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Dagmar
Wilde
1996
Klasse 4
Erzähltexte
planen, schreiben und überarbeiten (Ich-Texte)
Gestaltungsmerkmale von Erzähltexten (Textaufbau und sprachliche Merkmale)
Rechtschreibübungen
(individuelle Fehlerkartei)
Sicherung von GWS-Wörtern, Kennen und Anwenden von Lösungshilfen,
individuelle und gemeinsame Übungen zu ausgewählten Rechtschreibphänomenen
Erweiterung
der (individuellen) Lesefertigkeit und Förderung der Lesemotivation
Texte für das Vorlesen vorbereiten
Erweiterung
des aktiven Wortschatzes
Gespräche über Texte ("Schreibkonferenzen")
Erweiterung
von Lern- und Arbeitsmethoden
Textplanung mit Hilfe des Mind-Mapping, Übungsformen zum individuellen
Rechtschreiblernen, Kreis- und Partnergespräche
Morpheme (Funktionsmorpheme: Z. B. -st, -er, -en, -nd; Endmorpheme: Z. B. -heit, -ung, -lich, -ig, -chen; Anfangsmorpheme: Z. B. -ent, -er, -ver, -vor) als kleinste bedeutungstragende Einheiten als wortkonstituierend in immer gleicher Form wiederzuerkennen, ist konstitutiv für die Erweiterung der Rechtschreibkompetenz.
Der Text von Hans Manz eröffnet - neben Einblicken in die Morphemstruktur des Deutschen - das Spektrum der Absichten und Wirkungen sprachlicher Äußerungen, zielt auf einen kreativen Umgang mit Sprache, welcher zu eigenständiger Sprachgestaltung und zum Nachdenken über Sprache anregt (1). Er eröffnet Möglichkeiten für die aktive, selbständige Auseinandersetzung. Die Bereitschaft sich auf die Vielgestaltigkeit unserer Sprache einzulassen, die Wirkung eines Wortes zu untersuchen legt Grundlagen für die Bereitschaft und die Freude am mündlichen und schriftlichen Gestalten mit Sprache. Suchen, Entdecken, Sammeln und Ordnen sind Tätigkeiten, die Kinder motivieren sich zum Nachdenken über Gelesenes wie Selbstgeschriebenes anregen zu lassen. Sich Wörter bewusst zu machen, sie zu hinterfragen, bei der Arbeit und im Spiel mit ihnen sensibel für ihre Bedeutungen und ihren Gebrauch zu werden, ist eine wesentliche Voraussetzung für das Texteverfassen, für Sprachbetrachtung und Rechtschreiblernen.
Da ich in dieser Klasse keinen Unterricht erteile, scheint mir der Manz-Text geeignet, in einer auf 45 Minuten begrenzten Lernsituation Erfahrungen und Erkenntnisse darüber zu eröffnen, was Wörter vermögen, Freude am Untersuchen von Sprache zu wecken und Sprachaufmerksamkeit aufzubauen. Diese kurze Sequenz kann im Förderunterricht weitergeführt werden und der Förderung der Sprachsensibilität als auch der Erweiterung der Kompetenzen im Texteverfassen dienen.
Wörter - traditioneller Gegenstand des Sprachunterrichts der Grundschule - erscheinen als besonders griffige sprachliche Einheit. Die Wortbildungsmöglichkeiten der Sprache sind immens. Kinder im Alter von 2 Jahren verfügen durchschnittlich über einen Wortbestand von 500 Wörtern, im Alter von 5 Jahren über 3.000 Wörter, im Alter von 7 Jahren bereits über weit mehr als 10.000 Wörter. Wortschatzerweiterung ist ein lebenslanger Prozess.
Die meisten Wörter sind komplex, indem sie neben dem Stamm zusätzlich Wortbildungsaffixe/Wortbausteine (Präfixe oder Suffixe) enthalten. Wörter kann man in Laute, Morpheme, Silben zerlegen. Linguistisch klar abgrenzbar sind die Morpheme als kleinste bedeutungstragende Einheiten der Sprache. Sehr häufig kommen die Funktionsmorpheme (z. B. Präfixe oder Suffixe) vor: Sie sind ein wesentliches Element der Wortbildung und daher für das schnelle Erfassen des Wortes beim Lesen oder für das richtige Schreiben von Bedeutung.
Verben sind die zweitgrößte Wortart. Im Deutschen gibt es mehr als zehntausend Grundverben, von denen i. A. nur die wenigsten Verwendung finden. Verben bezeichnen besonders Vorgänge und Handlungen, die in der Zeit ablaufen (damit kommt ihnen für die Dynamik von Texten besondere Wirkung zu). Man unterscheidet inhaltlich drei Gruppen: Handlungsverben (spielen), Vorgangsverben (wachsen), Zustandsverben (wissen).
Verben können weitere Verben, aber auch Adjektive und Nominalphrasen an sich binden. Nach ihrer grammatischen Rolle unterscheidet man Vollverben (die eigenständig sind und allein das Prädikat bilden können: gehen, machen, liegen), Hilfsverben (die andere Verben brauchen, um mit ihnen z. B. Tempusformen zu bilden: haben, sein, werden), Modalverben (die sich mit dem Infinitiv eines anderen Verbs verbinden: müssen, sollen, können, wollen), Funktionsverben (die sich mit Verbalsubstantiven verbinden: zur Geltung bringen, zum Ausdruck kommen).
Verben existieren in finiten (Personalformen: ich schreibe) und infiniten Formen (schreiben). In der Konjugation wird der Verbstamm nach Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus modifiziert - entweder durch Anhängen einer Endung (sagen - sagte), Abwandlung des Stamms (raten - riet) oder Zusammensetzung mit einem Hilfsverb (Verbalphrase: er hat gesagt). Nach der Bildung der Formen unterscheidet man regelmäßige und unregelmäßige Verben: Erstere bilden ihre Formen meist durch Anhängen einer Endung, letztere unterschiedlich.
Viele Verben existieren transitiv und intransitiv - und damit in verschiedener Bedeutung (ich rauche - der Schornstein raucht), wohingegen echte reflexive Verben immer ein auf das Subjekt bezogenes Reflexivpronomen verlangen (sich verbeugen, sich weigern) - im Gegensatz zu reflexiv gebrauchten Verben, die auch mit anderen Objekten vorkommen können (etwas waschen - sich waschen).
Etliche Verben existieren nur in der 3. Person (es passiert, es schneit).
Präfixe und Halbpräfixe, die meist an ein schon vorhandenes Verb angefügt werden, um den Inhalt zu modifizieren, haben den weitaus größten Anteil an der Verbbildung; und zwar insbesondere in Bezug auf Umstände oder Dauer des bezeichneten Verlaufs (er-blühen / ver-blühen).
Die besonders häufig verwendeten Präfixe <ver-, er-> (3) werden meist vor ein bereits vorhandenes Verb gesetzt, der vorhandene Bestand an Grundverben durch grammatische und/oder semantische bzw. stilistische/pragmatische Modifizierung somit maßgeblich erweitert. Die Modifikation durch Präfigierung eröffnet vielerlei Einschränkungen und Bedeutungsabstufungen (wachsen - erwachsen - verwachsen / blühen - erblühen - verblühen).
Bei Verben mit <ver-> kommt (grammatische Modifikation) oft das pronominale <sich> hinzu (singen - sich etwas ersingen - sich versingen), was meist auch Veränderungen der Valenz des Ausgangsverbs zur Folge hat (etwas falsch hören - sich verhören). Gleichermaßen verändert sich die Kasusbeziehung zwischen Verb und Ergänzungen durch eine Präfigierung (er fror - ihm erfroren die Zehen - sie war verfroren). Wichtigstes Motiv für die Präfigierung von Verben ist die semantische Modifikation. Durch Präfigierung können so bedeutungsgleiche bzw. -ähnliche, aber auch gegensätzliche Wortpaare entstehen. Eine gegensätzliche Bedeutung stellen häufig Verben mit den Präfixen -er und -ver dar (erblühen - verblühen); z. T. sind aber auch Bedeutungsüberschneidungen vorhanden (verlöschen - erlöschen). Bei der stilistisch-pragmatischen Modifikation steht jede Wortbildung für sich; hier intensiviert die Präfigierung die Verbbedeutung (bleiben - verbleiben). In semantischer oder syntaktischer Hinsicht bestehen keine besonderen Unterschiede (spüren - etwas verspüren - etwas erspüren...).
Mit dem Präfix (Morphem) <ver-> werden besonders viele Verben gebildet, die ein Verarbeiten und Verbrauchen, ein negatives Resultat oder ein Entfernen bezeichnen. Meist tritt es als modifizierender Zusatz vor einfache Verben (etwas verschieben) sowie vor Ableitungen aus Substantivierungen (etwas verträumen) und Adjektive (etwas verkürzen). Es kann mit transitiven und intransitiven Verben verbunden werden, wird zur reinen Änderung der Valenz benutzt, wobei in der Mehrzahl Präpositionalgefüge in Akkusativobjekte überführt werden (für jemanden sorgen - etwas versorgen). Die meisten Präfixverben mit <ver-> bezeichnen das Ende eines zeitlichen Ablaufs, und zwar mit dem Merkmal, dass etwas in einen bestimmten Zustand gebracht wird (transitiv) oder in einen bestimmten Zustand gelangt (intransitiv). Im Einzelnen drückt <ver-> vor allem aus:
weg, woandershin: verreisen, etwas verdrängen, jemanden verjagen
bis zum Abschluss, Ende, ganz, vollständig: verblühen, verklingen (im Gegensatz zu erblühen, erklingen), versinken, verbummeln
zu sehr: versalzen
falsch, verkehrt: sich verhören, sich verwählen, etwas verlegen.
Das Präfix <ver-> dient außerdem zur Bildung von Verben aus einfachen, abgeleiteten und präfigierten Substantiven (ver-unglück-en), aus einfachen Adjektiven in ihrer Grund- und Vergleichsform (ver-eng-en) und aus abgeleiteten Adjektiven (ver-anschaulich-en).
Das Präfix <er-> wird weniger häufig, jedoch ähnlich vielfältig
gebraucht. Es wird vor einfache Verben (etw. erleiden) und vor Verbableitungen
aus Adjektiven (erröten) gesetzt.
Im Einzelnen drückt <er-> vor allem aus:
das Einsetzen des mit dem Grundverb benannten Vorgangs (ertönen).
das Erreichen eines Zwecks, einer Wirkung durch die im Grundverb benannte Tätigkeit (erschießen).
vereinzelt - entsprechend seiner ursprünglichen Bedeutung - auch noch die lokale Komponente "empor" (erbauen).
Darüber hinaus wird das Präfix <er-> zur Ableitung von transitiven und intransitiven Verben der Zustandsänderung aus Adjektiven gebraucht (er-bleich-en).
Seit
Beginn des Schuljahrs arbeitete ich sechs Kindern der 4b im Rahmen des Förderunterrichts
im Lernbereich Deutsch; fünf von ihnen nehmen auch am Förderunterricht
im Lernbereich Mathematik teil. Mit einigen Kindern der 4b besteht somit ein
tragfähiger Arbeitskontakt. Die Klasse selbst kenne ich aus 6 Vertretungsstunden
der vergangenen drei Wochen. Die Klassenlehrerin, die u. a. die Lernbereiche
Deutsch und Sachkunde unterrichtet, übernahm die 4b zu Beginn des Schuljahres.
Über Arbeitsinhalte und -formen, Leistungsvermögen und Gruppenklima
vermag ich kaum valide Aussagen zu treffen.
Es zeigte sich in den Vertretungsstunden, dass die Kinder - gleichermaßen
gerne wie konstruktiv - kooperativ in Kleingruppen arbeiten. Mit der Durchführung
von Partner- bzw. Gruppenarbeit scheint die Klasse vertraut. Bisweilen fühlten
sie sich durch etwas offenere Aufgabenstellungen, die auf selbstständiges
Denken und Problemlösen abzielten, eher verunsichert und forderten energisch
Lernhilfen und Arbeitsstrategien ein (Sachaufgaben in Mathematik). Es bereitet
ihnen Unbehagen, sich an Aufgabenstellungen zu "reiben", d. h. nachzudenken
oder sich zu beraten, erst über Umwege zum Ziel zu kommen. Beim Verfassen
kurzer Statements und Texte zeigten sich alle Kinder in einer Vertretungsstunde
der vergangenen Woche erfreulich spontan und arbeiteten zielbezogen. Die rechtschriftliche
Form der Ergebnisse war - auch bei Texten, die aus wenigen Sätzen bestanden
- überwiegend altersangemessen. Der Ausbau von Fehlervermeidungsstrategien
und Fehlersensibilität dürfte zentrales Ziel der weiteren Arbeit bleiben.
Die Kinder der Fördergruppe zeigen recht wenig Sicherheit im Bereich der Rechtschreibung von Verben des Grundwortschatzes (gehen, du gehst, kommen, ich kam, bringen etc.), was ich u. a. darauf zurückführe, dass basale Morpheme nicht sicher gespeichert sind. Gegenüber offeneren Lern- und Arbeitsformen verhalten sie sich sehr aufgeschlossen. Sie sind auf dem Weg, Fehler als Lernchance zu begreifen, erste Vermutungen als wertvoll zu betrachten, auch Unvollkommenes als Schritt zum Ergebnis anzunehmen, einander zuzuhören, gemeinsam zu Ergebnissen zu gelangen, sich nicht ins Wort zu fallen, Kritik konstruktiv zu formulieren. Das Spektrum zur Verfügung stehender Lern- und Arbeitstechniken ist erweiterungsbedürftig: Methoden der selbstgesteuerten Gesprächsführung, der Eigen- und Partnerkontrolle, des Planens und Organisierens von Arbeitsvorhaben vermittle ich in den letzten Wochen gezielt, um die Selbständigkeit zu fördern. Die Schüler/innen haben kürzlich Texte für die Veröffentlichung produziert und im weitesten Sinne das Szenario der Schreibkonferenzen kennen gelernt. Die Bereitschaft zum Überarbeiten und Weiterarbeiten an ersten Ergebnissen entwickelt sich ebenso wie eine fehlersensible Haltung (ohne Fehlschreibungen als Makel zu empfinden, stellen die Kinder Rechtschreibfragen und nutzen Wörterlisten).
Der Schwerpunkt dieser Stunde liegt - unter dem Ziel der Entfaltung von Sprachbewusstheit und Erweiterung des aktiven Wortschatzes - im Bereich Sinnerschließung (Wortbedeutungen verstehen) und der Sinngebung (Wortbedeutungen finden) und dem Experimentieren mit Wörtern. Es geht bei der Betrachtung der Verbbildung durch Präfigurierung hier um die Erweiterung der im unbewussten Sprachgebrauch liegenden Möglichkeiten und den Ausbau der sprachschöpferischen Gestaltungsfähigkeit. Indem die Schüler/innen Begriffe "deuten und umdeuten" und ihnen so einen neuen Sinn geben, werden sie zum Spielen mit Sprache und zum Deuten sprachlicher Handlungen ebenso angeregt wie zum treffenden Formulieren. Somit werden sowohl die kreative als auch die pragmatische Sprachfunktion angesprochen. Grammatische, semantische bzw. stilistisch-pragmatische Bedeutungsabstufungen sollen erfahren und ggf. intuitiv benannt, nicht aber über Kategoriebildungen systematisiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler
entwickeln Sprachaufmerksamkeit und entfalten Phantasie, indem sie Freude am Umgang mit Sprache sowie am Sammeln, Untersuchen und Verändern von Wörtern haben,
erweitern ihr Sprachverständnis und ihr sprachlich-begriffliches Wissen, indem sie sich aktiv und selbständig mit Sprache auseinandersetzen,
erweitern ihre Rechtschreibsicherheit und -bewusstheit und üben sich in der Berücksichtigung von Rechtschreibregularitäten,
üben sich in kooperativen Arbeitsformen, indem sie Arbeitskontakte zueinander aufnehmen und ergebnisorientiert organisieren,
üben sich im sach- und partnerbezogenen sprachlichen Handeln und verfeinern Gesprächstechniken, indem sie sich einander zuhören, argumentieren sowie eigene und fremde Meinungen/Urteilen hinterfragen.
Die Schülerinnen und Schüler
kennen Wortbildungsmöglichkeiten durch die Präfigurierung von Verben und wenden sie an, indem sie Grundverben durch die Präfixe ver-/er- modifizieren bzw. eigenständige Wortbildungen vornehmen,
steigern ihre individuelle Ausdrucksfähigkeit und erweitern ihren aktiven Wortschatz, indem sie Wortbedeutungen erklären bzw. differenzieren und durch Präfigierung entstehende Bedeutungsunterschiede bewusst wahrnehmen,
vertiefen ihr Verständnis zur Kategorisierung von Wortarten i. A. und des Verbs i. Bes.,
Mein zentrales Anliegen besteht - im Rahmen eines verbundenen Sprachunterrichts - in der Förderung von Motivation zur Auseinandersetzung mit Sprache als einem Lerngegenstand. Neugier auf Sprache - sei es gesprochene oder in Texten festgehaltene Sprache - ist ein sehr fruchtbarer Boden, aus dem jene Lernsituationen erwachsen können, in welchen Rechtschreibbewusstheit ebenso wie Lese- und Schreibkompetenz planmäßig anzubahnen bzw. zu erweitern sind. Damit zu vernetzen ist eine an Schülerprodukten orientierte Förderung von Sprachbewusstheit, Rechtschreibkompetenz (Sensibilisierung für orthographische Regularitäten und Lösungshilfen) und kommunikativen Fähigkeiten.
Wenn Kinder erfahren, dass das Lesen ihnen Interessantes und Wissenswertes erschließt, wenn sie erfahren, das Zuhören und Vorlesen mit Genuss verbunden sind - dann erleben sie Übungen zur Erweiterung der Lesefertigkeit als sinnvoll und der Mühen, die damit verbunden sind, wert. Wenn Kinder erfahren, dass Texte, die sie verfassen, von anderen Kindern und Erwachsenen ernst genommen werden - dann erleben sie Hinweise zum Überarbeiten als sinnvoll und die Mühen, die mit der Erweiterung der Schreibkompetenz verbunden sind, als gerechtfertigt. Wenn Kinder erfahren, dass Sprache etwas ist, das sie selbst aktiv mitgestalten und verändern können, erleben sie Aufgaben der Sprachbetrachtung als Feld für Entdeckungen. Und wenn Kinder nicht zuletzt erfahren, dass das Richtigschreiben ein Lernprozess ist, der Fehler mit einschließt, aber Könnenszuwachs nicht ausschließt - dann erleben sie Übungen zur Erweiterung der individuellen Rechtschreibkompetenz als Herausforderung, der sie sich auch ehrgeizig stellen.
Kinder verfügen in jeder Altersstufe über einen beträchtlichen Wortschatz, den sie unbewusst, selbstverständlich und zumeist richtig anwenden. Sie können aber ihr unbewusstes Wissen noch kaum bewusst anwenden bzw. artikulieren, wenn es z. B. um die reflektierende Auseinandersetzung mit einer bestimmten Wortart geht. Es gilt daher, im vorfachlichen Unterricht vielfältige Situationen zu schaffen, in denen Kinder durch spontanen Rückgriff auf unbewusst vorhandenes Sprachwissen Aufgaben bearbeiten (und lösen) können: So werden sie im Zutrauen in ihre eigenen sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gestärkt. Gleichfalls gilt es Situationen zu erzeugen, in denen dieses Wissen thematisiert und bewusst verfügbar gemacht wird. Oft noch unsichere Versuche der Kinder, ihr vorbewusstes Sprachwissen zu artikulieren, gilt es zu stützen, ins Gespräch zu bringen, zu klären.
Sprechen (Mündlicher Sprachgebrauch)
Schreiben (Rechtschreiben, Gestalten mit Schrift, Texte verfassen)
Reflexion über Sprache (Sprachbetrachtung)
Lesen
Mündlicher Sprachgebrauch (sach- und partnerbezogenes sprachliches Handeln, Fragen stellen, einander zuhören, Gesprächsregeln anwenden, Erweitern und Anwenden des sprachlich-begrifflichen Wissens; mit Formulierungen spielen)
Rechtschreiben (Lösungshilfen, Sicherung und Erweiterung des Schreibwortschatzes)
Sprachbetrachtung (Erfassen, Verwenden und Weiterentwickeln semantischer Strukturen, spielerisch-kreatives Umgehen mit Wortbausteinen, Erweiterung der sprachschöpferischen Gestaltungsfähigkeit, Verben erkennen und treffend gebrauchen)
Einbeziehung des Erfahrungshintergrunds und situativer Besonderheiten
Berücksichtigung der Lerngesetzmäßigkeiten und Lernmöglichkeiten, der unterschiedlichen Lerntempi u. Lernstrategien der Kinder
Ausgewogenheit von Offenheit und Geschlossenheit in der Steuerung
aktiv-produktives Tun
Phasen der Selbstbestimmung bei der Wahl der Arbeitsform sowie hinsichtlich Inhalt und Tempo der Arbeit
Einüben, Vertiefen und Sichern von Arbeitstechniken (Lernen von Methoden)
Aufgreifen von Schülerprodukten als Lernanlässe
Didaktische Rhythmisierung des Unterrichts
Berücksichtigung des Bedürfnisses nach Bewegung (motorische Entlastungen), Ermöglichen von Kontaktaufnahmen mit anderen Kindern
Die Stunde stellt einen Versuch dar, Elemente verbundenen Sprachunterrichts in einer Einzelstunde zu integrieren. Verben, deren Bedeutungen, zu einer sprachlichen Auseinandersetzung anregen können, sind Ausgangspunkt und gleichzeitig Ziel des Lehr-Lern-Prozesses. Diese Wörter sollen in der ersten Phase zur Sprachreflexion auffordern und gleichzeitig zum sprachlichen Handeln anregen, wenn im Anschluss gewonnene Einsichten und Erkenntnisse angewendet werden. Die Präsentation und Diskussion der Wortbildungen der Kleingruppen stellt einesteils Arbeitsergebnisse ins Zentraum der Aufmerksamkeit und dient der Sicherung, anderenteils eröffnen hier Schülerprodukte weitere Lernchancen.
Unter methodischen Gesichtspunkten wurden Verfahren ausgewählt, in denen sowohl innerhalb von Formen individueller Erarbeitung als auch innerhalb der gemeinsamen Erarbeitung im Plenum, Selbständigkeit angebahnt und gefördert wird. Gespräche im Stuhlkreis fokussieren die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf das gemeinsame Thema und, werden aber gleichfalls praktiziert, um Gesprächssituationen und -regeln einzuüben, die geeignet sind, die Lehrerinnendominanz zu reduzieren. Die Aufgabe, selbst Wörter zu sammeln, scheint mir für die Lerngruppe reizvoll, da die Schüler/innen in einer vorangegangenen Stunde Ansätze zeigten, kurze Schreibaufgaben mit Genuss zu praktizieren und sich auch zunehmend mehr zutrauten. Dabei wird den Schülerinnen und Schülern freigestellt, ob sie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit wählen.
Praxis Deutsch 139/1996.
Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport (Hrsg.): Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule, Grundschule, Klasse 1 - 6, Deutsch. Berlin 1989.
Manz, Hans: Mit Wörtern fliegen. Neues Sprachbuch für Kinder und Neugierige. Weinheim und Basel 1995.
Heringer, Hans Jürgen: Grammatik und Stil. Frankfurt/M. 1989.
Drosdowski, Günther (Hg.): Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Duden Bd. 4. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1995 5. neu berarb. u. erw. A.
Plakat Manz-Text / farbige Wortkarten mit Verben / farbige Wortkarten mit Präfixen / Arbeitsbogen
1) Vgl. Rahmenplan Deutsch, S. 5.
2) Vgl. zu den folgenden Ausführungen: Duden Bd. 4, S. 433 - 449.
3) Das Präfix <ver-> ist zu 45% an der Verbbildung beteiligt, das Präfix er- zu 10%.
©opyright Dagmar Wilde, Berlin, März 2000
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06.04.2003