Rechtschreiben
üben / 3
Vester
(1978) hat lernbiologische Regeln aufgestellt, die für den Unterricht
hilfreich sind.
Literaturempfehlung:
Miller,
Reinhold: Lehrer lernen. Weinheim und Basel 1986 (Beltz), Teil III,
S. 187-287.
Schachl,
Hans: Was haben wir im Kopf? Die Grundlagen für gehirngerechtes Lernen.
Linz 1996. S. 8f.

Leitgedanken
für das Üben
(nicht nur) im Rechtschreibunterricht
Bedeutsamkeit
der Inhalte erhöht die Übungsbereitschaft
Kennen
die Lerner/innen Ziele und Inhalte ("Wozu - Was"), wird Einsatzbereitschaft
geweckt (subjektive Bedeutsamkeit). Durch Vorinformation wird das Verstehen
erleichtert; damit wird das Lernen stressfreier! Wenn mir klar ist, warum
ich mich mit einer Sache beschäftigen soll/will, bin ich "lernbereiter"
und für diese Sache eher "auf Empfang geschaltet"!
Interesse
ist erhöht die Übungsbereitschaft
Monotonie
wirkt lähmend: Sind Übungssituationen erlebnisreich und spannend
gestaltet, erhöht sich die Übungsbereitschaft. Neugierde ist
die beste Voraussetzung, um Neues aufzunehmen und zu behalten: Interesse
schafft jene positiven Gefühle, die eine unverzichtbare Basis für
effizientes Lernen darstellen!
Übungserfolge
erhöhen die Übungsbereitschaft
Wenn
Lerner/innen Erfolgserlebnisse wahrnehmen können, wächst ihre
Bereitschaft zum weiteren Üben. Übungen sollten daher weder
über- noch unterfordern: Aufgaben mittleren Schwierigkeitsgrades
liefern am ehesten Erfolge - und damit die größte Motivation.
Lernatmosphäre
wirkt sich auf die Übungsbereitschaft und den Übungserfolg aus
Neben
äußeren Bedingungen spielt das soziale Klima eine nicht unwesentliche
Rolle (Fehlertoleranz, personale Akzeptanz in der Gruppe etc.). Angst
und Stress behindern den Weg der Information ins Gedächtnis. Neue
Inhalte sollten daher mit Bekanntem verknüpft sein, denn Unbekanntes
löst Angst und Stress aus. Für die dauerhafte Speicherung und
den erfolgreichen Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis sind
positive Gefühle notwendig. Deren Rolle beim Lernen und Denken ist
anatomisch und physiologisch eindeutig nachweisbar.
Sinn-volle,
strukturierte Zusammenhänge fördern den Übungserfolg
Einzelheiten
können besser eingeordnet werden, wenn ein allgemeiner Zusammenhang
erkennbar ist. Überblick vor Einzelinformation: Dadurch sucht das
Hirn nach schon vorhandenen "Speicherplätzen", legt neue an und ist
damit auf die "Wahrnehmung" von Einzelinformationen vorbereitet.
Existiert ein "roter Faden", der sich logisch durch die aufeinander folgenden
Lernschritte zieht, bewirkt dies, dass im Gehirn neue Informationen wirklich
mit dem dazu passenden alten Bereich vernetzt werden und damit "sinnvoll"
werden.
Ähnlichkeitshemmung
vermeiden
Zu
ähnliche Inhalte vermischen bzw. überlagern sich, dadurch entstehen
Interferenzen, die den Lernvorgang hemmen. Sie sollten getrennt und mit
zeitlichem Abstand vermittelt werden (Gleiches zu Gleichem). (Auch: Ranschburgsche
Hemmung, pro- und retroaktive Hemmung.)
Mehrere
Eingangskanäle und Wahrnehmungsfelder ansprechen.
Hilfreich
beim Lernen sind zusätzliche Assoziationen, begleitende Informationen
und Beispiele, die individuelle "Aufhängungsmöglichkeiten" schaffen.
Experimente der kognitiven Psychologie zeigen, dass unser Gedächtnis
"vernetzt" arbeitet (Assoziationen...). Vernetzen bedeutet u. a. Lernen
in Zusammenhängen, Ansprechen mehrerer Sinne, fächerübergreifendes
und projektorientiertes Lernen.
Vgl.
Rechtschreiben üben/2 (Handout FS Wilde 8/97).
Kurzfristige
Rückmeldungen
Lernen
ist sinnlos, wenn man keine Kontrolle darüber hat, ob überhaupt
das Richtige gelernt wurde! Hirnbiologisch ist die Bedeutung einer möglichst
baldigen Rückmeldung nicht hoch genug zu bewerten: In der Phase,
in der der Prozess der Speicherung in den Nervennetzen noch im Gang ist,
sind "Reparaturen" nämlich leichter möglich als nach erfolgter
Fixierung. Umlernen ist folglich immer schwieriger als Neulernen!
Das "Rückmelden" kann durch Fremd- oder Selbstkontrolle erfolgen.
Beim Rückmelden nicht vergessen: Loben! Verstärken! Bekräftigen!
Wiederholung
und Variation
Die
moderne Hirnforschung belegt: Wenn Nervenschaltkreise öfter betätigt
werden, werden sie stabiler: Übungsphasen rhythmisieren, Übungsformen
variieren: Neues muss in kurzen Abständen mehrfach wiederholt werden,
wobei die zeitlichen Abstände sukzessive vergrößert werden
sollten. Kurze, über einen längeren Zeitraum verteilte Wiederholungen
sind ergiebiger als langes, zeitlich konzentriertes Üben. Verteiltes
Üben an variablen Aufgabenstellungen ist wirkungsvoller als gehäuftes,
stereotypes Üben.
Pausen
Die
Hirnchemie braucht Zeit um in Ruhe, nicht gestört durch neue oder
ähnliche Informationen, am Stoff arbeiten zu können. Man nennt
diesen Vorgang "Konsolidierung" (Festigung). Tätigkeiten währenddessen
sollten möglichst keinen Bezug zur vorherigen Arbeit haben ("Ähnlichkeitshemmung"
verhindern, um die Konsolidierung nicht zu stören).
Üben
in langfristiges Lernen einbetten
Geübtes
muss immer wieder überlernt werden. Nur das, was immer wieder reaktiviert
und angewandt wird, wird dauerhaft behalten/gekonnt.
Dagmar Wilde / Seminarpapier Fachseminar VU / Februar 97

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