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Constanze
Rohmann Mai 1999
1. SPS Hellersdorf (L)
Klasse 4
1.1 Thema der Unterrichtseinheit
Vampire
1.2 Gliederung der Unterrichtseinheit und Stundenthema
1. Std.: Zum Gruseln/
Vampire
2. Std.: Umschreiben einer Gruselgeschichte
3. Std.: Vampirparty / Die vier Fälle
4. Std.: Schreiben von Grusel-Elfchen
5. Std.: Sinnerfassendes Lesen der Messer -Ballade von Thomas Burger
6. Std.: Klangliches Untermalen der Ballade mit Geräuschen
1.3 Parallele Einheit im Lernbereich Kunst
"Geisterstunde - eine Schauernacht" - Wachskratztechnik
1.4 Vorangegangene Einheit im Lernbereich Deutsch
Gedicht von Bert Brecht "Bitten der Kinder" (Inhaltserschließung, Gegenwartsbezug, gestaltendes Vortragen)
2.1 Längerfristige Lernziele/ Intentionen
Die Schülerinnen und Schüler
2.2 Stundenziel
Die Schüler und Schülerinnen erfassen die Messer-Ballade inhaltlich und tragen sie klanggestaltend vor, indem sie gruppenteilig jeweils eine Strophe lesen.
2.3 Feinziel
Die Schüler und Schülerinnen erfassen den Inhalt der Ballade und geben ihn in eigenen Worten wieder,
bei der Auseinandersetzung mit einer Strophe vertiefen sie ihr Gefühl für Metrum und Rhythmus, indem sie das Lesen durch Klanggesten unterstützen,
sie entwickeln eine Vorstellung vom Szenario der Strophe und erproben rhythmisch richtiges Akzentuieren und sinngestaltendes Lesen,
durch aufeinander abgestimmtes Lesen von "Solist" und Chor schulen sie ihre Kooperation in der Gruppe.
3.1 Auswahl des Unterrichtsgegenstandes
Einbettung in die Unterrichtseinheit
Die gegenwärtige Einheit basiert auf dem Kapitel "Vampire" im Sprach- und Lesebuch Bausteine 4 (Diesterweg Verlag). Gegenstand sind verschiedene Gruselgeschichten und eingebettete Übungen zur Sprachbetrachtung und anderen Aspekten des Sprachunterrichtes. Die Messer-Ballade von Thomas Burger ist dem genannten Kapitel des Lesebuches entnommen. Sie erzählt in unheimlicher Stimmung eine bedrohliche Begebenheit mit unerwartetem Ausgang.
Am 3. Juni hat die Klasse einen Termin bei der Landesbildstelle. Dort erhält jedes Kind die Möglichkeit, einen Vortrag (Lied, Gedicht...) auf Tonkassette aufnehmen zu lassen. Aus allen Beiträgen soll eine Klassenkassette entstehen, die (vervielfältigt) jedes Kind erhält. Der sprachlich gestaltete Vortrag der Ballade könnte ein gelungener Beitrag für eine solche Kassette sein. Gleichzeitig ist die Messer-Ballade thematisch in die Unterrichtseinheit eingeordnet (siehe 4).
Szenisches Lesen der Messer-Ballade
Kindergedichte
"bereichern und vertiefen kindliches Erleben, Fühlen und Verstehen, denn
sie regen gleichzeitig die geistigen, seelischen und selbst die körperlichen
Kräfte des Kindes an. " (Rüsing 1986). Sie haben Aufforderungscharakter
"und damit ist weniger die Aufforderung zum Verstehen gemeint als die Aufforderung
zum Handeln" (Forytta/Hanke 1989). Forytta und Hanke stellen drei Thesen auf
Die Gestaltung des kinderlyrischen Textes dient der vollständigen Aneignung
des Textes. Die Gestaltung des Textes ist immer interpretierend und damit subjektiv.
Kinderlyrik kommt durch gestalterische Reproduktion zu dem Ausdruck, den die
Kinder verstehen.
Der besondere Reiz der Messer-Ballade liegt in ihrer dramatischen Handlung mit
einer überraschenden Auflösung. Dies fordert zum sinngestaltenden
Lesen auf (siehe Sachdarstellung). Die spannende Atmosphäre wird anschaulich
geschildert, ebenso die Gefühle des Jungen. Eingefügte Abschnitte
wörtlicher Rede tragen zur Lebendigkeit des Textes bei.
Die Sprache ist klar und für Viertklässler gut verständlich.
Die inhaltliche Erschließung der Ballade kann geleistet werden (der Begriff
"Räuchersaal" ist zu klären).
Versteckte Störwörter
In jeder Strophe ist von mir ein "Störwort" versteckt worden. Die Schülerinnen und Schüler sind aufgefordert, dieses ausfindig zu machen. Der Reiz dieser Aufgabe ist vielfältig. Erstens wird der Spieltrieb der Kinder aufgegriffen, dieses Rätsel zu lösen. Zweitens schärft es den Blick für alle Wörter des Textes. So wird jedes Wort genau auf inhaltliche und stilistische Stimmigkeit überprüft. Die Kinder entwickeln ein Gespür für die metrische Struktur von Gedichten. Dabei helfen rhythmische Bewegungen mit dem Fuß und dem Kopf, die das Lesen begleiten, beim Auffinden des Metrums und des Störwortes (Bergk 1999).
3.2 Rahmenplanbezug
Der Vorläufige Berliner Rahmenplan beschreibt für die vierte Klasse im Bereich Lesen als Lernziel, die Freude an Gedichten zu fördern sowie sinngestaltendes Vorlesen mit verteilten Rollen. Dabei sollen sprachliche und inhaltliche Aspekte erschlossen werden. (S. 91-92).
Die Ballade verbindet
in lyrischer, liedhafter Form epische und dramatische Gestaltungsmittel: Kennzeichnend
sind Verssprache, Reim, strophische Gliederung, vielfach Refrain, in Erzählweise
werden geheimnisvolle, schauderhafte Geschehnisse in düster-tragischer
Grundstimmung - oft mit Dialogen - zu einem dramatisch zugespitzten Höhepunkt
geführt (Grützmacher 1996, Hippe 1980).
Thomas Burgers Messer-Ballade erfüllt die genannten Kriterien. Die Spannung
steigt von Strophe zu Strophe, der Leser rechnet mit dem Tod des Knaben durch
einen Messerstich des Vaters.
Formale Aspekte
Die Ballade besteht aus sieben Strophen. Die ersten vier Zeilen jeder Strophe sind regelmäßige, vierhebige Tröchäen, im Kreuzreim verfasst. Der zweizeilige Refrain ist ein zweihebiger Trochäus im Paarreim. Dadurch, dass sich die Sätze über die Zeilen hinaus erstrecken, entsteht eine rhythmische Spannung, die das starre Metrum aufbricht und ein Skandieren der Verse vermeidet (Grützmacher 1996, Wagner 198 1).
Inhaltliche Aspekt
Gleich in der ersten
Strophe wird eine unheimliche Atmosphäre erzeugt: Der bang zitternde Bube
sitzt in der dämmerfahlen Stube, der Vater spricht keinen Ton - es herrscht
gespannte Stille. Im Refrain wird das baldige Ende angedroht: "Gleich wird Schluss
sein"! Noch ist dem Leser nicht klar, womit Schluss sein wird, aber unheilvoll
klingt es allemal!
In der zweiten Strophe ist von der Tatwaffe die Rede: Ein Messer soll der Sohn
bringen der Vater starrt ihn glasig an. Wieder schließt sich die Verkündung
des baldigen Schlusses an. In den folgenden Strophen wird die Umgebung bedrohlicher:
Es geht die dunklen Treppen hinunter in den finstren Kellergang, wo schwarze
Schatten huschen. Dem Jungen ist unwohl, der Schweiß tritt ihm auf die
Stirn.
Nun spitzt sich die Lage zu! Der Vater verlangt nach dem Messer und der Sohn
soll ihm bei der Tat mit der Kerze leuchten! Und erneut die Drohung - gleich
wird Schluss sein. Durch die ständige Wiederholung steigert sich die Bedrohung
von Strophe zu Strophe.
Im letzten Satz der Ballade kommt es endlich zur erleichternden Wendung. Nicht
auf den Sohn stößt das Messer nieder, sondern auf den Schinken.
5.1 Gruppensituation
Ich kenne die Klasse seit September 1998. Sie umfasst 24 Kinder, 13 Jungen und 11 Mädchen. Im ersten Schulhalbjahr unterrichtete ich zwei Wochenstunden im Lernbereich Deutsch, im jetzigen zweiten Halbjahr gebe ich wöchentlich zwei Kunststunden und ein bis zwei Deutschstunden im vorfachlichen Unterricht. Die Klasse ist sehr interessiert und aufgeschlossen. Viele Schüler und Schülerinnen nehmen aktiv am Unterrichtsgeschehen teil. Die Kinder sind darin geübt, über längere Phasen konzentriert und selbständig zu arbeiten. Das Lernen mit einem Partner oder in Gruppen sind sie gewöhnt und es bereitet ihnen Freude.
5.2 Sachstruktureller Hintergrund
Im sinngestaltenden Vortragen besitzen die Schüler und Schülerinnen etwas Erfahrung. In der vorangegangenen Unterrichtseinheit wurde dies an einem Brecht-Gedicht geübt (siehe 1.4). Die diesbezüglichen Fähigkeiten sind jedoch sehr unterschiedlich. Eine Schwierigkeit dürfte das flüssige, abwechselnde Lesen einzelner Schüler und des Chors darstellen. Ob dies bewältigt wird, bleibt abzuwarten, kann aber durch Übung gelingen.
Inwiefern die Schülerinnen und Schüler bereits ein Gefühl für metrische Strukturen in Gedichten entwickelt haben, kann ich nicht abschätzen. Da die Ballade aber regelmäßige und deutliche Hebungen und Senkungen aufweist, erwarte ich, dass das Versmaß mit Unterstützung durch Bewegungen erkannt wird.
Die Messer-Ballade soll, auf mehrere Schüler und Schülerinnen verteilt, sinngestaltend vorgelesen werden. Die Aussicht, das Ergebnis auf Tonkassette aufzunehmen, wirkt motivierend und sinnstiftend. Um den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck vom Inhalt der Ballade zu vermitteln, trage ich das Gedicht vor, zunächst bis auf die letzte Strophe. Vermutungen zu dessen Ausgang verstärken die Neugier auf den Schluss und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler. Im Gespräch können gleichzeitig eventuelle Verständnisprobleme ausgeräumt werden. Rüsing (1986) betont, "dass der Lehrervortrag dem Schüler die Möglichkeit des individuellen Nachvollziehens bietet. [... 1 Hörerziehung bildet bekanntlich einen wichtigen Baustein der Sprecherziehung", Sie weist auch darauf hin, dass der Lehrervortrag eine Ermutigung für Schüler mit Angst vor Misserfolg oder vor dem Sich-zur-Schau-Stellen bedeutet.
Jedes Kind das vollständige Gedicht erarbeiten zu lassen, übersteigt den zeitlichen Rahmen einer Unterrichtsstunde. Zudem ermöglicht das gruppenweise Vortragen der Strophen allen Schülern die Beteiligung an der Darbietung. Eine Möglichkeit, tatsächlich alle Schüler und Schülerinnen zu Gehör zu bringen und gehemmte Kinder zu beteiligen, ist das Chorlesen des Refrains (Rüsing 1986).
Das Aufspüren der Störwörter fördert, den metrischen Charakter des Gedichtes zu erfassen. Dies wird zunächst an der ersten Strophe gemeinsam erprobt. Beim metrisch betonten Vortragen wird deutlich, dass das Skandieren der Zeilen vermieden werden muss, indem die Sätze inhaltsbezogen betont werden (Rhythmus). Es wird darauf geachtet, das die ersten beiden Zeilen unverändert bleiben, damit ein Gefühl für das Metrum entstehen kann, dann erst taucht das Störwort auf. Auf lyrische Fachtermini wird verzichtet.
Das gemeinsame Lesen der Ballade bietet einen Anreiz, zielgerichtet zu arbeiten und stellt einen schönes, gemeinschaftliches Erlebnis zum Abschluss der Stunde dar.
Bergk, Marion:
Wörter in Gedichten verstecken. In: Die Grundschulzeitschrift 123/199,
S. 20-22.
Forytta, Claus & Hanke, Eva: Lyrik für Kinder. Arbeitskreis Grundschule
e. V. 1989.
Grützmacher, Jutta: Literarischen Grundbegriffe. Klett Verlag Leipzig 1996.
Hippe, Robert: Die Ballade. C. Bange Verlag Hollfeld 1980.
Rüsing, Karin: Die Arbeit mit Gedichten im Unterricht der Grundschule -
aufgezeigt an zwei Beispielen. In: Blätter für die Lehrerfortbildung
9/1986, S. 334-340.
Wagner, Rüdiger: Deutsche Lyrik in Beispielen. Bayerischer Schulbuchverlag
München 1981.
Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner
Schule Grundschule Klasse 1 bis 6 - Deutsch. Senatsverwaltung für Schule,
Jugend und Sport 1998.
Messer, Kerzenleuchter,
"Messer-Ballade" von Thomas Burger,
überdeckte Strophen, abgewandelt mit Störwörtern
I Einstieg (10 Min, 10.00 - 10.10)
geplante Lehreraktivität
zeigt Messer und
Leuchter
liest die Ballade bis auf letzte Strophe
liest das gesamte Gedicht
erwartete Schüleraktivität
stellen Vermutungen
zum Inhalt des Gedichtes an
spekulieren über den Ausgang
äußern sich dazu
Aktions-/Sozialformen
L-Vortrag
U-Gespr.
Medien
Messer,
Leuchter
Text:
Messer-Ballade
II Erarbeitung 15 Min. (10.10 - 10.25)
geplante Lehreraktivität
kündigt an, dass S. eine Strophe sinngestaltend lesen sollen, nachdem sie darin ein Störwort gefunden wurden haben,
zeigt exemplarisch erste Strophe an der Tafel mit Störwort
erwartete Schüleraktivität
lesen mit Klanggesten, markieren Hebungen, finden Störwort, lesen sinngestaltend, markieren Sprechpausen
Aktions-/Sozialformen
U-Gespr.
Medien
Tafeltext
III Transfer
15 Min. (10.25 - 10.40)
geplante Lehreraktivität
Arbeitsauftrag: Jede Gruppe findet das Störwort, ihrer Strophe, übt den Vortrag der Strophe, ein S. trägt sie vor, die anderen sprechen den Chor Zeitvorgabe: 15 min.
erwartete Schüleraktivität
arbeiten an den Strophen
Aktions-/Sozialformen
Gruppenarbeit
Medien
Text mit - dann ohne Störwörter
IV Auswertung 5 Min. (10.40 - 10.45)
geplante Lehreraktivität
gibt individuelle Hilfen spricht die erste Strophe
erwartete Schüleraktivität
sprechen die übrigen Strophen gruppenweise
Aktions-/Sozialformen
Klassenvortrag
Medien
Text
8.2 Ballade mit Störwörtern
Sitzt der Vater
mit dem Sohn
in der dämmerfahlen Stube,
schaut ihn an, spricht keinen einzigen Ton.
Hu! - Es zittert bang der Bube.
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
"Bring ein Messer!",
würgt er tonlos
endlich vor. "Doch - dass es tauge!"
Und dabei starrt er den Sohn groß
an mit glasig trübem Auge, auweia!
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
"Nimm die Kerze
in die Linke!
In der Rechten halt das Messer!
Heb es höher, dass es blinke!
So seh ich's im Keller wesentlich besser!
Gleich wird Schluss sein,
doch - es muss sein!
Und sie schleichen
aus der Stube.
Vorneweg mit Dolch und Leuchter
wankt der zitterndbange Bube daher;
von der Stirn perlt's feucht und feuchter.
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
Dunkle Treppen
geht's hinunter,
dann durch einen finstren Gang.
Schwarze, leuchtende Schatten huschen munter
an der Kellerwand entlang.
Gleich wird Schluss sein; doch - es muss sein!
In der letzten
Kammer spricht
kalt der Vater: "Leuchte besser,
denn im Dunkeln seh ich nicht!
So ist's gut - Jetzt reich das Messer rüber!"
Gleich wird Schluss sein,
doch - es muss sein!
Und der Vater zückt
den Stahl,
dass die blanken Schneiden lustig blinken,
und - stößt zu!
---------- Im Räuchersaal
schnitt er ab den letzten Schinken.
Sitzt der Vater
mit dem Sohn
in der dämmerfahlen Stube,
chaut ihn an, spricht keinen Ton.
Hu! - Es zittert bang der Bube.
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
" Bring ein Messer!",
würgt er tonlos
endlich vor. "Doch - dass es tauge!"
Und dabei starrt er den Sohn groß
an mit glasig trübem Auge!
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
"Nimm die Kerze
in die Linke!
In der Rechten halt das Messer!
Heb es höher, dass es blinke!
So seh ich's im Keller besser!
Gleich wird Schluss sein,
doch - es muss sein!
Und sie schleichen
aus der Stube.
Vorneweg mit Dolch und Leuchter
wankt der zitterndbange Bube;
von der Stirn perlt's feucht und feuchter.
Gleich wird Schluss sein;
doch - es muss sein!
Dunkle Treppen
geht's hinunter,
dann durch einen finstren Gang.
Schwarze Schatten huschen munter
an der Kellerwand entlang.
Gleich wird Schluss sein; doch - es muss sein!
In der letzten
Kammer spricht
kalt der Vater: "Leuchte besser,
denn im Dunkeln seh ich nicht!
So ist's gut - Jetzt reich das Messer!"
Gleich wird Schluss sein,
doch - es muss sein!
Und der Vater zückt
den Stahl,
dass die blanken Schneiden blinken,
und - stößt zu!
---------- Im Räuchersaal
schnitt er ab den letzten Schinken.
Thomas Burger
©opyright Constanze Rohmann, Berlin, Januar 2000
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06.04.2003
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