Dagmar Wilde • SS 2000 / FUB • 12417 S

"Texte verfassen im verbundenen Sprachunterricht"


Journalschreiben als seminarbegleitende Tätigkeit


Materialien zum Journal der Gruppe 2.1: Was müssen Kinder lernen? Wie können Kinder lernen?

Schriftliches Erzählen ist Lernziel und -inhalt des Texte verfassens in den Klassenstufen
1-4. Schreiben lernt man (auch) durch Schreiben: Es ist jedoch immer wieder zu beobachten, dass viele Kinder keine Texte von sich aus oder zu beliebigen Inhalten schreiben. Wer nichts zu schreiben hat bzw. weiß, kann aber auch nichts zu Papier bringen.
Wie lassen sich im Unterricht Schreibanlässe schaffen? Welche Lernarrangements eröffnen Schreibmotivationen? Wie lassen sich Könnenserfahrungen vermitteln, aus denen Motivation für weiteres Schreiben erwächst?
Welche Lernhilfen eröffnen Kindern Zugänge zum Schreiben und Möglichkeiten zur Erweiterung ihrer Schreibkompetenz?


Miriam Happel, Katharina Ismer, Tanja Lau, Sarah Minth, Dana Radtke, Claudia Weber

Ergänzende Materialien zur Präsentation am 21.07.2000


Freinet - Pädagogik

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick, über die Freinet - Pädagogik gegeben werden. Insbesondere soll dabei auf die Methode des Texte verfassens und auf die Schuldruckerei eingegangen werden.

Die Freinet - Pädagogik wurde von dem französischen Volksschullehrer Celestin Freinet (1896 - 1966) entwickelt. Im Austausch mit Kolleg/inn/en entwickelte er eine praxisbezogene Konzeption zur Umgestaltung des Schulalltags. Freinet wurde, bei der Entwicklung seiner Methode besonders von den Reformpädagogen seiner Zeit beeinflußt. (z.B. O. Decroly, M. Montessori, P. Petersen usw.)

Die Pädagogischen Grundprinzipien Freinets

  • Lernen wird als ein aktiver, ganzheitlicher Prozess gesehen, der vom Kind als Individuum, durch die Selbstentfaltungstendenz entwickelt wird.

  • Der freie Ausdruck soll angeregt und gepflegt werden. Dies geschieht besonders durch freie Texte; Rollenspiele, freies Malen und Musizieren usw. Den Kindern wird von Anfang an die Möglichkeit gegeben ihre Texte selber herzustellen, wobei der Lehrer in der Rolle des Helfers und Korrektors, den Schülern zur Seite steht.

Die Ganzheitsmethode. Diese Methode wurde von Decroly begründet. Sie beinhaltet, dass Kinder ihre Umwelt immer nur ganzheitlich erfassen und sehen können. Deshalb fordert Freinet eine Unterrichtsmethode, die darauf eingeht. Die Unterrichtsganzheit soll daher nach Freinet aus dem Leben der Kinder genommen werden. Aus diesem Grund erstellen sich die Schüler der Freinet - Pädagogik unter anderen auch eine eigene Fibel, mit Texten und Zeichnungen, die sie interessieren. In der Fibel stehen auch eigene Texte/Erlebnisse und der Name des Kindes. Freinet lehnte die Fibeln seiner Zeit ab, weil er meinte, dass Kinder keinen ganzheitlichen Bezug bilden können, wenn es in den Fibeln um z.B. Fabelwesen oder ihnen unbekannte Personen geht.

DIE SCHULDRUCKEREI NACH FREINET

Die Entwicklung der Druckerei

Durch die Druckerei in der Schule wurde Freinet bekannt. Er suchte nach einer Methode Kinder für längere Zeit, für einen Text zu begeistern, diese fand er mit der Schuldruckerei. Freinet hatte bemerkt, dass die Kinder die Texte in den Schulbüchern zwar lasen, aber anschließend gleich wieder vergaßen.

Auf die Druckerei stieß Freinet durch Zufall, er entdeckte in einer Zeitschrift eine Reklame für die kleinste Druckerpresse. ("Cinup") Diese gefiel ihm so gut, dass er sich gleich eine bestellte. Die Besonderheit dieser Druckerpresse ist, dass man mit ihr nicht nur Buchstaben drucken, sondern auch Linolschnitte, Noten, Karten und Skizzen vervielfältigen kann.

Seit 1923 baute Freinet die Druckerei immer weiter aus, benutzte sie im Unterricht und stellte dadurch ihre großen pädagogischen Vorteil fest. Seine Dorfschule war sehr arm, deshalb druckten die Kinder auf die Rückseiten alter Wahlzettel. Sie hielten darauf, die für sie wichtigen Ereignisse und Erlebnisse aus ihren Dorf, der Schule und der Familie fest.

Von seinen Kollegen wurde Freinet am Anfang belacht. Sie benutzten lieber die schon vorhandenen Schulbücher und stellten nicht wie Freinet ein eigenes Klassenlesebuch mit den Kindern her. Doch nach einiger Zeit erkannten sie, daß Freinets Methode Vorteile brachte. Besonders die Druckerei überzeugte sie, denn diese ermöglichte den schnellen Austausch von Texten innerhalb der eigenen Schule und zwischen anderen Schulen. Die Schülerkorrespondenz zwischen verschiedenen Schulen begann. 1927 Korrespondierten bereits 40 Schulen in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Spanien mit einander. Die Druckerei wird in dieser Zeit immer bekannter, die Öffentlichkeit und die Presse fangen an sich für Freinet zu interessieren. 1928 beteiligen sich schon 90 Schulen an diesen Austausch. Schulen aus Argentinien, Polen, England, Tunesien und Marokko sind nun auch an dem Austausch beteiligt.

Die pädagogische Bedeutung der Druckerei

Die Vorteile der Druckerei

1) Sie stellt eine andere Möglichkeit dar sich schriftlich und zeichnerisch zu beschäftigen. Durch die einfache Handhabung der Druckerei kann sie schon von Kindern im alter von 4-6 Jahren benutzt werden.

2) Durch die Druckerei werden die Kinder dazu aufgefordert zu schreiben und die Texte orthographisch (richtige Rechtschreibung) richtig zu gestalten. In der Vorschule und zu Beginn der Schulzeit erzählen die Kinder und der Lehrer schreibt den Text an die Tafel, anschließend wird er gedruckt. Ältere Kinder schreiben und drucken selbständig.

3) Die vollendete Leistung, sowie das saubere, exakte Arbeiten werden gefördert.

4) Große Geschicklichkeit, Handfertigkeit und Sauberkeit entstehen durch den Umgang mit der Druckerei.

5) Die Gedanken der Schüler können festgehalten werden und allen stehen die gleichen Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Diese Texte haben sie selber hergestellt und auch selber ausgesucht (selber geschriebene / gute Texte aus Lesebüchern). Die Klasse ist also an kein Lesebuch gebunden und die Ergebnisse können auch andere Interessierten mitgeteilt werden.

6) Teamwork sowie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und mitmenschlich soziales Verhalten werden trainiert. Diese Eigenschaften sind für das Arbeitsleben heutzutage wichtig. Außerdem werden Lebenssituationen durch den Gemeinschaftssinn und das soziale Verhalten geübt.

Nachteil der Druckerei

  • Wenn ein langer Text gedruckt werden soll, benötigt man sehr viel Zeit, der Druckvorgang muss daher in mehreren Druckvorgängen erfolgen.

Schüler arbeiten mit der Druckerei

Die Schüler schreiben ihre freien Texte zunächst auf und können ihn dann anschließend drucken. Oft werden auch Texte gedruckt, die von der ganzen Klasse zuvor ausgewählt wurden. Das Drucken erfolgt in einem arbeitsteiligen Vorgang, den die Kinder alleine unter sich organisieren. Der Druckvorgang könnt als wie folgt aussehen. Zuerst setzt der Autor des Textes, seinen Text in der Setzerei aus einzelnen Typen (Buchstaben), Leerzeilen und Verzierungen zusammen. Anschließend druckt vielleicht eine Arbeitsgruppe von drei Kindern den Text. Wobei ein Kind die Aufgabe übernimmt den Druckstock einzufärben, ein anderes legt das Papier in die Presse und nimmt es wieder heraus, während das dritte Kind die Presse betätigt.

Literatur

Dietrich, Ingrid. Freinet- Pädagogik. In: D. H. Heckt / u. Sandfuchs (Hrsg.), Grundschule von A bis Z. Braunschweig 1993.

Freinet, Elise. Erziehung ohne Zwang. Der Weg Celestin Freinets. Stuttgart 1981.

Laun, Roland. Freinet - 50 Jahre danach. Dokumente und Berichte aus drei französischen Grundschulklassen. 2. aktualisierte und verbesserte Auflage, Heidelberg 1983

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Journal der Gruppe 2.2: Was müssen Kinder lernen? Wie können Kinder lernen?

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©opyright bei den Verfasserinnen, Berlin, Juli 2000

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06.04.2003


 

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