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schriftliche Ausarbeitung: Andrea Bars
Was ist mit "Leseförderung" gemeint?
Untergang der Lesekultur?
Lesen - warum eigentlich
Handlungsfelder und Methoden der Leseförderung
Stellenwert der Kinder- und Jugendliteratur für die Schule
Im Hinblick auf die Sache ist das Kinder- und Jugendbuch ein notwendiger Unterrichtsgegenstand
Im Hinblick auf das Kind ist das Kinder- und Jugendbuch als ein willkommener und attraktiver Unterrichtsgegenstand zu bezeichnen.
Im Hinblick auf den Lehrer erweist sich das Kinder- und Jugendbuch als ein relativ schwieriger Unterrichtsgegenstand
Um die Welt der Bücher für sich erschließen zu können, sind Kinder auf "Eigentätigkeit" und "persönliche Beziehung" angewiesen.
Bedeutung des Lesens
Motivationsmöglichkeiten zum Lesen
Methoden zur Einführung in die Lektüre
Erzählen eines Teiles der Geschichte
Vorlesen einiger Seiten
Stilles Weiterlesen im Unterricht
Vermutung über den Fort- und Weitergang der Geschichte
Vor allem der Übergang vom Erstlesen zum weiterführendem Lesen muß gefördert werden!!!
Leseförderung war schon immer Bestandteil der Deutschdidaktik, ist aber mittlerweile auf ein Problem anderer Größenordnung gemünzt.
er verweist auf Veränderung im Mediensystem
der Deutschunterricht wird um Hilfe gerufen, um eine kritische Entwicklung in der Gesellschaft aufzufangen. Doch ist das wirklich Aufgabe des Deutschunterrichts? Spielen da nicht noch andere Komponenten mit rein?
der Begriff der L. in den 70ern bezog sich auf den Anfangsunterricht, Kinder, die im Lesecurriculum nicht mitkamen, wurden im differenziertem Unterricht oder in Förderstunden geschult.
das ist auch heute noch sinnvoll, gängig und notwendig
Leseförderung konzentriert sich auf alle Schulstufen und Formen. Zielgruppe sind alle Schüler und nicht nur diejenigen, die Schwierigkeiten im Umgang mit schriftsprachlichen Texten haben.
es geht hier um das Lesenlernen als Enkulturation, um das Lesen als eine kulturelle Praxis, die man gefährdet sieht.
L. meint heute, daß die Einübung dieser Praxis unverschult und vor allem natürlich bleiben soll, die aber dennoch auf pädagogische Unterstützung angewiesen ist.
Es geht hierbei um den Aufbau und die Sicherung der Lesemotivation. Die Vermittlung von Lesefreude und Vertrautheit mit Büchern, die Entwicklung und Stabilisierung von Lesegewohnheiten.
An die Seite des intellektuellen Lesens soll eine altersgemäße Lesekultur treten, die all das repräsentiert, was das Lesen außerhalb der Schule anregt.
L. im aktuellen Verständnis bezieht sich grundsätzlich auf Angebote an alle Heranwachsenden.
Der Gedanke der L. verbindet sich eng mit den Projekten und Vorschlägen der 70er. Doch geht man heute soweit zu sagen, daß die Handlungsfelder über den Deutschunterricht hinaus auch die anderen Fächer, nicht zuletzt die Schulöffentlichkeit, und in Verbindung damit auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen betreffen.
Neu ist: die Konzentration auf das Lesen selbst, die Dringlichkeit, mit der die L. von Kultusministerien zur Aufgabe der Schule erklärt wird. Grund dafür: rasante Veränderung der Medien seit den 80ern.
seit der raschen Ausbreitung des Fernsehens und der anderen Medien ist die öffentliche Diskussion über die Gefährdung anderer Medien nicht abgebrochen.
Von der Geschichte der Kommunikationsformen weiß man, daß mit dem Aufkommen neuer Medien es ständig Funktionsverschiebungen gegeben hat, aber keine unmittelbare Verdrängung
die Schrift hat nicht die mündliche Kommunikation ersetzt
das Telefon nicht den Briefverkehr
das Fernsehspiele nicht das Theater
die Tonkonserve nicht das Konzert
Bsp. für heute im Zeitalter des Computers: Stud. fragen
Neil Postman (1984) sagt, das Fernsehen bringt das Lesen zum Verschwinden, es verdrängt die Kindheit als eine gesellschaftliche Errungenschaft der Neuzeit.
"Kindheit als eine sozial definierte eigene Lebenssphase ist gebunden an einen Zeitraum des Lernens, eine Phase der Schrittweisen dosierten Einführung in die Erwachsenenwelt".
Er setzt diese Phase gleich mit dem Erwerb der Literalität. Er behauptet, die Kindheit sei mit der Erfindung des Buchdrucks im 15 Jh. entstanden und verschwindet mit der Ausbreitung des Fernsehens im 20 Jh. wieder.
das ist u. E. Quatsch!!!!!!!
Einer Untersuchung nach betrug die lesende Bev. 1770 ca. 15%, 1830 ca. 40%, 1870 ca. 75%. Liegt mit daran, daß nur für wohlhabende bürgerliche Schichten die Kindheit zugleich eine Lesekindheit war.
in Beziehung auf das Fernsehen dürfte noch heute gelten, daß nicht die Medien die Lebensbedingungen der Menschen bestimmen, sondern umgekehrt die soziale Lebenslage wesentlich dem Gebrauch vorstrukturiert, den sie von den Medien machen und machen können.
Richtung an P. These ist, daß durch den erhöhten Fernsehkonsum die Kinder unabhängiger von der Erwachsenen sind und früher in der Lage sind an deren Informations- und Unterhaltungswelt teilzunehmen.
Untersuchungen aus den 80ern haben gezeigt, daß das Lesen in der Mediengesellschaft verstärkt der Stützung bedarf. 12-19 Jahre jeder 5. nicht Leser, bei 15-jährigen: 22% nicht Leser
z.Zt. gibt es ca. - 1/3 Leseabstinenzler unter den Jugendlichen
Polarisierungshypothese (Bildung von Extremen): vorlesen:
"Ulrike Six (Medienwissenschaftlerin) formuliert sie so:
" Unter der Perspektive ungleich verteilter Ausgangsbedingungen für den Medienumgang Heranwachsender ist anzunehmen, daß die Ressourcen und Kompetenzen Privilegierten die Medienangebote eher nutzen, daß sie ihrer sozialen Durchsetzung dienlich sind.... Medienangebote und deren Nutzung würden dann zur Verstärkung von Gruppenunterschieden führen, nicht nur in Bildung und Wissen, sondern auch etwa in Einstellungen und Interessen,in Ängsten, Motivationen und Aktivitäten"
-geht man von einer P. aus, wird die lange kulturelle Tradition des Bücherlesens nicht plötzlich verschwinden.
In den oberen Schichten wird Lesen weiterhin zum Verhaltensrepertoire gehören. Es wird für Jüngere allerdings schwer zu erlernen sein, da die Unterhaltungselektronik Zerstreuung, punktete Aufmerksamkeit, starke emotionale Reize zu den beherrschenden Wahrnehmungsformen macht.
bestätigt wurde dies vom Allensbacher Institut für Demoskopie, das 20 Jahre lang Buchmarktforschung betrieb und feststellte, daß trotz des erweiterten Buchbesitzes, der beträchtlichen Ausweitung der höheren Schulbildung, des Anwachsens der Freizeit und der Steigerung des durchschnittliche Einkommens, sich die Struktur der Lesekultur wenig veränderte. Der Kreis der Leser ist weiterhin auf ein Drittel der Bev. Beschränkt, kein Abbau der Schichtabhängigkeit.
Dies ist eine Herausforderung für die Schule und Bildung, doch kann "eine höhere Schulbildung Unterschiede in der Erziehung des Elternhauses nur begrenzt ausgleichen".
Setzt man sich, wenn man heute zur Literalität erziehen will, nicht ein altmodisches Ziel?
Doch man lernt nicht Lesen um das Lesen gegen die anderen Medientätigkeiten abzugrenzen und diese abzuwerten, sondern um seine Schlüsselfunktion für den kompetenten, selbstbestimmten Gebrauch auch der anderen Medien herauszuarbeiten.
Keine Alltagssituation wie das Vorlesen ist so ergiebig für den Spracherwerb eines Kindes. Über das Bücherlesen vollzieht das Kind, noch ehe es zwei ist, den Übergang von der Behandlung der Welt als Inbegriff von "Objekten für Handlungen" zu einer Sicht der Welt, in der es primär "Objekte der Betrachtung" geht.
Lesen fördert die Sprachentwicklung wie keine andere Medientätigkeit.
Lesen erfordert aufbauende auf der Fähigkeit zur Dekodierung der Schrift eine Art "innere Übersetzung" für das Denken. Das Verstehen von Sätzen und texten ist niemals nur eine Verbindung von Informationen. Infos werden erst dadurch sinnvoll, daß sie zu schon vorliegendem Wissen in Beziehung gesetzt werden.
Lesen ist eine unersetzbare, konzentrierte Übung des Denkens
Lesen hat nicht nur eine sprachliche und kognitive Seite, sondern emotionale Prozesse laufen beim Verstehen immer mit.
So liest man z.B. an einem Roman meist eine Woche. In dieser Woche kann man sich die Figuren, die Welt usw. bunt ausmalen und denken. Filme guckt man sich in einer Stunde. Das Fernsehen trainiert die Kinder, sich schnell zu identifizieren und ebenso umstandslos wieder zu lösen.
Weil das Lesen sprachliche und begriffliche Kompetenzen, Differenzierungen von Perspektiven, emotionale Beteiligung und Konzentration auf das Verstehen einübt, ist die Lesekompetenz eine entscheidende funktionale Voraussetzung auch für die kompetente Nutzung anderer Medien
Die Schule braucht sich nicht den Schuh anzuziehen, daß sie die Verursacherin von Lesedefiziten sei, die andere auszugleichen hätten. Sie ist und bleibt die wichtigste Sicherungsagentur, für das Lesen, die die Gesellschaft mehr denn je braucht, um die notwendigen Grundlagenkompetenzen für eine selbstbestimmte, bedürfnisgerechte und bedächtige Nutzung des gesamten Medienensembles zu schaffen, das Heranwachsenden heute zur Verfügung steht.
©opyright Andrea Bars, Berlin, Februar 2000
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06.04.2003