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Planung
und Realisation des Unterrichts - Unterrichtsmitschau - Blickrichtungen
für die Hospitation
Unterrichtsbeobachtung
-
Zum Verhältnis von vorausschauender Planung und Unterrichtsverlauf
Literaturgrundlage:
Mühlhausen, Ulf: Überraschungen im Unterricht. Situative Unterrichtsplanung.
Weinheim 1994.
Unterricht ist grundsätzlich immer auch eine Expedition mit einem
in vielerlei Hinsicht unbekannten Ausgang - egal wer ihn mit wieviel Erfahrung
plant und realisiert.
Schüler/innen sind im Unterrichtsprozess immer als situativ Mitplanende
beteiligt, indem sie sich selbst mit ihren Erfahrungen, Kenntnissen, Gefühlen
und Fragen in das Lerngeschehen einbringen.
Abweichende Schülerbeiträge und -reaktionen lassen sich durch
keine noch so gründliche vorausschauende Planung eliminieren. Sie
können von der Lehrerin aber situativ mehr oder weniger angemessen
aufgegriffen werden.
Abweichungen von der Planung sind nicht per se "Fehler" - sie sind vielmehr
unvermeidbar, wenn Unterricht Schülerorientierung beinhaltet. (Auch
eine - aus der Rückschau - veränderte Planung würde wiederum
andere Abweichungen zur Folge haben.)
Abweichungen sollten nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer Vermeidbarkeit,
sondern im Hinblick auf das Potenzial, das sie für einen fruchtbaren
Lehr-Lern-Prozess in sich bergen, betrachtet werden.
Die Perspektive der Beobachter/innen ist immer eine unter mehreren möglichen
Perspektiven unter denen das Unterrichtsgeschehen wahrgenommen werden
kann - nicht die einzig gültige.
Zum
Verhältnis von vorausschauender Planung und Unterrichtsverlauf -
Blickrichtungen für die Hospitation
Unterrichtsbeobachtung
/ Blickrichtung 1
Schüler/innen
als Mitplaner/innen
Die
Bedeutung des Unterrichtsentwurfs für den tatsächlichen Verlauf
darf nicht überschätzt werden: Unterricht erfordert - neben
vorausschauender Planung - eine umfangreiche und diffizile Planungstätigkeit
während des Verlaufs. Konstitutives Element jedes Unterrichtsprozesses
sind von der vorausschauenden Planung der Lehrerin abweichende Verhaltensweisen
und Beiträge der Kinder - auch bei optimaler Vorbereitung und konzentriertester
Unterrichtsgestaltung sind überraschende Schülerbeiträge
nicht auszuschließen.
Schülerbeiträge
sind bedeutsam: sie geben Einblicke in die Vorstellungswelt und wertvolle
Hinweise über Vorkenntnisse und Fähigkeiten der Schüler/innen.
Abweichende Schülerbeiträge lassen sich durch keine noch so
gründliche vorausschauende Planung eliminieren. Sie können von
der Lehrerin nur mehr oder weniger angemessen aufgegriffen werden.
(Vgl.
Mühlhausen, Ulf: Überraschungen im Unterricht. Situative Unterrichtsplanung.
Weinheim 1994.)
Mögliche
situative "Impulse" der Schüler/innen könnten z. B. sein:
-
falsche
Beiträge,
-
vom
Thema abweichende Beiträgen und Fragen,
-
dringende
Anliegen, die nicht in unmittelbarem Bezug zum Unterrichtsgeschehen
stehen,
-
Verweigerungen
und Störungen,
-
Kritik
an Handlungen/Beiträgen der Lehrerin oder der Mitschüler/innen.
Arbeitsauftrag
für die Hospitation
Richten
Sie den Fokus Ihrer Beobachtung bitte vorrangig auf die Schüler/innen.
-
Notieren
Sie möglichst wörtlich Schüler/innenäußerungen,
die Sie als "situative Impulse" wahrnehmen!
-
Notieren
Sie möglichst wörtlich Schüler/innenäußerungen,
die Ihrer Ansicht nach Einblicke in den Verständnishorizont und
die Erfahrungswelt des Kindes eröffnen!
- Protokollieren
Sie auch Äußerungen, auf die die Lehrerin nicht eingeht (oder
die nicht an sie gerichtet sind)!
Unterrichtsbeobachtung
/ Blickrichtung 2
Die
Bedeutung des Unterrichtsentwurfs für den tatsächlichen Verlauf
darf nicht überschätzt werden: Unterricht erfordert - neben
vorausschauender Planung - eine umfangreiche und diffizile Planungstätigkeit
während des Verlaufs. Konstitutives Element jedes Unterrichtsprozesses
sind von der vorausschauenden Planung der Lehrerin abweichende Verhaltensweisen
und Beiträge der Kinder - auch bei optimaler Vorbereitung und konzentriertester
Unterrichtsgestaltung sind überraschende Schülerbeiträge
nicht auszuschließen.
Schüler/innen
bemühen sich natürlich häufig, Lehrerinnenfragen und -anweisungen
zu verstehen und nachzuvollziehen, sie übersetzen sie aber in ihren
eigenen Verständnis- und Erfahrungshorizont - dabei entwickeln sie
eigene Ideen, Vorschläge und Fragen - "unerwartete Schüleräußerungen"
- die vom "erwarteten Schüler/innenverhalten" des Entwurfs abweichen
und Lehrerinnen überraschen können. Gelegentlich rätseln
Schüler, was die Lehrerin denn wohl gemeint haben könnte, nicht
selten sind sie dann ihrerseits verblüfft und irritiert.
(Vgl.
Mühlhausen, Ulf: Überraschungen im Unterricht. Situative Unterrichtsplanung.
Weinheim 1994.)
Mögliche
Mißverständnisse können z. B. dadurch entstehen, daß
die Lehrerin
-
Fragen
mißverständlich formuliert hat,
-
unkonzentriert
ist,
-
wichtige
Hinweise vergessen hat,
-
nicht
deutlich gesagt hat, was sie gemeint hat.
-
nicht
aufgezeigt hat, worin die Ziele der Aktivitäten bestehen.
Arbeitsauftrag
für die Hospitation
Richten
Sie den Fokus Ihrer Beobachtung bitte vorrangig auf die Schüler/innen.
-
Notieren
Sie möglichst wörtlich Schüler/innenäußerungen,
die Sie als Hinweis auf Mißverständnisse seitens des Kindes,
Lernschwierigkeiten auf Grund fehlender Lernhilfen, Irritationen auf
Grund unklarer Perspektiven wahrnehmen!
-
Notieren
Sie möglichst genau Schüler/innenverhalten, das Ihrer Ansicht
nach Einblicke in Fehlinterpretationen von Lehrerinnenfragen/-impulsen
bzw. Aufgabenstellungen eröffnen!
- Protokollieren
Sie auch Äußerungen, auf die die Lehrerin nicht eingeht (oder
die nicht an sie gerichtet sind)!
Unterrichtsbeobachtung
/ Blickrichtung 3
Die
Bedeutung des Unterrichtsentwurfs für den tatsächlichen Verlauf
darf nicht überschätzt werden: Unterricht erfordert - neben
vorausschauender Planung - eine umfangreiche und diffizile Planungstätigkeit
während des Verlaufs. Konstitutives Element jedes Unterrichtsprozesses
sind von der vorausschauenden Planung der Lehrerin abweichende Verhaltensweisen
und Beiträge der Kinder - auch bei optimaler Vorbereitung und konzentriertester
Unterrichtsgestaltung sind überraschende Schülerbeiträge
nicht auszuschließen.
Schülerbeiträge
sind bedeutsam: sie geben Einblicke in die Vorstellungswelt und wertvolle
Hinweise über Vorkenntnisse und Fähigkeiten der Schüler/innen.
Abweichende Schülerbeiträge lassen sich durch keine noch so
gründliche vorausschauende Planung eliminieren. Sie können von
der Lehrerin nur mehr oder weniger angemessen aufgegriffen werden. Trotz
ihrer Vorplanung sollte sich die Lehrerin nicht vor Impulsen und Anregungen
der Kinder, die sie während des Unterrichts überraschen und
u. U. zur Modifikation ihres gut überlegten Plans veranlassen, verschließen.
(Vgl.
Mühlhausen, Ulf: Überraschungen im Unterricht. Situative Unterrichtsplanung.
Weinheim 1994.)
Schülerorientierung
bedeutet zuallererst, daß die Lehrerin
-
den
Unterrichtsverlauf an ihren Schüler/innen orientiert,
-
auf
ihre Fragen, Probleme und Interessen einzugehen versucht,
-
auf
die Lernvoraussetzungen und den Erfahrungshintergrund situativ eingeht,
-
die
Unterrichtsgestaltung sensibel für die Beiträge der Schüler/innen
öffnet.
Arbeitsauftrag
für die Hospitation
Richten
Sie den Fokus Ihrer Beobachtung bitte vorrangig auf die Lehrerin:
-
Notieren
Sie möglichst wörtlich Äußerungen und Verhaltensweisen
der Lehrerin, die Sie als Reaktion auf abweichende Schülerbeiträge,
nicht erwartete Lernvoraussetzungen und überraschenden Entwicklungen
wahrnehmen!
-
Notieren
Sie möglichst genau, wie sich das Verhalten der Lehrerin auf
das Schüler/innenverhalten und den weiteren Verlauf des Unterrichts
auswirkt!
-
Protokollieren
Sie auch Äußerungen und Reaktionen der Kinder untereinander!
Dagmar
Wilde Seminarpapier Fachseminar VU 10/95
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