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Die
Geschichte beginnt harmlos. Aber sie bleibt es nicht. Das Phantastische geschieht
auch in dieser Geschichte von Heidelbach an einem ganz gewöhnlichen Tag.
Dieser Alltag bildet die realistische Rahmenhandlung (ein Mädchen ist eigentlich
allein, einem Jungen ergeht es genauso), in die die Abenteuer-Phantasien gesetzt
sind. In der Phantasie gibt es Bedrohungen: Entführung, Ungeheuer, ein
Drache.
Die Angst ist bildlich dargestellt: überdimensionale Tiere, fürchterliche
Kreaturen. Wie immer bei Heidelbach, geht von den Ungeheuern eine heimliche
Faszination aus.
Die
Geschichte zeigt eine sich entwickelnde zwischenmenschliche Beziehung. Es entsteht
eine tiefe Verbundenheit und Innigkeit und sogar körperliche Nähe
zwischen dem Mädchen Ulla und dem Jungen Bruno. Ulla ist ein starkes, selbstbewusstes
Mädchen. Sie ist mutig und aktiv. Sie ist phantasievoll und nimmt dank
dieser Eigenschaft den Jungen mit ins Abenteuer. Sie hat aber auch eine andere
Seite: sie lässt sich retten und ist passiv.
Die Heldin erscheint zwar nicht im Titel, das Titelbild zeigt aber, wer das
Sagen hat. Bruno ist ein eher desinteressierter Angeber. Er lässt sich
aber dann doch von Ulla beeindrucken und vertraut sich dem Mädchen ganz
an. Im Laufe des Abenteuers kann er zum Retter aufsteigen und findet zu einer,
dem Mädchen sehr zugewandten Haltung. Beide Kinder sind hochbegabte Träumer.
Die "schmutzigen" Farben legen eine geheimnisvolle Stimmung über
die Illustrationen.
Mit Rahmen: Realität.
Ohne Hintergrund: Übergang von der Realität ins Buch hinein.
Formatfüllend: Im Buch.
Realität:
In der Bibliothek wird an andere Kontinente angeknüpft: Lesesessel, Vase.
Bücher vom Vater: alt und exotisch.
Bücher von Ulla: dünn, bunt.
Lesen wird gemütlich dargestellt: In der Bibliothek stehen Salzstangen und ein Becher, Ulla liest am Boden auf einem Kissen.
Pflaster als Anspielung auf Dracula o.ä.: Besessen sein von etwas.
Übergang:
Ulla und Bruno werden immer kleiner.
Das Lesezeichen als "roter Faden".
Im Buch:
Ulla kann im Buch fliegen.
Geht von Sonnenuntergang bis Morgengrauen: Bilder werden immer dunkler, dann heller.
Der Vogel wird als weiser Helfer dargestellt: Stellt Material zur Verfügung, leitet und ermutigt.
Felsen mit Drachenschatten.
Die Skelette im Drachennest implizieren Gefahr: Der Drache will Ulla fressen.
Vollmond: Anspielung auf das Böse und auf Entscheidung.
Wechsel von "Erzähltext" und wörtlicher Rede
Erzählstil, der sich auf das Beschreiben der notwendigsten Dinge beschränkt - kaum "Ausschmückungen"
Bezug
zu Märchen:
- "magische" Zahlen (3 und 7)
- Zauberspruch für die Zeit-Raum-Maschine
- Männchen ist der siebente Zwerg
- Phantasiewelten mit Personen, Wesen, Gegenständen aus Märchen
-jeder von den 6 Zwergen sagt etwas (vgl. Schneewittchen: "Wer hat von meinem
Tellerchen gegessen?" etc.)
Begegnung zwischen Rosa und dem Männchen nur am Donnerstag möglich (alle 7 Tage) - Parallelen zu "Ein Woche voller Samstage"
z.
T. sprachspielerische Elemente:
- Rosa, Rosenheim, rote Haare (Rosentapete, rote Samtvorhänge)
- E ist ebenerdig. Es gibt da echte Enten, Esel, Eber, Elche, Eschen und
Erlen, Erdbeerbecher,...
- Rosa drückte die Taste mit dem U. " Uuuuh" heulte das Männchen.
- Draußen fuhren Drillinge auf einem Dreirad, Dreigangschaltung, dreispurige
Straße,...
Text scheint von vornherein auf ein Zusammenspiel mit (/eine Ergänzung durch) die Bilder angelegt zu sein (s. o.: relativ knappe Beschreibungen, kaum "Ausschmückungen")
Der Autor beschreibt zwar die Handlung und läßt die handelnden Personen sprechen, er geht aber nicht auf die Gedanken- und nur selten auf die Gefühlswelt von Rosa und dem Männchen ein (z. B.: Was denkt Rosa über das Männchen? Was denkt das Männchen über Rosa" etc.), innere Monologe "fehlen"
Geschichte ist dreigeteilt:
Einleitung in der Wirklichkeit
1. Begegnung mit dem Männchen: 7er-Welt
Wirklichkeit
2. Begegnung mit dem Männchen: 3er-Welt
Wirklichkeit
3. Begegnung mit dem Männchen: durch das "U" in die Wirklichkeit zurück
Wirklichkeit - Ende
Rhythmus: Anfang/Ende: Eltern in der Volkshochschule, reale Weit, Rosa steigt 3x in den Fahrstuhl ein, beim dritten Mal passiert etwas Besonderes (Bezug zum Märchen)
Anfang:
nüchtern, sachlich; detaillierte Beschreibung des Fahrstuhls (steht
im Kontrast zur Märchenwelt)
vertraute Welt (Surren des Aufzugs) wird gestört: Fahrstuhltür
öffnet sich, aber niemand steigt aus
Fahrstuhl: fungiert als Zeit-/Raummaschine, detaillierte Beschreibung des Wohnzimmers
Ritualisierung: gleicher Ablauf: Rosa steigt in den Fahrstuhl ein, erhält Kuchen und Himbeerwein, der Fahrstuhl fahrt so lange, bis sie aufgegessen haben; Zauberspruch
Männchen: unfreundlich, ungeduldig, herablassend, faul, gefräßig, läßt Rosa einerseits die freie Wahl, kritisiert dann jedoch ihre Entscheidung (Stockwerk 7)-, lobt Rosa allerdings auch: "Gut gemacht!" (5. 13)
Rosa: neugierig, selbstbewußt (setzt sich über Warnung des Männchens hinweg), einerseits passiv, da nur Zuschauer (taucht nicht ein in die Märchenwelt); zappt sich durch die Stockwerke; aber: kann an entscheidenden Stellen eingreifen (Wahl des Stockwerks)
7er-Welt: idyllisch, märchenhaft; Anspielung auf zahlreiche Märchen (die 7 Geißlein, die 7 Zwerge, die 7 Rüben, die 7 Schwaben)
die 6 Zwerge: unfreundlich, mürrisch; staccato-artige Sätze; klingt wie eine Aufzählung
3er-Welt: nicht idyllisch, städtischer Charakter
Ende: ernüchternde Rückführung in die reale Welt; Rosa blickt in einen düsteren Raum mit Betondecke. u. Betonfußboden
©opyright Dagmar Wilde, Berlin, Januar 2000
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06.04.2003