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Referentinnen: Katrin Kempf, Sabine Kies SS 99
Ein Sprachbuch ist ein Buch für den Deutschunterricht, welches Texte und Übungen aus verschiedenen Themenbereichen enthält, an die gezielte Aufgaben aus folgenden Teilbereichen des Deutschunterrichts geknüpft sind:
Mündlicher Sprachgebrauch (dazu gibt es zahlreiche Beispiele, die zum Üben anregen sollen, z.B. Wegbeschreibungen, Streitgespräche, etc.)
Texte verfassen (in Form von Briefen, Glückwunschkarten, Planungen, Geschichten schreiben,etc.)
Rechtschreibung/Grammatik (erfolgt in engem Zusammenhang mit dem mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch)
Lesen (auch stark an mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch angelehnt)
einzelneTeilbereiche des Deutschunterrichts sollten miteinander verknüpft sein (ganzheitliches Lernen)
Themen sollten sich auf die Situations- und Erfahrungswelt der Kinder beziehen
es sollte die verschiedenen Lösungsstrategien der Kinder berücksichtigen, um entdeckendes Lernen zu gewährleisten
es sollte motivierend wirken und die Kinder zum eigenständigen Lernen anregen
es sollte einen produktiven Umgang mit Inhalten bieten
Illustrationen sollten kindgerecht sein
Lernbereiche werden beibehalten, Projektanteile sind aber vorhanden
Auflösung der Lernbereiche, jedoch gesonderter Teil Rechtschreibung
integrative und lernbereichsorientierte Struktur -mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre
ab 80er Jahre bis heute
Grammatik und Rechtschreibung tritt wieder in den Vordergrund
sowohl integrative, als auch lernbereichsorientierte Struktur
LehrerInnen und Eltern fordern: curriculare, methodische, mediale Aspekte
Einfluß von Fachlektoraten der Verlage auf den Autor
Autor entwirft Sprachbuch
Gutachter versch. Ministerien überprüfen diverse Konzeptionen, Vereinbarungen und Richtlinien
Genehmigung oder nicht
Schwarz 1968: Sprachbuch zur Erleichterung eher planvollen Durchführung des DU
Vermittlung
systematisch zusammenhängender Erkenntnisse (Wissenschaft)
zielorientiertes Lernen
fachsystematischer
Sprachunterricht (isolierte Betrachtung d. Teilbereiche)
geschlossener Unterricht (rezeptives Lernen)
Vorgabe von Ausgangssituationen oder Problemen - keine Lösungen entdeckendes Lernen
integrativer
Sprachunterricht (alle Teilbereiche in sinnvollem Zus.hang)
offener Unterricht (projekt-, schüler- u. situationsorientiert)
Ist das Layout für diese Klassenstufe angemessen?
Welche Lernziele könnten diese Aufgabe verfoIgen?
Wie wird mit dem Medium Fernsehen umgegangen?
Was soll über die Lernziele hinaus vermittelt werden?
Verfolgen die Aufgaben eher ein lernbereichsorientierten oder -integrativen Unterricht?
Sabine Kies
Katrin Kempf
SS 99 FUB
Im Gegensatz zum Lesebuch, das sich eher darauf bezieht, Schülern Wertvorstellungen der Erwachsenenwelt zu vermitteln, ihnen eine kulturhistorische Orientierung zu geben und ihnen ästhetische Bildung an Poesie und Prosatexten zu bieten, bezieht sich ein Sprachbuch auf folgende Teilbereiche des Deutschunterrichts:
Mündlicher Sprachgebrauch
Texte verfassen
Rechtschreibung/Grammatik
Lesen.
Dazu gibt es im Sprachbuch zahlreiche Beispiele, die zum Üben anregen sollen, z.B. Wegbeschreibungen oder auch Situationen in einem Streitgespräch.
Dies kann in Form von Briefen, Glückwunschkarten oder auch Planungen oder Geschichten-schreiben etc. durchgeführt werden. Auch hierzu gibt es jede Menge Anregungen.
erfolgt in engem Zusammenhang mit dem mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch. An Sprach- oder Schreibsituationen wird gezeigt, was verschiedene Zeitformen, Wortarten usw. sind und wie man sie richtig an- und verwendet.
Auch Lesen ist stark angelehnt an den mündlichen Sprachgebrauch und das Verfassen von Texten (s. 1. und 2.) Es werden literarische Texte besprochen, gelernt, wie man Meinungen mit Argumenten untermauern kann, es können Texte handlungsorientiert beendet, umgeformt, analog geschrieben werden usw.
Die oben genannten Teilbereiche sollten sinnvoll verknüpft werden (einfacher zu späteren Anwendungen).
Die Beispiele im Buch sollten aus der Erfahrungswelt des Kindes stammen (=* einfacher mit Alltags- und Schülersituationen zu arbeiten, als mit irgendwelchen abstrakten Modellen: "Was wäre wenn...")
Kinder sollten "Sprache" erwerben, um sich untereinander zu verständigen und über Inhalte verständigen zu können, dies erfordert Übung in Form von Probieren, Korrigieren, Variieren, Vertiefen, Erweitern und Reflektieren. Das Ziel sollte sein, eine Motivation zu fördern zum eigenständigen Lernen, zu einem produktiven Umgang mit den Inhalten und einem entdeckenden Lernen.
Illustrationen sollten ansprechend sein, kindgerecht und "Lust machen" auf Lesen, Schreiben und Diskutieren.
Alles andere, z.B. wie ein Sprachbuch eingesetzt wird, hängt vom Lehrer ab. Er muß versuchen, das Beste für seine Klasse herauszuholen...
Der Typ des primär linguistisch ausgerichteten Sprachbuchs der späten 60er bis frühen 70er Jahre orientierte sich an den Richtlinien der modernen Sprachwissenschaft, die sich zu dieser Zeit an den Universitäten etablierte. Es sollte in erster Linie ein Grammatikbuch sein, das sprachwissenschaftliche Ergebnisse in schülergerechter Auswahl und Darstellung vermittelt. Es zeichnet sich durch eine systematische Gliederung nach einzelnen Lernbereichen aus, wobei die Anteile an Grammatik und Rechtschreibung dominieren.
Mit
der "kommunikativen Wende", die Mitte der '70er bis Mitte der '80er Jahre stattfand,
wurden an das Sprachbuch andere Anforderungen gestellt. Das Lernziel "Befähigung
zur Kommunikation" führte auf die Schriften bekannter Autoren zurück,
wie z.B. Wolfgang Menzel (1972) und Werner Schlotthaus (1971), die die Ziele
einer pädagogischen Grammatik verfolgten. Es kam zur Entstehung drei verschiedene
Gruppen kommunikativ ausgerichteter Sprachbücher.
Zur ersten Gruppe gehörten die Sprachbücher, die eine Gliederung nach
Lernbereichen beibehielten, jedoch einen zusätzlichen Anteil an projektorientierten
Aufgaben enthielten (z.B. "Sprachprojekte").
Die zweite Gruppe von Sprachbüchern führte eine Gliederung nach Sprechakten,
anstatt nach Lernbereichen durch. Es ist integrativ ausgerichtet, da Teilbereiche
der verschiedenen Lernbereiche in den einzelnen Sprechhandlungssequenzen zum
Tragen kommen (z.B. "Sprachbuch Sekundarstufe I)
In der dritten Gruppe der kommunikativ ausgerichteten Sprachbücher findet
man sowohl die integrative als auch die nach Lernbereichen gegliederte Struktur
vor. Es lassen sich zwei Unterrichtseinheiten unterscheiden: die nach Lernbereichen
ausgerichtete, welche verschiedene Kommunikationssituationen anbietet, und die
integrative, die Projektcharakter hat (z.B. "Praxis Sprache").
In den 80er Jahren setzte sich ein dritter Typ von Sprachbuch durch, dessen primäres Interesse fachdidaktischer Art war und das nach den für den Schüler "existentiellen Situationen" und nach der bestmöglichen methodischen Aufarbeitung fragt. Das situationsorientierte Sprachbuch sollte von motivationalem Charakter sein und sich an für Kinder lebensnahe Situationen orientieren. Die Gliederung dieser Sprachbücher ist fast durchweg situationsorientiert - integrativ; Grammatik und Rechtschreibung spielen eher eine untergeordnete Rolle (z.B. "Thema: Sprache")
Der vierte Typ bzw. die Entwicklung der Sprachbücher der 90er Jahre beruft sich wieder vermehrt auf Grammatik und Rechtschreibung. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie eine lernbereichsorientierte oder integrative Struktur besitzen. Sie weisen jedoch weiterhin einen situationsorientierten Charakter auf Die Rechtfertigung dieser Veränderungen bezieht sich auf die Richtlinienanforderungen und die geänderten Lehrpläne.
Die Vor- und Nachteile der lernbereichsorientierten. bzw. integrativ ausgerichteten Sprachbücher, die Einbeziehung verschiedener Teilbereiche, sowie die z.T. Fächerübergreifende Struktur des Deutschunterrichts der integrativ ausgerichteten Sprachbücher ermöglichen ein ganzheitliches Lernen in situationsbedingten Zusammenhängen. Dies erleichtert den Kindern - im Gegensatz zu den in lernbereichsorientierten Sprachbüchern isoliertem Betrachten von Teilbereichen - eine Übertragung des Erlernten auf andere Bereiche. Die " Systemtrennung" (schriftl. Sprachgebrauch, Rechtschreibung, usw.) führt jedoch zu einer relativ schnellen Aufnahme des neuen Lernstoffes, da das Lernen sehr zielorientiert verläuft. Außerdem werden durch die systematische Strukturierung aufwendige Unterrichtsvorbereitungen für den Lehrer vermieden. Aus ökonomischer Sicht betrachtet, bringt es aber eher kurzfristige Vorteile, weil die Anwendung des Erlernten in anderen Sinnzusammenhängen erschwert ist und somit viel Zeit in Wiederholungen investiert wird. Durch die genaue Vorgabe der Lernschritte wird es den Kindern nicht ermöglicht, eigene Lösungsstrategien zu finden oder Probleme selbständig zu lösen. Themenvorgabe und isoliertes Lernen bieten den Schülern keine lebensnahen Situationen, die zum Handeln motivieren.
3 Aspekte: curricularer, methodischer und medialer (Lehrersicht!):
Wenn man denkt, dass Sprachbuch-Autoren die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Didaktik für Deutsch in einem Sprachbuch verarbeiten und dann veröffentlichen können, ist das ein Irrtum.
Angefangen bei den Verlagen, die durch ihre Fachlektorate die Autoren beeinflussen, über ministerielle Gutachter und diverse Genehmigungsverfahren, die den neuen Konzeptionen auf Richtlinien, Erlasse und Vereinbarungen prüfen, bis hin zu den Einstellungen von Eltern und Lehrern, da diese eine Neueinführung des Buches beantragen und zu guter letzt beschließen.
Dazu
schrieb bereits Vogel 1984:
Zwar liegt dies schon 15 Jahre zurück, jedoch zeigt die heutige Praxis
genau dieselbe Tendenz - wie wir von den Mitarbeiterinnen des Diesterweg-Verlags
erfuhren...
Traditionell
galt: " Die Funktion des Sprachbuches besteht darin, unter den Bedingungen schulischen
Lernens die planvolle Durchführung eines Unterrichts zu erleichtern." (Schwartz,
1968)
Dies ist jedoch eine ungenaue Definition, wobei "erleichtern" auf verschiedene
Weisen ausgelegt werden kann-, angefangen vom "Ersatz der Unterrichtsplanung
durch den Deutschlehrer" - sprich: unterrichtsleitend - bis hin zum "gelegentlichen
Ergänzung des Unterrichts durch ausgewählte Texte, Übungen o.ä.
- also unterrichtsbegleitend.
Im Endeffekt liegt die Entscheidung für den Einsatz von Sprachbüchern einzig und allein beim Lehrer, der sich jedoch klar darüber sein sollte, dass er mit seiner Entscheidung für eine Variante ein bestimmtes Unterrichtsverständnis und bestimmte sprachdidaktische Konzepte favorisiert:
unterrichtsleitend: hochgradig strukturiert
unterrichtsbegleitend: geringfügig strukturiert.
Die Autoren gehen davon aus, dass eine Verknüpfung beider Methoden zwar wünschenswert, aber nicht realisierbar sei. Hingegen ist der Wechsel zwischen unterrichtsbegleitendem und -leitendem Einsatz des Sprachbuches durchaus möglich und letzterer ist in Bereichen angebracht, die eine Systematisierung erfordern.
©opyright Katrin Kempf, Sabine Kies, Berlin, Januar 2000
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06.04.2003