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Christiane Sprenger-Gräßer 03/98
Fragen stellen ist keine Selbstverständlichkeit und entwickelt sich nicht "von Natur aus", sondern ist vielmehr ein langer Lern- und Erziehungsprozess bis ins Erwachsenenalter hinein.
An der Entwicklung der Fragetätigkeit sind vorschulische und außerschulische Instanzen beteiligt, besondere Bedeutung hat der Umgangsstil im Elternhaus mit den Was- und Wie-Fragen.
Der Grundschule kommt bei der Anbahnung einer Fragehaltung eine Schlüsselrolle zu:
Aufbau eines angenehmen Klassenklimas (freundlicher Umgangston, Achtung, vertrauensvolle Atmosphäre, partnerschaftliches Verhalten, Konfliktlösungen)
Aufgeschlossener Lehr- und Unterrichtsstil des Lehrers: Arrangeur, Berater und Beobachter von Lernsituationen statt alleiniger Informator und Lenker (Lehrerrolle überdenken!), Förderung der Schüleraktiviät, gründliche Vorbereitung des Unterrichtsstoffes, flexible Unterrichtsorganisation, Lehrgegenstände in den Fragehorizont der Schüler rücken
Unterrichtskonzept und -organisation sollen Selbsttätigkeit, Selbstverantwortung und Mitgestaltung der Schüler herausfordern (respektvoller Dialog, Erkunden, Erproben, Kooperation).
Morgenkreis (Erzähl- und Gesprächskreis) als ständiger, möglichst täglicher "Ort" der Vertrautheit, um die Schüler zum Erzählen, zum Fragen und Antworten suchen zu ermutigen (Erfahrungen, Erlebnisse, Wissen austauschen, Gegenstände zum Staunen und Wundern, Zuhören können, humaner Umgang miteinander, Regeln) dialogische Grundstruktur, soziale Begegnung und soziales Lernen.
Klassenrunde, -rat, Konfliktstunde als regelmäßige demokratische Instanz, um Schwierigkeiten des schulischen Alltags anzusprechen und selbstständig Lösungen zu finden (Streitkultur.
Tagebuch, Frageheft, Fragenpinnwand, Fragekasten als Lernanlässe und "Vorrat" für evtl. Unterrichtsinhalte, als fest verankerte Unterrichtselemente, die Kinder zum Fragen ermutigen.
Expertenarbeit, Hobbyreferate, Expertenrunde als freie Arbeitsformen eines offenen Unterrichts, bei Projekten und für die Kleingruppenarbeit. Die Schüler übernehmen die Lehrerrolle und müssen ihr Wissen für die Mitschüler didaktisch aufbereiten.
Frage- und Ratespiele als Möglichkeit, Fragekompetenz spielerisch zu erwerben und miteinander zu kooperieren.
Interviews (Zeitzeugen, Bürgermeister, Autoren,...) muss das Fragen formulieren vorausgehen.
Klassenkorrespondenz zwischen verschiedenen Schulen fördert den fächerübergreifenden Unterricht (Befragen, Nachprüfen, Darstellen, Aufbereiten von Informationen etc.) Öffnung nach außen.
Offene Einstiegshase: Gegenstände, Titel, Überschrift, Foto, außerschulischer Lernort regen zum Fragen und Nachfragen an.
Erarbeitungsphase:
Problemhaltige Unterrichtsthernen regen die Fragehaltung an.
Am Ende einer Unterrichtseinheit: Arbeitsrückschau, Dokumentation -
offen u. neue Fragen.
Gedichte, Kinderbücher etc., die "nicht alles sagen", fordern zum Nachdenken, Nachfragen auf.
(Lit.: Gertrud Ritz-Fröhlich, Kinderfragen im Unterricht, Bad Heilbrunn/Obb. 1991- S. 58-106)
©opyright Christiane Sprenger-Gräßer, Berlin, Januar 2000
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06.04.2003