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schriftliche Ausarbeitung von Axel Schuster zu den Fachseminarveranstaltungen
am 22.03.00 ("Wir lesen ein Buch... Kinderbücher im verbundenen Sprachunterricht
- Schritte der Unterrichtsplanung), 05.04. und 12.04.00 ("Die kleine Hexe..."
- Texte szenisch und musikalisch umsetzen)
Textanalyse
zum Kinderbuch
"Die kleine Hexe"
von Otfried Preußler
"Die
Textanalyse hat die Aufgabe, den Inhalt und/oder den Gedankengang eines
vorliegenden Textes wiederzugeben, die verwendeten sprachlichen Mittel
zu untersuchen (...). Der Schwerpunkt der Textanalyse liegt eindeutig
auf der Untersuchung der sprachlichen Mittel, deren Bestimmung unter Verwendung
von Textbelegen (Zitaten) erfolgt." (Möbius, Thomas: Textanalyse.
Hollfeld, 1999, S.8.)
Autor:
Ottfried Preußler
Titel: Die kleine Hexe
Erschienen: 1957, K. Thienemann Verlag, Stuttgart
Textsorte: Kinder- und Jugendbuch (Auswahlliste Deutscher Jugendbuchpreis
1958)
Hauptpersonen: Kleine Hexe, Rabe Abraxas
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Inhalt
Die
127-jährige kleine Hexe lebt im tiefen Wald mit ihrem Raben Abraxas.
Sie verbringt viel Zeit damit, in ihrem Hexenbuch zu lesen und das Hexen
zu lernen.
Sie
gilt mit ihren 127 Jahren in Hexenkreisen als zu jung, um an der Walpurgisnacht
teilzunehmen. Dies ist jedoch ihr sehnlichster Wunsch, denn dieses Fest
vereint die anderen Hexen im Tanz. In der Annahme zwischen all den anderen
Hexen nicht aufzufallen, mischt sie sich in besagter Nacht unter die um
das Hexenfeuer tanzenden Hexen. Die kleine Hexe amüsiert sich prächtig,
ehe sie von der Wetterhexe Rumpumpel entdeckt und verpetzt wird. Sie wird
vor die Oberhexe gebracht und trifft mit dieser die Vereinbarung, dass
sie im nächsten Jahr unter bestimmten Umständen mittanzen darf.
Dazu müsse die kleine Hexe ein Jahr lang eine "gute" Hexe sein. Zusätzlich
muss sie eine nicht leichte Prüfung vor dem Hexenrat bestehen und
das diesjährige Fest sofort verlassen.
Den
anderen Hexen war diese Art der Bestrafung zu milde und sie forderten
die Oberhexe zu weiteren Sanktionen auf. Die Oberhexe kam dieser Forderung
nach: "...dann schlage ich vor (...), dass wir ihr einfach den Besen wegnehmen
und sie zu Fuß auf den Heimweg schicken! Drei Tage und Nächte
lang wird sie zu laufen haben, bis sie in ihren Wald kommt, - das reicht.
(Preußler, Ottfried: Die kleine Hexe. Stuttgart 1957, S. 15.)
Nach
dem langen Heimmarsch überlegt die kleine Hexe sich, wie sie sich
an Rumpumpel rächen könnte. Sie verwirft diesen Gedanken dann
aber, als der Rabe Abraxas sie daran erinnert, dass sie von nun an eine
'gute' Hexe sein müsse, um an der nächsten Walpurgisnacht teilnehmen
zu dürfen.
In
den kommenden Monaten studiert sie eifrig in ihrem Hexenbuch und wendet
dieses neu erworbene Wissen an. Sie verbringt viele gute Taten:
1
Sie hilft alten Weibern beim Holzsammeln.
2 Sie bändigt den strengen Revierförster.
3 Sie unterstützt auf dem Markt ein Mädchen beim Verkauf ihrer
Papierblumen.
4 Sie rettet zwei Pferde vor einem gewalttätigen Kutscher.
5 Sie weist zwei verirrten Kindern den richtigen Weg.
6 Sie rettet deren Ochsen vor dem sicheren Tod.
7 Sie erwärmt einen Maroniverkäufer.
8 Sie verteidigt Kinder, die einen Schneemann bauen, vor Zerstörem
desselben.
9 Sie lässt es in der Fastnacht Pfannkuchen regnen.
10 Sie veranstaltet eine Fastnacht für die Tiere im Wald.
11 Sie heilt einen Kegler vor seiner Spielsucht und hilft damit dessen
Familie.
12 Sie rettet den Nachwuchs in Abraxas' Familie vor Nesträubern.
Nach
all diesen guten Taten, bei der ihr in den meisten Fällen der Rabe
Abraxas zur Seite stand, sieht sie dem alles entscheidenden Tag mit Zuversicht
entgegen. Sie tritt vor den Hexenrat und kann dort all die ihr gestellten
Aufgaben ohne Problem lösen. Scheinbar schon am Ende ihrer Träume
angekommen, muss die kleine Hexe mit ansehen, wie wiederum die Hexe Rumpumpel
auf den Plan tritt. Doch anstatt die kleine Hexe fertig zu machen, liest
sie dem Hexenrat all die guten Taten vor, die die kleine Hexe im abgelaufenen
Jahr vollbracht hat. Rumpumpel hatte die kleine Hexe nämlich das
ganze Jahr heimlich beobachtet. Stolz bestätigt die kleine Hexe den
Bericht und ist umso verwunderter, als die Oberhexe sie anfährt:.
"Und so etwas hätte ich morgen um ein Haar auf den Blocksberg (Anm.:
Ort der Walpurgisnacht. Preußler: a. a. 0., S. 119.) gelassen! Pfui
Rattendreck, welch eine schlechte Hexe!" (Preußler: a.a.O., S. 119.)
Nach
Ansicht der Oberhexe ist es die Aufgabe von Hexen, Böses zu hexen.
Und da die kleine Hexe Gutes gehext hat, war sie eine schlechte Hexe und
hat damit die Anforderungen nicht erfüllt.
Zur Strafe sollte sie den
Scheiterhaufen für das Hexenfeuer errichten. Sie tut dies auch, allerdings
hext sie sich für den Scheiterhaufen die Besen und Hexenbücher
der anderen Hexen herbei. Zusätzlich hext sie den anderen Hexen die
Fähigkeit des Hexens ab. Sie entzündete pünktlich das Feuer,
umtanzte dieses und war fortan die einzige Hexe auf Erden, die hexen konnte.
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Wie
wird erzählt?
Formal
Das Buch umfasst 127 Seiten
und ist in 20 Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel trägt eine auf den
Inhalt hinweisende Überschrift. Zusätzlich enthält das
Buch viele Textzeichnungen, die von Winnie Gebhardt-Gagler angefertigt
wurden.
Personen
Im Gegensatz zum Raben, der
den Namen Abraxas trägt, wird der kleinen Hexe kein Name zugeordnet.
Sie wird konsequent 'die kleine Hexe' genannt.
Auch die Oberhexe erhält keinen Namen, die Wetterhexe dagegen ist
namentlich erwähnt, sie heißt Rumpumpel.
Die Namensgebung für den Raben und die Wetterhexe kommt sicher nicht
von ungefähr. Dadurch gibt es eine namentliche Gut (Abraxas) - Böse
(Rumpumpel)Zuordnung.
Zeitraum
Der Inhalt des Buches erstreckt
sich über einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr. Es beginnt
kurz vor der Walpurgisnacht und endet bei der Walpurgisnacht des kommenden
Jahres. Die jeweiligen Jahreszeiten finden ihre Berücksichtigung
(Winter, Fastnacht...).
Inhalt
Preußler
schreibt das Buch aus einer allwissenden Position. Dem Leser bleibt nichts
verborgen, er ist stets über das Geschehen informiert. Preußler
verwendet regelmäßig die wörtliche Rede.
Das
Buch kann als Märchen angesehen werden. Es beginnt mit "Es war einmal",
beinhaltet typische Märchenmerkmale (Hexen, sprechende Tiere) und
zeigt spezifische Gut-Böse-Merkmale.
Hauptziel der kleinen Hexe
ist die rechtmäßige Teilnahme an der Walpurgisnacht der großen
Hexen, was ihr bisher aufgrund ihres zu jungen Alters (127 Jahre) bisher
verwehrt wurde. Dieses Ziel ist in der gesamten Geschichte gegenwärtig,
Allerdings ist die Hexe in einigen Situationen gespalten. In ihr schlagen
zwei Herzen: Engelchens und Teufelchens. In diesen Situationen tritt der
Rabe Abraxas auf. Er ist ihr gutes Gewissen und erinnert sie regelmäßig
an ihr Ziel (s.o.), welches sie nur erreichen wird, wenn sie eine 'gute'
Hexe ist.
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Kritik
Meine Hauptkritik richtet
sich an die Problemlösungen der kleinen Hexe. In einigen Situationen
vergeltet sie Gleiches mit Gleichem (z.B. Bierkutscher wird gepeitscht).
Dieses könnte von den Kindern als vorbildlich gesehen und übernommen
werden. Um dies zu verhindern, kommt es auf die Behandlung des Buches
an, was im nächsten Punkt ausführlich behandelt wird.
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Behandlung
des Buches im Unterricht
Das Buch bietet vielfältige
Behandlungsmöglichkeiten an. Ich unterscheide zwischen der inhaltlichen
Auseinandersetzung (Rede- und Diskussionsanlässe), und anderen Behandlungsmöglichkeiten.
(Allerdings werden nur Beispiele genannt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit
verfolgen. Die exakte Behandlung ist natürlich abhängig vom
Alter und den Lernvoraussetzungen der Gruppe.)
1. inhaltliche Auseinandersetzung
S.30:
"Denn laufen müssen und laufen können ist zweierlei." Die Bedeutung
der Wörter müssen und können kann diskutiert werden.
S.55ff.:
Parallelen zum Hänsel und Gretel-Märchen herausarbeiten.
S.60:
Kleine Hexe darf sich beim Freitags-Hexen nicht erwischen lassen und bekommt
ein schlechtes Gewissen (eingeredet). Kennt ihr vergleichbare Situationen,
in denen ihr bewusst gegen Regeln verstoßen habt und ein schlechtes
Gewissen bekamt?
S.68:
Zeitungsartikel schreiben lassen mit Schlagzeile, Bild und Interview.
Fast
alle Kapitel können nach der Problematisierungsphase gestoppt werden
und als Fortsetzungsgeschichte weitergeschrieben werden (z.B. S.84).
Nach
den Kapiteln können Alternativvorschläge zur Problemlösung
überlegt werden, auch unter dem Aspekt der gewaltfreien Konfliktlösung
(z.B. S. 100ff.)
2. Künstlerischer Aspekt
a) Was würden
die Kinder sich hexen? (schreiben, malen, vorspielen). b) Bilder können
ausgemalt werden. c) Bilder zu den Kapiteln können entworfen werden.
d) Collagen anfertigen zu den verhexten Waldtieren in der Fastnacht.
Bei
dieser Behandlung
halte ich es für sinnvoll, z.B. eine Klassenzeitung, ein Hexenbuch
o.ä. anzufertigen, um eine Produktorienierung zu erreichen, die nicht
selten mit einem Motivationsschub verbunden ist.
3. Darstellendes Spiel
Das gesamte Buch bietet gute
Vorlagen zum Nachspielen. Beispiele: a) Hexentanz der Walpurgisnacht b)
Marktszene c) Fastnacht der Waldtiere
4. Sonstiges
Maroni in der Klasse erwärmen
und essen.
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