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Beate
Rother
Paul-Eipper-GS Wilmersdorf
Entwurf
einer Unterrichtsstunde
vorfachlicher Unterricht, Lernbereich Deutsch
18.Mai 2000
Klasse 3
I.
Unterrichtseinheit: Löwenzahn
1.
Gedicht von Josef Guggenmos "Verblühter Löwenzahn"
2. Mein Löwenzahnerlebnis
3. Überarbeitung der Kurztexte
4. Sehen, fühlen, schmecken - Untersuchung der Pflanze
II.
Vorangegangene UE: Indianer
III.
Sachdarstellung
Löwenzahn
(Taraxacum officiale) ist "der bletter halben mit den spitzen zenen" (lt.
Bock 1546) ein weitverbreiteter Korbblütler, bei dem eine "Blüte"
aus vielen kleinen Einzelblüten besteht. Jede von ihnen besitzt einen
Stempel und Staubgefäße. Nach der Befruchtung der Blüten
bilden sich kleine Früchte. Wenn sie reif sind, erscheint an ihrer
Spitze ein Stielchen, das an seinem oberen Ende feine Fäden - die
Haarkrone - trägt. Sie ermöglicht den Früchten, wie an
einem Fallschirm davonzuschweben. Manchmal helfen Kinder bei der Verbreitung
der Samen, indem sie sie fortpusten - daher kommt der Name Pusteblume".
Die
hohlen Stängel eignen sich zum Kettenflechten, darum trägt die
Pflanze (neben Butter-, Dotter, März-, Hunde-, Saublume, Milchdistel,
Hummelsbusch und Pfaffenröhrlein) die Bezeichnung Kettenblume.
Die
jungen Blätter ergeben einen vitaminreichen (C) Wildsalat. In der
Heilkunde wird der Gemeine Löwenzahn als "Blutreinigungsmittel",
harntreibendes Mittel sowie zur Behandlung von Gicht verwendet. (Vgl.
Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin 1975
sowie Stöcker, F.W. (Hrsg), Biologie Brockhaus, Leipzig 1986)
Die Stängel enthalten einen weißen Saft, der auf der Haut braune
Flecken hinterlässt und allergieauslösend sein kann.(!)
Die
große Verbreitung ist auf die Anpassungsfähigkeit der Pflanze
und einem Wurzelwachstum bis zu 150 cm zurückzuführen. Die weitverbreitete
Wildpflanze gehört auch in der Großstadt zum Alltagsbild.
Josef
Guggenmos beschreibt im "Verblühten Löwenzahn" das Abpusten
einer Pusteblume durch eine Frau - eine Dame! Drei Sätze bilden die
drei Strophen seines kurzen Gedichts, im Paarreim durchgängig, bis
auf eine Reimbrechung, die genau die Achse des Gedichts bildet und jeweils
das gleiche Verb zu Beginn der Zeile, die Aktion der Annette, betont.
Ähnlich
wie in einem Sonett liegt die Auflösung, gleichsam die Pointe, im
Schlusscouplet des Gedichts, auch wenn Guggenmos sonst nicht dieser strengen
Gedichtform folgt, erinnert es doch im inhaltlichen Aufbau daran. Eine
Situation (statisch) wird beschrieben, eine Handlung (aktiv) folgt und
hat die Situation drastisch verändert.
Die
Häufung der "a" - Vokale werden durch die "i"s in spitz/Lippen/dick/blies
durchbrochen, um wieder im "a" zu enden.
Das
Humoristische der Geschichte macht sich an der Personifizierung der Pflanze
fest, die auch die Interpretation eines verlassenen Mannes zuließe,
fehlte die Überschrift. Der Duktus des Gedichts entspricht nicht
einer banalen Begebenheit, nämlich dem Abblasen einer Löwenzahn-Pusteblume.
Durch diese Diskrepanz der Bilder in der 1. und 3. Strophe und der schon
häufig gedankenlos ausgeführten Aktion wird der Text ins Komische
gewendet.
IV.
Voraussetzung für die Unterrichtsstunde
1.
Gruppensituation
Die
Klasse 3 setzt sich aus 12 Mädchen und 10 Jungen zusammen. Die Kinder
haben ein gutes Sozialverhalten und lassen sich meist zur Arbeit an neuen
Unterrichtsinhalten motivieren. Die Klassengröße ermöglicht
es, in Gruppen zu arbeiten, ohne dass dabei die Übersichtlichkeit
verloren geht. Einige Kinder weisen allerdings ein sehr starkes "Mitteilungsbedürfnis"
auf, das den Unterricht zuweilen stört.
Es
herrscht ein relatives Leistungsgefälle in der Klasse. ... sind leistungsstarke
Schüler. ... brauchen bisweilen viel mehr Zeit als die anderen, besonders,
wenn es sich um neue Sachverhalte handelt.
...
sind erst seit einigen Wochen in der Klasse. ... hat sich sehr gut in
die Klassengemeinschaft eingegliedert. Anfängliches Heimweh nach
ihrer alten Klasse hat sich gelegt, sie ist eine beliebte und umgängliche
Schülerin.
...
dagegen konnte sich nicht so schnell einleben. Er ist ein Schüler,
der Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Seitdem die Klasse vor den Osterferien
auf Klassenfahrt war, hat sich sein Sozialverhalten verbessert und er
beginnt, sich dem Klassengeschehen einzuordnen.
2.
Sachstruktueller Entwicklungsstand
Die
Kasse 3 hat bereits ein breites Spektrum an Gedichten mit ihrer Klassenlehrerin
erarbeitet und dabei wurden unterschiedliche inhaltliche und strukturelle
Kriterien bewusst gemacht. Es wurden auch die Sozialformen gewechselt.
Die Schüler und Schülerinnen kennen den Gebrauch von einfachen
Instrumenten, sie haben bislang allerdings keine geführte Phantasiereise
unternommen.
V.
Didaktische Vorüberlegungen
1.
Auswahl des Unterrichtsgegenstandes
a)
Bezug zum Rahmenplan
"Freude
an Gedichten aufgreifen,
- Unterschiedliche Zugänge
- Schaffen einer textangemessenen Atmosphäre
- Schüler und Lehrervortrag
- Musikalisch untermalen",
aus : Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in
der Berliner Schule, Grundschule Klasse 1 bis 6 Deutsch, Berlin 1989,
S. 69.
b)
Erläuterung zur Relevanz des Unterrichtsgegenstandes
Musikalisches
(auch ansatzweise) Arrangement von Gedichten erleichtert den Kindern der
Grundschule die einfühlende Interpretation. Gedichte von Guggenmos
sind für diesen Zugang geeignet. Er selbst beschreibt die Kriterien
so: " Ein Lesebuchgedicht ist für den Gebrauch da. Man kann - je
nach seiner Besonderheit - mancherlei mit ihm machen. Man darf es, wenn
dadurch das Gedicht fesselnder, liebenswerter, besitzenswerter wird."
(Grundschule 10/91, S.33)
2. Reduktion
Reimschemaerläuterungen
sowie Stropheneinteilungen sind strukturierende Herangehensweisen, die
eine eher untergeordnete Funktion bei dieser Interpretation (im Sinne
von eigener Darstellung) des Gedichtes haben. "Literarische Begriffe kennen
und anwenden", soll deshalb zwar vorausgesetzt, aber nicht Ziel dieser
Stunde sein, vielmehr soll hier eine, "ästhetische Sensibilisierung
als Lernziel ..." angebahnt werden. (Vgl. H.J. Kliewer, in Duderstadt,
Foryttha (Hrsg): Literarisches Lernen. F/M 1999, AKG/GSV, S. 100-118)
3. Methodische
Grundkonzeption
Häufig
steht die didaktische Instanz des Lehrers (störend) zwischen Medium
(hier Gedicht) und Schüler. Deshalb soll mit Hilfe einer Phantasiereise
jedem Schüler die Gelegenheit gegeben werden eine ganz individuelle
Spannung aufzubauen" um das Gedicht als Erfahrung bewusst zu machen, quasi
einen "... Reibungsprozess zwischen Fremden und eigenen zu entwickeln."
(Vgl. H.J. Kliewer, a.a.O.) Der Zeitrahmen für Spontanäußerungen
muss eingeschränkt werden, um die anschließende Interpretationserarbeitung
einerseits nicht zu sehr zu beeinflussen und ihr auch genügend Zeit
zu lassen. Diese Phase muss einerseits moderiert werden und zeitlich strukturiert
auch wichtige Informationen und Kriterien für die Erarbeitungsphase
erörtern, andererseits den Interpretationsrahmen auch möglichst
offen zu lassen, auch für die Versuche, die anschließend nicht
für alle gleichermaßen kongruent zu sein scheinen. Der Darbietung
der Gruppen soll am Schluss der Stunde genug Zeit zur Verfügung stehen,
zur noch intensiveren Würdigung der Vorträge werden diese auf
Videokassetten übertragen. Es schließt sich damit auch der
Kreis der eigenen Phantasiereise zu Beginn der Stunde zur Umsetzung -
nach Absprache in der Gruppe - am Ende des Unterrichts. In der anschließenden
Analyse der Darbietungen, die aus Zeitmangel sicher in der folgenden Stunde
stattfinden muss, soll bewusst gemacht werden, dass die Handlungen...
"stets von Reflektionen begleitet sind, die zu steuern, ausweiten und
ihnen neue Richtungen zu geben oder andere Akzente zu setzen. (Vgl. Müller-Michaels,
H. in DU, Berlin 49/1996).
IV. Ziele
1.
Intention
Die
Schüler nähern sich dem Ausdrucksgehalt des Textes durch eigene
sprachliche und instrumentale Interpretationen.
2. Stundenziel
Der
Schüler kann das Gedicht "Verblühter Löwenzahn" sinnbetont
vorlesen, es mit einem Musikinstrument seiner Wahl begleiten und den Inhalt
des Gedichtes mit eigenen Worten wiedergeben.
VII. Literatur
Guggenmos,
Josef, Verblühter Löwenzahn. In: Ich will dir was verraten,
Weinheim 1992.
Dosda,
Heinz-Jürgen, Klangspiele zu Gedichten, in: Praxis Grundschule, 7/1994.
Kliewer,
Heinz-Jürgen, Wem die Drossel sang - Didaktische Überlegungen
zum Gedicht. In: Duderstadt (Hrsg.), Literarisches Lernen, F. a M. 1999.
Müller-Michaels,
Harro, Wider die Handlungseuphorie. In: Deutschunterricht, Berlin 1996.
Umweltstunde
49, ALS-Verlag 1999.
Time-Life
Kinder Bibliothek, Pflanzen und Bäume, Amsterdam 1988.
VIII.
Anlagen
Gedicht:
Verblühter Löwenzahn von Joseph Guggenmos
IX. Verlaufsplanung
I.
Phase: Guided Imagination 5'
Die
Lehrerin versucht mit Hilfe geeigneter Musik, die Schüler und Schülerinnen
auf eine gelenkte Phantasiereise mitzunehmen und liest anschließend
das Gedicht von Josef Guggenmos vor. Die Schüler sitzen dabei im
Stuhlhalbkreis, der allen anschließend den Blick zur Tafel ermöglicht.
Medien:
Meditative Klaviermusik von einer CD
Sozialformen: Stuhlkreis, Lehrervortrag
Didaktischer
Kommentar:
Die
Stimmung einer vorangegangenen großen Pause soll auf das Gedicht
gerichtet werden. Durch das entspannte "Leading" und den anschließenden
Lehrervortrag soll das Komische des Gedichts deutlich werden.
2.
Phase: Erarbeitung der Darstellungsmittel 12-15'
Den
Schülern wird der Text als Tafelbild präsentiert und nochmals
gelesen (ggf. von einem Schüler). Davor oder anschließend sind
Spontanäußerungen möglich. Die Instrumente werden ausprobiert
und über Interpretationen gesprochen. Die Gruppen erhalten dann ihre
Aufgabe.
Medien:
Tafelbild, Triangel, Kazoos, Pfeifen, laminierte Texte
Sozialformen: FU
Didaktischer
Kommentar:
Um
für alle den Inhalt zu erläutern wird das Gedicht möglicherweise
nachgespielt. Unklare Begriffe müssen geklärt werden und ein
genauer Arbeitsauftrag soll für alle deutlich sein, um die anschließende
Arbeit in Gruppen effektiv zu machen
3.
Phase: Erarbeitung in Gruppen 12-15'
In
fünf vorgegebenen Gruppen erarbeiten die Schüler eine mögliche
Darbietungsform, die anschließend vorgestellt werden soll. Die Schüler
erhalten Hilfestellungen, sofern sie das benötigen.
Medien:
Instrumente, laminierte Texte, Filzstifte
Sozialformen: GA
Didaktischer
Kommentar:
Um
in jeder Gruppe zwei gute Leser zu haben, wurden die Gruppen von mir zusammengestellt.
Desweiteren habe ich versucht die Verteilung so zu finden, dass alle zu
einem Ergebnis finden können. Einen selbstständigen Gruppenfindungsprozess
an dieser Stelle halte ich für wenig effizient und zu zeitaufwändig.
4. Phase: Präsentation 10-16'
Die
Gruppe präsentiert ihre Gedichtinterpretationen und diese werden
jeweils kurz gewürdigt.
Medien:
Videokamera, Instrumente, Texte
Sozialformen:
FU
Didaktischer
Kommentar:
Um
die gewählten Medien und Darstellungsmittel in den folgenden Stunden
reflektieren zu können, werden die Interpretationen festgehalten.
Deshalb soll die Würdigung der Beiträge weniger analytisch als
vielmehr ästhetisch-positiv ausfallen.
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