Die
Entscheidung sollte keinem Dogma unterliegen - der Blick muss sich auf
die Lernprozesse der Kinder richten - egal ob mit oder ohne Fibel.
Die
Einsicht in das Prinzip der Buchstabenschrift muss im Mittelpunkt jeden
Erstleseunterrichts stehen - der Erfolg beim Schriftspracherwerb hängt
nicht allein vom Material ab, sondern vor allem von der Tiefe und Qualität
des Verständnisses, das das Lehrhandeln anleitet.
"Unser
Blick sollte sich ausschließlich richten auf die konkreten Lernprozesse
der Kinder und darauf, wie wir sie möglichst effektiv beeinflussen
können, egal ob mit oder ohne Leselehrgang" (Metze, Wilfried, Schluß
mit der Scheindebatte. In: Brügelmann u.a.: Am Rande der Schrift.
Lengwil 1995. S. 64)
Vorurteil
1: Fibeln nehmen auf individuelle Lernentwicklungen keine Rücksicht...
Manche
Fibellehrgänge bieten weit mehr, weit vielfältigere und
weit attraktivere Angebote als Eigenmaterialien.
Ein
Missverständnis gegenüber dem Spracherfahrungsansatz besteht
darin, die Möglichkeit des direkten Lernens zu leugnen: Lernen
ist eigenaktiv - lehrende Vorgaben sind damit aber nicht per se überflüssig.
Es
kann nur gefördert werden, was auch gefordert wird. (Selbstbewusstsein
und Leistung erwachsen vor allem auch aus dem Überwinden von
Schwierigkeiten!)
Vorurteil
2: Lehrgänge verstellen den Blick auf individuelle Lernwege und Schwierigkeiten...
Nur
wer dezidierte Kenntnisse zum Ablauf des Schriftspracherwerbs hat,
kann Schwierigkeiten erkennen und adäquat darauf reagieren.
Kenntnisse
über Leselernprozesse braucht jede Lehrerin - egal ob mit oder
ohne Lehrgang!
Gute
Lehrgänge und Handreichungen können den diagnostischen Blick
schärfen.
Vorurteil
3: Lehrgänge setzen bei fiktivem Nullpunkt, nicht bei individuellen
Voraussetzungen an und folgen festgelegten Schritten...
Auch
bei der Konzeption von Eigenfibeln gelingt es nicht, Passung für
jedes einzelne Kind herzustellen - auch Lehrgänge können
modifiziert werden, können flexibel und differenzierend eingesetzt
werden.
Anlauttabellen
ermöglichen den flexiblen und individuellen Buchstabenerwerb
- auch parallel zur Arbeit mit Lehrgängen.
Lesen
durch Schreiben kann Schwierigkeiten für Kinder, die keinen oder
einen wenig entfalteten Zugang zum Prinzip der Buchstabenschrift in
die Schule mitbringen, bewirken.
Vorurteil
4: Fibeln folgen einer Teilchendidaktik...
Die
Auswahl des Leselernwerks kann unter einem breiten Angebot erfolgen
- nicht alle Fibeln folgen einer Teilchendidaktik
Vorurteil
5: Individuelle Aneignungsprozesse erfolgen eigenaktiv und können
nicht von außen gesteuert werden...
Individuelle
Anregung und Förderung können durch einen didaktisch solide
konzipierten Lehrgang unterstützt werden.
Ohne
Lehrgang kann eine nicht hinlänglich qaulifizierte Lehrerin Kinder
auf falsche Wege leiten.
Vorurteil
6: Fibellesen hat nichts mit dem Lesen und mit der Alltagswirklichkeit
zu tun...
Die
Qualität etlicher Fibeln reicht durchaus an die guter Kinderbücher
heran.
Vorurteil
7: Lehrgänge berücksichtigen die individuellen Stufen des Schriftspracherwerbs
nicht...
Unterschiedliche
Zugriffsweisen im Erfassen der Buchstabenschrift müssen Kindern
mit oder ohne Fibel eröffnet werden.
Vorurteil
8: Lehrgänge lassen die kommunikative Funktion von Schrift außer
Acht und beschränken sich auf Schreibtechnik...
Etliche
Fibeln transportieren variable Anregungen für einen handlungsorientierten
Anfangsunterricht: Lehrgänge sind daraufhin zu prüfen, welche
Anregungen zum kommunikativen Schreiben sie bieten.
Vorurteil
9: Nicht Strategien des Erlesens, sondern des Wiedererkennens werden nahegelegt,
da Fibeln nicht an Vorkenntnisse anknüpfen...
Es
gibt Lehrgänge unterschiedlicher Qualität: Lehrer/innen können
auswählen...
Auf
Grundlage von: Metze, Wilfried, Schluß mit der Scheindebatte. In:
Brügelmann u.a.: Am Rande der Schrift. Lengwil 1995. (6. DGLS Jahrbuch)
Dagmar
Wilde Seminarpapier zum Ergebnis einer Fachseminarveranstaltung
12/96
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