Die
Qualität offener Lernsituationen ist gebunden an:
aktive
Unterstützung, Vorstrukturierung, Lernbegleitung durch die Lehrerin,
Arbeitsangebote,
die anspruchsvollere Lernaktivitäten anregen und Reflexion erfordern
effektives
Klassenmanagement mit aktiver Lernzeitnutzung
Selbststeuerungskompetenzen
und Bewusstheit der Schülerinnen für das eigene Lernen
Zielorientierung
und differenzierte Rückmeldungen durch die Lehrerin
Literaturempfehlung:
FrankLipowsky:
Zur Qualität offener Lernsituationen im Spiegel empirischer Forschung
– Auf die Mikroebene kommt es an. In:
Drews, Ursula / Wallrabenstein, Wulf (Hg.): Freiarbeit in der Grundschule.
Frankfurt/M. 2002 (Grundschulverband).
"Schülerinnen
und Schüler, denen die bewusste Steuerung und Strukturierung ihrer
Lernprozesse schwer fällt, nehmen offene Lernsituationen und den
eigenen Lernprozess vermutlich diffuser und weniger bewusst wahr als gebundenere
Lernsituationen mit einer transparenten Ziel– und Anforderungsstruktur.
Fehlen zudem Kompetenzen und Strategien, die die Steuerung und Regulation
des eigenen Lernprozesses unterstützen, so kann es durch offene Arrangements
zu Irritationen im Lernprozess und zum Abbruch von Lernaktivitäten
kommen. Dieser vermutete Zusammenhang wird durch Ergebnisse qualitativer
und quantitativer Studien erhärtet. Diese enthalten Hinweise darauf,
dass Kinder mit ungünstigen Lernvoraussetzungen besonderer Strukturierungen,
Hilfen und Stützmaßnahmen bedürfen, um die Offenheit des
Unterrichts zu nutzen, die Freiräume zu gestalten und ihre Arbeitsprozesse
zu beenden (vgl. GARLICHS 1993; LIP0WSKY 1999, 5. 202f.; DUMKE & MERGENSCHRöER
1991, 5. 176)." (S. 133)
"Auch unter Bezugnahme auf theoretische Modelle der Leistungsmotivation
und auf Arbeiten zum selbstgesteuerten, selbstbestimmten Lernen (vgl.
DECI & RYAN 1993, S. 231) lässt sich annehmen, dass sich eine
als diffus wahrgenommene Lernumwelt mit einer für die Lernenden unklaren
Ziel– und Anforderungsstruktur auf die Leistungsmotivation und das
Selbstkonzept des Lernenden eher ungünstig auswirkt." (S. 136)
"Offene
Lernsituationen werden häufig gleichgesetzt mit aktivem Schülerverhalten
und hohem Lernerfolg, traditionelle, gebundene Kontexte mit passivem Schülerverhalten
und niedrigem Lernzuwachs. Dieses Erklärungsmodell ist sowohl theoretisch
als auch empirisch unhaltbar. Aus theoretischer Sicht wird bei diesem
Deduktionsprozess übersehen, dass der Lernende auch im lehrergelenkten
und im fragend–entwickelnden Unterricht höchst aktiv sein kann,
wenn er neue Informationen und Erfahrungen aufnimmt, diese in sein bestehendes
Netz und System von Erfahrungs– und Wissensbausteinen integriert
und alte Strukturen modifiziert und ersetzt. Kommt es zu einem solchen
Prozess der Vernetzung, handelt es sich um einen höchst aktiven Lernvorgang."
(S. 137)
"Die
Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht die Unterrichtsform an sich, sondern
die Art und Weise ihrer Realisierung etwas über die Effizienz und
Qualität aussagt." (S. 140)
"Mitunter
wird die Meinung vertreten, die Lehrkraft solle sich in offenen Lernsituationen
auf eine passive Beobachter– und Beraterrolle zurückziehen.
Den Ergebnissen der o. g. Studien zufolge, greift eine solche Rollendefinition
zu kurz. Vielmehr erscheint es notwendig, dass Lehrerinnen und Lehrer
Grundschulkinder aktiv bei der Einordnung und Strukturierung von Erfahrungen
unterstützen sollten, indem sie die Kinder mit Fragen und Impulsen
herausfordern und indem sie sie auf Widersprüche, abweichende Meinungen
oder interessante Phänomene aufmerksam machen. Es gibt viele Hinweise
darauf, dass Grundschulkinder mit der selbstgesteuerten Entfaltung didaktisch
anspruchsvoller, entdeckender und herausfordernder Aktivitäten überfordert
sind. Gerade aber diese Aktivitäten haben für den Lernzuwachs
von Kindern einen hohen Stellenwert.
Anspruchsvollere Tätigkeiten und Lernaktivitäten in offenen
Lernsituationen auf der einen Seite und ein hoher Grad an Selbsttätigkeit
auf der anderen Seite sind nicht unvereinbar, sie setzen jedoch eine veränderte,
eine offensive, aktive, herausforderndere, neugierigere, reflexiv forschende
und sensible Lehrerrolle voraus." (S. 143)
"Von
den Schülerinnen und Schülern wird gleichsam selbstverständlich
erwartet, dass sie ihre Lernaktivitäten planen, prozessual begleiten,
reflektieren und selbst steuern können. Hierfür benötigen
die Schülerinnen und Schüler aber ein Repertoire an Selbststeuerungsfähigkeiten
und Strategien zur Bewusstmachung des eigenen Lernprozesses." (S.
148)
"Die
Fähigkeiten von Kindern zur Selbstreflexion sind höchst unterschiedlich
ausgeprägt. Diese Unterschiede wirken sich auch auf ihre Steuerungsfähigkeiten
aus. Kinder, die in der Lage sind, Ziele zu entwickeln bzw. sie beharrlich
und bewusst zu verfolgen, die in der Lage sind, sich bewusst zu machen,
wo sie in ihrem Arbeitsprozess stehen und welche Informationen ihnen zur
Erreichung des selbstgesteckten Ziels fehlen, dürften offene Lernsituationen
sicherlich effektiver im Sinne größeren Lern– bzw. Erfahrungszuwachses
nutzen als Kinder, denen die Steuerung des eigenen Lernprozesses größere
Schwierigkeiten macht, die impulsiv vorgehen und sich ihres eigenen Prozesses
nur wenig bewusst sind. Damit wird deutlich, dass die Förderung der
Bewusstheit zentrale Bedeutung für die Qualität offener Lernsituationen
hat." (...) Eine wichtige Aufgabe besteht für die Lehrkräfte
im Aufbau von Lernkompetenzen, die Schülerinnen und Schülern
selbständige, reflektierte und kognitiv anspruchsvolle Arbeit in
offenen Lernsituationen ermöglichen." (S. 149)
"Offene
Lernarrangements, in denen die Kinder ausschließlich mit vorgefertigten
Materialien hantieren und die lediglich der Automatisierung bestimmter
Fertigkeiten dienen, stellen jedoch keine geeignete Lernumwelt für
den Erwerb tieferer Elaborations– und metakognitiver Strategien
dar, denn bei Aufgaben auf einem niedrigen kognitiven Niveau werden komplexere
kognitive oder metakognitive Strategien nicht evoziert. Vielmehr bedarf
es mittelschwerer Aufgabenanforderungen, um die Schülerinnen und
Schüler zum Einsatz entsprechender Strategien herauszufordern (vgl.
WEINERT 1984, 5. 16)." (S. 155)
Zitate
aus: Lipowsky, Frank. Zur Qualität offener Lernsituationen im Spiegel
empirischer Forschung – Auf die Mikroebene kommt es an. In: Drews,
Ursula / Wallrabenstein, Wulf (Hg.): Freiarbeit in der Grundschule. Frankfurt/M.
2002 (Grundschulverband).
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