen, Wünschen, fantasievollen
Gedanken und Träumen
Psychomotorische
Ziele
Soziale
Ziele
-
Umgang
mit Kritik an eigener und anderen Arbeiten in der Schreibkonferenzphase
-
Förderung
der Interaktiven Kommunikation
-
Üben
der Selbstdarstellung vor einer Gruppe
-
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3.4
Die Realisierbarkeit
Selbstverständlich haben
wir unsere Unterrichtseinheit ausprobieren wollen. Es entstanden zwei
gelungene Ergebnisse, die wir hier vorstellen möchten. Wir haben
festgestellt, dass sich durch das Malen tatsächlich Ideen entwickeln
und die Bilder unserer Lernzielerreichung förderlich sind. Wir befassten
uns mit der "kreativen" Phase, dem Schreiben und der Schreibkonferenz.
Nach einer halbstündigen Malphase entstanden folgende Bilder. Zu
Grunde lagen die Bilder "Es will nicht hinein" und "Polarität rechts-links".
Beispiel 1 (Das Bild muss
noch hierhin)
Ein Geburtstag mit Überraschungen
zum Bild
Das ist Willy der Clown.
Er ist ein sehr bekannter und gut angesehener Clown, da er viele lustige
Witze, Tricks und Scherze auf Lager hat. Sein ständiger Begleiter
und treuester Freund ist seine Maus Fridolin.
Fridolin befindet sich stets in Willy's rechter Hosentasche und sorgt
vor allem bei älteren Damen für viel Spaß.
Heute hat Willy einen Auftrag von der Familie Klein erhalten. Der jüngste
der Kleins, Kaspar ist sein Name, feiert nämlich heute seinen 8.
Geburtstag. Es sind jede Menge Freunde, Bekannte und Verwandte zur Feier
erschienen.
Auch Tante Marta und Tante Sophie haben es sich nicht nehmen lassen zu
erscheinen. Kaspar mag seine Tanten nicht sonderlich, da diese ihn immer
noch wie ein Kleinkind behandeln. Das ewige in die Wange kneifen und mit
hocherhobener Stimme ein Freudengeschrei ausstoßen, wenn sie ihn
sehen nervt ihn ziemlich. Schließlich ist er heute 8. Jahre alt
geworden. Und dann ist da noch Onkel Hans, der fast jedes Wochenende vorbei
kommt und es sich trotzdem nicht verkneifen kann jedesmal von Neuem hervorzuheben,
wie groß Kaspar doch geworden sei. Alles in Allem sind die Verwandten
nur anstrengend und nervig, findet Kaspar. Zum Glück ist ja heute
Willy der Clown da. Er wird den müden Haufen schon aufheizen. Als
Willy endlich bei den Kleins erscheint, warten schon alle ganz gespannt.
Er ist mit einem großen Sack angekommen, in dem sich viele lustige
Dinge zu verbergen scheinen. Alle haben sich erwartungsvoll um den großen
Tisch im Garten versammelt, um nun den Auftritt von Willy zu sehen. Als
Willy gerade beginnen will, hüpft völlig unerwartet, Fridolin
aus der Tasche und landet mitten auf dein Esstisch, genau in Tante Martas
Stück Torte. "Ahhhhhhhhh!!!",ein gellender Schrei läßt
alle Umsitzenden erstarren. Tante Marta ist inzwischen, wie von einer
Terantel gestochen aufgesprungen und läuft panisch durch die Gegend.
Alle Kinder grölen vor Lachen, so einen lustigen Geburtstag haben
sie lange nicht mehr erlebt. Auch Willy kann sich das Lachen nicht verkneifen
und freut sich, dass alle so viel Spaß haben und seine und natürlich
Fridolins Anwesenheit für heitere Stimmung sorgen. Sein Ziel ist
damit erreicht und alle freuen sich, dass er zu Kaspars 8. Geburtstag
erschienen ist.
Wirklich alle? Ja alle, außer Tante Marta, die kreidebleich in der
Ecke sitzt und sich den ganzen Tag nicht mehr von ihrem Stuhl herunter
wagte.
Ergebnisse unserer Schreibkonferenz:
-
Geschichte deutet auf großen Wortschatz hin - Wortwahl ist gelungen
-
Gliederung ist vorhanden - Einleitung, Hauptteil und Schluss
-
Verbesserung einzelner Satzkonstruktionen.
-
Klärung von Verständnisschwierigkeiten
-
lustige Momente sind enthalten
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4. Konkrete
Planung
4.1 Grobplanung
METHODIK
Medien:
Bilder (leise Hintergrundsmusik)
Differenzierung:
Lernhilfen in Form von kleinen Kärtchen, die mögliche Hinweise
bzw. Anregungen zu den Bildern geben. (Z.B. Was könnte der auf dem
Bild gesehen haben?)
Großform:
Zu Beginn Frontalunterricht, im Verlauf dann aber Einzelarbeiten, die
im offenen Unterricht besprochen und überarbeitet werden.
Handlungsform:
-
Schreiben
nach Bildern
-
Kreatives
Schreiben
-
Schreibkonferenz
Motivation:
Zeitablauf:
1.
Aufgabenstellung
Sucht Euch eins von drei zur Verfügung stehenden Bildern zum weitermalen
aus und schreibt darüber eine von Euch erdachte Geschichte.
2.
Weitermalen der Bilder
3.
Eine Geschichte zum weitergemalten Bild verfassen
4.
Schreibkonferenzen
Achten
auf die Satzkonstruktionen, Gliederung, Stimmigkeit der Geschichte, Zeitform,
Wortwahl, Vorhandensein von Spannungsmomenten
5.
Überarbeitung der erdachten Geschichte
6.
Ausstellung der fertigen Werke
Sozialform:
1-3
Einzelarbeit
4
Gruppenarbeit in Gruppen zu je drei bis vier Schülern.
5
Einzelarbeit
Erfolgskontrolle:
Das Ziel erreicht zuhaben, dass die Schüler durch die Bilder zum
Schreiben angeregt wurden und ihre Phantasie und Gefühle frei entfalten
konnten. Erfolgskontrolle = Ausstellung
4.2 Feinplanung
Feinplanung zur 1. und 2. Stunde
Thema der Unterrichtseinheit: Kreatives
Schreiben
Thema der Doppelstunde: Schreiben zu
Bildern.
Zeit/
Phase
|
geplantes Lehrerverhalten
|
erwartetes Schülerverhalten
|
Methoden/Unterrichtsform
|
Medien
|
|
2'
|
Lehrer
begrüßt die Schüler
|
|
|
|
|
Organisationsphase
|
L:
"Wir wollen heute Bilder weitermalen und danach eine Geschichte
zu den Bildern schreiben." L. präsentiert die Bilder, die
weitergemalt werden sollen und klappt die Tafel mit der Aufgabenstellung
auf:
"Male
das Bild weiter und denk dir dazu eine Geschichte aus und schreibe
sie auf."
L.
Erläutert die Aufgabenstellung.
L.
stellt den Schülern die Zeichenmaterialien frei.
L.
lässt Schülern Zeit um sich Malutensilien zu beschaffen.
|
S.
äußern Fragen und suchen sich ein Bild aus.
Schüler
holen selbständig das Material.
|
FU
EA
|
Tafel
Bilder
Zeichenmaterial
|
|
Arbeitsphase
ca.
45'
|
L.
macht zur Inspiration klassische Hintergrundmusik an.
Bei
evtl. Rückfragen oder Anlaufschwierigkeiten bietet L. Anregungen
zu den Bildern (Beispiel: "Wo könnte sich der Mann befinden?"...)
|
Schüler
fangen an zu malen.
|
EA
|
Recorder/Musik
|
|
Schreibphase
ca.
45'
|
Bei
Fragen u.ä. gibt der Lehrer Hinweise auf die Lose am Lehrertisch.
|
Nach
Beendigung des Malvorgangs fangen die Schüler - gemäß
der Aufgabenstellung an der Tafel an zu schreiben.
S.
schreiben.
|
|
Arbeitsheft
|
|
Endphase
|
L:
sammelt die vorläufigen Ergebnisse ein.
|
|
|
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4.3 Didaktische Überlegungen
Die
Aufgabenstellung wird an der Tafel fixiert, damit die Schüler sie
nicht vergessen. Aus Zeitgründen geschieht das vor dem Stundenbeginn.
Damit soll außerdem vermieden werden, dass der Lehrer den Schülern
den Rücken zuwendet.
Wir
wählten für unsere Unterrichtsstunden vier Bilder von Paul Klee
aus. Paul Klee, ein Schweizer Maler und Graphiker, lebte von 1879 bis
1940. Bei den ausgewählten Werken handelt es sich um Skizzen und
nicht um Farbbilder. Wir achteten darauf, dass die Bilder nicht zu grausam
oder obszön sind, ein Gesicht darstellen, das deutlich als solches
zu erkennen ist und mehrere Deutungen zulässt.. Das Bild "Flucht
nach Pommerland" entstand 1939 und stellt eine Person dar, die wegläuft.
Weswegen und wovor sie wegläuft, ist auf dem Bild nicht erkennbar.
Das Bild "Rad-wahn" (1939) stellt eine lächelnde Person mit einem
runden Gegenstand auf dem Kopf dar. Bei diesem Bild ist nicht klar, was
dieser Gegenstand tatsächlich ist und wie er auf den Kopf der Person
gelangt ist.
Das
dritte Bild stellt eine Person mit erhobenen Händen dar. Es heißt
"Polarität links-rechts" und entstand 1938. Auch hier sind mehrere
Ursachen für die erhobenen Hände der Figur denkbar, beispielsweise
Entsetzen, Resignation oder Hilflosigkeit. Das vierte Bild heißt
"Es will nicht hinein" (1939) und zeigt einen Mann, der sich mit der Hand
gegen die Stirn tippt. Auch hier sind wieder mehrere Deutungen des Bildes
möglich.
Falls
es Schüler mit Anlaufsschwierigkeiten gibt, bieten vorbereitete Lose
den Schülern Hilfestellungen beim Schreibprozess. Sie enthalten Fragen
und Anregungen. (s.Anhang).
Nachdem
eine Erstfassung des Textes von den Schülern vorliegt, sollte einige
Zeit vergehen. Dadurch kann der Schüler eine Distanz zum Text aufbauen,
die ihm eine andere Sichtweise ermöglicht.
In
der folgende Stunde wird eine Schreibkonferenz durchgeführt. Die
Schüler sollen ihre Erstfassung nicht als Endprodukt sehen, sondern
die Möglichkeit haben ihre eigenen Texte zu überarbeiten und
zu verbessern. Außerdem sollen die Schüler Interesse an Mitschülern
und deren Geschichten entwickeln und sich mit ihnen auseinandersetzen.
Somit erfolgt der Schreibprozess nicht isolierend, sondern verbindend.
Gleichzeitig wird die soziale Interaktion zwischen den Schülern gefördert.
Die Schüler sollen lernen sowohl Kritik als auch Lob zu den verfassten
Texten zu äußern.
Vorgehensweise:
Die Schüler setzen sich zu dritt oder viert zusammen. Jeder sollte
(muss aber nicht) seine Geschichte den anderen vorlesen und sich die Kommentare
sowie Verbesserungsvorschläge notieren und als mögliche Anregung
für die spätere Überarbeitung nutzen. Die endgültige
Überarbeitung findet dann in Einzelarbeit statt. Zum Abschluss der
Unterrichtssequenz sollen die Kinder die Bilder und die Endfassungen der
Geschichten in einer ihnen angemessenen Form ausstellen, die im Unterrichtsgespräch
festgelegt wird.
nach
oben
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