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Dagmar
Wilde / 24-02-99
IX, 12.G., Klasse 5
Planungsüberlegungen
für eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch
"Bilder von Michael Sowa als Schreibanlass"
7. Medien
und Arbeitsmittel
1.
Unterrichtseinheit
Erzählerische
Auseinandersetzung mit Werken aus der Bildenden Kunst: Schüler/innen
verfassen Erzähltexte zu Bildern von Michael Sowa
1. Bildbetrachtung
"Nur noch wenige Meter..."
2. Textplanung zu ausgewählten
Bildern von Michael Sowa
-
MindMapping
als Methode der Textplanung, Klärung von Schreibintention und
-kriterien, Bildauswahl, Bildbetrachtung und Fixieren erster Schreibideen
3. - 7. Von der Textplanung über
den ersten Entwurf zum Text
-
Texte verfassen am Computer und Überarbeitungsgespräche
im Plenum (3. Std. der UE)
-
Texte
verfassen und in Autorenkonferenzen überarbeiten (4.-5.)
-
Texte
für die Veröffentlichung überarbeiten, Lay-out am Computer
(5./6. Std.)
- Veröffentlichungsrunde
(Vorlesen, Präsentieren von Texten und Bildern) (7. Std.)
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2.
Lerngegenstand und didaktische Konzeption
"Bilder
wecken Vorstellungen, Erinnerungen, Assoziationen, lassen unserer Imaginationsfähigkeit
freien Lauf, weil sie keine sprachlich ausformulierten Gedankenbahnen
vorgeben. Die Imaginationen aber verlangen ihrerseits nach einem sprachlichen
Ausdruck, bei dessen Suche dann wieder neue Assoziationen ausgelöst
werden. Gerade in dem Unterschied der beiden Medien liegt also eine Chance
für das Schreiben. Mit Sprache können Lücken, die das Bild
erkennen läßt, gefüllt, Deutungsspielräume aufgeschlossen,
Empfindungen und Assoziationen, die das stumme Bild weckt, zum Ausdruck
gebracht werden. Ein Bild bietet dem Schreibenden Anregung und Halt, doch
keine Formulierungen. Es läßt ihm die Freiheit, die Sprache
zu finden" (Ludwig/Spinner 1992, 14).
Bilder
von Michael Sowa - der auch etliche Kinderbücher illustriert hat
(Prinz Esterhazy", "Der kleine König Dezember", "Das unerwartete
Geschenk vom Weihnachtsmann...") - sind geeignet Deutungsspielräume
aufzuschließen. Sie spiegeln rätselhafte, surreale Szenarien
wider, sind aber andererseits in realistischer Manier gemalt, weshalb
beim Betrachter Verwunderung, Vermutungen und Fragen entstehen: Was geschah
da? Wie kam es zu dieser Situation? Was bewegt die Figuren? Wo spielt
sich das ab?...
In
den Bildern ist jeweils ein Moment des Geschehens festgehalten. Es stellt
sich die Frage, was diesem Moment vorausgegangen sein und was ihm folgen
könnte. Die Bilder motivieren für eine erzählerische Auseinandersetzung,
indem sie Deutungsspielräume aufschließen. Bilder, die "durch
verrätselungen, mehrdeutigkeiten und 'verschiebungen' in bisher so
nicht gesehene kontexte einfälle beim betrachter herausfordern und
zugleich widerstände bieten, die schreibend zu überwinden sind
(...)", regen den Einfallsreichtum und die Phantasie an (Baurmann, in
Rank, S. 150).
Erzählen
zu Bildern knüpft an Formen der Phantasie- und Erlebniserzählung,
auch der Nacherzählung und Inhaltswiedergabe an. Da durch die Bilder
ein fiktives Erlebnis erzeugt wird, auch persönliche Erlebnisse wachgerufen
werden können, sind Beziehungen zum Erzählen von Erlebnissen
gegeben. Der Unterschied zum Darstellen von persönlich Erlebtem
liegt in der "Vermittlungsfunktion" der Bildvorgaben, welche die Chance
bieten, einen für alle Schüler/innen gemeinsamen Schreibanlass
zu eröffnen.
Das
schriftliche Erzählen zu einem Bild bietet gegenüber den tradierten
Erzählformen z. B. den Vorteil, dass die Bilder zwar inhaltliche
Anregungen bieten, in Bezug auf das Thema als auch auf die Textform jedoch
vielfältige Möglichkeiten für eine individuelle Ausgestaltung
eröffnen. Die Variationsbreite und Individualität der Texte
hat ein gesteigertes Hör- bzw. Leseinteresse bei den Mitschülerinnen
und Mitschülern zur Folge.
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3.
Voraussetzungen
In
den beiden vorangegangenen Stunden hat die Lerngruppe in exemplarischer
Form eine Bildbetrachtung und -deutung an einem Bild Sowas vorgenommen,
eine Erzählidee entfaltet und mündlich ausgestaltet, eine Kurzgeschichte
(F. W. Bernstein) zum Bild kennen gelernt. Gleichfalls wurde die Methode
des Mind-Mapping exemplarisch angewendet (Protokoll der Bildwahrnehmungen
und entfalteten Handlungsstränge) sowie in EA bzw. PA am für
das Schreibvorhaben gewählten Bild erprobt (Protokoll der Bildbetrachtung
und erster Schreibideen).
Schreibintention
(Ausstellung von Bildern und Texten, Kurzgeschichte zum Bild) und Adressaten
(Mitschüler/innen als auch Lehrerinnen) sind den Schülerinnen
ebenso bekannt wie die Tatsache, dass der Text als Klassenaufsatz bewertet
werden wird.
Die
Schülerinnen wissen, dass ein Schriftsteller zu "ihrem Bild" eine
Geschichte geschrieben hat. Sie wissen, dass sie diese später kennen
lernen werden. Sie vermuten, dass dieser Text ähnlich verblüffend
sein wird wie die Kurzgeschichte von Bernstein ("Nur noch wenige Meter...")
zum in der ersten Stunde betrachteten Bild. Sie wissen, dass der Text
eines Autors nicht als "Messlatte" für ihren Text zu verstehen sein
kann, - denn auch die gemeinsam entwickelte Erzählidee hatte Qualitäten
-, sondern dass diese Bilder vielerlei Erzählstränge eröffnen.
Die
inhaltlichen und formalen Kriterien an die Texte wurden besprochen und
fixiert. Den Computer als Schreibwerkzeug haben die Schülerinnen
in diesem Schuljahr in meinen Teilungsstunden bereits häufiger benutzt
(allerdings existiert die Möglichkeit, die Texte im Entwurfsstadium
bereits in der Schule auszudrucken erst seit kurzem).
Die
Auflösung des koedukativen Klassenverbands wird seit fünf Wochen
am Freitag in der 5./6. Stunde in unseren Deutsch-Teilungsstunden regelmäßig
praktiziert, nachdem sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen
zu beobachten war, dass in dieser Konstellation alle Schüler in Arbeits-
und Gesprächssituationen ausnehmend aktiv und offen mitarbeiteten.
Insbesondere leistungsschwächere Mädchen als auch Jungen wirken
selbstbewusster und lernoffener. Da dies in "normalen" Teilungsgruppen
nicht zu beobachten war, vermuten wir, dass dies per se an der geschlechtshomogenen
- nicht allein an der kleineren Gruppe liegt.
Ich
unterrichte in der 6c sechs Wochenstunden: zwei Stunden im Fach Kunst,
eine Teilungsstunde im Fach Mathematik, eine Teilungsstunde im Fach Geschichte,
zwei Teilungsstunden im Fach Deutsch. Die 6c ist eine Integrationsklasse.
Sowohl in der Mädchen- als auch in der Jungengruppe gibt es Integrationskinder.
Z. T. werden die Teilungsstunden als Koop-Stunden durchgeführt, z.
T. arbeite ich parallel mit leistungsschwächeren Kindern, z. T. führe
gesonderte Unterrichtseinheiten (z. B. Buchprojekt, Texte verfassen am
Computer) durch.
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4.
Didaktische Entscheidungen
Schülerinnen
und Schülern dieser Altersstufe fehlt es i. A. noch an differenzierten
sprachlichen Mitteln zur Bildanalyse und -beschreibung. Diese Begrifflichkeit
gilt es sukzessive zu erweitern. Vor allem aber sollen die Schülerinnen
über die Bildbetrachtungen ihre Wahrnehmungsfähigkeit intensivieren
(denn es gibt bei verweilendem Betrachten in den Bildern Sowas viel zu
entdecken...) - Begrifflichkeiten werden dabei implizit erworben - und
im Zuge der Entfaltung einer Erzählidee ihre Bilderfahrungen und
-deutungen sprachlich verarbeiten.
Im
Hinblick auf Erzählformen erfolgt keine Setzung. Realisiert werden
können Erlebniserzählungen, Abenteuergeschichten bis hin zu
Märchen. Als Textsorten sind sowohl Erzähltexte als auch Texte
in Briefform, Zeitungsmeldungen etc. möglich (letztere scheinen mir
vor allem in Berücksichtigung der Schreibhaltungen von Jungen geeignet,
auch angeboten zu werden).
Da
mir die Voraussetzungen der Lerngruppe im Bereich Texte verfassen wenig
bekannt sind (der im September/Oktober gemeinsam bearbeitete Text war
eine Vorgangsbeschreibung zur Bedienung des Computers), werden pragmatische,
semantische und syntaktische Kriterien mit der Schreibaufgabe verbunden,
die vorangegangenes Schreiben nicht direkt aufgreifen bzw. weiterführen:
Handlungsidee (wer - wo - was), Situationsentfaltung (wie ist es zur Situation
im Bild gekommen), Einleitung (direkter Einstieg oder aber Einführung),
Höhepunkt (Spannung, Befremdung, Witz), Schluss (Aufklärung
oder aber Verblüffung bzw. offenes Ende...), Erzählperspektive,
Lebendigkeit der Figuren (denken, fühlen, sprechen lassen...), sprachliche
Gestaltung (Verben, Adjektive, variable Satzbaumuster).
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5.
Ziele
5.1 Intentionen
Die
Schülerinnen und Schüler
-
intensivieren
ihre Sensibilität für Bilder und für die gezielte Wahrnehmung
von Bildwelten sowie den Umgang mit Werken der Bildenden Kunst,
-
erweitern
ihr Repertoire sprachlicher Mittel zum Gespräch über Bilder
über das Beschreiben von Sujets, Bildaussagen, Malweisen,
-
erweitern
ihre Fähigkeiten Texte unter Berücksichtigung semantischer,
syntaktischer und pragmatischer Kriterien zu verfassen, zu überarbeiten
und zu beurteilen,
-
vertiefen
- indem sie am Computer mit einem Textverarbeitungsprogramm schreiben
- ihre Erfahrungen im Hinblick auf das Planen, Verfassen und Überarbeiten
von Texten und werden sich der Möglichkeiten bewusst, durch redigierende
Änderungen, Texte relativ problemlos umzugestalten,
-
erfahren
das Schreiben von Texten sowie das Gespräch über Texte im
Entwurfsstadium als kommunikative und bereichernde Tätigkeit.
5.2 Ziele
der Unterrichtsstunde
Die Schülerinnen und Schüler
-
beginnen
mit dem Verfassen ihres Textes zum ausgewählten Bild von Michael
Sowa, berücksichtigen dabei die an die Schreibaufgabe gestellten
Kriterien (s. Abs. 5.) und nutzen bereits beim Schreiben Möglichkeiten
der Textrevision, die das Schreibwerkzeug Computer eröffnet,
-
nehmen
als Hörerinnen kriterienorientiert Stellung zu Textentwürfen
und geben den Autorinnen inhaltliches Feedback sowie Schreibhinweise
für die weitere Arbeit,
-
nehmen
als Autorinnen die Wirkung ihrer Texte auf Hörer - und damit
die Leserperspektive - wahr und halten Hinweise fest, um sie ggf.
für die Überarbeitung bzw. das folgenden Schreiben zu berücksichtigen.
-
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6.
Literatur
Altenburg.
Erika: Schreiben zu Erzählbildern. Donauwörth 1996.
Ludwig,
Otto / Spinner, Kaspar H.: Schreiben zu Bildern. Praxis Deutsch 113/1992.
Payrhuber,
Franz-Josef: Schreiben lernen. Aufsatzunterricht in der Grundschule.
Köln 1996.
Rank,
Bernhard: Erfahrungen mit Phantasie. Baltmannsweiler 1994.
Sowa,
Michael: Das Huhn und die Tänzerin. Dreißig phantastische Stücke.
Reinbek 1997.
7.
Medien und Arbeitsmittel
7
Farb-Fotokopien (DIN A3: Gemälde von Michael Sowa (für Präsentation
im Plenum) / 6x2 Farbkopien (DIN A 4): Gemälde von Michael Sowa (für
EA/PA) / Plakatkarton u. Edding-Stifte (für Mind-Map-Protokolle im
Plenum) / Computer / Drucker
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8.
Prozessplanung
1. Phase
Wiederholung und Präzisierung der Aufgabe / Rekapitulieren der Schreibhilfen
/ Akzentuieren der Schreibhaltung (5 Min.)
L
-
orientiert
über mit Schreibaufgabe verbundene Intentionen,
-
weist
auf Plakat mit Schreibhinweisen hin,
-
rekapituliert
Prozedere beim Schreiben am Computer und
-
gibt
inhaltliche (TV u. Gespräch über Entwürfe), organisatorische
(Ausdrucken der Entwürfe für Zwischenredaktion in der letzten
Phase) und zeitliche Orientierung
Plenum
/ Stuhlkreisgespräch
2. Phase
Arbeit an der Aufgabe / Texte verfassen
(20 Min.)
Sch
-
verfassen
am Computer Texte zu dem ausgewählten Bild
-
setzen
ihre Textplanung um,
-
entfalten
ihre bereits fixierten Schreibideen im Text
-
kommen
dabei zu individuell unterschiedlich umfangreichen Entwürfen
-
drucken
die entstandenen Texte aus
L
EA
/ PA
3. Phase
Präsentation einzelner (Teil)Ergebnisse / Überarbeitungsgespräche
/ Schreibhinweise / Textreflexion
(20 Min.)
L
Autorinnen
Zuhörerinnen
L
Plenum
/ Stuhlkreisgespräch
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