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Carsten Nix Juni 1999
1. SPS Hellersdorf (L)
Klasse 3
1.1 Thema der Unterrichtseinheit
Eine Linie erzählt
1.2 Thematische Gliederung der Unterrichtseinheit
1. Std.: Mit
Linien experimentieren
2. Std.: Zeichnen/Malen/Gestalten eines "Linienwegeabenteuers"
3. Std.: Schreiben von Linien-Geschichten: "Was erzählt die Linie?"
4. Std.: Überarbeitung der Geschichten und Gestalten eines Linienwegeabenteuer-Buches
bzw. - Plakates
1.3 Parallele Einheit im Lernbereich Deutsch und Sachkunde
- Vorbereitung/Schreiben
einer Niederschrift (UE endet am heutigen Tage)
- Medien unter besonderer Berücksichtigung der (Klassen-) Zeitung (UE läuft
seit einigen Stunden)
1.4 Vorangegangene Einheit im Lernbereich Kunst
Bleistift-/Buntstiftzeichnung: Darstellung sich bewegender Menschen, Bezug nehmend auf die vorangegangene Projektwoche
1.5. Rahmenplanbezug
Der Rahmenplan für
das Fach Kunst der Berliner Grundschule sieht für die dritte und vierte
Klasse die Weiterentwicklung und zunehmende Differenzierung des bisher erworbenen
Repertoires an technischen und ästhetischen Mitteln sowie an Darstellungsmöglichkeiten
vor.
Darüber hinaus sollen sich die Schüler/Innen klar werden, mit welchen
Absichten auch sie selbst ästhetische Objekte darstellen. Solche Absichten
können wie folgt formuliert werden:
Als ästhetische Probleme werden hier die Linie als Umriss, die Linie als Muster, Punkt und Linie als Binnenzeichnung und als Strukturierung genannt. Im Tätigkeitsbereich des Zeichnens kann mit Bleistiften unterschiedlicher Härte, Buntstiften, Filzstiften, Wachsstiften, Kohle und Kreide und mit Federhalter und Feder mit Tinte und Tusche gearbeitet werden. Im Tätigkeitsbereich Collagieren und Montieren bietet sich das Collagieren mit unterschiedlich strukturierten Materialien (Papiere, Pappe, Textilien) an.
2.1 Intentionen der Unterrichtseinheit
Die Schüler/innen
2.2 Stundenziel
Die Schüler/innen experimentieren mit Erscheinungsformen und Darstellungsmöglichkeiten von Linien, indem sie mittels unterschiedlicher Materialien (Papier, Stifte, Textilien etc.) unter der Vorgabe einer Rahmen"handlung" bzw. -situation ihre Linie(n) ein Abenteuer/eine Geschichte erleben lassen.
2.3 Teilziele
Die Schüler/innen
3.1 Allgemeine Voraussetzungen
Seit vergangenem Februar
unterrichte ich in der Klasse 3, die ich seit September 1998 kenne, drei Stunden
(zwei Deutschstunden, eine Kunststunde), wovon ich zwei Stunden selbständig
und eine Stunde unter Anleitung gebe. Die Klasse umfasst 26 Kinder, 15 Mädchen
und 11 Jungen.
Die Klasse steht dem Kunstunterricht in der Regel aufgeschlossen und interessiert
gegenüber. Die Schüler/innen nehmen aktiv am Unterrichtsgeschehen
teil und sind es ferner gewohnt, über längere Zeit selbständig
und konzentriert zu arbeiten.
3.2 Spezielle Voraussetzungen
Seit Februar gehören zwei Jungen zum Klassenverband, die zuvor andere Schulen besuchten und die beide manchmal durch ihre Verhaltensauffälligkeiten den Unterricht sowie ihre Mitschüler/Innen ablenken. "stört" das Unterrichtsgeschehen von Zeit zu Zeit durch "Quatschen", Pfeifen und Geräusche unterschiedlicher Art. Dies wird sowohl von Lehrern als auch von Schülern häufig als Provokation verstanden. ist hyperaktiv. Bestimmte Abweichungen im Hirnstoffwechsel scheinen es ihm schwer zu machen, sein Verhalten zu kontrollieren. Oft reichen geringste Anlässe aus, um ihn aus der Ruhe zu bringen bzw. ihn "explodieren" zu lassen. muss mehrmals am Tag ein Medikament einnehmen. Seine Mitschüler/Innen kennen die Hintergründe seiner Verhaltensauffälligkeit ( informierte die Klasse selbst) und akzeptieren ihn überwiegend. Trotzdem kommt es auch hier hin und wieder zu größeren Auseinandersetzungen, sei es zwischen und seinen Mitschülern als auch zwischen und dem Lehrpersonal. Für besteht das "Dauerangebot", den Klassenraum zu verlassen (es steht ein weiterer kleiner Raum zur Verfügung, der direkt neben dem Klassenraum liegt), sofern er das nach seiner eigenen Einschätzung für notwendig erachtet. Ihn seltenen Fällen wurde er auch schon gegen seinen Willen aus dem Klassenraum gebracht. Nach einer gewissen Zeit der Beruhigung konnte er dann jedoch wieder am Unterricht teilnehmen. Beide "Neuen" haben in den letzten Monaten dazu beigetragen, dass die Klasse insgesamt unruhiger geworden ist und dass sich ein "problemloser" Unterricht schwieriger als zuvor gestaltet.
3.3 Sachstruktureller Hintergrund
Die Schüler/Innen haben
in der Vergangenheit zum Thema "Linie" schon einige Vorerfahrungen machen können.
Aus dem Mathematik-/Geometrieunterricht kennen sie die Begriffe "Gerade", "Strecke-
und "Strahl" und deren unterschiedliche Erscheinungsformen.
Aus dem bisherigen Kunstunterricht wissen die Kinder, dass Linien sich durch
unterschiedliche Strichstärken und durch ihren Verlauf unterscheiden können.
Ferner erlangten sie Kenntnis darüber, dass sich aus Linien durch deren
Verläufe und bestimmte Anordnungen Formen und Muster bilden lassen können.
Der Begriff "Linie" hat zwar im alltäglichen (Kunst-) Wortschatzgebrauch
der Schüler/innen einen festen Platz, jedoch wurde die "Linie" selbst
und ihre Bedeutung noch nicht thematisiert bzw. in den Mittelpunkt der Betrachtungen
und der Arbeit gestellt. So sind ihnen die Begriffe "Schraffur" und "Struktur"
und deren Bedeutung, zumindest aus dem Kunstunterricht, ebenfalls noch nicht
bekannt.
Verfolgt man eine gestaltende
Absicht, so stehen im Bereich der Grafik drei wesentliche Elemente zur Verfügung,
die auch als bildnerische bzw. grafische Mittel bezeichnet werden können:
der Punkt, die Linie und die Fläche.
Die Linie hat als bildnerisches Mittel in der Grafik unterschiedliche Funktionen:
Sie bestimmt Bewegungsspuren, sie bestimmt den Umriss von Formen und sie "bietet
Möglichkeiten an, flächenbildend über ihre Verdichtung Körperhaftigkeit
und Stofflichkeit zu deuten und Oberflächen zu beschreiben" (Dagmar Wilde,
Seminarpapier aus dem VU-Seminar vom 16.5.1999).
Linien beginnen im Punkt und sind eigentlich unendlich. Endliche bzw. kurze
Linien werden als Striche bezeichnet. Linien können gerade oder gekrümmt
verlaufen, sie können in ihrer Führung Umrisse von bestimmten Formen
darstellen und sie können Flächen begrenzen oder das Innere einer
Form differenzieren. Darüber hinaus ist es möglich, durch das Zeichnen
von Linien auf Papier Schraffuren, Hell-Dunkel-Kontraste sowie Strukturen durch
Streuung und Verdichtung entstehen zu lassen.
Zeichnen ist hier stets als planmäßigem "Zeichen setzen" zu
verstehen. Nicht jeder Strich ist gleichbedeutend mit einer Zeichnung. Die einzelnen
Striche müssen als lineare Gebilde verstanden werden können. Es müssen
Linien sein, die bestimmte Mitteilungen transportieren und auf einen Ausdruck
zielen (Wilde ebd.).
5.1 Inhaltsauswahl/-akzentuierung und Zielsetzung
Da die Linie selbst im Kunstunterricht
noch nicht direkt thematisiert wurde (siehe sachstruktureller Hintergrund 3.3)
bietet es sich an, in dieser Unterrichtseinheit die Linie zunächst "nur"
als Mittel zu verwenden, mit dem man Bewegungsspuren charakterisieren und eventuell
schon die Umrisse von Formen bestimmen kann. Daneben sollen die Schüler/innen
die Linie als ästhetisches Objekt gestalten und betrachten und sich dabei
ihrer Absichten klar werden (siehe Rahmenplanbezug 1.5).
In folgenden Unterrichtseinheiten kann und soll dann verstärkt auf die
Linie als Muster, Binnenzeichnung und Strukturierung eingegangen werden.
Die aktuelle Stunde stellt den Einstieg in die Unterrichtseinheit "Eine Linie
erzählt' dar. Zu diesem Zeitpunkt ist eine zunächst mehr spielerisch-experimentierende
Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand von Bedeutung (siehe 5.2 Didaktisch-methodische
Entscheidungen).
5.2 Didaktisch-methodische Entscheidungen
Nach der Phasenunterteilung
des Kunstunterrichts von Aissen-Crewett (Aissen-Crewett 1992) ist es wichtig,
die Schüler/innen zu Beginn des Unterrichtsvorhabens erst einmal in die
Thematik einzuführen. Dies geschieht in dieser Stunde in den ersten beiden
Phasen (siehe Verlaufsplanung). Mit der Lehrererzählung und dem Zeigen
der Bildkarten soll der Kontakt zwischen den Schüler/Innen und der Thematik-
hergestellt werden. Die Kinder sollen dazu motiviert werden, sich auf diese
Thematik einzulassen und selbst etwas dazu beizutragen. In der folgenden ersten
kurzen Experimentierphase wird den Schüler/Innen Gelegenheit gegeben, ihr
Vorwissen abzurufen und darzustellen. Sie verschaffen sich somit selbst einen
Überblick darüber, "wie (unterschiedlich) Linien sein können".
Im Mittelpunkt der Stunde steht die experimentierende Auseinandersetzung mit
der "Linie" und dem Material unter einer bestimmten Vorgabe (Wortkarten mit
unterschiedlichen Situations-/Ortsvorgaben siehe Anhang). "Wichtig ist hierbei
ein noch nicht auf die Erzielung eines vorgefaßten Endprodukts fixiertes
Agieren; es geht vielmehr um freies Assoziieren und Erproben, ein Kennenlernen
seiner Selbst und seiner Möglichkeiten in der Auseinandersetzung mit der
Kombination von Material und Themenstellung" (Aissen-Crewett 1992.). Die Schüler/innen
sollen in dieser Phase unter der Vorgabe einer bestimmten Situation bzw. eines
bestimmten Ortes ihre Linie(n) etwas erleben lassen. Dabei ist ihnen freigestellt,
welches Material sie zur Gestaltung ihres Blattes verwenden. Die Tatsache, dass
die Schüler/Innen auf A 5 -Blättern arbeiten trägt dazu bei,
das mehrere Materialien und auch unterschiedliche Vorgaben in der gegebenen
Zeit von einem Kind verwendet bzw. bearbeitet werden können. Die praktische
Arbeit der Schüler/Innen findet an Gruppentischen zu je 4-6 Kindern statt.
Das trägt dazu bei, dass die Materialien den Kindern gut zugänglich
sind und desweiteren ist somit die Möglichkeit des Austausches und der
Kooperation zwischen einzelnen Schüler/innen gegeben.
In der Präsentations- und Auswertungsphase sollen die Schüler/innen
zunächst einige der entstandenen Bilder den Orts- und Situationsvorgaben
in Wortkartenform zuordnen. Darüber hinaus soll das bisherige Geschehen
reflektiert werden. In einem Unterrichtsgespräch werden die Erfahrungen
mit der Themenstellung und mit der Auseinandersetzung mit dem Material diskutiert.
Sollte das Stundenende diese Phase zu abrupt beenden, so kann ein solches Gespräch
den Einstieg in die folgende Kunststunde ermöglichen.
Aissen-Crewett, Melke: Kunstunterricht in der Grundschule. Braunschweig 1992.
Aissen-Crewett, Melke: Das Spiel mit der Linie. Entwicklungsorientierter Kunstunterricht in der Grundschule. In: Praxis Grundschule. 4/1992. S. 34-40.
Klante, Dieter/Röttger, Ernst: Punkt und Linie. Das Spiel mit den bildnerischen Mitteln. Ravensburg 1964 und 1985.
Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport (Hrsg.).Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule. Fach Bildende Kunst. Berlin 1991.
Wilde, Dagmar: Punkt, Linie, Fläche / Sachinformation "Zeichnen". Seminarpapier VU. 16.5.1999.
1. Phase: Einführung, ca. 5 Min.
Begrüßung
Aktions-, Sozialform, Medien: Lehrervortrag, Sitzkreis, Erzähl-/Bildkarten
2. Phase: 1. Experimentierphase und Aufgabenstellung, ca. 15 Min.
Aktions-, Sozialform, Medien: Sitzkreis, Unterrichtsgespräch, Material (Stifte, Papier), Arbeiten der Sch.
3. Phase: 2. Experimentierphase/Produktion, ca. 20 Min.
Aktions-, Sozialform, Medien: Einzelarbeit an Gruppentischen, Bleistifte unterschiedlicher Härte, Buntstifte, Filzstifte, Fineliner, Wachsmalstifte, Fäden, Schnüre, Textilstreifen, Kleber, Schere, Papier, Wortkarten mit Orts-/Situationsvorgabe
4. Phase: Präsentations- und Auswertungsphase, ca. 10 Min.
Wortkarten mit Situations- bzw. Ortsvorgaben:
Gestalte, was deine Linie(n) im Urwald erleben könnte(n).
Gestalte, was deine Linie(n) im Labyrinth erleben könnte(n).
Gestalte, was deine Linie(n) auf einer Nachtwanderung erleben könnte(n).
Gestalte, was deine Linie(n) auf einer Seefahrt erleben könnte(n).
Gestalte, was deine Linie(n) im Tierpark erleben könnte(n).
Gestalte, was deine Linie(n) auf einer Silvester-Party erleben könnte(n).
©opyright Carsten Nix, Berlin, Januar 2000
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06.04.2003