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Rechtschreiben
üben / 6

Übungsformen
in einem methodenintegrierenden Rechtschreibunterricht
Neben
dem eigenaktiven Schreiben, zweckgerichteten und kreativen Texte verfassen
ist gesondertes Üben, Arbeiten an isolierten, individuellen Fehlerschwerpunkten
unverzichtbar (vgl. Eichler, Wolfgang: Schreibenlernen. Schreiben - Rechtschreiben
- Texte verfassen. Bochum 1992).
wortschatzorientierte
Übungsformen
üben
einen begrenzten phänomenorientierten Wortschatz - z. B. Rechtschreibkarteien
div. Verlage, Wortlistentraining (Verlag Päd. Medien, Hamburg), LÜK-Materialien.
Wortschatzübungen appellieren an die
-
lautliche
Strategie (Laut-Buchstabenzuordnung)
-
visuelle
Strategie (probieren und identifizieren)
-
motorische
Strategie (schreiben lernen durch schreiben)
-
und
oft auch an die logische Strategie, indem auf Analogien und Regeln
abgehoben wird (Üben nach Fehlerschwerpunkten, Phänomenen).
textuale
und kommunikative Übungsformen
sind
an einen kompletten Text angebunden (aus dem Texteverfassen, Sprachbuchangeboten,
inhaltlichen Situationen, anderen Lernbereichen) - hierzu gehören
auch die Diktatsammlungen.
Die
textuale Arbeit sollte am Ende jedes einzelschreiblichen oder regelorientierten
Übens stehen, sodass deutlich wird, das ein Rechtschreibproblem nicht
isoliert steht, sondern im Zusammenhang mit anderen Rechtschreibphänomenen
zu sehen ist.
regelorientierte
und systematische Übungsformen
finden
sich in den meisten Sprachbüchern (hier ist die unterstützende
Instruktion der L erforderlich), aber auch in Materialien für das
selbstständige Üben.
erfahrungsbezogenes
Üben
leitet
sich aus situativen Bezügen ab und wird flexibel platziert (ein Problem
tritt auf und wird im Zuge einer didaktischen Schleife spontan bearbeitet
und geübt).
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Schreib-
und Übungsformen für den Rechtschreibunterricht
- eine Auswahl
Eigendiktat
-
Sch
schreiben in vereinbarter Zeit zu einem Thema Wörter, Wortgruppen,
Sätze, kurze Texte, die sie rechtschriftlich sicher zu beherrschen
glauben (es geht nicht um die Anzahl der Wörter, sondern um möglichst
viele richtig geschriebene Wörter)
-
Sofortkontrolle
(Eigenkontrolle mit Wörterbuch, Fremdkontrolle (L oder Sch).
-
Kurzübung
(max. 10 Min.) zur Festigung und Wiederholung gelernten Wortmaterials.
-
Differenzierung
über Auswahl, Qualität des Wortmaterials durch den Sch (Wörter,
Sätze, aktuelle, frühere Lernwörter) möglich gestellte
Lösungshilfen möglich.
Partnerdiktat
Standardübung
für GWS-Training, lernintensive Übungsform, da Texte/Wörter
mehrmals gelesen, gehört, gesprochen, geschrieben werden. Stets Lese-
und Schreibübung zugleich (auch: artikuliertes Sprechen). In Texten
werden Satzbau (Einteilen der Diktiereinheiten), Wortschatz, Satzmuster
und Zeichensetzung lesend, sprechend und schreibend wahrgenommen.
-
Einführen
der Übungsform über Wortlisten, da wortweises Diktieren
einfacher ist.
-
Kurze
Texte für Partnerdiktate können von den Kinder selbst erstellt
werden für eine klasseninterne Übungskartei.
Zweistufiges
Diktat
-
Sch
nehmen diktierten Text als Konzept auf
-
Sch
korrigieren das Konzept und fertigen Reinschrift an
Frühstücksdiktat
-
Lehrerin
konzipiert pro Woche einen Text (für jeden Tag einen Satz).
-
Täglich
wird ein Satz diktiert, Sch schreiben in ins (Frühstücksdiktat-)Heft,
L schreibt ihn an die Tafel, zuerst Selbstkontrolle, dann Partnerkontrolle.
-
Am
Ende der Woche werden die fünf Sätze im Zusammenhang diktiert.
Das
Wortmaterial wird so gewählt, dass es bereits bekannte und geübte
Wörter enthält und dosiert einige neue einführt. Es kann
Rechtschreibmaterialien entnommen werden, besser Unterrichtsinhalten anderer
Lernbereiche, Erfahrungen, Erlebnissen, Situationen aus dem Klassenleben.
Dosendiktat
-
L konzipiert Textblatt mit Zeilenstreifen (Umfang berücksichtigt
Speichermenge, die auswendig geschrieben werden kann).
-
Sch
schneiden aus, legen Text, lesen 1. Streifen genau, stecken ihn in
Dose (mit abnehmbarem Deckel, welcher einen breiten Schlitz hat) und
schreiben ihn auswendig ins Heft.
-
Originaltext
für Selbstkontrolle an mehreren Stellen im Raum verfügbar.
-
Sammlung
von Dosendiktattexten in der Übungsecke (in thematisch beschrifteten
Umschlägen), für weiteres Üben, Wiederholen, Sch können
Texte auch selbst herstellen.
-
Ab
Kl. 1 als Übungsform bewährt.
Kassettendiktat
1.
L bespricht Kassette 2x (kompletter Texte, Text in Diktiereinheiten).
2. Sch hören erst kompletten Text, dann Diktiereinheiten und schreiben
auf.
-
integriert
Sprechen, Lesen, Schreiben, wenn Sch Texte selber aufnehmen.
-
Differenzierung:
unterschiedliches Schreibtempo wird berücksichtigt, indiv. Speichermenge
kann berücksichtigt werden.
Lauf-/Schleichdiktat
(verzögertes Abschreiben)
-
Text
ist 5-6x im Raum vorhanden,
-
Sch
lesen gesamten Text, dann indiv. Merkmenge, gehen an ihren Platz und
schreiben ins Heft
-
Selbstkontrolle
wieder am Originaltext.
-
Trainiert
größere Abschreib-Einheiten, schafft motorische Entlastung.
-
Differenzierung
über individuelles Arbeitstempo.
Kommentiertes
Diktat
-
Satz wird vorgelesen, in Sinnschritten diktiert und aufgeschrieben,
-
jedes
Wort wird nun rechtschriftlich kommentiert und richtige Schreibung
wird genannt (Kind: groß, weil Nomen, mit d am Ende, weil Kinder...).
-
fördert
fehlersensible Haltung, dient der Fehlervermeidung, Selbsteinschätzung
von Rechtschreibschwierigkeiten, Fähigkeit selbstständig
Texte zu korrigieren,
-
trainiert
und internalisiert Lösungshilfen sowie Regelanwendung und erweitert
Sprachwissen. Begleitung durch L erforderlich!
-
Kommentieren
können ist Voraussetzung für Hilfe beim Partnerdiktat (s.
o.).
Fragediktat
Ablauf
ähnlich wie beim kommentierten Diktat: Sch erfragen Rechtschreibunsicherheiten
gezielt (schreibt man Wald mit d oder t?) und Antworten sind in Form von
Kommentaren zu richtigen Schreibweisen gehalten (Wälder, deshalb
d).
Wörterbuchdiktat
1.
L diktiert Wortlisten;
2. Sch kontrollieren mit Hilfe des Wörterbuchs (hier indiv. Hilfen
zur Nachschlagetechnik möglich).
Variante:
L diktiert Text (mit GWS-Wörtern, thematischen Bezügen, untersch.
Schreibsituationen)
Sch markieren mind. 1o schwierige (oder 10 bestimmte Wörter) und
schlagen sie im Wörterbuch nach.
Abschreiben
1.
Lesen und Silben sprechen
2. Merken
3. Schreiben
4. Prüfen
Wortlisten
Das
Wortmaterial wird in Tabellen eingetragen, die von der Lehrerin vorgegeben
werden. Je nach Lernstand der Kinder und Zielsetzungen können dies
Listen nach Sachgebieten, Wortfeldern, dem Alphabet, Wortarten, individuellen
Fehlerschwerpunkten sein.
Regeln des Abschreiben (s. o.) bei der Arbeit beachten.
individuelle
Rechtschreibkartei
Wörter
des bisher erarbeiteten Grundwortschatzes, Klassenwortschatzes, individuelle
Fehlerwörter, werden auf DIN-A6 Karteikarten übertragen (ggf.
Kasten mit mehreren Abteilungen: Wortkarte wandert durch die Abteilungen,
bis es mehrfach richtig geschrieben wurde).
klasseninterne
Wörterkartei
Sch
sammeln - nach Phänomenen, Themen geordnet - Wörter für
ihre "Wortschatzkiste", das Wortmaterial kann für Rechtschreibübungen
verwendet werden, aber auch zum Texte verfassen (treffende Verben, Wortfamilien)
herangezogen werden.
Diktattasche
Karton
mit Sichtfenster zum schrittweisen Abschreiben des Textes.
Rätsel
Im
Buchstabengitter versteckte Wörter heraussuchen, markieren, herausschreiben.
Selbstkontrolle mit Lösungsbogen im Klassenraum.
Wörterpuzzle
Zerschnittene
Wörter zu sinnvollen Wortbildungen zusammensetzen und aufschreiben.
Bingo
3x3
Felder in die Übungswörter eingetragen werden.
Wörterwürfel
/ Sätzewürfel
Ein
Buchstabenwürfel gibt den Anfangsbuchstaben von Wörtern vor,
die (aus Wörterliste, Text, Wörterbuch etc.) herausgesucht werden
müssen; der Augenwürfel bestimmt, wie oft das einzelne Wort
geschrieben wird.
Variante:
Mit dem Augenwürfel wird eine Zahl bestimmt, z.B. 3. Nun muss jedes
dritte Wort abgeschrieben werden und mit diesen Wörtern eine Geschichte
geschrieben werden.
Jeder
Satz des Textes weist eine Augenzahl aus. Sch markieren Rechtschreibbesonderheiten
im Texte, würfeln und schreiben den Satz mit der gewürfelten
Augenzahl ab.
Wörterschlange
Aus
Texten Wörter so herausschreiben, dass der Endbuchstabe dem Anfangsbuchstaben
des nächsten Wortes entspricht.
Memory
Auf
gleich große Zettel wird jedes Wort einmal gezeichnet/umschrieben,
einmal als Wort geschrieben. Anschließend wird nach der Memory-Regel
gespielt.
Alle
Übungsformen müssen sorgfältig trainiert werden. Wiederholter
Einsatz ausgewählter Übungsformen schafft Routinen. Ist den
Kindern ein breites Spektrum variabler Übungsformen vertraut, können
sie z. T. selbst entscheiden, welche Übungsform sie wählen.
Zum
Abschluss von Übungsstunden/-sequenzen sollten im gemeinsamen Gespräch
sowohl fachliche Inhalte (aufgetretene Rechtschreibprobleme), Arbeitstechniken
(Diktiertempo des Partners, Kommentare als Lösungshilfen), soziale
Aspekte (Partnersuche) als auch Selbsteinschätzung (was habe ich
geschafft, was habe ich mir als nächstes vorgenommen?) thematisiert
werden.
Dagmar
Wilde Seminarpapier Fachseminar VU 02/97

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