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schriftliche Ausarbeitung von Melanie Giesecke zu den Fachseminarveranstaltungen
am 22.03.00 ("Wir lesen ein Buch... Kinderbücher im verbundenen Sprachunterricht
- Schritte der Unterrichtsplanung), 05.04. und 12.04.00 ("Die kleine Hexe..."
- Texte szenisch und musikalisch umsetzen)
Textanalyse
zum Kinderbuch
"Die kleine Hexe"
von Otfried Preußler
Inhaltliches
Struktur,
Sprachliches und Textgestalt
Intentionen
des Autors
Mögliche
Schreibanlässe
1.
Inhaltliches
In
dem - mit dem Jugendbuchpreis von 1958 ausgezeichneten - Buch von Otfried
Preußler geht es um das Leben der kleinen Hexe, die in ihrem kleinen
Hexenhaus im Wald mit ihrem Raben Abraxas lebt. Sie ist "erst" hundertundsiebenundzwanzig
Jahre alt und darf daher nicht an dem alljährlichen Hexentreffen,
der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg, teilnehmen. Als dies dennoch heimlich
tut und entdeckt wird, nimmt man ihr den Hexenbesen weg und die Oberhexe
verspricht ihr, dass sie im nächsten Jahr beim Hexentanz dabei sein
darf, wenn sie in diesem Jahr eine gute Hexe wird.
Dies
versucht die kleine Hexe zu verwirklichen und hilft immer wieder Menschen
und Tieren mit ihrer Hexenkunst. So zaubert sie beispielsweise einen Wirbelwind
für drei alte Holzweiber, damit Holz von den Bäumen fällt
und von diesen aufgesammelt werden kann. Ein Ochse wird von ihr bei einem
Schützenfest gerettet und ein Kutscher, der seine beiden Pferde halbtot
prügelt, wird bestraft. So reiht sich Ereignis an Ereignis und am
Ende des Jahres steht die erneute Prüfung durch die Oberhexe aus,
bei der der große um, der der kleinen Hexe und Abraxas wiederfahren
ist, aufgedeckt wird: Unter einer guten Hexe verstehen die anderen Hexen
nämlich eine, die böse Dinge hext. Die kleine Hexe hat sich
daher die ganze Zeit über falsch. verhalten und soll nun hart bestraft
werden. Doch bevor es dazu kommt, dreht sie den Spieß einfach um,
denn hexen hat sie mittlerweile gut gelernt und hext alle Besen und Hexenbücher
der anderen Hexen auf den Blocksberg, um damit das Feuer für die
Walpurgisnacht zu entzünden. Um dieses tanzt sie dann mit Abraxas
zu zweit und ist somit letzten Endes die triumphierende.
2.
Struktur, Sprachliches und Textgestalt
Das
Buch untergliedert sich in zwanzig Kapitel, die in sich einzelne kleine
Episoden darstellen. Die Rahmenhandlung, die Entdeckung der kleinen Hexe
und die anschließende Anweisung der Oberhexe bzw. die Prüfung/Auswertung
der Hexereien gegen Ende der Geschichte, umfaßt insgesamt vier Kapitel.
Die übrigen Kapitel handeln von den guten Taten der Hexe. Alle Kapitel
sind in etwa gleich lang und mit Zeichnungen illustriert.
Die
Sprache ist eher altmodisch, man merkt, dass das Buch aus den 50er Jahren
stammt, jedoch passt dies auch zur alten Hexe und ihrem alten Haus im
Wald. Beispiele für solch altertümliches Vokabular sind die
Begriffe Schindelmacher, Muhme, zwicken, Negerlein, entzweibrechen, Fäustlinge,
jämmerlich und Klaubholz. Auffallend ist auch das "Kindgemäße
der Sprache", es gibt sehr viele kurze Sätze und Sätze in wörtlicher
Rede. Die Sprache ist einfach und auch für jüngere Kinder sehr
verständlich.
Das
Buch ist mit kindgemäßem, großem Druck ausgestattet und
läßt sich daher auch von Zweitklässlern gut selber lesen.
Die kurzen Sätze und der große Zeilenabstand kommen der guten
Lesbarkeit ebenfalls entgegen. Die schwarz-weißen Illustrationen,
die typisch für die Preußler-Bücher sind unterstützen
den Text ohne ihn jedoch unwichtig zu machen, da sie sehr dezent, aber
dennoch phantasievoll sind.
3.
Intentionen des Autors
Eine
der Hauptintentionen des Autors besagt, dass sich das Gute letztendlich
durchsetzt und über das Böse siegen kann/sollte. Die kleine
Hexe hext nur Gutes, obwohl sie eigentlich Böses hexen soll. Dies
beruht zunächst auf einem Irrtum, denn sie hat die Oberhexe falsch
verstanden. Vielleicht hätte sie böse Hexereien begangen, wenn
sie von Anfang keinem Missverständnis zum Opfer gefallen wäre.
Man weiß es nicht, aber wahrscheinlich wäre sie trotzdem eine
gutherzige Hexe geblieben. Tatsache ist jedoch, dass sie nur Gutes tut
und auch daran festhält, als sich der Irrtum aufklärt. Sie hat
somit ihre eigene Identität aufbauend auf ihren eigenen Wertvorstellungen
von dem, was gut und was böse ist. Das Böse hat keine Macht
mehr über sie, die kleine Hexe ist eine selbständige und selbstdenkende
Hexe geworden, die zum Schluss alleine um das Feuer tanzt. Als positiver
Berater steht ihr der Rabe Abraxas zur Seite, der sie immer wieder auf
den richtigen Weg lotst.
Eine
weitere Intention des Autors sehe ich darin, dass er zeigen möchte,
dass man den Schwachen helfen sollte und sie vor den stärkeren (schlechteren)
Menschen (oder Tieren) beschützen sollte. Armen Menschen soll man
unterstützen bzw. reiche sollen den Armen etwas abgeben. Insofern
ist das Buch auch recht sozialkritisch.
Die
dritte wichtige Intention liegt in der Darstellung des Konfliktes zwischen
Jung (die kleine Hexe) und Alt (die Muhme Rumpumpel, die Oberhexe). Die
Intention besteht meines Erachtens darin, zu zeigen, dass die jungen Menschen
ihre eigenen Erfahrungen sammeln müssen und ihren Weg allein (ohne
Gängelung durch die alten) finden sollen und auch können.
Der
Autor möchte auch zeigen, wie wichtig eine Partnerschaft sein kann,
denn die kleine Hexe hätte es nie soweit gebracht, wenn sie nicht
den Raben Abraxas an ihrer Seite gehabt hätte. Er unterstützt
sie mit Rat und Tat und ist immer für sie da. Er empfindet Mitleid
für sie, scheut sich aber auch nicht, sie zu kritisieren, wenn er
es für angebracht hält. Die kleine Hexe revanchiert sich aber
auch bei ihm und beschützt die Familie seines Bruders.
Insgesamt
kann man sagen, dass sich in dem Buch eine sehr humanistische Weltanschauung
des Autors widerspiegelt. Dies wird auch in anderen Büchern von Otfried
Preußler deutlich: Bei "Räuber Hotzenplotz" siegt das Böse
über das Gute und aus dem bösen Räuber wird ein guter Mensch,
der anderen hilft, anstatt sie auszurauben. Bei dem "kleinen Wassermann"
wird dieser, nachdem er viele Streiche ausheckt, auch immer netter und
braver. Besonders deutlich wird der Sieg des Guten über das Böse
in dem Buch "Krabat" dargestellt. Die Symbolkraft des Geschichte ist unbeschreiblich
und auch (oder besonders) für Erwachsene, weniger für jüngere
Kinder, eindrucksvoll.
4.
Mögliche Schreibanlässe
Schreibanlässe
bietet das Buch viele. Man könnte Kinder z.B. zu einer der Illustrationen
eine eigene Geschichte erfinden lassen.
Sehr
gut geeignet ist auch die Episodenhaftigkeit des Buches. So können
Kinder eigene Episoden hinzufügen, die man sehr einfach in die Geschichte
mit einflechten könnte.
Man
könnte auch das Ende der Geschichte verschweigen und die Schüler
ein eigenes Ende schreiben lassen. Denn über das Ende läßt
sich sehr viel spekulieren, da es überhaupt nicht absehbar ist und
sehr viele verschiedene Schlüsse möglich sind.
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